Editorial zur dach+holzbau 6.2026
Traditionelles Handwerk, moderne Baustoffe und digitale Tools sind keine Gegensätze, sondern ergänzen sich gut!Liebe Leserinnen, liebe Leser,
ob Sanierung im Bestand oder Neubau, traditionelles Handwerk oder moderne Baustoffe, Stift und Papier oder digitale Tools: Wie sich solche scheinbaren Gegensätze im Handwerk miteinander vereinen lassen, zeigen wir Ihnen in dieser Ausgabe anhand mehrerer Beispiele.
Stephan Thomas ist Chefredakteur des Magazins dach+holzbau
Foto: Johanna Ruhl
Zunächst stellen wir Ihnen den Umbau des Heimatmuseums Bezau im österreichischen Vorarlberg vor: Das Museum ist in einem typischen Bregenzerwälder Bauernhaus untergebracht, wurde vor Kurzem saniert und mit einem modernen Anbau in Holzbauweise erweitert. Im Gebäudeinneren ist der Unterschied zwischen Alt- und Neubau nach der Erweiterung gut zu sehen – von außen wirkt das Heimatmuseum nach dem Umbau mit einem durchgehend neu gedeckten Dach hingegen „wie aus einem Guss“. Seit der Neueröffnung 2024 verzeichnet das Museum starken Zulauf und wird außerdem für Versammlungen, Vorträge und andere Veranstaltungen von der Dorfgemeinschaft genutzt. Mehr über die gelungene Erweiterung und den Umbau des Heimatmuseums Bezau lesen Sie hier.
Wie sich traditionelles Handwerk und moderne, natürliche Baustoffe ergänzen lassen, zeigt die Holzbau Harting GmbH aus dem Oldenburger Münsterland: Neben klassischen Zimmererarbeiten und dem Holzrahmenbau sowie dem Neubau von Carports und Terrassendächern errichtet und saniert der Betrieb regelmäßig Fachwerkhäuser. Bei Neubauprojekten setzt die Zimmerei häufig Lehmbauplatten und maschinell eingeblasene Holzfaserdämmung ein. Warum die Verwendung natürlicher Baustoffe bei Oliver Hartings Kunden gut ankommt und welche digitalen Tools sein Betrieb für die Kalkulation und Zeiterfassung nutzt, lesen Sie im Unternehmensporträt.
Software, Apps und KI-Tools können die Arbeit im Dachdecker- und Zimmererhandwerk erleichtern und sogar für mehr Sicherheit sorgen. Der Zuschnitt von Dachziegeln ist beispielsweise oft mit viel Staub verbunden und nicht ganz ungefährlich, wenn die Ziegel direkt auf dem Dach mit dem Winkelschleifer zugeschnitten werden. Ein neues System von Mafell ermöglicht es nun, den Zuschnitt der Ziegel vorab mit einer Smartphone-App zu berechnen. Die per App berechneten Maße werden auf eine Schablone übertragen und auf den Ziegeln angezeichnet. Anschließend werden diese an einer stationären Säge, idealerweise mit Absaugung, zugeschnitten. Die Mitarbeiter der Zimmerei Leiz verwendeten das neue System bei der Sanierung des denkmalgeschützten St. Marienhauses in Konstanz. Welche Erfahrungen sie dabei gemacht haben, lesen Sie hier.
Traditionelles Handwerk, moderne Baustoffe und digitale Tools sind also keine Gegensätze, sondern ergänzen sich sehr gut! Wer zudem sein Handwerk mit Leidenschaft ausübt, kann diese Begeisterung auch an andere Menschen weitergeben – so wie Christoph Lieding: Der Restaurator im Zimmererhandwerk ist nicht nur als Dozent an der Propstei Johannesberg in Fulda tätig, sondern bringt auch angehenden Architektinnen und Architekten an der TU Darmstadt die handwerkliche Arbeit mit dem Werkstoff Holz nahe. Mehr über den spannenden Lebensweg des Restaurators und seine Leidenschaft für historische Gebäude lesen Sie hier.
Frohes Schaffen wünscht,
Stephan Thomas
Chefredakteur der dach+holzbau
September 2026
