Neue Impulse und fachlicher Austausch

Jahrestreffen des „Roofer's Club“ im März 2026 in Frankfurt am Main

Vom 13. bis 14. März 2026 trafen sich im Raddison Blu Hotel in Frankfurt am Main die Mitglieder des Unternehmernetzwerkes „Roofer’s Club“ zum Jahrestreffen. Neben Impulsvorträgen gab es viel Zeit zum Austauschen und Vernetzen.

Der „Roofer's Club“ ist ein bundesweites Netzwerk aus Inhaberinnen und Inhabern von Dachdecker-, Zimmerer- und Spengler-Betrieben, das den Austausch der Unternehmen untereinander fördern und neue Impulse für die Digitalisierung, Fachkräftegewinnung und Unternehmensführung im Handwerk setzen soll. Regelmäßig kommen die Mitglieder des „Roofer's Club“ zu Netzwerktreffen zusammen und einmal im Jahr zu einem Jahrestreffen mit Impulsvorträgen und Möglichkeiten zum Austausch – dieses Jahr im März in Frankfurt am Main.

Carsten Knop, Herausgeber der FAZ, stellte sich der Diskussion über die Herausforderungen im Qualitätsjournalismus
Foto: Dennis Rabeneick

Carsten Knop, Herausgeber der FAZ, stellte sich der Diskussion über die Herausforderungen im Qualitätsjournalismus
Foto: Dennis Rabeneick
Den Auftakt des Jahrestreffens machte Carsten Knop, einer der vier Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), mit einem Vortrag über die Herausforderungen im Journalismus. Knop verglich das „Journalisten-Handwerk“ mit dem Dachdeckerhandwerk und stellte Parallelen zwischen den beiden Berufen her. Qualitätsjournalismus sei das „Dach der Demokratie“, wenn dieses löchrig werde, regnete es herein, so Knop. Nach einer Diskussion über die Zukunft des Journalismus tauschten sich die Unternehmerinnen und Unternehmer bei einem gemeinsamen Abendessen im Restaurant des Radisson Blu Hotels über Branchenthemen aus.

„Nicht nur ausführen, sondern mitgestalten!“

Architekt Kay Künzel legt Wert auf Bauen mit natürlichen Materialien
Foto: Dennis Rabeneick

Architekt Kay Künzel legt Wert auf Bauen mit natürlichen Materialien
Foto: Dennis Rabeneick
Der zweite Tag der Veranstaltung startete mit einem Streifzug durch das Thema „Ganzheitliches Bauen“ mit dem Architekten Kay Künzel. Dieser rief die Teilnehmenden dazu auf, mehr in die Diskussion mit den Planern zu gehen und sich als Fachleute auf Augenhöhe zu positionieren, nach dem Motto: nicht nur ausführen, sondern mitgestalten. Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen um mögliche Gesundheitsrisiken synthetischer Dämmstoffe betonte er die Vorteile natürlicher Dämmstoffalternativen, die nicht nur ökologisch seien, sondern auch Vorteile für die Raumluftqualität bieten würden.

Hohe Behaglichkeit bei minimalem Energieeinsatz

An einem Mehrfamilienhaus in Mayschoß an der Ahr zeigt die Holzfassade besonders eindrucksvoll den Hochwasserstand aus dem Jahr 2021, als Flutwelle bis ins zweite Geschoss sichtbar visualisiert
Foto: Kay Künzel/raum für architektur

An einem Mehrfamilienhaus in Mayschoß an der Ahr zeigt die Holzfassade besonders eindrucksvoll den Hochwasserstand aus dem Jahr 2021, als Flutwelle bis ins zweite Geschoss sichtbar visualisiert
Foto: Kay Künzel/raum für architektur
Mit Praxisbeispielen wie Passivhaussiedlungen oder einem Kindergarten ohne klassische Heizung zeigte Kay Künzel, wie durch hochwertige Dämmung (mit einem U-Wert von 0,10 W/m²K) und luftdichtes Bauen Behaglichkeit bei minimalem Energieeinsatz erreicht werden können. Dabei verwies er auf die Bedeutung der Behaglichkeitsnorm ISO 7730 und einer Innenraumfeuchte von 40–60 Prozent als Schlüssel für ein gesundes Raumklima. Darüber hinaus gab er ein Update zu verschiedenen Projekten, die er beim Jahrestreffen im letzten Jahr in Berlin (hier klicken zum Nachlesen) präsentiert hatte, so zum Beispiel zu einem Bauprojekt in Mayschoß im Ahrtal. Durch das Hochwasser der Ahr wurde dort 2021 ein Mehrfamilienhaus zerstört, welches durch ein Team von Studierenden und Auszubildenden unter der Leitung des Architekturbüros von Kay Künzel wiederaufgebaut wurde. Großer Wert wurde dabei auf die hochwärmegedämmte Fassade mit natürlichen Baustoffen, sowie das Energiekonzept ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe gelegt. Besonders eindrucksvoll ist die Holzfassade des Gebäudes, die den Hochwasserstand als Flutwelle bis ins zweite Geschoss sichtbar visualisiert.

