Regional verwurzelt und vom Fach
Holzbau Harting GmbH aus Goldenstedt setzt auf Zimmererarbeiten, Holzrahmenbau und FachwerkbauweiseNur wenige Fachwerkgebäude entstehen jährlich noch in Deutschland – die Holzbau Harting GmbH aus dem Oldenburger Münsterland ist einer der Betriebe, die noch Gebäude in dieser traditionellen Bauweise errichten. Wie das gelingt und was die Zimmerei darüber hinaus auszeichnet, zeigt unser Porträt.
Das Fachwerk war bis ins 19. Jahrhundert der vorherrschende Baustil in Niedersachsen. Heutzutage ist der Neubau von Fachwerkhäusern jedoch selten geworden: Pro Jahr werden in Deutschland nur noch etwa 200 Fachwerkhäuser neu gebaut, wie Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Fachwerkstädte aus dem Jahr 2022 zeigen. Zum Vergleich: Im selben Jahr wurden 77 100 Einfamilienhäuser neu errichtet, das entspricht in etwa einer Fachwerkquote von 0,26 Prozent. Mit etwa zwei Dritteln der neu gebauten Fachwerkhäuser gilt Niedersachsen laut einem Bericht der „Kreiszeitung“ aus Syke als Deutschlands Fachwerkhochburg. Dort liegt auch das Oldenburger Münsterland mit den Landkreisen Vechta und Cloppenburg, das historisch geprägt ist von norddeutschen Hallen-Fachwerkhäusern.
Oliver Harting (l.) mit seinem Team (v.l.): Monika und Gerd Harting, Laurenz Staggenborg, Dennis Brand, Christoph Middelbeck und Klemens von Döllen
Foto: Holzbau Harting GmbH
In dieser Region hat die Holzbau Harting GmbH ihren Sitz. Kein Wunder also, dass die Zimmerei aus Goldenstedt schon Gebäude in traditioneller Fachwerkbauweise errichtet hat. Die Holzbau Harting GmbH wurde 2001 von Zimmerermeister Gerd Harting als Ein-Mann-Betrieb gegründet und feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Oliver Harting, der Sohn des Firmengründers, ist ebenfalls Zimmerermeister und übernahm den Betrieb im letzten Jahr von seinem Vater. Damit der Betrieb auch Dachdeckerarbeiten übernehmen kann, besuchte Oliver Harting nach der Weiterbildung zum Zimmerermeister erneut die Meisterschule und schloss diese 2022 erfolgreich mit dem Dachdeckermeister ab.
Kleines Team und großer Fuhrpark
Neben Oliver und Gerd Harting, der weiterhin im Betrieb beschäftigt ist, umfasst das Team mittlerweile drei Zimmerergesellen, eine Aushilfe und eine Bürokraft. Mit zwei Transportern, einem Iveco-Abrollkipper, einem Ford Pickup, einem Anhänger von Auwärter, einem Dreiseitenkipper und einem 6 m Drehschemelanhänger, sowie einem Anhängerkran ist der Betrieb gut aufgestellt. Klassische Zimmererarbeiten wie der Holzrahmenbau, Carports und Terrassendächer sind ein Schwerpunkt der Holzbau Harting GmbH, aber auch energetische Dachsanierungen – vor allem im Steildach.
