Zwischen Marktberuhigung und Kostendruck

Warum die Folgen von Preiserhöhungen das Dachdeckerhandwerk bis heute beschäftigen

Noch vor wenigen Wochen waren stark steigende Baustoffpreise für viele Handwerksbetriebe ein Thema. Die Marktverwerfungen der vergangenen Wochen haben sich mittlerweile jedoch spürbar beruhigt. Extreme Preissprünge gehören aktuell nicht mehr zum Tagesgeschäft. Doch gerade im Dachdeckerhandwerk wirken die Folgen der Preiserhöhungen bis heute nach.

Viele Betriebe haben ihre Kalkulationsmodelle angepasst, Einkaufsstrategien verändert und interne Prozesse neu organisiert. Im Gespräch mit Eugen Penner, Geschäftsführer des ZEP-Teams aus Bielefeld, wird deutlich: Die eigentliche Herausforderung für Dachhandwerksbetriebe waren nicht ausschließlich die steigenden Preise im Frühjahr 2026. Vielmehr war es die fehlende Planbarkeit, die Betriebe, Kunden und Auftraggeber gleichermaßen unter Druck gesetzt hat. Die starken Preisschwankungen der vergangenen Wochen hatten die Planung und Kalkulation von Bauprojekten erschwert, das berichtete auch Stefan Bern, Geschäftsführer eines Dachdeckerunternehmens aus Mönchengladbach (siehe hier).

Materialien, die über Jahre hinweg relativ stabil kalkulierbar waren, unterlagen plötzlich massiven Schwankungen. Besonders betroffen davon waren Produkte aus dem Flachdachbereich, darunter Bitumenschweißbahnen, Dachabdichtungsprodukte sowie EPS- und PU-Dämmstoffe.

Eugen Penner ist Geschäftsführer des Dachdecker- und Zimmereibetriebs ZEP-Team aus Bielefeld, der ebenfalls von Preiserhöhungen bei Dachbaustoffen betroffen war
Foto: Erdal Top

Eugen Penner ist Geschäftsführer des Dachdecker- und Zimmereibetriebs ZEP-Team aus Bielefeld, der ebenfalls von Preiserhöhungen bei Dachbaustoffen betroffen war
Foto: Erdal Top
Eine der bemerkenswertesten Entwicklungen der vergangenen Wochen war die neue Sichtbarkeit des Handwerks. Zahlreiche Dachdeckerbetriebe, Bauunternehmen und Handwerksorganisationen begannen, ihre Situation öffentlich darzustellen. Über soziale Netzwerke, Fachmedien und Verbände wurden Probleme sichtbar gemacht, die zuvor kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhielten (siehe dazu auch unser Artikel zu Preiserhöhungen im Dachdeckerhandwerk). Viele Betriebe wandten sich zudem direkt an politische Entscheidungsträger. Ziel war es, die wirtschaftlichen Folgen der Preisentwicklungen sichtbar zu machen.

Verfügbarkeit von Baustoffen hat sich verbessert

Aktuell (Anfang Juli 2026) ist die Situation deutlich entspannter als während der Hochphase der Preisdebatte. Lieferketten haben sich stabilisiert, extreme Preissteigerungen treten deutlich seltener auf und die Verfügbarkeit zahlreicher Baustoffe hat sich verbessert. Dennoch bleibt der Flachdachbereich sensibel für neue Marktbewegungen, die unter anderem durch steigende Energiepreise und geopolitische Entwicklungen verursacht werden können. Auch wenn die großen Preisschocks inzwischen weitgehend hinter uns liegen, hat die Debatte die Branche nachhaltig verändert. Dachdeckerbetriebe kalkulieren heute vorsichtiger, kommunizieren früher mit ihren Kunden und achten stärker auf Prozesse, Einkauf und Planungssicherheit.

Autor

Erdal Top ist Content Creator bei der Bauverlag BV GmbH in Gütersloh.


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