Massivholzbau mit Faserzementfassade

Statt einer Stülpschalung aus Holz erhielt ein Einfamilienhaus in Kirchheim eine Fassade aus Faserzementpaneelen. Entscheidend für die Materialwahl waren die stabilen und witterungsbeständigen Eigenschaften der Fassadenplatten, die im Gegensatz zu Holz keine regelmäßigen Anstriche benötigen.

Für die Bauherren des Einfamilienhauses in Kirchheim im Unterallgäu stand von Anfang an fest, dass ihr  Haus ein Holzbau im Schwedenhaus-Stil werden sollte. Den Bau des Hauses übernahm die ortsansässige Holzheu Holzbau GmbH. Die Zimmerei ist auf die Massivholzbauweise spezialisiert und verbindet dabei traditionellen Holzbau mit modernen Produktionstechniken. Das Raumkonzept des Neubaus entwickelten die Bauherren gemeinsam mit der Holzheu Holzbau GmbH. Das Haus bietet der Bauherrenfamilie insgesamt 180 m² Wohnfläche. Das auf einem schönen, wegen seiner Hanglage aber schwierig zu bebauenden Grundstück entstandene Haus basiert auf einem rechteckigen Grundriss von 11,30 m x 12,40 m.

Holzwände ohne Leim

Die Außen- und Innenwände des Gebäudes wurden mit Holzwänden errichtet, die von der Holzheu Holzbau GmbH vorgefertigt wurden. Die Wandelemente erstellt der Holzbaubetrieb ohne Zusatz von Holzschutzmitteln oder Leim. Die einzelnen Holzlagen werden stattdessen mit Nägeln verbunden.

Die „Holzheu Massivholzwand“ besteht im Kern aus Holzständern in 80 mm Dicke, die dicht nebeneinander montiert werden und außen und innen jeweils eine Diagonalschalung aus Holz in 25 mm Dicke erhalten. Zur Außenseite folgt eine Luftdichtigkeitsebene mit einer Dampfbremsbahn (sd = 2,3 m). Darüber werden gedämmte TJI-Stegträger („Steico Wall“) befestigt, zwischen die eine flexible Holzweichfaserdämmung eingefügt wird. Die Gurte der Stegträger bestehen aus Furnierschichtholz, die Stege aus „Natural Fibre Boards“ (NFB). Das sind Holzfaserplatten, die ohne Bindemittel aus reinen Holzfasern hergestellt werden, ohne Zusatz von Leim oder formaldehydhaltigem Harz. Als nächste Schicht nach den Stegträgern folgt eine wasserabweisende Holzweichfaserdämmung in 80 mm Dicke, darüber die Lattung für die Fassadenpaneele.

Raumseitige Beplankung mit Gipsfaserplatten

Im gesamten Wandaufbau wurde auf Baustoffe wie Spanplatten, Polystyroldämmplatten und PE-Folien verzichtet. Dazu passt die raumseitige Beplankung aller Außen- und Innenwände mit Fermacell-Gipsfaserplatten (d = 12,5 mm). Sie werden auf Basis von recycelten Papierfasern, Gips und Wasser hergestellt und enthalten keine gesundheitsgefährdenden Stoffe wie etwa Formaldehyd. Im Brandfall bieten die Gipsfaserplatten Sicherheit, denn sie sind nach ETA-03/0050 zugelassen und entsprechend der Klasse A2-s1 d0 nach EN 13501-1 nicht brennbar. Holzkonstruktionen, die auf beiden Seiten einlagig mit Fermacell-Gipsfaserplatten beplankt sind, können beispielsweise schon die Feuerwiderstandsklasse F60 erreichen.

Kein regelmäßiges Streichen

Die Vorfertigung der Holzwände im Holzbaubetrieb sorgte für eine schnelle Montage auf der Baustelle. Um den gewünschten Schwedenhaus-Charakter zu erreichen, sollten die Giebelflächen und Fassaden des Einfamilienhauses ursprünglich eine Stülpschalung aus Holz erhalten. Gegen eine Holzfassade sprach jedoch, dass diese auf der Wetterseite des Hauses der Witterung ungeschützt ausgesetzt und so nach einiger Zeit stark verwittert sein würde. Markus Holzheu, Inhaber des ausführenden Holzbaubetriebs, wies die Bauherren darauf hin, dass bei einer Holzfassade regelmäßiges Streichen in relativ kurzen Zeitabständen nötig sei, weil sich das Aussehen witterungsbedingt verändere und die Farbe des Holzes verblassen würde. „Das wäre mit einem enorm hohen Aufwand verbunden gewesen“, sagt die Bauherrin, „denn das Haus ist auf der dem Hang abgewandten Seite drei Etagen hoch und ein Gerüst oder eine Arbeitsbühne wären zum Streichen erforderlich gewesen.“ Daher schlug Zimmerer Markus Holzheu als Alternative zur Holzfassade eine Beplankung mit „Hardie PlankFassadenpaneelen aus Faserzement vor.

