Heimatmuseum in Bezau umgebaut und erweitert
Neuer Anbau in Holzbauweise mit lichtdurchfluteten RäumenIn Bezau wurde das Heimatmuseum saniert und erweitert. Neue Dachfenster sorgen für lichtdurchflutete Zonen und setzen einen Kontrast zum dunklen, gedrungenen Altbau. Der Holzneubau greift behutsam die Architektur des Altbaus auf und sorgt für ein Ensemble, das sich wie selbstverständlich ins Dorfbild fügt.
Über Jahre bestand der Wunsch nach einer baulichen Erweiterung des Museums Bezau im österreichischen Vorarlberg, das schon seit 1920 in einem Bregenzerwälder Bauernhof beheimatet ist. Die bestehende Ausstellung – thematisch den barocken Baumeistern sowie der textilen Handwerkskunst der Frauen des Bregenzerwaldes gewidmet – war bislang in den Wohnräumen des alten Bauernhauses untergebracht. Was fehlte, waren funktionale, flexibel nutzbare Räume für Wechselausstellungen und Veranstaltungen. Die Erweiterung des alten Bauernhofgebäudes aus dem 18. Jahrhundert erforderte darüber hinaus eine enge Verbindung zur Region sowie ein Gespür für bauliche, soziale und landschaftliche Gegebenheiten. Um diesem Bedarf gerecht zu werden, wurde das ortsansässige Büro Innauer Matt Architekten mit der Planung und Umsetzung der Erweiterung beauftragt.
Ein gemeinschaftlich getragenes Projekt
Das neue Heimatmuseum Bezau inmitten der typischen Bregenzerwälder Landschaft. Ein durchgehend neu gedecktes Dach verbindet Erweiterungsbau (links) und Bestand zu einem harmonischen Ganzen
Foto: Velux / Dominic Kummer
Finanziert wurde das rund 1,4 Mio. Euro teure Projekt durch Gemeindemittel, private Spenden, Materialspenden und zahlreiche Eigenleistungen. „Fast jeder im Dorf hat einen Beitrag geleistet“, erklärt Architekt Markus Innauer. Nicht nur Innauer, sondern alle am Projekt beteiligten Handwerker sind in Bezau bzw. im Nachbarort ansässig, was die lokale Bedeutung für das Projekt noch einmal unterstreicht. Das gemeinsame Ziel des Architekturbüros und der Handwerker war es, weniger Technik, mehr Raumqualität und einen respektvollen Umgang mit der traditionellen Architektur des Museums zu erreichen. Das Museum sollte als Bregenzerwälderhaus erkennbar bleiben, dabei aber zeitgemäß interpretiert und auf seine öffentliche Nutzung hin gestaltet werden.
Diese Haltung zeigt sich auch in der sensiblen Einbindung in die Umgebung. Das Museum steht am Rand des Dorfes, umgeben von gleichgroßen Wohnhäusern und Wiesen. Vor Beginn des Umbaus bestand es aus einem Wohnhaus mit einem kleinen, ungenutzten Anbau im hinteren Bereich – eine für den Bregenzerwald ungewöhnliche Gliederung, da der Wohnbereich sonst direkt mit einem großen Stall kombiniert wurde. Der Anbau ließ sich deshalb durch den neuen, zeitgemäßen Erweiterungsbau ersetzen, ohne den Charakter des typischen Bregenzerwälderhauses zu schwächen. Von Süden erscheint das Museum als traditionelles Bauernhaus, während die dezente Gestaltung der Nordfassade auf die Sondernutzung hindeutet.
