Von zünftig bis funktional: Berufsbekleidung für Zimmerer

Wenn Zimmerer arbeiten, fliegen oft die Späne. Damit diese nicht in die Schuhe fallen oder unter die Haut gehen, muss Berufskleidung für Zimmerer dicht und robust sein. Wir zeigen, welche Ansprüche Zimmerer außerdem an ihre Berufsbekleidung haben und wie Hersteller diese mit ihren Kollektionen erfüllen.

Für welche Arbeitskleidung sich Zimmerer entscheiden, hängt von individuellen Vorlieben ab. Die Sortimente von Berufsbekleidungsherstellern reichen von der Zunft bis zur modernen Funktionskleidung. Jeder kennt die traditionelle Zimmermannskluft, die Hosen mit Schlag umfasst: Die weiten Hosenbeine bedecken die Schuhe und verhindern, dass sich darin Sägespäne sammeln.

Der Arbeitsalltag von Zimmerern ist durch „ausfallende“ Bewegungen bestimmt. Damit Hosen bei den hohen Belastungen halten, müssen sie aus reißfesten Geweben gefertigt sein. Unter Wandergesellen ist Trenker-Cord beliebt. Der gerippte Stoff schützt vor dem Durchdringen von Holzspänen und hält bei Wind und Wetter warm. Eine Alternative sind Mischgewebe aus Baumwolle und Polyester. Auch Baumwoll-Cordura-Mischungen gehören zu den Favoriten. Cordura ist gegenüber Abrieb, Rissen und rauen Materialoberflächen unempfindlich. Neben den Textilien kommt es auf die Verarbeitung an, Nähte sollten am besten mit Lederecken verstärkt sein. Stretch-Einsätze im Bund- und Kniebereich sowie Dehnzwickel im Schritt sorgen für einen angenehmen Sitz von Arbeitshosen. Jacken werden durch Bewegungsfalten im Rückenbereich komfortabler oder ganz aus elastischen „Softshell“-Materialien hergestellt.

Schlaufen, Taschen und Koppel

Weil das Handwerkszeug immer zur Hand sein muss, sind Hammerschlaufe und funktionelle Taschen an der Arbeitskleidung unerlässlich. Die Taschen müssen voluminös sein, Schrauben und Nägel aushalten können und/oder verschließbar sein. Ideal sind auch integrierte oder separate Holstertaschen oder das in die Gürtelschlaufen eingezogene Koppel mit Zubehör. Wichtig sind außerdem Zusatztaschen für Stift, Cutter und Messer und Taschen für Portemonnaie und andere persönliche Gegenstände. Polsterbare Knietaschen aus Cordura sind inzwischen weit verbreitet. Da Zimmerleute viel im Freien arbeiten, muss die Kleidung zuverlässig bei Wind und Wetter schützen. An kalten Tagen hilft eine Kombination aus Wetterschutzjacke und einer warmen Fleece-Jacke, in der Übergangszeit eine Softshelljacke gegen unterschiedliche Wetterlagen.

Zunftkleidung nach Maß 

Für Wandergesellen ist das Tragen von Zunftkleidung selbstverständlich. Für besondere Wünsche an die eigene Zunftkleidung gibt es den Maßfertigungsservice von FHB in Spenge. Das Unternehmen nimmt Wünsche und Maße von Kunden entgegen und setzt diese um. So können Handwerker zwischen verschiedenen Materialien und zwei Cord-Qualitäten wählen. Echtes Leder ist für Zusatzwünsche wie Taschenpaspeln, Kragen und Revers, Einfassungen oder Stoßbänder beliebt. Wer auf Wanderschaft ist und direkt zu FHB nach Spenge kommt, kann seine Sonderwünsche dort angeben.

Kollektionen (nicht nur) für Zimmerer

In vielen Fällen machen die Hersteller keinen großen Unterschied zwischen einem Sortiment für Dachdecker und einer Linie für Zimmerer. In der dach+holzbau 10-11/2017 (Seite 10-15) haben wir bereits über Berufskleidung für Dachdecker informiert.

Williamson-Dickie Europe, Norderstedt

Die Jacke „Loudon“ der Marke Dickies besteht aus einem Materialmix, der auf die Arbeit im Freien abgestimmt ist. Der Body ist aus leichtem, aber wärmendem Steppfutter gearbeitet. Ergonomisch vorgeformte Ärmel, elastische Materialien an Armen und Flanken sowie Stretcheinsätze an den Ärmelbündchen verleihen der Jacke Bewegungsfreiheit. Ein hochschließender Kragen mit eingearbeitetem Kinnschutz, wasserdichte Reißverschlüsse und ein leicht verlängertes Rückenteil schützen gegen Wind und Wetter. 

