Brandschutz für Baudenkmal in Haltern

Bauherr setzt nach Brand auf nicht brennbare Dämmung

Bei Fassadenarbeiten an einem denkmalgeschützten Gebäude in Haltern wurde ein Brand ausgelöst, der auf das Dachgeschoss überging und die Dachdämmung in Brand setzte. Die neue Dämmung sollte auf jeden Fall nicht brennbar sein, der Hauseigentümer entschied sich daher für Steinwolldämmplatten.

In der städtischen Denkmalliste von Haltern am See wird die Ansicht der historischen Hirsch-Apotheke als eine der schönsten Fassaden des Ortes geführt. Das Gebäude ist seit 1919 im Besitz der Familie Dewies, das Dachgeschoss des Hauses ist seit einigen Jahren zu Wohnzwecken ausgebaut. Bei Arbeiten an der Fassade des Gebäudes kam es im Juni 2016 zu einem verheerenden Brand. „Brandauslöser war nach Untersuchungen der Feuerwehr ein Bunsenbrenner, mit dem ein Maler an der Fassade die für das Gebäude schädlichen Acrylharzlacke lösen wollte. Dabei wurde die als schwer entflammbar klassifizierte PU-Hartschaum-Dämmung im Dach entzündet, die einige Jahre zuvor eingebaut worden war“, erklärt Klaus Dewies, Hauseigentümer und Inhaber der Hirsch-Apotheke. Noch heute zeigt sich Dewies erschüttert, wenn er an die Stunden nach dem Ausbruch des Brandes zurückdenkt: „Wir hatten uns alle in Sicherheit gebracht, mussten dann aber mit ansehen, wie Feuer, Qualm und vor allem rund 6000 Liter Löschwasser unser Zuhause nahezu vernichteten. Im Grunde waren das Dach und das gesamte Innere des Hauses nach dem Brand total zerstört. Wohnen konnte hier niemand mehr.“

Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Räume und Mobiliar waren fast vollständig zerstört. Deutlich sollten sich in den folgenden Monaten weitere wirtschaftliche Folgen des Brandes abzeichnen. „Unsere Apotheke im Erdgeschoss haben wir im Notbetrieb weitergeführt. Das fanden die Kunden allerdings nicht sehr attraktiv. So gingen die Umsätze 2016 und 2017 dramatisch zurück“, sagt Klaus Dewies. Deshalb hat der Hauseigentümer seither viel getan, um den baulichen Brandschutz insbesondere im Dach zu verbessern. Für die neue Dämmung des Daches setzte er daher auf nichtbrennbare Steinwolle.

Dämmung teilweise weggeschmolzen

Bauleiter Carsten Schade und vier weitere Mitarbeiter von der Dachdeckerei Benzel GmbH & Co. KG aus Lingen kümmerten sich um den Rückbau der alten Dämmung nach dem Brand, die Sanierung des historischen Dachstuhls und einen neuen Dachaufbau. „Wir haben erst einmal ziemlich mühsam die alten Dachplatten und Folien entfernt, um uns langsam an den Brandherd heranzuarbeiten. In der hinteren rechten Ecke des Hauses, wo das Feuer entstand, war die Dämmung vollkommen weggeschmolzen“, sagt Bauleiter Carsten Schade, „die übriggebliebenen Reste der Dämmung haben wir entfernt. Danach wurde nichtbrennbare Steinwolle eingebaut, um den Brandschutz zu verbessern.“