Da die alte Fachwerkgarage eines Hofes in Visbek zu klein wurde, entschied sich der Bauherr für einen Neubau
Foto: Holzbau Harting GmbH
Ein besonderes Projekt setzte das Unternehmen 2019 in Visbek im Landkreis Vechta um. Nachdem der Vorgängerbau einer alten Fachwerkgarage auf einem Hofgelände zu klein geworden war, entschied sich der Bauherr für einen Neubau. Da das angrenzende Wohnhaus ebenfalls ein Fachwerkhaus ist, sollte auch die neue Garage wieder in der gleichen Bauweise entstehen. Oliver Harting und sein Team begannen mit der händischen Vorfertigung mithilfe von Zapfenschneider, Kettenstemmer, Handkreissäge und Stecheisen. Die einzelnen 2,60 m langen Holzständer wurden anschließend traditionell mit Holzhammer und Stecheisen mit römischen Zahlen beschriftet, bevor das Fachwerk in Einzelteilen mit einem auf 9 m ausziehbaren Anhänger von Auwärter zur Baustelle transportiert und vor Ort montiert wurde. Ein externer Dachdeckerbetrieb deckte die insgesamt 6,6 × 27 m große Garage abschließend mit roten Biberschwanzziegeln ein. Nach einer Bauzeit von etwa 6 Wochen fügt sich die neue Fachwerkgarage harmonisch in das Bild des Hofes ein, passend zum historischen Baustil im Oldenburger Münsterland.
Bei der Sanierung einer Fachwerkscheune in Goldenstedt wurden die Gefache und das Dach mit Lärchenbrettern verkleidet. Das Dach wurde anschließend neu eingedeckt
Foto: Holzbau Harting GmbH
Während die Gefache in Visbek, typisch für Norddeutschland, mit roten Backsteinziegeln ausgemauert wurden, hat Holzbau Harting bei einem anderen Fachwerkprojekt die Gefache mit Lärchenbrettern verkleidet. Bei diesem Projekt in Goldenstedt wurde eine Scheune nicht neu errichtet, sondern im Bestand saniert. Dazu musste das Gebäude sogar angehoben werden, um den Sockel und die Schwelle zu erneuern. Neben den Gefachen erhielt auch die Dachfläche eine Verschalung aus Lärchenbrettern und wurde anschließend neu eingedeckt.
Sommerlicher Hitzeschutz durch Holzfasern
Oliver Harting setzt vor allem auf natürliche Baustoffe. So kommt bei ihm im Holzrahmenbau als Dämmstoff häufig Holzfasereinblasdämmung zum Einsatz. Die ökologischen Vorteile sind für den Dachdecker- und Zimmerermeister ausschlaggebend, aber auch der sommerliche Wärmeschutz, der immer wichtiger wird. Das zeigten zuletzt die Hitzewellen Mitte Juni und Ende Juli dieses Jahres in Deutschland. „Die Holzfaserdämmung ist da sehr stark“, so Oliver Harting. „Hitze dringt dadurch erst mit einer Verzögerung von bis zu 12 Stunden in das Gebäude ein. Bisher gab es immer positives Feedback der Kunden.“ In Zukunft könnte auch Stroh-Einblasdämmung ein Thema sein, so Harting. Verkleidet werden die Holzrahmen zum Beispiel mit Lehmbauplatten, die bei den Kunden von Holzbau Harting sehr gefragt sind. „Die Kombination aus Holz für den Rahmenbau, Holzfaser als Dämmung und Lehmbauplatten zur Verkleidung sorgt für ein deutlich besseres Raumklima,“ ist Oliver Harting überzeugt.
Ein Beispiel dafür ist ein Projekt, das Oliver Harting in seiner Heimat Goldenstedt umgesetzt hat. Dort wurde ein Einfamilienhaus durch einen Anbau in ein Zweifamilienhaus umgebaut. Die Holzbau Harting GmbH errichtete den Anbau in Holzrahmenbauweise, die Gefache wurden mit einer Holzfasereinblasdämmung von Gutex ausgeblasen. Die Wände sowie die Decke verkleidete der Holzbaubetrieb mit Lehmbauplatten von Conluto, die anschließend mit Lehm verputzt wurden. In die Decke integrierte die Holzbau Harting GmbH ein Deckenheizsystem von WEM.
