„Preissteigerungen führen zu fehlender Planbarkeit”

Dachdeckermeister Stefan Bern berichtet über Preiserhöhungen, lange Lieferzeiten und Verunsicherung bei Bauherren

In den vergangenen 25 Jahren hat Stefan Bern in Mönchengladbach einen der bekanntesten Dachdeckermeisterbetriebe der Region aufgebaut. Heute beschäftigt der Dachdeckermeister mehr als 50 Mitarbeitende, führt Großprojekte im Wohnungsbau durch und legt Wert auf digitalisierte Prozesse und eine starke Präsenz in der Branche. Aktuell machen ihm jedoch starke Preiserhöhungen bei Dachbaustoffen zu schaffen.

Stefan Bern ist Gründer und Geschäftsführer des Dachdeckermeisterbetriebs Stefan Bern mit Sitz in Mönchengladbach
Foto: Erdal Top

Stefan Bern ist Gründer und Geschäftsführer des Dachdeckermeisterbetriebs Stefan Bern mit Sitz in Mönchengladbach
Foto: Erdal Top
Stefan Bern, Geschäftsführer eines Dachdeckermeisterbetriebs aus Mönchengladbach, gilt als modern, laut und präsent – einer, der das Handwerk nicht versteckt, sondern offensiv nach außen trägt. Sein Slogan „Was guckst du? Hast du Dachschaden oder was?“ ist längst ein Markenzeichen geworden. Doch hinter der provokanten Außendarstellung steckt aktuell vor allem eines: echte Sorge. Denn das, worüber derzeit auf deutschen Baustellen gesprochen wird, ist weit mehr als eine normale Marktbewegung – es ist ein Kontrollverlust. Wir haben den Dachdeckermeister im April 2026 in Mönchengladbach besucht und mit ihm über die Folgen aktueller Preiserhöhungen im Dachdeckerhandwerk gesprochen.

„14 Tage Preisgarantie – länger geht nicht mehr!“

Die Aussagen von Stefan Bern lassen aufhorchen. Während Politik und Öffentlichkeit täglich über Energiepreise diskutieren, eskaliert im Hintergrund nahezu unbemerkt ein anderer Markt, nämlich der für Dachbaustoffe. Besonders betroffen von Preiserhöhungen seien sämtliche bituminösen Produkte, erklärt Stefan Bern, also Materialien auf Rohölbasis, die im Flachdachbereich unverzichtbar seien. Innerhalb weniger Wochen hätten sich viele Produkte um 30 bis 50 Prozent verteuert. „Maximal 14 Tage können wir Preise aktuell garantieren“, sagt Bern. Danach sei jede Kalkulation praktisch wertlos. Preisgleitklauseln seien mittlerweile Standard geworden – nicht aus Vorsicht, sondern aus wirtschaftlichem Selbstschutz.

Steigende Preise allein sind nicht das größte Problem – es ist die fehlende Planbarkeit. Bauherren wissen nicht mehr, ob Materialien lieferbar sind. Handwerksbetriebe wissen nicht mehr, ob ihre Kalkulation morgen noch stimmt. Projekte werden verschoben, Entscheidungen hinausgezögert und Investitionen eingefroren. „Die Kunden sind total verunsichert“, beschreibt Bern die aktuelle Lage.

Fehlende Transparenz bei Preiserhöhungen

Besonders deutlich wird der Dachdeckermeister beim Thema Industrie und den Herstellern von Dachbaustoffen. Während der Fachhandel laut seiner Aussage transparent kommuniziere, fehle ihm bei vielen Herstellern jegliche Offenheit. Die Industrie teile beispielsweise mit, dass in den kommenden 14 Tagen das Material um 15 Prozent teurer werde, aber keiner erkläre ihm die Kalkulation dahinter, so Stefan Bern. Genau diese fehlende Transparenz sorgt in vielen Handwerksbetrieben zunehmend für Frustration.

Materialkäufe auf Vorrat und Lieferengpässe

Besonders betroffen von Preiserhöhungen seien aktuell Materialien auf Rohölbasis, die im Flachdachbereich unverzichtbar seien, erklärt Stefan Bern
Foto: Felix Küster

Besonders betroffen von Preiserhöhungen seien aktuell Materialien auf Rohölbasis, die im Flachdachbereich unverzichtbar seien, erklärt Stefan Bern
Foto: Felix Küster
Dass die Situation mittlerweile emotional geworden ist, zeigt ein weiteres Thema: Materialkäufe auf Vorrat. Laut Bern hätten sowohl Händler als auch Betriebe begonnen, große Mengen an Material vorzukaufen. Die Folge: Lieferketten geraten zusätzlich unter Druck, Lager werden leergezogen und Lieferzeiten verlängern sich massiv. Teilweise müssten Betriebe heute vier bis sechs Wochen auf Materialien warten, die früher innerhalb weniger Tage verfügbar waren.

Besonders brisant wird es, wenn Stefan Bern über die Zukunft spricht: Steigende Baustoffpreise treffen nicht nur einzelne Gewerke, sie gefährden den gesamten Wohnungsbau. Die politischen Ziele von 400 000 neuen Wohnungen jährlich wirken aus Sicht vieler Praktiker inzwischen wie reine Theorie. Projekte werden zurückgestellt, Investitionen gestoppt und Kalkulationen scheitern.

„Das Handwerk muss endlich seine Stimme erheben!“

Stefan Bern fordert mehr Zusammenhalt innerhalb des Handwerks – aber auch mehr Dialog mit der Industrie und der Politik. Denn es geht längst nicht mehr nur um Schweißbahnen, Dämmstoffe oder Preislisten. Es geht um die Frage, wie lange ein Markt noch funktionieren kann, wenn niemand mehr verlässlich planen kann. Oder provokanter formuliert: Wie soll Deutschland bezahlbar bauen, wenn selbst Dachdecker ihre Preise nur noch 14 Tage garantieren können?

Mehr über das Thema Preiserhöhungen im Dachdeckerhandwerk lesen Sie hier.

Ein Unternehmensporträt über den Dachdeckermeisterbetrieb Stefan Bern finden Sie hier.

Autor

Erdal Top ist Content Creator bei der Bauverlag BV GmbH in Gütersloh.  


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