Alt und Neu verbunden
Die historische Südfassade blieb weitestgehend erhalten, einzelne Schindeln wurden durch die Firma Schindel Hutle ausgebessert und ersetzt
Foto: Velux / Dominic Kummer
Das ursprüngliche Haus war eine reine Holzkonstruktion – ein Prinzip, das beibehalten wurde. Die historische Südfassade blieb weitgehend erhalten. An der Westfassade wurden die Schindeln durch die Firma Schindel Hutle aus der Nachbargemeinde Schnepfau ausgebessert und ersetzt. Auf der Ostseite wurden morsche Teile erneuert, ohne die ursprüngliche Optik zu verändern. Zudem entstand dort ein neuer Eingangsbereich. Der Zutritt erfolgt jetzt über eine Schiebetür, die in einen unbeheizten Windfang führt – dahinter liegt eine Glastür zum beheizten Innenraum. Diese traditionelle Lösung ist typisch für alte Bregenzerwälder Bauernhäuser und kommt in energieeffizienten Neubau- und Sanierungsprojekten immer wieder zum Einsatz.
Anstelle des baufälligen Anbaus plante das Architekturbüro einen Erweiterungsbau, basierend auf einem konstruktiven Holzbau und das Untergeschoss als vollständigen Massivbau. Der Holzbau wurde durch die im Ort ansässige Kaspar Greber Holz- und Wohnbau GmbH umgesetzt. Holzfasermaterialien wurden zur Dämmung eingesetzt und sorgen im Zusammenspiel mit dreifach verglasten Fichtenholzfenstern für ein energieeffizientes Raumklima. Der Neubau erhielt durch die Zimmerei Beer, ebenfalls aus Bezau, eine Holzverkleidung aus regionaler Fichte und Tanne und zeigt an der Nordfassade dekorative Versprünge. Auf eine durchgehende horizontale Gliederung zwischen den Geschossen verzichteten die Architekt:innen jedoch. Die neue Eindeckung des Daches mit schwarzen „Eternit“-Platten durch die Bezauer Moosbrugger Dach GmbH wurde über alle Gebäudeteile hinweggezogen, um eine einheitliche Wirkung zu erzielen und Alt- und Neubau zu einem stimmigen Ganzen verschmelzen zu lassen.
Eine Schiebetür im Eingangsbereich führt in einen unbeheizten Vorraum – eine Raumschicht, die typisch für Bauernhäuser im Bregenzerwald ist
Foto: Velux / Dominic Kummer
Ziel des Architekturbüros war es, im Innenraum eine neue räumliche Typologie zu schaffen, die gleichzeitig interessante Licht- und Blickbeziehungen ermöglicht. Das erste Obergeschoss des Neubaus verfügt über Durchbrüche bis ins Dach entlang der Außenwände. Je drei großzügige Velux-Fenster pro Dachseite bringen dort viel natürliches Tageslicht in die sonst spärlich beleuchteten Räume. Die neuen vertikalen Öffnungen, lichtdurchfluteten Zonen sowie weiß gekalkten Wände und Massivholzdecken schaffen einen Kontrast zu den dunklen, gedrungenen Geschossen im Altbau. Durch das Auflösen der durchgehenden Decken und die Stufen, die den neuen Teil mit dem Altbau verbinden, konnten im Anbau große Raumhöhen realisiert werden. Im Dachgeschoss des denkmalgeschützten Altbaus wurde ein zusätzlicher Raum eingefügt, der jedoch nicht bis an die Fassaden reicht. Dadurch entstehen Durchblicke nach oben, zwischen den Balken des darunterliegenden Geschosses.
Tageslicht als zentrales Gestaltungselement
Das Architekturbüro verfolgte bei diesem Projekt eine „Low-Tech-Strategie“: Statt aufwendiger Technik setzten sie auf die Schönheit der Räume, durchdachte Konstruktionen, ein gutes, natürliches Innenraumklima und optimales Tageslicht. Besonders geschätzt wird die Satteldachform, wie sie im Bregenzerwald verbreitet ist. In Kombination mit Velux-Dachfenstern kann sanftes Tageslicht einfallen und es wird eine natürliche Belüftung ermöglicht. „Wenn ich frische Luft will, mach ich das Fenster auf“, bringt es Markus Innauer auf den Punkt. So werden im Museum auch keine kontrollierte Lüftung und keine überdimensionierte, teure Haustechnik eingesetzt. Stattdessen gibt es Fenster, die man öffnen kann, und helle Räume, die tagsüber nicht künstlich beleuchtet werden müssen. Es entstehen atmosphärische Räume, die den Wechsel der Tages- und Jahreszeiten im Innern spürbar machen. „Wer Dachräume sinnvoll nutzen will, braucht Dachfenster. Sie bringen wertvolles Zenitlicht und ermöglichen eine natürliche Lüftung“, so Markus Innauer.
