Würfelbau mit Wänden aus Holz

Schlanke Konstruktionen und ein hoher Vorfertigungsgrad: Diese Argumente sprachen beim Bau eines dreigeschossigen Bürogebäudes in Dietmannsried für Holztafelelemente als Außenwände. Mit Gipsfaser- und Leichbetonplatten beplankt, erfüllen sie den Brand- und Schallschutz.

Die Dienstleistungsgruppe Lattemann & Geiger ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Am Stammsitz in Dietmannsried im Allgäu investierte das Unternehmen im letzten Jahr neben einem Schulungszentrum in ein neues Bürogebäude. Das würfelförmige Gebäude ist das erste von drei, die unter dem Namen „Illa7“ einen Gewerbepark mit Gründerzentrum bilden sollen. Dafür sollen Büros aus dem technischen Bereich, Institute und Start-Ups angeworben werden. Die offene Gebäudestruktur des ersten Gebäudes auf dem Campus soll einen interdisziplinären Gedankenaustausch begünstigen. Großzügige Fensterfronten sorgen für den notwendigen Weitblick. Ein flexibles Raumkonzept macht die Unterteilung in verschiedene Nutzungseinheiten möglich. Die Büroflächen sind frei nach Wunsch der Mieter in Größen zwischen 20 und 225 m² gestaltbar. Die Gebäudeseiten des Bürogebäudes sind jeweils 18 m lang. Im Kern des Gebäudes sind die gemeinsamen Sanitärräume, der Aufzug sowie das Treppenhaus untergebracht.

Schlanker als massive Wände

Das Bürogebäude ist in Holz-Hybridbauweise gebaut. Die Holz-Beton-Mischbauweise nutzt gezielt die Vorzüge von Massiv- und Holzbauweise: Das lastabtragende Stahlbetonskelett bietet speziell beim mehrgeschossigen Bauen Vorteile bei Statik und Schallschutz. Dafür warten die Holzrahmenwände mit sehr guten energetischen Eigenschaften bei hoher Vorfertigung auf. Bei gleichen energetischen Kennwerten sind sie schlanker als massive Wände. Beplankt mit Gipsfaserplatten erhalten die Holzrahmenwände eine hohe Stabilität und erfüllen die Anforderungen an den Brandschutz. Die Vorfertigung der Holzbauelemente im Werk und die schnelle Montage auf der Baustelle verkürzen im Vergleich zur Massivbauweise die Bauzeit vor Ort merklich, lange Trocknungszeiten entfallen. Für Dipl.-Ing. Joachim Schwegler von der Fischer & Gibbesch Architekten GbR aus Sonthofen sprachen drei Gründe für die Holz-Beton-Bauweise: „Schlanke Konstruktionen, hoher Vorfertigungsgrad, dadurch große Zeitersparnis und eine entsprechend schnelle Fertigstellung.“

Wände mit Zellulosedämmstoff

Fundament, Bodenplatte, Keller, Treppen und alle ­tragenden Wände und Stützen des Gebäudes sind aus Stahlbeton. Sämtliche nichttragenden Wände sind in Trockenbauweise erstellt. Die Fassade ist eine nichttragende, wärmedämmende Holztafelkonstruktion. Raumseitig ist sie mit 15 mm dicken Fermacell-Gipsfaserplatten („Vapor“) beplankt. Den äußeren Wandabschluss bilden die zementgebundenen, glasfaserbewehrten Leichtbetonplatten „Powerpanel HD“ von Fermacell in einer Dicke von 15 mm. Der Wandhohlraum ist mit 200 mm Zelluloseeinblasdämmstoff gefüllt. Die raumseitige Beplankung mit „Vapor“-Platten fungiert dabei als diffusionshemmende Schicht (sd-Wert von > 3 m) und sorgt für Brandschutz und Aussteifung der Wände. Bei dieser speziellen Gipsfaserplatte wird durch eine auf der Plattenrückseite aufgebrachte Kaschierung die Wasserdampfdurchlässigkeit reduziert. Zusätzliche dampfbremsende Schichten in der Außenwandkonstruktion können damit entfallen. Die Wandelemente wurden im Erdgeschoss vorgestellt verarbeitet, in den oberen Etagen kommt aufgrund der langen Fensterfronten die eingestellte Bauweise zum Einsatz. Beide Konstruktionen sind im Fermacell-Detailkatalog „Hybridbau“ als Standarddetail 1.3 bzw. 4.3 beschrieben. Der Katalog steht online unter www.fermacell.de zum kostenlosen Download bereit.

