Starke Preiserhöhungen belasten Dachdeckerbetriebe
Viele Dachdeckerbetriebe verzeichnen aktuell Preissteigerungen bei Dämmstoffen, Dachabdichtungsbahnen und anderen Bauprodukten. Eine Tendenz zu sinkenden Preisen ist derzeit nicht zu erkennen. Wir haben mit Dachdeckerbetrieben über die aktuelle Marktlage gesprochen.
Zahlreiche Dachdeckerbetriebe haben momentan mit massiven Preissteigerungen bei Dämmstoffen, Dachabdichtungsbahnen und anderen Bauprodukten zu kämpfen. Eine aktuelle Umfrage des Zentralverbands des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) unter rund 7000 Dachdecker-Innungsbetrieben verdeutlicht die Situation: Bei den Materialkosten kämpfen so gut wie alle Betriebe (98 Prozent) laut Umfrage mit stark gestiegenen Einkaufspreisen – teilweise betragen die Preisaufschläge 30 Prozent, in Einzelfällen sogar bis zu 50 Prozent, vor allem bei Dämmstoffen und Abdichtungsbahnen. Zudem komme es zu Lieferengpässen.
Preissteigerungen bei Dämmstoffen und Dachbahnen
Sandra und Julian Jessat leiten gemeinsam die Dachdeckerei Jessat – Ihre Dachdecker GmbH & Co. KG in Lügde (NRW)
Foto: Stephan Thomas
Von starken Preiserhöhungen ist derzeit auch der Dachdeckerbetrieb Jessat – Ihre Dachdecker GmbH & Co. KG aus Lügde (NRW) betroffen, der von Sandra Jessat und ihrem Sohn Julian Jessat geführt wird. Der Betrieb berichtet aktuell von Preiserhöhungen von bis zu 50 Prozent bei gleichzeitig stark verkürzten oder fehlenden Preisbindungen. Die größten Preissprünge verzeichneten sie aktuell bei Dämmstoffen wie EPS, PIR und Mineralwolle sowie bei Bitumen-, FPO- und PVC-Dachabdichtungsbahnen, erklärt Sandra Jessat und ergänzt: „Hinzu kommen steigende Logistik- und Nebenleistungen sowie Lieferengpässe, insbesondere bei PIR-Dämmstoffen.“
„Viele Projekte nicht mehr kostendeckend umsetzbar!“
Die Firma Jessat – Ihre Dachdecker GmbH & Co. KG aus Lügde verzeichnet aktuell besonders starke Preiserhöhungen bei Dämmstoffen, aber auch bei Bitumen-, PVC- und FPO-Dachabdichtungsbahnen
Foto: Stephan Thomas
Besonders problematisch seien laufende öffentliche Aufträge, die vor den aktuellen Marktverwerfungen kalkuliert wurden, erklärt die Geschäftsführerin des Dachdeckerbetriebs. Ohne Preisgleitklauseln in den Verträgen müssten Betriebe die gestiegenen Materialkosten vollständig selbst tragen. „Viele Projekte sind bereits heute nicht mehr kostendeckend umsetzbar“, so Sandra Jessat. Aus Sicht des Dachdeckerunternehmens handele es sich nicht mehr um eine normale Marktsituation, sondern um eine erhebliche „Risikoverlagerung auf das Handwerk“. Ohne Gegenmaßnahmen durch die Politik und die Hersteller von Dachbauprodukten drohten langfristig wirtschaftliche Schwierigkeiten für viele Dachdecker- und Zimmereibetriebe, erklären Sandra und Julian Jessat.
