Bitumenbahnen direkt auf Steinwolle verschweißt

Bitrock-Dämmplatten für das Verschweißen von Bitumen-Unterlagsbahnen konzipiert

Ein leerstehendes Lagergebäude in Kottenheim wurde saniert und dadurch zur neu nutzbaren Gewerbeimmobilie. Das Dach erhielt eine zweilagige Dämmung. Die obere Dämmschicht bilden Steinwolldämmplatten, deren Oberfläche für die Verschweißung von Bitumen-Unterlagsbahnen entwickelt wurde.

Abriss oder Umnutzung: Die Gemeinde Kottenheim in der Eifel stand 2019 vor der Frage, was aus einem ehemaligen Lager der Raiffeisenkasse werden sollte. Lars und Corinna Behrendt, denen die soziokulturelle Entwicklung der kleinen Gemeinde in der Eifel sehr am Herzen liegt, nahmen sich der Sanierung des Gebäudes an. Das Ehepaar hat in den vergangenen Jahren bereits mehrfach ehemalige Bergarbeiterhäuser in Kottenheim saniert und zu Ferienwohnungen umgebaut. Für das leerstehende, ehemalige Lagergebäude entwickelten Lars und Corinna Behrendt ein Konzept für eine vielfältig nutzbare Gewerbeimmobilie. Das Gebäude bietet nach dem Umbau Freiberuflern, Künstlern, Musikern oder Einzelhändlern die Chance, tageweise oder dauerhaft einen Schreibtisch, einen Raum oder auch eine Fläche anzumieten. Um die Mieten bezahlbar zu halten, setzten die Bauherrn auf günstige Baustoffe und brachten viel Eigenleistung ein. Der Innenausbau des Gebäudes erfolgte in Trockenbauweise mit Holzständerwänden. Die Außenwände wurden von innen mit Lehm verputzt und mit Holzweichfaserplatten gedämmt. Eine Wandheizung sorgt im Gebäudeinneren für Wärme.

 

Rückbau alter Faserzementplatten

Das früher nicht gedämmte Flachdach des Gebäudes wurde mit einem neu entwickelten Dachaufbau versehen. Dieser besteht aus einer Holzschalung, Steinwolldämmung und einer Dachabdichtung mit Bitumenbahnen und bringt das alte Lagerhaus energetisch auf Neubauniveau. Innerhalb von vier Wochen gelang es, die alte Dacheindeckung aus Faserzementtafeln zurückzubauen, die tragende Balkenkonstruktion aufzudoppeln, mit einer neuen Schalung zu versehen, zu dämmen und abzudichten. Für den Rückbau der alten Faserzementplatten vom Dach wurde ein dafür qualifizierter Fachbetrieb beauftragt.

Nach dem Rückbau erstellte das Team von Dachdecker Erich Nöthen aus Mayen den neuen Dachaufbau. Auf die neue Dachschalung verlegten die Dachdecker zunächst kaltselbstklebende Dampfsperrbahnen mit Sicherheitsnaht und feinbestreuter Oberfläche. Die Dampfsperrbahnen erleichterten die spätere Verklebung der Dämmung und funktionierten als Behelfsabdichtung. Sie schützten die Holzschalung in der Bauzeit vor Regen.

 

Steinwolle zweilagig verlegt

Gedämmt wurde das 350 m2 große Dach dann mit einer 100 mm dicken Lage aus druckbelastbaren Steinwolldämmplatten („Hardrock 040“). Mit ihrer hoch verdichteten, lastverteilenden Oberlage bietet diese Dämmung eine verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen mechanische Beanspruchungen wie sie durch das Begehen des Daches oder den Aufbau einer Solar- oder Photovoltaikanlage verursacht werden. Um den Wärmeschutz weiter zu verbessern und die Voraussetzungen für die Verklebung der Dachabdichtung zu schaffen, wurde eine zweite, ebenfalls 100 mm dicke Lage „Bitrock“-Steinwolldämmplatten verlegt. Sowohl die Grunddämmung als auch die „Bitrock“-Dämmplatten wurden gemäß der Mengenangaben aus der Windsogberechnung von Rockwool mit PU-Klebstoff verklebt. Für das Gebäude wurde zuvor eine Windlastberechnung zur Ermittlung der resultierenden Windsoglasten und die Einteilung der Dachfläche in Eck-, Rand- und Innenbereiche erstellt. Anhand der Windsoglasten wurde für die einzelnen Dachbereiche die jeweils erforderliche Klebemenge in Kleberaupen pro Quadratmeter berechnet. Der komplette Dachaufbau aus Dampfsperre, Dämmung und Abdichtung sollte verklebt befestigt werden, weil die Holzschalung später von innen sichtbar ist und keine Schrauben oder andere Befestigungsmittel nachher im Innenraum sichtbar sein sollten.

 

Gute Haftung von Bitumenbahnen

Die Dämmplatte „Bitrock“ von Rockwool, die als zweite Dämmlage eingesetzt wurde, kam Anfang 2020 auf den Markt. Die Dachsanierung in Kottenheim war eines der ersten Projekte, bei denen die neue Dämmplatte zum Einsatz kam. Sie verfügt über eine planebene, geschliffene Oberfläche, die mehr Klebefläche für das direkte Aufschweißen von Bitumenabdichtungen bietet und so den Verbund zwischen Dämmung und Abdichtung verbessern soll. Angesichts ihrer Druckbelastbarkeit von 70 kPa sind „Bitrock“-Dämmplatten hochbelastbar und gemäß Flachdachrichtlinie auch für die Anwendung bei Dächern mit PV-Anlagen geeignet.