Luftqualität verbessern und Biodiversität steigern mit Gründächern

Rebecca Landwehr vom BuGG hob auf dem Jahrestreffen des „Roofer's Club“ die Vorteile einer Dachbegrünung hervor
Foto: Dennis Rabeneick

Rebecca Landwehr vom BuGG hob auf dem Jahrestreffen des „Roofer's Club“ die Vorteile einer Dachbegrünung hervor
Foto: Dennis Rabeneick
Im Anschluss richtete Rebecca Landwehr, Teamleiterin des Bereichs „Städte und Politik“ beim Bundesverband Gebäudegrün (BuGG), einen flammenden Appell an die Zuhörerinnen und Zuhörer, sich für die Begrünung von Dachflächen einzusetzen. Flächenversiegelung und Klimawandel würden Anpassungsmaßnahmen erfordern, die Begrünung von Dachflächen könne ein Ansatz sein, um für höhere Luftqualität in Innenstädten zu sorgen und eine höhere Biodiversität zu erreichen. Darüber hinaus böten Gründächer die Chance bei Starkregen, der in Zukunft immer häufiger auftreten würde, das Regenwasser aufzunehmen und zu speichern.

Kombination aus Dachbegrünung und PV-Modulen

Landwehr wies zudem auf die Solargründachpflicht hin, die ab 2027 in Hamburg gelte. Bei einem Solargründach sei die Kombination von Dachbegrünung mit Photovoltaikmodulen vorteilhaft, da die kühlende Funktion des Gründaches im Sommer die Leistung der PV-Anlage steigern würde. Neben der Solar- oder Solargründachpflicht in einigen Kommunen, setzten bereits jetzt 80 Prozent der Städte eine Dachbegrünung in den Bebauungsplänen fest. Parallel würden die Förderungen steigen: Waren es 2021 noch 41 Prozent der Städte, die eine Dachbegrünung förderten, lag der Anteil 2025 bei 55 Prozent.

Aufruf zur Teilnahme an der „Dachkrone“

Ein weiterer Programmpunkt des Jahrestreffens widmete sich Themen wie der „Dachkrone“ oder dem Projekt „Azubi-Tausch“ des „Roofer's Club“. Der Deutsche Dachpreis „Dachkrone“ wird jährlich in fünf Hauptkategorien und einer Sonderkategorie in Bielefeld verliehen und zeichnet die besten und innovativsten Dachdecker- Zimmerer und Spenglerbetriebe aus. Erdal Top, Projektleiter des „Roofer’s Club“ und Gesicht der „Dachkrone“ in den sozialen Medien, sprach von einer Chance, mit der Teilnahme an der „Dachkrone“ das Handwerk und Betriebe sichtbar zu machen, Aufmerksamkeit zu gewinnen und das eigene Unternehmen als starke Marke zu präsentieren. Auch Paul Hobeck und Milena Stotz, die mit ihren Betrieben im letzten Jahr bei der „Dachkrone“ ausgezeichnet wurden, berichteten von einem Imagegewinn für ihre Betriebe, mehr Aufträgen in der Region und einem Motivationsschub für das gesamte Team. Die diesjährige „Dachkrone“ wird am 29. Mai in Bielefeld verliehen, Bewerbungsschluss ist der 10. April 2026. Alle Infos zu den Kategorien und Teilnahmebedingungen unter dachkrone.de/teilnahme-2026

Positive Resonanz zum Projekt „Azubi-Tausch“

Alexander Jablinski (links) und Bastian Meyendriesch (rechts) berichteten von ihren Erfahrungen mit dem „Azubi-Tausch“
Foto: Dennis Rabeneick

