Ziegelzuschnitt per App berechnet

„Ziegel-Anreiß-System“ von Mafell im Praxiseinsatz

Wird der Ziegelzuschnitt für Kehle, Grat und Ortgang exakt vorab berechnet, lässt sich Verschnitt reduzieren und das gefährliche, freihändige Schneiden auf dem Dach vermeiden. Ein neues System von Mafell macht das ­möglich, zum Einsatz kam es bei der Sanierung des denkmalgeschützten St. Marienhauses in Konstanz.

Blauer Himmel, der Münsterturm ragt mit 78 m Höhe ins Blickfeld, dahinter ist in einer Sichtachse noch der Hafen mit der Statue Imperia zu erkennen. Das Paradies, so heißt der Stadtteil nahe der Altstadt in Konstanz tatsächlich, zeigt sich von seiner schönsten Seite. Benedikt Buscalferri und Lukas Hermann haben jedoch keinen Blick dafür. Ihr Fokus gilt den letzten Quadratmetern der insgesamt 1300 m2 Dachfläche, die auf dem St. Marienhaus einzumessen und einzudecken sind. Der Zimmerergeselle Benedikt hat, neben dem Latthammer, immer das Smartphone zur Hand, auf ausdrücklichen Wunsch seines Chefs Martin Leiz.

Schritt für Schritt zum Ziegelzuschnitt

Bekannter Prozess: Auch bei der Arbeit mit dem „Ziegel-Anreiß-System“ von Mafell wird im ersten Arbeitsschritt die Schlagschnur über der Lattung gespannt
Foto: Mafell/Hanse Knödler

Bekannter Prozess: Auch bei der Arbeit mit dem „Ziegel-Anreiß-System“ von Mafell wird im ersten Arbeitsschritt die Schlagschnur über der Lattung gespannt
Foto: Mafell/Hanse Knödler
Die neue „ZAS“-App von Mafell auf dem Smartphone berechnet den Zuschnitt jedes einzelnen Ziegels. Die Berechnung basiert auf dem bekannten Verfahren zur Dacheinteilung beim Ziegelzuschnitt für Kehle, Grat, steigende Traufe oder schrägen Ortgang. „Das funktioniert wirklich sehr gut, wir haben weniger Verschnitt und müssen auf dem Dach nicht nachschneiden“, sagt Benedikt Buscalferri von der Zimmerei Leiz. Die Zimmerei aus Radolfzell am Bodensee beschäftigt 46 Mitarbeitende und verfügt über eine CNC-Abbundanlage, sechs Kräne und zwei Kranwagen. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte liegen, neben dem Holz- und Innenausbau, im Denkmalschutz und der Sanierung. Das passt zum aktuellen Projekt in Konstanz, bei dem die Zimmerer das neue „Ziegel-Anreiß-System (ZAS)“ von Mafell einsetzten. Das System besteht aus einer kostenfreien App und einer Anreißschablone.

Die App berechnet und stellt das bemaßte Verlegebild bis zum Kehlblech dar
Foto: Mafell/Hanse Knödler

Die App berechnet und stellt das bemaßte Verlegebild bis zum Kehlblech dar
Foto: Mafell/Hanse Knödler
Zunächst werden in der App die Anwendung und die einzudeckende Dachseite ausgewählt, dann wird das Maß des einzudeckenden Ziegels eingegeben oder aus einer Bibliothek ein bereits definierter Ziegel ausgewählt. In weiteren Schritten werden die Deckbreite des Ziegels, der Lattabstand und die Anzahl der Ziegelreihen eingetippt. Die App berechnet anschließend den Zuschnitt jedes einzelnen Ziegels, Reihe für Reihe. Für die weitere Nutzung können die ermittelten Daten als PDF exportiert, gespeichert oder versendet werden.

Von der App zur Schablone

Vom Aufmaß der Kehle bis zur Bearbeitung der Ziegel sind es für die beiden Mitarbeiter der Zimmerei Leiz nur wenige Schritte. Das Gerüst ist an den Ecken des Gebäudes mit einer kompakten Arbeitsplattform ausgestattet. Diese bietet genügend Platz für die „Ziegel-Anreiß-Schablone“ von Mafell und eine Trockensteinsäge mit integrierter Absaugung. Die per App berechneten Maße werden direkt eingestellt und die Ziegel auf dem Drehtisch entsprechend positioniert. An den großen Skalen der Schablone lassen sich Längen- und Winkelmaße ablesen und exakt einstellen. Der Lamellenvorhang der Konturenlehre passt sich den verschiedenen Formen der Ziegel exakt an, sodass die Ziegel mit einem Markierstift exakt markiert werden können.

Die mit der App berechneten Maße und der Winkel werden am Bearbeitungstisch des „Ziegel-Anreiß-Systems“ übertragen
Foto: Mafell/Hanse Knödler

Die mit der App berechneten Maße und der Winkel werden am Bearbeitungstisch des „Ziegel-Anreiß-Systems“ übertragen
Foto: Mafell/Hanse Knödler
Nach dem Zuschnitt werden die Ziegel rückseitig nummeriert. In der Listenansicht der App werden alle Ziegel dargestellt und nach dem Zuschnitt abgehakt. Das erleichtert die Sortierung der Ziegel zum Eindecken – aber nicht nur das: „Ich muss nicht freihändig auf dem Dach schneiden. Bei trockenem Wetter ist das noch möglich, aber bei Feuchtigkeit ist das zu gefährlich“, sagt Benedikt Buscalferri. Die Arbeitssicherheit spielt vor allem bei den Dacharbeiten am St. Marienhaus eine wichtige Rolle, da ein Teil der historischen Ziegel glasiert und engobiert ist.