An das europäische Klima angepasst

Auch bei jahrelangem Einsatz unter extremen Klima-bedingungen schrumpfen und quellen diese Faserzementplatten laut Herstellerangaben nicht. Zudem verfügen die Fassadenpaneele über eine hohe Resistenz gegen Algen- und Pilzbefall, Insekten oder andere Schädlinge. Die „Hardie Plank“-Paneele sind außerdem nicht brennbar und kommen bereits fertig  farblich beschichtet auf die Baustelle. Die Bauherren des Einfamilienhauses in Kirchheim wählten die Faserzementpaneele in der Farbe „nebelgrau“.

Montage auf Holz-Unterkonstruktion

„Hardie Plank“-Fassadenbekleidungen dürfen gemäß der DIN EN 12467, die den Einsatzbereich von Faserzementpaneelen regelt, in den Anwendungsbereichen der Kategorie A, Klasse 2 der DIN EN 12467 eingesetzt werden (höchste Belastungen) und verfügen über eine entsprechende CE-Kennzeichnung. Die Platten sind standardmäßig 8 mm dick, 3600 mm lang und 180 mm breit. Ihr Gewicht beträgt 7,4 kg pro Paneel. Im vorliegenden Fall erfolgte die Montage der Faserzementpaneele in Stülpschalung auf einer Unterkonstruktion aus Holz. Die Unterkonstruktion sollte für die Montage eine Mindestdicke von 40 mm haben und einen horizontalen Abstand von rund 625 mm. Dabei muss ein Belüftungsabstand von mindestens 20 mm zwischen den Fassadenpaneelen und dem tragenden Untergrund berücksichtigt werden. Der Hersteller James Hardie Europe empfiehlt die Verwendung eines EPDM-Bands, um die Holzunterkonstruktion vor eindringender Feuchte zu schützen.

Der Zuschnitt der Paneele vor der Montage erfolgte mit einer Handkreissäge mit Absaugung. Alternativ kann dafür auch das „Hardie Guillotine“-Schneidwerkzeug verwendet werden. Damit ist ein stromloser  Zuschnitt ohne Staubbildung möglich. Sämtliche Schnittkanten an den Paneelen wurden vor der Montage mit einer Kantenversiegelung nachbehandelt.

Justierhilfe erleichtert Verlegung

Die Paneele werden von unten nach oben verlegt. Daher brachten die Handwerker zunächst ein Lüftungsprofil am Fuß der Konstruktion als Grundlage für die erste Reihe an. Die zweite und alle folgenden Reihen der Faserzementpaneele wurden mit 30 mm Überlappung zur darunterliegenden Reihe im Fugenversatz montiert. Die Stöße der Paneele hinterlegten die Zimmerer mit EPDM-Band.

Die „Gecko Gauge“-Justierhilfe half bei der Montage der Platten. Das Werkzeug funktioniert wie ein zusätzliches Paar Hände, sodass die Befestigung der „Hardie Plank“-Fassadenpaneele damit auch von einer Person alleine ausgeführt werden kann. Die einzelnen Paneele wurden von den Handwerkern auf der Unterkonstruktion aus Holz verschraubt.

Mit der Fassade aus Faserzementpaneelen entschieden sich die Bauherren des Einfamilienhauses in Kirchheim für eine dauerhafte, robuste Lösung. Im Gegensatz zu einer Holzfassade braucht die Faserzementfassade keine regelmäßigen Pflegeanstriche.

Autorin

Rita Jacobs führt ein PR-Büro mit Schwerpunkt Bau und Architektur in Düsseldorf und unterstützt die James Hardie Europe GmbH bei der Pressearbeit.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Neubau eines Einfamilienhauses in Massivholzbauweise mit Fassade aus Faserzementpaneelen

Holzbau- und Fassadenarbeiten Holzheu Holzbau GmbH, 87757 Kirchheim, www.holzheu-holzbau.de

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