 

Abdichtung direkt aufgeschweißt

Dank der klebefreundlichen Oberfläche der „Bitrock“-Dämmplatten können Bitumen-Unterlagsbahnen direkt auf die Dämmung geschweißt werden. Schon während des Schweißens kann durch Zurückrollen der Bahn deren Haftung auf der Dämmstoffoberfläche kontrolliert werden. Zeigt sich die Unterseite nahezu flächig mit Steinwolle-Flocken bedeckt, so ist der Haftverbund erreicht.

Im Windsogversuch wurde mit den „Bitrock“-Dämmplatten und darauf verschweißten Unterlagsbahnen eine sehr hohe Beständigkeit der Konstruktion gegenüber Windlasten nachgewiesen. Eine Flachdachdämmung und -abdichtung mit „Bitrock“ kann pauschal bis zu einer Windlast von maximal 3,6 kN/m² verwendet werden. Sind höhere Windlasten zu erwarten, erstellt Rockwool einen Einzelnachweis gemäß DIN EN 1991.Der Einzelnachweis ist eine genaue Berechnung der Windlasten gemäß DIN EN 1991. ´ Dabei werden zusätzliche Einflussfaktoren wie Gebäudegeometrie, Landschaft und Ausbildung der Attika berücksichtigt – diese mindern in der Regel die Windlasten gegenüber den pauschalen Verbrauchsangaben. Dachbereiche, die eine höhere Windlast als 3,6 kN/m² haben, benötigen eine zusätzliche Auflast oder müssen mechanisch befestigt werden.

Unterseite der Unterlagsbahn nur leicht verflüssigen

Für die zweilagige Abdichtung  über der Dämmung nutzten die Dachdecker als erste Lage eine für das direkte Aufschweißen auf Steinwolle entwickelte, kaltselbstklebende Elastomerbitumen-Unterlagsbahn („Vedatop MS“). Die Oberfläche der „Bitrock“ Dämmplatten wurde speziell für die Verschweißung von Mineralwolle-Unterlagsbahnen entwickelt, die für diesen Einsatzzweck vom Dachbahnhersteller freigegeben sind. In der Praxis bedeutet das, dass bei Einsatz der Dämmplatten die Unterseite der Unterlagsbahn nur leicht verflüssigt werden muss, damit beim Schweißen ein flächiger Verbund mit der Dämmung erreicht wird. Der erforderliche Wärmeeintrag für das Verflüssigen reduziert sich also. Das sorgt für eine höhere Verarbeitungsgeschwindigkeit und Einsparungen beim Gasverbrauch. Die optische Haftkontrolle erfolgt, indem die Unterlagsbahn nach einer kurzen Abkühlphase zurückgerollt wird. Dachdecker Erich Nöthen bescheinigte einen guten und gleichmäßigen Verbund der Unterlagsbahnen mit der „Bitrock“ Dämmstoffoberfläche. Alexander Laubenthal, der als Dachdecker und Vorarbeiter das Projekt betreut hat, sagt: „Nachdem wir den Dreh raushatten, ging das Verschweißen der Unterlagsbahnen auf den Dämmplatten schnell.“

Als Oberlagsbahn für die abschließende Dachabdichtung wurde eine Elastomerbitumen-Schweißbahn von Vedag verlegt. Sie erfüllt, im System geprüft und durch ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis nachgewiesen, die Anforderung an „harte Bedachungen“ (Klassifizierung BROOF (t1)).

 

Wärmeschutz auf Neubauniveau

Das gedämmte und abgedichtete Flachdach des ehemaligen Lagergebäudes erreicht einen U-Wert von 0,20 W/(m²K). Das entspricht einem Wert, wie er für Neubauten gefordert wird. „Bei allen Arbeiten haben wir versucht, möglichst günstig zu sanieren, doch bei der Dachdämmung haben wir nicht gespart“, erklärt Bauherr Lars Behrendt. Dass die Steinwolle auf dem Dach den Brandschutz verbessere, sei neben dem Wärmeschutz ein positiver Nebeneffekt. „Das Kassenlager-Gebäude liegt mitten in einer Wohnbebauung und guten Brandschutz im Dach sehen wir durchaus als Maßnahme zugunsten einer guten Nachbarschaft an“, sagt der Bauherr.

Die alten und neuen Dachbalken und die Holzschalung des Daches wurden von innen weiß gestrichen. In das Dach wurden außerdem mehrere Velux-Lichtkuppeln eingebaut, die für Licht in den Büroräumen sorgen. Inzwischen sind drei Viertel der Büroflächen in der Gewerbeimmobilie vermietet. Die Deutsche Post hat außerdem eine Filiale in dem Gebäude eröffnet, dadurch hat sich das „Kassenlager“ zu einem festen Bezugspunkt in Kottenheim entwickelt.

 

Autor

Andreas Gebing ist Produktmanager Flachdach der Deutschen Rockwool GmbH & Co. KG in Gladbeck.

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Umbau eines ehemaligen Lagerhauses in Kottenheim, Verlegung einer neuen Dachdämmung und Dachabdichtung

Bauzeit 08/2019 - 07/2020 

Bauherr Lars und Corinna Behrendt, Kottenheim

Dachdecker Erich Nöthen GmbH, 56727 Mayen, www.dachdeckernoethen.de 

 

Produkte (Auswahl)

Dämmung „Hardrock 040“ (erste Lage), „Bitrock“ (zweite Lage), Rockwool GmbH & Co. KG, 45966 Gladbeck, www.rockwool.de

Abdichtungsbahnen Dampfsperrbahn und Notabdichtung „Vedagard Safety blank“; Elastomerbitumen-Unterlagsbahn „Vedatop MS“, Oberlagsbahn „Vedatect PYE PV 200 S5 EN“, BMI Vedag, 96050 Bamberg, www.bmigroup.com

Weitere Informationen zu den Unternehmen
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