Preissteigerungen bei Materialien auf Rohölbasis
„In Summe sprechen wir von Preissteigerungen von etwa 40 bis 50 Prozent bei Dachbauprodukten auf Rohölbasis in sehr kurzer Zeit“, sagt Stefan Bern, Geschäftsführer eines Dachdeckerunternehmens aus Mönchengladbach
Foto: Felix Küster
Stefan Bern, Geschäftsführer eines Dachdeckerunternehmens aus Mönchengladbach, das in mehreren Bundesländern tätig ist, berichtet ebenfalls von starken Preissteigerungen in den vergangenen Wochen. „Die größten Preissteigerungen haben wir aktuell bei Materialien, die auf Rohölbasis hergestellt werden, insbesondere Dämmstoffe und Dachabdichtungsbahnen“ sagt Stefan Bern. „Allerdings muss man ganz klar sagen, dass mittlerweile fast alle Hersteller auf den Zug aufspringen und ebenfalls ihre Preise erhöhen.“
In den vergangenen Wochen seien die Preise für Dämmstoffe, Dachabdichtungsbahnen und andere Bauprodukte bereits um etwa 25 bis 30 Prozent gestiegen. Zusätzlich sei für Anfang Mai 2026 eine weitere Preiserhöhung angekündigt. Vor allem bei Großprojekten wirkten sich die Preissteigerungen derzeit stark aus.
Die Preissituation sei vor allem bei laufenden Projekten sehr schwierig, so Stefan Bern. „Die meisten Baustellen sind zu festen Preisen kalkuliert worden, sodass die Mehrkosten vollständig bei uns als ausführendem Unternehmen hängen bleiben“, erklärt Stefan Bern. Bei zukünftigen Projekten sei es aktuell nahezu unmöglich, vernünftig zu kalkulieren oder verbindliche Preise anzubieten.
Derzeit berichten viele Dachdeckerbetriebe von Preissteigerungen bei Dämmstoffen und Dachbahnen. Das führt vor allem bei laufenden Projekten, die zu festen Preisen kalkuliert wurden, zu Problemen
Foto: Stephan Thomas
Auch bei der Materialverfügbarkeit gebe es aktuell Probleme, erklärt der Geschäftsführer des Dachdeckerunternehmens Stefan Bern: „Besonders bei Bitumenbahnen und anderen rohölbasierten Produkten wird uns eine Knappheit gemeldet. Es kommt zu Lieferengpässen und teilweise auch zu verzögerten oder ausbleibenden Lieferungen“, beschreibt Bern. Ausweichmöglichkeiten auf andere Hersteller oder Produkte gebe es kaum, da die gesamte Branche nahezu identische Preiserhöhungen umsetze.
Produktion von Baumaterialien verteuert sich
Laut dem Hauptverband der deutschen Bauindustrie haben sich die Preiserhöhungen rein statistisch noch nicht auf die Baugenehmigungszahlen ausgewirkt. So meldete das statistische Bundesamt für Februar 2026 im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Genehmigungsplus bei Wohn- und Nichtwohngebäuden (Neu- und Umbau) von 24,1 Prozent bzw. 22 200 Wohnungen.
Allerdings erklärt Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie: „Zum Jahresstart waren wir für den Wohnungsbau optimistisch gestimmt. Wir hoffen, dass sich der Aufwärtstrend fortsetzt, allerdings wirkt sich der Irankrieg bereits jetzt schon teilweise negativ aus – und zwar nicht nur preissteigernd auf Benzin, Diesel und Bitumen, sondern er führt auch dazu, dass sich die Produktion besonders energieintensiver Baumaterialien verteuert.“ Auch wenn die Baugenehmigungen im Februar steigen würden, sei dies kein Automatismus dafür, dass mehr gebaut werde, so Müller. Hohe Kosten, Auflagen und Bürokratie würden dem Baubeginn häufig entgegenstehen. Der Bauindustrieverband fordert daher die Bundesregierung auf, einen „Bau-Turbo II“ aufzulegen, der sich unter anderem auf eine Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten am Bau konzentrieren solle.
Neue Kampagne gegen Preissteigerungen
Vor dem Hintergrund der aktuellen Preissteigerungen im Dachdeckerhandwerk hat das Unternehmernetzwerk „Roofer's Club“ eine Kampagne gestartet, um Politik, Fachhandel und Industrie auf die aktuelle Situation aufmerksam zu machen. Mehr über die „Initiative bezahlbares Bauen“ und die Forderungen der Mitgliedsbetriebe des „Roofer's Club“ lesen Sie hier.