Ein Dach im Dach

Neben detaillierten Denkmalschutzvorgaben machte eine außergewöhnliche Dachkonstruktion die Arbeit für das Team der Benzel GmbH zu einer Herausforderung. Nach dem Entfernen der beschädigten Teile der alten Dachschalung habe man erkannt, dass eigentlich zwei Dachstühle existierten, so Carsten Schade. „Eine Balkenkonstruktion wie diese findet man nur selten. Im First treffen sich zwei Balkenlagen mit unterschiedlich steilem Gefälle. Die innere Balkenkonstruktion war früher direkt an den inneren Rand des Ringbalkens auf dem Außenmauerwerk angeschlossen, mit der Folge, dass es hier offensichtlich zu Schäden kam, weil die Balken vom Fuß her Feuchtigkeit zogen. Eine äußere, später errichtete Balkenkonstruktion mit geringerem Gefälle und deutlichem Dachüberstand hat den Anschluss der historischen Balken an die Außenwand überdeckt und damit vor Feuchtigkeit geschützt. Das war im Prinzip eine gute Idee“, sagt Schade. Weniger gut für den Brandfall sei aber gewesen, dass sich im Hohlraum zwischen den beiden Dachstühlen Feuer und Rauch zunächst unbemerkt entwickeln konnten.

Schneller Witterungsschutz gefragt

Zur Herausforderung für den Einbau einer neuen Dämmung wurde auch die Geometrie des Daches. Da es nach vorn und hinten je eine große Gaube gab, wies das Dach viele Grate und Kehlen auf. Dämmung und Folien mussten sorgfältig zugeschnitten werden. Zum Einsatz kam das „Meisterdach“-Mineralwolldämmsystem von Rockwool: Auf die teilweise mit OSB-Platten erneuerte Holzschalung über den äußeren Sparren wurde die begehbare Schalungsbahn „RockTect Vapotop“ als rutschfester Witterungsschutz, Dampfbremse und Luftdichtigkeitsschicht für die Dämmung verlegt. Die Längsstöße verklebten die Dachdecker über Selbstklebestreifen an den Bahnen, die Querstöße mit einseitig klebendem Klebeband („RockTect Twinline“). Luftdichte Anschlüsse der Dampfbremse an angrenzende Bauteile erstellten die Dachdecker mit dem Rockwool-Dichtkleber „RockTect Multikit“.

„Die alte, mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmte Dachform musste bei der Sanierung wiederhergestellt werden“, sagt Carsten Schade, „dadurch wurden viele Detailarbeiten notwendig, die den Baufortschritt verlangsamten. Entsprechend mussten wir den Dachstuhl wieder gut abdecken, damit bei Regen kein Wasser eindringt.“

Komplettsanierung nach EnEV 2016

Für das infolge des Brandes komplett neu zu däm­mende und einzudeckende Walmdach galten zugleich die Anforderungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2016. „Wir waren froh, dass das „Meisterdach“-System an diesen Anforderungen orientiert ist und wir sicher nach EnEV würden sanieren können“, sagt Juniorchef Mathias Benzel. Auf die „RockTect Vapotop“-Schalungsbahn verlegten die Dachdecker nichtbrennbare „Masterrock GF“-Dämmplatten in einer Dicke von 140 mm und darüber die schützende, diffusionsoffene Unterdeckbahn „RockTect Drenatop“. Kehlen- und Firstbereiche waren besonders sorgfältig auszuführen, hier wurde deshalb zusätzlich über der Unterdeckbahn „RockTect Drenatop“ die First- und Kehlbahn „RockTect Finatop“ verklebt. Die Stoßbereiche in den Dachkehlen und am First wurden so fachgerecht ausgeführt. Eintretendes Wasser kann in den Kehlen ablaufen und dringt nicht in die Konstruktion ein.

Dämmung und Folien befestigten die Dachdecker über eine Konterlattung und zum „Meisterdach“ System gehörende Doppelgewindeschrauben mit 160 mm Länge. Bei der Eindeckung entschieden sich Bauherr und Dachdecker für „Braas Topas 15V Kupferrot“ Dachziegel. In die Dachflächen bauten die Dachdecker außerdem Velux-Dachfenster ein. Zu den Arbeiten der Dachdecker gehörte außerdem unter anderem die Montage von Kehlblechen aus Titanzink.