Alexander Jablinski (links) und Bastian Meyendriesch (rechts) berichteten von ihren Erfahrungen mit dem „Azubi-Tausch“
Foto: Dennis Rabeneick
Anschließend teilten mehrere Unternehmer ihre Erfahrungen mit dem „Azubi-Tausch“, den der „Roofer’s Club“ im Oktober 2025 unter seinen Mitgliedsbetrieben ins Leben gerufen hatte. Im Rahmen des Projekts wechselten die Auszubildende der teilnehmenden Clubmitglieder für eine Woche in einen anderen Betrieb, um neue Perspektiven zu gewinnen und über den Tellerrand zu blicken. Die Resonanz unter den Teilnehmenden war durchweg positiv: So berichteten etwa Alexander Jablinski und Christoph von Geyso, die ihre Auszubildenden untereinander tauschten dass sie den Austausch künftig jährlich wiederholen möchten. Alexander Jablinski (lesen Sie hier unser Unternehmensporträt über seinen Holzbaubetrieb) ergänzte rückblickend: „Ich hätte mir gewünscht, dass es so ein Programm schon zu meiner Ausbildungszeit gegeben hätte.“ Auch Eugen Penner vom ZEP Team zeigte sich begeistert vom „Azubi-Tausch“. Er hatte bereits 2024 mit zwei anderen Dachdecker- und Zimmereibetrieben aus Köln und Mainz einen Azubi-Tausch durchgeführt und plant, das Konzept künftig auf den Austausch von Gesellen auszuweiten. Mehr zum „Roofer’s Club Azubitausch“ lesen Sie hier.

Neben dem Netzwerken der Unternehmer untereinander dient der „Roofer's Club" auch dem Austausch zwischen den Betrieben und der Industrie. Die „Dachkrone“-Premiumpartner und strategischen Partner des „Roofer's Clubs“ stellten in Frankfurt ihre Benefits für die Mitgliedsbetriebe des Clubs vor, darunter eine Arbeitssicherheitsschulung für Auszubildende. Die Azubis werden dabei 1 ½ Tage bei ABS Safety in Kevelaer im Umgang mit Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) geschult.

Handwerkssoftware als zusätzliche Arbeitskraft

Alexander Noll, CPO und Mitgründer von Plancraft, im Paneltalk mit Urs Nies, Managing Director des „Roofer's Club“
Foto: Dennis Rabeneick

Alexander Noll, CPO und Mitgründer von Plancraft, im Paneltalk mit Urs Nies, Managing Director des „Roofer's Club“
Foto: Dennis Rabeneick
Bei einem anschließenden Paneltalk tauschten sich Alexander Noll, Mitgründer und CPO (Chief Product Officer) vom Software-Unternehmen Plancraft und Urs Nies, Managing Director des „Roofer’s Club“, zum Thema Software, Digitalisierung und KI aus. Noll sollte eigentlich die Zimmerei seines Vaters übernehmen, stattdessen entschied er sich, gemeinsam mit Julian Wiedenhaus und Richard Keil, eine Software zu entwickeln, die speziell auf die Herausforderungen der Handwerksbetriebe zugeschnitten ist. Früher diente Software vor allem der Digitalisierung von Prozessen, erklärte Alexander Noll. Künftig werde sie jedoch wie eine zusätzliche Arbeitskraft fungieren. In der anschließenden Fragerunde zeigte sich, dass bereits viele der Mitgliedsbetriebe zu Plancraft gewechselt und sehr zufrieden mit der Software sind. Plancraft habe mittlerweile 50 Mitarbeitende in der Produktentwicklung, sodass die Software kontinuierlich weiterentwickelt werde, teilte Alexander Noll mit.

Regelmäßig kommen die Mitglieder des „Roofer's Club“ zu Netzwerktreffen zusammen und einmal im Jahr zu einem Jahrestreffen mit Impulsvorträgen und Möglichkeiten zum Austausch – dieses Jahr im März in Frankfurt
Foto: Kevin Patkin

Regelmäßig kommen die Mitglieder des „Roofer's Club“ zu Netzwerktreffen zusammen und einmal im Jahr zu einem Jahrestreffen mit Impulsvorträgen und Möglichkeiten zum Austausch – dieses Jahr im März in Frankfurt
Foto: Kevin Patkin
Den Abschluss des zweiten Tages bildete ein Gin Tasting, bei dem sich die Teilnehmenden in Kleingruppen über Erfolge, Misserfolge, aktuelle Herausforderungen und die Zukunft des Handwerks austauschten. Mit einem Ausklang in der „Blasky Rooftop Bar“ endete das diesjährige Jahrestreffen mit Blick auf die Frankfurter Skyline – und vielen neuen Impulsen für die Zukunft.

Autor:

Dennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen der Magazine dach+holzbau und bauhandwerk.

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