Das Tageslicht, das durch die drei Dachfenster auf jeder Gebäudeseite einfällt, belichtet den Raum diffus durch eine Schicht aus weißen Holzlamellen
Foto: Velux / Dominic Kummer
Das Tageslicht, das durch die insgesamt sechs Velux-Dachfenster einfällt, beleuchtet den Raum im Obergeschoss diffus. Ermöglicht wird dies durch eine Schicht aus weißen Holzlamellen (3 × 3 cm), die mit gleichmäßigem Abstand zueinander angeordnet sind. Dank der diffusen Belichtung von oben blendet auch das Licht in den Fassadenfenstern nicht, wodurch die Ausblicke in die umliegende Landschaft wie von Fensterzargen gerahmte Bilder erscheinen. Der Ausstellungsraum im Obergeschoss des Neubaus ist der Lieblingsraum von Markus Innauer. „Die Lichtführung im Raum ist wunderschön! Beim Hinaufgehen der Treppe gelangt man mittig an und sieht, wie das natürliche Licht sanft an den weiß verkalkten Wänden herabfällt. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass es Tageslicht ist, das je nach Himmelsrichtung immer leicht variiert“, so Markus Innauer.
Neueröffnung mit hohen Besucherzahlen
Seit der Neueröffnung im April 2024 verzeichnet das Museum mit weit mehr als 10 000 Besucher:innen deutlich mehr Zulauf als erwartet. Es wurde bereits mit der „Denkmalschutzmedaille 2024“, dem „Vorarlberger Holzbaupreis 2025“ und beim „Velux-Architektur-Wettbewerb 2024/25“ ausgezeichnet. Die Jury lobte die „zeitgemäße Interpretation von traditionellem Handwerk und Materialität“, durch die Alt und Neu zu einer „beinahe musikalischen Raum-Lichtkomposition“ verwoben werden. Doch fast entscheidender als Preise und Auszeichnungen ist, dass das Museum zu einem wichtigen, lebendigen Ort für das Dorfleben wurde. Inzwischen finden dort Vereinsversammlungen, Theateraufführungen, Vorträge und Feste statt. Die hohen Besucherzahlen seit der Eröffnung belegen die Attraktivität des Museums auch über die Grenzen von Bezau hinaus.
AutorMaik Seete ist Leiter der Public Relations bei der Velux Deutschland GmbH in Hamburg und dabei verantwortlich für die Region Nordeuropa.
Baubeteiligte (Auswahl)
Projekt Umbau und Sanierung des Museums Bezau (Vorarlberg)
Baujahr 18. Jahrhundert
Dauer Umbau September 2022 – April 2024
Baukosten 1,4 Mio. Euro
Nutzfläche Neubau 206 m² + UG 67 m²
Bauherrschaft Museumsverein Bezau
Architekten Innauer Matt Architekten ZT GmbH, Bezau
Holzbau Kaspar Greber Holz- und Wohnbau GmbH, Bezau
Trockenbau, Innenausbau & Fassade Zimmerei Beer, Bezau
Schindelfassade Schindel Hutle, Schnepfau
Dachdecker Dachdecker Moosbrugger Dach GmbH, Bezau
Materialien (Auswahl)
Dachfenster 6 x elektrisch betriebene Velux-Schwingfenster aus Holz 78 x 98 cm mit Eindeckrahmen Schiefer Stehfalz (EDS)
Fassade Holzfassade aus heimischem Fichtenholz (sägerau und naturbelassen)
Innenausbau Sichtbare Massivholzdecke, weiß gekalkt, Verkleidung/Wandtäfer aus heimischer Weißtanne (sägerau und weiß gekalkt)
Fußböden Riemenboden aus heimischer Fichte (sägerau), Trockenaufbau / UG geschliffener Beton
