Asbestsanierung, Absturzsicherheit und komplexe Dachflächen

Thomas Becker vom Dachdeckerbetrieb Kühne GmbH über die Sanierung des BuBiZa in Kassel

Über die Herausforderungen bei der Sanierung der Dächer des Bundesbildungszentrums des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel sprachen wir mit Dachdeckermeister Thomas Becker. Er leitet zusammen mit Michael Kühne den Dachdeckerbetrieb Kühne GmbH in Kassel, der die Dachsanierung des Bundesbildungszentrums durchgeführt hat.

Interview: Stephan Thomas

dach+holzbau: Die Sanierung des Bundesbildungszentrums in Kassel umfasste insgesamt 5500 m² Dachflächen. Welche Herausforderungen gab es dabei?

Thomas Becker: Der Rückbau der asbestbelasteten Faserzementplatten und das Thema Absturzsicherheit waren bei diesem Bauvorhaben große Herausforderungen. Aber auch die unterschiedlichen Dachkonstruktionen mit verschiedenen Geometrien waren herausfordernd, vor allem die Sheddächer mit vielen Versprüngen und wenig geraden Bezugskanten.

 

Welche Maßnahmen zur Absturzsicherheit haben Sie bei diesem Bauvorhaben umgesetzt?

Zu 90 Prozent wurden die Gebäude zur Sanierung eingerüstet, Hubarbeitsbühnen kamen nur vereinzelt zum Einsatz. In den Flachdachbereichen haben wir Seitenschutzgeländer genutzt. Außerdem haben wir mobile Sekuranten als Anschlagpunkte eingesetzt, die mit ­Betonplatten beschwert waren. Im Firstbereich des Hauses A haben wir außerdem ein neues Velux-Lichtband eingebaut. Für die Wartung dieses Lichtbandes haben wir Laufwege auf dem Dach installiert, zudem haben wir 300 Sicherheitsdachhaken in die Steildachflächen eingebaut.


Wie lief der Rückbau der asbestbelasteten Wellplatten ab?

Unter den gesamten Dachflächen der Werkhallen wurden im Vorfeld Staubdächer gespannt. Der Rückbau der asbestbelasteten Faserzementplatten wurde von Mitarbeitern geleitet, die die Sachkunde für den Rückbau von Asbestzementprodukten in Lehrgängen nach TRGS 519 erworben haben. Bei dem Rückbau waren unsere Mitarbeiter mit Schutzanzügen und FFP2/FFP3-Atemschutzmasken ausgestattet. Außerdem haben sie die Asbestwellplatten mit Bindemittel eingesprüht. Das asbesthaltige Material wurde in Big Bags verpackt, diese wurden in Container geladen und „just in time“ von einem Fachunternehmen entsorgt. Die Staubdächer haben wir nach dem Rückbau der Faserzementplatten durch ein spezielles Verfahren abgesaugt und mit Hubarbeitsbühnen zurückgebaut.


Nutzen Sie oder Ihre Mitarbeiter das Schulungs- und Weiterbildungsangebot des Bildungszentrums des Zimmerer- und Ausbaugewerbes in Kassel?

Unsere Dachdeckerauszubildenden machen dort ihre überbetriebliche Ausbildung. Viele unserer Mitarbeiter belegen außerdem regelmäßig Schulungen und Lehrgänge am Bundesbildungszentrum. Wir kennen das BuBiZa also nun von innen und außen!

Herr Becker, danke für das Gespräch!

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