Zuschnitt der Dachziegel: Die Ziegel werden auf dem Gerüst mit einer Trockensteinsäge mit Absaugung zugeschnitten
Foto: Mafell/Hanse Knödler

Zuschnitt der Dachziegel: Die Ziegel werden auf dem Gerüst mit einer Trockensteinsäge mit Absaugung zugeschnitten
Foto: Mafell/Hanse Knödler
Arbeitseffizienz und Arbeitssicherheit, aber auch Sauberkeit sprechen für Martin Leiz, Inhaber der ­Zimmerei Leiz, für das „Ziegel-Anreiß-System“. Früher wurde das Dach nach dem Zuschnitt der Ziegel abgesaugt. Dieser Arbeitsschritt ist nun nicht mehr nötig. Wer, so wie die Zimmerei Leiz, mit 3D-Scanner das Aufmaß nimmt, in Excel-Tabellen Verlegemuster abbildet und mit der App Ziegel einmisst, der freut sich über eine präzise Ziegelkante an der Kehle. Auch deshalb, weil die Blechnerei Pfingst aus Konstanz in gleicher Präzision die Blecharbeiten ausgeführt hat.

Seit 160 Jahren als Wohnheim genutzt

Eigentlich sollte das St. Marienhaus ab Januar 2025 nur saniert und das Dachgeschoss ausgebaut werden. Dann wurde aber festgestellt, dass 30 Jahre nach der zuletzt durchgeführten Dachsanierung bereits die Unterspannbahn defekt und die Zwischensparrendämmung aus Glaswolle beschädigt waren. Da für den Einbau von 35 zusätzlichen Dachfenstern bereits ein Gerüst bis auf Traufhöhe stand, konnte Martin Leiz für das Angebot das Dach mit den vielen Gauben, Dachfenstern und dem ­komplexen ­Verlegemuster mit dem 3D-Scanner recht einfach aufnehmen.

Arbeitsplatz mit Aussicht: Die Zimmerei Leiz hat die 1300 m2 große Dachfläche des St. Marienhauses im Konstanzer Stadtteil Paradies saniert und neu eingedeckt
Foto: Mafell /Hanse Knödler

Arbeitsplatz mit Aussicht: Die Zimmerei Leiz hat die 1300 m2 große Dachfläche des St. Marienhauses im Konstanzer Stadtteil Paradies saniert und neu eingedeckt
Foto: Mafell /Hanse Knödler
Das St. Marienhaus wurde im Jahr 1866 als Wohnheim für Dienstmädchen erbaut. Ab 1894 wurde es als Dienstbotenheim betrieben und im Jahr 1910 zum Alters- und Pflegeheim umgenutzt. Mittlerweile wird das St. Marienhaus vom Caritasverband Konstanz e. V. betrieben und umfasst eine Tagespflege und betreute Wohnungen für Senioren sowie Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung und einen Hort für Grundschulkinder. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, weshalb die Anforderung bestand, möglichst viele der Braas-Doppelmuldenfalzziegel des Daches bei der Sanierung zu erhalten. Auch die durch verschiedenfarbige Ziegel entstandenen Muster auf dem Dach solten erhalten bleiben. Gut 60 Prozent der zuvor verwendeten Ziegel wurden wieder eingedeckt.

Ziegel für Ziegel begutachtet und gereinigt

Für die Sanierung wurden zunächst sechs Wochen lang die Ziegel abgedeckt, mit dem Lastenaufzug nach unten transportiert und dann jeder Ziegel mit einer eigens konstruierten Reinigungsvorrichtung begutachtet, gereinigt und unter Berücksichtigung des Verlegemusters gelagert. Das Dach wurde zur Aufsparrendämmung mit einer Unterspannbahn („Omega 350“ von Isocell) und 60 mm starken Holzfaserdämmplatten von Naturheld versehen. Die auf Maß gelieferte und vorgebohrte Konterlattung wurde entsprechend der in Konstanz gültigen Windzone 2 mit 180-mm-Schrauben befestigt. Die Traglatten wurden mit einem Lattautomaten im definierten Abstand mit Rillennägeln fixiert. Gut drei Monate ­arbeitete ein Team aus drei Mitarbeitenden im Paradies in Konstanz. Die gesamte Sanierung des Gebäudes wird voraussichtlich im November 2026 abgeschlossen sein.

Autor

Volker Simon ist Geschäftsführer der PR- und Kommunika­tionsagentur nota bene communications GmbH in Überlingen und unterstützt die Mafell AG in der Presse­arbeit.

Das „Ziegel-Anreiß-System“ von Mafell

Das neue „Ziegel-Anreiß-System (ZAS)“ von Mafell reduziert laut Hersteller den Zeitaufwand beim Messen, Zuschneiden und Verlegen von Ziegeln. Damit sind komplexe und mitunter gefährliche Zuschnittarbeiten nicht mehr auf dem Dach auszuführen, was die Sicherheit erhöht. Da der Zuschnitt nicht auf dem Dach erfolgt, bleibt dieses und das Umfeld frei von Zuschnittresten. 

Das System eignet sich für die Bemessung und das Anzeichnen von marktgängigen Beton- und Tondachziegeln bis 500 x 500 mm Größe. Es besteht aus der kostenfreien App für Smartphones mit Android- und iOS-Betriebssystem und einer Anreißschablone für die Ziegel. Die Schablone lässt sich in einer Transporttasche mit Rollen auf die Baustelle mitnehmen. Mehr erfahren Sie online unter: zas.mafell.de .

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