Brandschutz und KfW 55-Standard

Die „Powerpanel HD“-Platten, mit denen die Holztafelwände von außen beplankt sind, haben eine rein mineralische Zusammensetzung und sind nicht brennbar. Sie besitzen den Nachweis der Baustoffklasse A1 gemäß DIN EN 13501-1. In Kombination mit einer geeigneten Dämmung im Wandhohlraum und ausreichend dimensionierten Holzständern erfüllen Wandkonstruktionen wie die des „Illa7“-Bürogebäudes die an eine Gebäudeabschlusswand in Holztafelbauweise gestellten Kriterien F30-B/F90-B. „Gleichzeitig konnten wir damit den angestrebten Energiestandard KfW 55 erreichen und von entsprechenden Zuschüssen profitieren“, sagt Architekt Joachim Schwegler.

Etagenweise hergestellt

Sämtliche Fassadenelemente wurden in den Werkhallen von Holzbau Buhmann in Weitnau hergestellt. Das 1960 gegründete Familienunternehmen ist auf Häuser, Hallen und Brücken in Holzbauweise spezialisiert. „Parallel zur Erstellung des Stahlbetonskeletts haben die Zimmerer etagenweise die Wandelemente hergestellt“, sagt Joachim Schwegler. Dafür wurden die Platten zur Beplankung auf die Holzständer gelegt, pneumatisch eingespannt und mit einem Druckluftnagler befestigt. Per Tieflader kamen die Elemente dann zur Montage auf die Baustelle.

Dank des hohen Vorfertigungsgrads der Wände ging der Bau schnell voran. So vergingen vom ersten Spatenstich bis zur Fertigstellung des Rohbaus Anfang September 2017 sieben Monate. Der Zeitplan des Baus konnte dabei eingehalten werden. Den nachfolgenden Gewerken wurde ein geschlossenes, wetterfestes Gebäude übergeben. „Da im Holzbau sehr genau gearbeitet wurde, war es möglich, parallel zur Vorfertigung der Wandelemente bereits die Fenster zu bestellen, so dass diese sofort nach Montage der Wände eingebaut werden konnten“, sagt Joachim Schwegler.

Sechs Monate Schutz vor der Witterung

Unmittelbar nach der Montage bieten die unverputzten „Powerpanel HD“-Platten für die Dauer von maximal sechs Monaten einen ausreichenden Witterungsschutz – vorausgesetzt, die Elemente werden mit der geprüften „HD“-Fugentechnik ausgeführt und alle Ecken, Anschlüsse und Bewegungsfugen und sämtliche Öffnungen in der Fassade fachgerecht abgedichtet, was im vorliegenden Fall gegeben war. Als die Fassade durch den frühzeitigen Wintereinbruch nicht unmittelbar nach der Montage verputzt werden konnte, mussten daher keine zusätzlichen Wetterschutzmaßnahmen ergriffen werden. Als im Frühjahr die Temperaturen wieder anstiegen, wurde auch das Fermacell-„HD“-Putzsystem direkt auf den Platten als dauerhaft wirksamer Wetterschutz aufgebracht.

Dachaufbau mit Solaranlage

Das Dach des Gebäudes erhielt einen herkömmlichen Warmdachaufbau, erstellt durch die Dachdecker der Firma Lerchenmüller aus Dietmannsried. Auf einem bituminösen Voranstrich verlegten die Dachdecker eine Elastomerbitumen-Schweißbahn als Dampfsperre. Darüber folgte eine PU-Gefälledämmung von 16,5 cm Dicke der WLG 026. Über den Dämmplatten verlegten die Dachdecker zweilagig Elastomerbitumen-Schweißbahnen, als finale Schicht kam eine Rollkiesschüttung auf das Dach. Eine Solaranlage auf dem Dach erzeugt den Strom für den Gebäudebetrieb. Das Gebäude wurde planmäßig im Juli 2018 bezogen.

Autorin

Rita Jacobs M.A. führt ein PR-Büro mit Schwerpunkt Bau und Architektur in Düsseldorf und unterstützt die Firma Fermacell bei der Pressearbeit.

Bautafel (Auswahl)

Objekt Neubau eines dreistöckigen Bürogebäudes in Stahlbetonbauweise mit  nichttragender Holzfassade nach KfW 55-Standard auf dem „Illa7-Campus“, 87463 Dietmannsried, www.illa7.de

Investor/Bauherr: A & U Consulting GmbH,  87463 Dietmannsried

Planung Fischer & Gibbesch Architekten GbR, 87527 Sonthofen, www.fg-architektur.de

Brandschutz Brandschutz Allgäu GmbH, 87527 Sonthofen, www.brand
schutz-allgaeu.com

Holzbau Holzbau Buhmann, 87480 Weitnau, www.holzbaubuhmann.de

Dachdecker Lerchenmüller Spenglerei und Flachdachbau GmbH, 87463 Dietmannsried, www.lerchenmueller.de

Solaranlage GermanPV GmbH, 03042 Cottbus, www.germanpv.com

Bauzeit 3/2017 - 7/2018 (Spatenstich 3/2017, Fertigstellung Rohbau 9/2017, Bezug 7/2018)

Nutzfläche etwa 320 m² pro Etage

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