Anschluss an Fensterlaibungen erforderte Geschick

„Wir haben in dieser Form zum ersten Mal mit dem „Meisterdach“-System gearbeitet. Rückblickend lässt sich sagen, dass es genau die richtige Lösung für diese Sanierung war“, fasst Matthias Benzel zusammen, „die besonderen Herausforderungen bei der Ausführung von Dämmung und Dichtung im Bereich der vier Kehlen und der vier Grate ließen sich mit den Dämmplatten und den zugehörigen Systemkomponenten sicher ausführen.“ Der Anschluss der Dichtfolien vor allem im Bereich der tiefen Fensterlaibungen rund um die Dachfenster erforderte viel Geschick und wurde ebenfalls vom Team Benzel ausgeführt.

Annahmestopp sorgte für Ärger

Behutsam und langwierig – das sind die Begriffe, die dem Hauseigentümer einfallen, wenn er an die Sanierung seines Daches zurückdenkt. „Als dann noch die Mülldeponie einen Annahmestopp für PUR/PIR-Dämmstoffe verhängte, mussten wir die ausgebauten Dämmplatten hier auf dem Hof und bei der Firma Benzel in großen Stapeln zwischenlagern, bis entschieden war, wie es mit der Entsorgung dieser Stoffe weitergeht“, sagt Klaus Dewies. Für die Dachdecker allerdings findet der Apotheker nur lobende Worte: „Wenn wir damals nicht das Glück gehabt hätten, so engagierte Handwerker an Bord zu haben, wir hätten sicher noch deutlich mehr Nerven gelassen. Das Team Benzel hat jeden Tag aufs neue Probleme erkannt und gebannt. Wir waren dafür einfach nur dankbar angesichts der Fülle von Ärger, den es zu verkraften galt.“

Auch seine Entscheidung für eine Steinwolldämmung bereut der Bauherr nicht: „Meine Frau und ich wohnen jetzt wieder wie vor dem Brand in der Dachgeschosswohnung. Bezüglich des Wärmeschutzes spüren wir keine Veränderungen, in dieser Hinsicht hatte die alte Dämmung ja durchaus ihre Dienste geleistet. Aber es ist jetzt schon ein gutes Gefühl, dass wir und die historischen Holzbalken des Daches von einer nicht brennbaren Dämmung geschützt werden. Je weniger das Material einem Feuer Futter gibt, desto besser“, sagt Klaus Dewies. Bei der ersten Dachsanierung hatte er sich übrigens für eine schwer entflammbare Hartschaumdämmung entschieden, weil ihm der damalige Dachdecker erklärt hatte, es handele sich dabei um eine „quasi nichtbrennbare“ Dämmung. Daher hatte sich der Hausbesitzer für die Dämmung mit etwas geringerer Aufbauhöhe als eine Steinwolldämmung entschieden. „Schwer entflammbar heißt aber eben doch etwas anderes als nicht brennbar, das weiß ich heute aus eigener Erfahrung“, sagt Klaus Dewies.

Autor

 

Dipl.-Ing. Matthias Becker ist Produktmanager im Bereich Hochbau der Rockwool GmbH & Co. KG in Gladbeck.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Sanierung des Daches eines Wohn- und Geschäftshauses in Haltern am See nach einem Brand, Dämmung mit Steinwolldämmplatten

Bauherr/Hauseigentümer Klaus Dewies, 45721 Haltern am See

Dachdecker Benzel GmbH & Co. KG, 49809 Lingen (Ems), www.benzel.eu

Produkte (Auswahl)

Schalungsbahn und Dampfbremse „RockTect Vapotop“, drei Monate frei bewitterbar

Steinwolldämmplatten „Masterrock GF“ / „Masterrock 035“, 140 mm dick

Unterdeckbahn „RockTect Drenatop“, diffusionsoffen, dreilagig, „RockTect Finatop“ für First- und Kehlbereiche, alle Produkte von Deutsche Rockwool GmbH & Co. KG, 45966 Gladbeck, www.rockwool.de

Dachziegel „Braas Topas 15V Kupferrot“-Dachziegel, Braas GmbH, 61440 Oberursel, www.braas.de

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