Die Holzbau Harting GmbH setzt neben der Fachwerkbauweise auch auf den Holzrahmenbau, wie hier bei der Aufstockung eines Bungalows in Vechta im Jahr 2022
Foto: Holzbau Harting GmbH
Tradition und Moderne schließen sich nicht aus, im Gegenteil: Traditionelle, einst weit verbreitete Baustoffe wie Lehm oder Stroh sind unlängst wieder modern, sei es aus Nachhaltigkeitsgründen oder durch ein gestiegenes Bewusstsein für wohngesundes Bauen. Nicht nur in diesem Punkt, auch in Sachen Digitalisierung ist der Betrieb von Oliver Harting auf der Höhe der Zeit: Die Zeiterfassung läuft digital über die Software „Digiholz“, während die Programme „Viskon“ und „Viskalk“ der Firma Weto bei der Konstruktion und Kalkulation unterstützen. Perspektivisch ist geplant, die drei Programme zu vernetzen, um die Arbeitsstunden übertragen zu können. Darüber hinaus hängt in der Werkstatt ein großer Bildschirm mit Abbundplänen, auf dem die Gesellen unter anderem in der 3D-Ansicht sehen können, wie der Bau später im fertigen Zustand aussieht.
Fachkräftemangel als Herausforderung
Die Entscheidung für einen kleinen, familiären Betrieb trafen Gerd und Oliver Harting bewusst: Die Mitarbeitenden kommen überwiegend aus dem Ort und der Tätigkeitsradius des Unternehmens erstreckt sich auf bis zu 50 km, meistens werden heimatnahe Baustellen „rund um den Kirchturm“ ausgeführt. Oliver Harting mag es, jeden Abend zu Hause zu sein.
Auch moderne Neubauten zählen zum Repertoire von Holzbau Harting, wie ein Projekt in Visbek aus dem Jahr 2021 zeigt. Hier führte das Unternehmen die Zimmerer-, Dachdecker-, Fassaden- und Innenausbauarbeiten durch
Foto: Holzbau Harting GmbH
Der Kundenstamm besteht überwiegend aus Privatkunden, öffentliche Aufträge sind selten. Obwohl Oliver Harting mit seiner Betriebsgröße zufrieden ist, ist auch für ihn der Fachkräftemangel ein Problem. Er würde gerne noch einen Auszubildenden einstellen, aber Azubis seien kaum zu finden und die Gesellenzahlen sänken. Diese Entwicklung beobachtet er als Mitglied des Prüfungsausschusses in der Zimmererinnung schon länger mit Sorge.
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, nimmt er mit seinem Betrieb alle zwei Jahre an der Berufsmesse in Goldenstedt teil, bei der Schülerinnen und Schüler handwerkliche Tätigkeiten ausprobieren können. Durch Kooperationen mit der örtlichen Oberschule kommen in den Sommerferien zwei Praktikanten in den Betrieb, was Oliver Harting wichtig ist, „damit die Schüler auch ein bisschen was sehen vom Handwerk.“ Außerdem ist Oliver Harting seit 2025 Mitglied im „Roofer's Club“ und vernetzt sich dort mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern aus dem Dach- und Holzhandwerk aus ganz Deutschland.
Die Auftragslage bezeichnet Oliver Harting aktuell als sehr gut, für das laufende Jahr sei das Auftragsbuch voll und auch für das kommende Jahr sind bereits Aufträge vorhanden. Wachstum kommt laut Harting vor allem aus der Sanierung, Anbauten und Aufstockungen. Der Neubau laufe hingegen schleppend, da sich die Baugenehmigungen verzögern und vom politisch angekündigten „Bauturbo“ bisher wenig zu spüren sei.
Fazit
Die Holzbau Harting GmbH steht exemplarisch für einen Zimmereibetrieb im Oldenburger Münsterland, der modernen Holzrahmenbau mit natürlichen Dämm- und anderen Baustoffen verbindet. Der familiär geführte Betrieb bleibt dabei bewusst regional verwurzelt und blickt mit vollen Auftragsbüchern zuversichtlich in die kommenden Jahre. Mehr über den Betrieb erfahren Sie unter diesem Link.
AutorDennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen der Magazine dach+holzbau und bauhandwerk.
