Restaurator als Lebensweg
Restaurator im Zimmererhandwerk vermittelt als Dozent Faszination für Handwerk und historische GebäudeChristoph Lieding ist fasziniert von historischen Gebäuden. Als Restaurator im Zimmererhandwerk gibt er dieses Wissen heute an angehende Restauratoren, Architektinnen und Architekten weiter. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie aus seiner Leidenschaft für historische Gebäude ein Lebensweg wurde.
„Geprüfter Restaurator im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk“: Wer diesen Titel auf seine Visitenkarte drucken will, benötigt entweder eine große Karte oder eine kleine Schrift. Was auf den ersten Blick gedoppelt aussieht, ist tatsächlich die höchste Qualifikationsstufe, die das Handwerk in der Restaurierung zu vergeben hat. Was verbirgt sich hinter dieser langen Bezeichnung und was sind die Voraussetzungen dafür? Welche Fördermöglichkeiten gibt es für den Restauratorenkurs – und wieso der lange Titel? All diese und weitere Fragen klärten wir mit Christoph Lieding, der genau diesen Weg gegangen ist: Er legte als Zimmerer die Prüfung zum staatlich geprüften Restaurator im Handwerk ab, entwickelte später als Dozent Teile des Lehrgangs mit – und hat, als der alte Titel wegfiel, noch einmal die Schulbank gedrückt, um auf den neuen Master Professional upzugraden.
Faszination für alte Gebäude und Handwerkstechniken
Christoph Lieding im Jahr 2016 vor der restaurierten Tür seines Wohnhauses
Foto: Christoph Lieding
Wir erreichen Christoph Lieding an seinem 47. Geburtstag: Im Gespräch berichtet er uns von seinem Weg vom Zimmerergesellen zum Dozenten an verschiedenen Bildungseinrichtungen. Er begann seine Ausbildung zum Zimmerer 1996 und arbeitete danach zunächst als Geselle. Anfang der 2000er Jahre absolvierte er eine Technikerausbildung in Gotha in der Fachrichtung Baudenkmalpflege. Für ihn war das der Türöffner für die spätere Karriere als Restaurator: In dieser Zeit arbeitete Lieding deutschlandweit an denkmalgeschützten Gebäuden – ein Themengebiet, das ihn schnell faszinierte, sodass er 2007 die Weiterbildung zum geprüften Restaurator im Handwerk an der Propstei Johannesberg in Fulda absolvierte und mit Auszeichnung abschloss.
Ein Jahr später folgte der Einstieg in die Dozententätigkeit. Zusammen mit Lars Petermann, Tragwerksplaner an der Propstei, entwickelte Lieding den Kurs „Handwerkliche Holzverbindungen für Zimmerer“. Während Christoph Lieding das Wissen um traditionelle Holzverbindungen weitergeben wollte, vermittelte Lars Petermann die Statik dahinter. Ziel des Kurses war es, das Arbeiten im Bestand zu vermitteln, zu den Inhalten des Kurses zählte zum Beispiel das Sanieren und Abstützen eines Eckständers unter Volllast. Der Kurs kam bei den Teilnehmenden so gut an, dass er anschließend in den Kurs zum geprüften Restaurator an der Propstei integriert wurde. Parallel arbeitete Christoph Lieding in der Zimmerei Rehm in Tann (Rhön). „Dort wurde ich sehr gut gefördert. Denkmalbaustellen und Sanierungen hatten immer einen festen Platz und dadurch, dass die Zimmerei auch im Holzhausbau tätig ist, ist mir der Bezug zum Neubau nie verloren gegangen, was mir auch wichtig war,“ blickt Christoph Lieding zurück.
2017 wechselte der Restaurator zur Stadt Fulda ins Gebäudemanagement. Dort ist er seitdem als Projektleiter für die Koordination der Arbeiten an denkmalgeschützten Gebäuden im Besitz der Stadt zuständig, dazu gehören zum Beispiel das barocke Stadtschloss und das Palais Altenstein. Parallel wurde Lieding vom Bundesbildungszentrum des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel eine Dozentenstelle in der Ausbildung zum Restaurator im Zimmererhandwerk angeboten, die er gerne annahm.
Umstellung des Kurses auf Master Professional
Ab 2023 begann die Umstellung vom geprüften Restaurator zum Master Professional für Restaurierung im Handwerk. Ziel des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks war es, eine Möglichkeit für Menschen im Handwerk zu schaffen, einen DQR-7-Abschluss, also vergleichbar mit einem Master an der Universität, mit einer handwerklichen Ausbildung zu erreichen. Der neue Master Professional für Restaurierung im Handwerk wird für 19 Handwerksberufe angeboten, unter anderem für Tischler, Stuckateure, Holzbildhauer – und auch für Zimmerer. Dabei gehen die Inhalte des neuen Master Professional deutlich über die des früheren Restauratorenkurses hinaus. Jedes bisherige Themengebiet wird tiefer behandelt, von der Befunduntersuchung bis zur Dokumentation, die einen großen Teil der Ausbildung einnimmt. Hinzu kommen komplett neue Themen wie zum Beispiel die Außendarstellung des Betriebs, Kalkulation sowie weitere Werkstoffe wie Metall. Auch das Wissen über angrenzende Gewerke – etwa Schreinerarbeiten oder Farbanstriche im Malerhandwerk – wird deutlich vertieft. Der Kurs endet, auch das ist neu, mit einer verpflichtenden Masterarbeit, ähnlich wie an der Universität.
