Elektrische Nutzfahrzeuge

Preis, Leistung, Reichweite aktueller E-Nutzfahrzeuge im Vergleich

Vor ein paar Jahren war man mit elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen noch ein Exot. Aber Motoren und Akkus von E-Nutzfahrzeugen sind besser geworden. Neue und bessere Modelle kommen auf den Markt. Trotzdem mangelt es den Fahrzeugen noch an Geschwindigkeit, Reichweite und einem vernünftigen Peis.

Die Elektromobilität hat in den Markt der Nutzfahrzeuge bis 3,5 t Einzug gehalten. Dazu haben verschiedene Faktoren beigetragen: zum einen die technischen Verbesserungen, allen voran die Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Batterien. Mit steigenden Volt- und Amperezahlen und den sich daraus ergebenden Kilowattstunden haben sich die Reichweiten der elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeuge verbessert. Trotzdem liegt die Reichweite in der Regel immer noch zwischen 100 und 200 Kilometern. Auch bei den Ladezeiten, die meist bei etwa acht Stunden liegen, kann man nicht gerade von einer Schnellladung sprechen. Die Motoren der für das Handwerk geeigneten Elektro-Nutzfahrzeuge sind zwar stärker geworden (zwischen 50 und 100 kW), die Höchstgeschwindigkeit liegt mittlerweile auch meist oberhalb von 100 km/h – der technische Quantensprung lässt aber noch auf sich warten.

Motor, Steuerelektronik und Getriebe in einem

Vielleicht ist der elektrische Achsantrieb (kurz „eAchse“) dieser Quantensprung? Bosch, einer der wichtigen Motorenentwickler, den man im Handwerk eher von hochwertigen Elektrowerkzeugen kennt, arbeitet an einem elektrischen Antrieb nach dem All-in-one-Prinzip: Motor, Steuerelektronik und Getriebe sind in einem Bauteil miteinander kombiniert. So treibt man direkt die Achse des Fahrzeugs an, womit sich auch ein Allradantrieb einfach realisieren lässt. Der Achsantrieb soll im Vergleich mit anderen Elektroantrieben effizienter und günstiger sein. Dadurch würde auch die Reichweite der elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeuge steigen, ohne dass man die Kapazität der Akkus weiter erhöhten müsste.

Die Leistung eines solchen Motors ließe sich nach Herstellerangaben je nach Bedarf zwischen 50 und 300 KW und zwischen 1000 und 6000 Nm wählen. Damit könnte man Fahrzeuge vom Pkw bis hin zum kleinen Lkw bis 7,5 t antreiben. Die Leistungsanforderungen für elektrisch angetriebene Nutzfahrzeuge bis 3,5 t liegen dazwischen. Muster der elektrischen Achse sind laut Bosch einsatzbereit und werden derzeit getestet. Eine Serienproduktion solcher Motoren ist bei Bosch allerdings erst für 2019 geplant.

Ein weiterer Faktor erhöht neben dem technischen Fortschritt die Akzeptanz elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge: Der Diesel-Skandal hat vereinzelt zu innerstädtischen Fahrverboten für Dieselfahrzeuge geführt. Dabei ist der Einsatz von elektrisch angetriebenen Nutzfahrzeugen in der Stadt viel älter als der aktuelle Skandalfall. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzten kommunale Betriebe elektrische Nutzfahrzeuge ein. Die Post tat dies bis in die 1960er Jahre hinein und tut es heute mit dem „StreetScooter“ wieder. Die Nutzlast ist mit 740 kg bei diesem Fahrzeug hoch, der Preis ist es aber auch.

Umrüstung auf Elektroantrieb

Die Preise für die im Handwerk typischen Kastenwagen zum Beispiel von Renault, Nissan, Peugeot und Citroen liegen um die 30 000 Euro. Dabei sind die Modelle der beiden letztgenannten identisch, da beide Marken zur Groupe PSA gehören. Nicht alle Hersteller bieten eigene Elektro-Nutzfahrzeuge an: Der „eDucato Van“ von Fiat etwa ist eine kundenindividuelle Umrüstung eines handelsüblichen „Ducato“ auf Elektroantrieb durch die Firma emovum. VW Nutzfahrzeuge hingegen hat mit dem „e-Crafter“ dieses Jahr sein erstes rein elektrisch betriebenes Nutzfahrzeug vorgestellt. Außerdem stellte VW auf der IAA Nutzfahrzeuge die Studie „Crafter HyMotion“ vor: Das Fahrzeug hat eine kleinere Batterie als der „eCrafter“ und zusätzlich einen Brennstoffzellenantrieb. Der soll für eine höhere Reichweite als bei reinem Elektroantrieb sorgen. Die Entwicklung elektrisch angetriebener Nutzfahrzeuge ist damit noch nicht zu Ende, sondern eher am Anfang. Der elektrische Achsantrieb, Akkus mit bisher ungeahnter Kapazität, Brennstoffzellen und innovative Ladetechniken mit kurzen Ladezeiten lassen Raum für Neues in diesem Marktsegment.

Autor

Dipl.-Ing. Thomas Wieckhorst ist Chefredakteur der Zeitschriften bauhandwerk und dach+holzbau.

Herstellerindex (Auswahl)

 

Volkswagen Nutzfahrzeuge, Wolfsburg, www.volks
wagen-nutzfahrzeuge.de

Emovum, Hamburg, www.emovum.com

Citroen Deutschland, Köln, www.business.citroen.de

Nissan, Brühl, www.nissan.de

Peugeot, Köln, www.professional.peugeot.de

Renault, Brühl, www.renault.de

StreetScooter, Aachen, www.streetscooter.eu

Weitere Informationen zu den Unternehmen
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