Eiko, Lutter am Barenberge

Ein besonders robustes Sortiment ist „Canvas Powerline“ in Beige-Schwarz, dazu kommen drei Serien Zunftkleidung: „Zunft Classic“ mit hoher Leibhöhe und großer Beinweite ist der altbewährte Vertreter. „Zunft 86ST“ bringt Zunft und Modebewusstsein zusammen; die Linie zeichnet sich durch eine tiefere Leibhöhe, geringere Beinweite, mehr Taschen und Modelle für Damen aus. Trotz der körpernahen Passform ist ein großer Bewegungsbereich möglich. Die Linie „Zunft Exklusiv“ mit Echtleder ist modisch und repräsentativ. Besonderes Merkmal aller Linien ist der robuste Stoff für die Taschen: Nägel und Schrauben können darin problemlos aufbewahrt werden.

Engelbert Strauss, Biebergemünd

Für viel Bewegungskomfort soll die Stretch-Arbeitskleidung „E.S. Dynashield“ von Engelbert Strauss sorgen. Gefertigt ist sie aus einem belastbaren Doppel-Gewebe (Elasthan-Polyamid-Mischung). Die Außenseite ist robust und reißfest, die Innenseite weich. Gleichzeitig ist das Textil flexibel und elastisch. Das Sortiment umfasst verschiedene Hosen, darunter auch eine Cargo-Hose und Jacken für Damen und Herren.

Paul H. Kübler Workwear, Plüderhausen

Neben moderner, funktioneller Berufskleidung hat Kübler eine Zunftkollektion im Programm. Sie umfasst Jacke, Weste, Shorts, verschiedene Hosenmodelle und Schlaghosen in Zwirn-Trenkercord (85 Prozent Baumwolle, 15 Prozent Polyester) sowie Zwirn-Doppelpilot aus 100 Prozent Baumwolle. Die Tascheneingriffe sowie die Schrittnaht sind mit Kunstlederbesä-tzen verstärkt, die Knöpfe aus Perlmutt-Imitat. Die Zunftkollektion ist in einem breiten Größenspiegel verfügbar.

Mascot Workwear, Flensburg

„Advanced“ ist eine nach dem Zwiebelprinzip aufgebaute Kollektion mit mehreren Bekleidungslagen. Dünne, enganliegende Shirts aus einem elastischen, feuchtigkeitsregulierenden Polyester-Material werden am Körper getragen. Für die Übergangszeit kommen verschiedene Oberteile hinzu, etwa eine mit Stretch-Einsätzen und Reißverschlusstaschen versehene, gefütterte Stepp-Jacke und Fleece-Oberteile mit hoher Bewegungsfreiheit und Daumenlöchern an den Ärmeln. Die „Outershell“-Jacke mit verlängertem Rücken ist leicht und dehnbar, atmungsaktiv, wind- und wasserdicht. Die Hosen sind aus strapazierfähigem Stretch-Material.

Snickers Workwear, Vlotho

Für Zimmerleute eignen sich die „AllroundWork“ und „FlexiWork“-Kollektionen von Snickers Workwear. Die Linien umfassen Oberteile und Hosen aus robusten Materialien. „AllroundWork“ bietet auch luftige Sommerhosen und Shirts aus Polyester mit „37.5“-Technologie. Stoffe mit der „37.5“-Technologie sollen Feuchtigkeit aufnehmen und schneller als andere Stoffe wieder abgeben. Das Material ist leicht und trocknet schnell. Es verleiht der Kleidung im Sommer laut Hersteller einen kühlen Komfort, im Winter ein gutes Feuchtemanagement. Auch andere Hersteller nutzen Stoffe mit „37.5.“-Technologie für ihre Kleidung. Die Hosen aus einem robusten „Rip-Stop“-Gewebe sind modern geschnitten, durch Öffnungen und Stretch-Netze ist für eine gute Beinbelüftung gesorgt.

Würth Modyf, Künzelsau

„StretchX“ von Würth Modyf ist eine neue Kollektion für Holzhandwerker. Die aus einem elastischen Gewebe gefertigten Hosen und Jacken sind bequem, flexibel, leicht und dennoch robust. Der hohe Baumwollanteil ist angenehm für die Haut. Die Oberteile und Hosen sind mit vielen Taschen ausgestattet. Die auf der Jacke außen angebrachte Handytasche ist aus „E-Care“-Gewebe gefertigt, die den Körper zu 99 Prozent gegen elektromagnetische Strahlen schützen soll.

Autorin

Dipl.-Ing. Sabine Anton-Katzenbach ist Beraterin, freie Journalistin und Inhaberin der Textilberatung Hamburg.

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