Seit 2024 bringt Christoph Lieding angehenden Architekt:innen in einem Seminar an der TU Darmstadt die handwerkliche Arbeit mit Holz nahe
Foto: TU Darmstadt
Die Doppelbezeichnung „geprüfter Restaurator im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk“, kommt übrigens daher, dass der erste Teil eine Berufsbezeichnung ist und der zweite Teil der Titel, ähnlich wie etwa ein Master of Engineering, den ein studierter Ingenieur führen würde. Eine offizielle Abkürzung, wie zum Beispiel M.Eng. beim Ingenieur, gibt es hier jedoch nicht.
Voraussetzung für die Weiterbildung ist in der Regel ein Meistertitel, es gibt aber auch Ausnahmen. Von einer dieser Ausnahmen hat Christoph Lieding profitiert. Da geprüfte Restauratoren im Handwerk durch die Neuordnung der Weiterbildung praktisch ihre alte Berufsbezeichnung verlieren, wurde von der Propstei Johannesberg Absolventen mit dieser Ausbildung angeboten, einen „Upgrade-Kurs“ zum Master Professional für Restaurierung im Handwerk zu belegen.
Christoph Lieding unterrichtete an der Propstei Johannesberg zunächst als Dozent die neuen Masterabsolventen, von praktischen Themen wie Ausführung historischer Holzverbindungen und Beschlagen von Rundholz zu Kanthölzern über geschichtliche Hintergründe bis hin zu betriebswirtschaftlichen Themen. Neben seiner Arbeit bei der Stadt und seiner Tätigkeit als Dozent besuchte er selbst den „Upgrade-Kurs“ zum Master Professional für Restaurierung im Handwerk, den er 2024 im Zimmerergewerk abschloss. Weiterhin ist er Mitglied im Prüfungsausschuss der Handwerkskammer Kassel für Restaurator:innen im Zimmererhandwerk. Die Stadt Fulda als Arbeitgeber räumt ihm für all das den nötigen Freiraum ein.
Geteilte Freude über die Arbeit mit dem Werkstoff Holz
In einem Blockseminar an der TU Darmstadt lehrt Christoph Lieding unter anderem das handwerkliche Herstellen von Holzverbindungen, wie hier mit einem Stechbeitel
Foto: TU Darmstadt
Auf die Frage, warum er sich für eine Tätigkeit als Dozent entschieden hat, antwortet Christoph Lieding: „Neugierde, aber auch meine Faszination dafür, weiterzugeben wie man mit einem denkmalgeschützten Gebäude in seinem Gewerk wertschätzend umgeht.“ Die praktische Arbeit fehlt dem Zimmerer nicht, in seinen Seminaren steht die Praxis an erster Stelle. So gibt Christoph Lieding seit 2024 zusätzlich ein Blockseminar an der TU Darmstadt. Hier bringt er angehenden Architekt:innen mit Leidenschaft die handwerkliche Arbeit mit Holz nahe und geht darin auf: „Das Schöne an der Dozententätigkeit ist, man lernt ganz viele Leute kennen, baut ein großes Netzwerk auf und bleibt dadurch immer am Puls der Zeit. Das Vermitteln geht auch immer in beide Richtungen, denn durch die Teilnehmenden ist man gezwungen, sich mit aktuellen Themen und Innovationen im Zimmererhandwerk auseinanderzusetzen. Es ist geteilte Freude an der Arbeit mit Holz, wenn ich die Motivation der Teilnehmenden sehe, wie scharf die darauf sind, handwerklich Holzverbindungen mit den eigenen Händen zu bauen, nachdem sie vorher drei Wochen lang nur theoretisches Wissen gelernt haben.“
Christoph Lieding nennt auch ein Beispiel aus dem Blockseminar an der TU Darmstadt: „Die Halle war von 9 bis 19 Uhr geöffnet und die ersten Architekturstudierenden standen schon um 8 Uhr da und fragten, wann sie endlich anfangen können. Die hatten richtig Bock und das macht dann auch einfach Spaß!“
Für wen lohnt sich die Weiterbildung?
Aktuell restauriert Christoph Lieding ein Fachwerkhaus zusammen mit seinem Vater, das Bild zeigt eine bereits sanierte Gebälkzone
Foto: Christoph Lieding
Spaß an der Arbeit und die Faszination für historische Bauwerke treiben Christoph Lieding an: „Zu sehen, da hat jemand vor 300 Jahren eine Tür gebaut in einer Präzision, die mich staunen lässt, und ich habe die Ehre, diese Tür sanieren zu dürfen. Oder ein altes Bauwerk, und meine Hände sind die ersten nach 700 Jahren, die dort an den Dachstuhl wieder Hand anlegen, das ist einfach faszinierend für mich. Für alle, denen es genauso geht, egal in welchem Gewerk, wäre eine Weiterbildung zum Restaurator eine Überlegung wert.“
Dennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen der Magazine dach+holzbau und bauhandwerk.
Förderungen und Stipendien
Zur Finanzierung der Weiterbildung gibt es verschiedene Förderungen, unter anderem ein Stipendium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und die „Aufstiegsförderung“ der Handwerkskammern, beide konnte Christoph Lieding für seine Weiterbildung zum Master Professional nutzen. Aktuell hat die Deutsche Stiftung Denkmalschutz wieder 15 Stipendien ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist dafür läuft noch bis zum 30. September 2026. Näheres dazu unter www.kurzlinks.de/restaurator-stipendien.
Ausbildungsstätten
Kurse für Zimmerer und Zimmerinnen zur Weiterbildung zum geprüften Restaurator im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk werden an der Propstei Johannesberg in Fulda, im Restaurierungszentrum Berlin, im BUBIZA Kassel, an der Handwerkskammer Leipzig und an der Akademie Schloss Raesfeld angeboten. Eine Übersicht der Kurse, auch für weitere Gewerke, gibt es auf der Webseite des ZDH unter diesem Link. Die nächsten Termine für einen Kursstart können auf den Webseiten der jeweiligen Ausbildungsstätten eingesehen werden.
