Vom Stall zum Architekturbüro

Sanierung und Umbau des denkmalgeschützten Vierkantfhofs Radong in Meerbusch

Beim Umbau eines ehemaligen Stalls in Meerbusch entstanden helle Arbeitsräume im Dachgeschoss. Elf Dachfenster sorgen für viel Tageslicht, zwei davon lassen sich elektrisch steuern. Über Lichtroste gelangt Tageslicht durch die Dachfenster bis ins Erdgeschoss.

Vom engen Schweinestall zum großzügigen Studio eines Architekturbüros im 21. Jahrhundert – ein größerer Gegensatz lässt sich für Gebäude kaum denken. Genau eine solche Transformation ist auf dem Vierkanthof Radong in Meerbusch am Niederrhein gelungen. Die Architekten von mo.studio haben dabei die denkmalgeschützten Fassaden des Hofensembles bewahrt und ein Tageslichtkonzept für die Räume ihres neuen Architekturbüros umgesetzt, das für gut beleuchtete Arbeitsplätze sorgt.

Einen wichtigen Bestandteil des Konzepts bilden elf neue Dachfenster, aufgeteilt auf beide Seiten des Satteldachs. Sie lassen das Tageslicht nicht nur ins Dachgeschoss, sondern über Lichtroste auch in die ebenerdigen Räume darunter. Außenliegende Markisen und die funkgesteuerte Öffnungsfunktion für zwei der Fenster bieten Schutz gegen sommerliche Hitze und Lüftung für die Räume.

Stahlkonstruktion leitet Lasten in die Gründung

Der 1859 errichtete Vierkanthof Radong hat eine an allen vier Seiten geschlossene Bebauung. Der Zustand des Hofes vor der Sanierung ließ zu wünschen übrig, vor allem bei den alten Stallungen. Das Dach und der gesamte historische Dachstuhl des ehemaligen Stalls mussten abgetragen werden, damit auf den Traufwänden ein neuer Mauerkopf betoniert werden konnte. Der Mauerkopf liegt heute nicht sichtbar hinter der Klinkerverkleidung. Trotz dieser Verstärkung boten die Wände zu wenig Tragfähigkeit für das neue Dach. Das alte Holzsprengwerk wurde deshalb durch eine eigenständig stehende Stahlkonstruktion ersetzt, die die Lasten nicht ins Mauerwerk, sondern direkt in die Gründung leitet. Mit dieser Lösung blieben die Außenwände unberührt und denkmalgerecht erhalten. Gleichzeitig konnten die neuen Nutzungsebenen der Galerien, des Obergeschosses und des Spitzbodens statisch unabhängig geplant werden.

Sparreneinteilung nach Fensterpositionen

Die Entlastung des Mauerwerks bot die Chance, in den Außenwänden die Flächen zwischen den Mauerbögen (Lisenen) zu öffnen und Tore einzubauen. Die Glastore bringen Licht ins Erdgeschoss und ermöglichen einen direkten Blick in den Hof. In alle oberen Gebäudebereiche gelangt das Tageslicht über die neuen Dachfenster. Deren künftige Positionen wurden bei der Neuausführung der Sparren berücksichtigt. „Das historische Dach hatte keinen Dachüberstand, da es sich um ein Denkmal handelt, haben wir diese Gestaltung ohne sichtbare Sparrenköpfe wieder aufgegriffen“, erklärt Zimmerermeister Maik Lauda aus Dormagen, der mit seinen Mitarbeitern den neuen Dachstuhl gebaut hat. Die Lage der Sparren und der erforderlichen Wechsel konnten die Zimmerer von vorneherein auf die Dachfenster abstimmen.

Neue Deckung mit klassischem Ziegel

Die Deckung des Daches und die Montage der elf Dachfenster erledigte Dachdeckermeister Stefan Wagener aus Neuss. Oberhalb der Sparren verlegte er eine Unterspannbahn, Konterlattung und Lattung, ehe er die Dachfenster montierte und die neuen Ziegel verlegte. Bei der Deckung der Ställe kam der für diese Region typische „Rheinland“-Reformziegel zum Einsatz, der auch auf anderen Gebäuden des Ensembles vorhanden war. In Anlehnung an die nachgedunkelten, ursprünglich naturroten Dachziegel wurden die neuen Flächen mit „Rheinland altfarben“ Ziegeln von Röben Tonbaustoffe mit grauer Oberfläche gedeckt.

Mineralwolle zwischen den Sparren

Die weiteren Dachschichten unterhalb der Sparren übernahm das Ausbaugewerk, das entsprechend der Sparrenhöhe eine 20 cm dicke Zwischensparrendämmung mit Mineralwolle der Wärmeleitfähigkeit 0,032 W/mK verlegte, die Luftdichtheitsfolie einbaute und den Dachaufbau raumseitig mit Lattung und Gipskartonplatten abschloss. „Im Denkmalbereich sind wir zwar von den Anforderungen der EnEV befreit, aber im eigenen Interesse und im Sinne der Energieeffizienz haben wir Wert auf eine fachgerechte Luftdichtheit und eine gute Wärmedämmung gelegt“, erklärt der bauleitende Architekt Lars Reynolds von mo.studio.

Dachfenster sorgen für Tageslicht und Ausblick

Für eine gleichmäßige Ausleuchtung wurden die elf neuen Dachfenster auf beiden Seiten des Satteldachs eingebaut. Sechs Fenster in einer Reihe sind zur südöstlichen Außenseite orientiert, die fünf anderen sowie ein Zwerchgiebel, der in kleinerer Form schon das ursprüngliche Dach geziert hatte, befinden sich in zwei Reihen auf der nordwestlichen Hofseite. Durch diese Anordnung gelangt Tageslicht von oben in die Arbeitsräume, andererseits bietet die untere Fensterreihe attraktive Ausblicke in den Hof und nach außen zu einem nahegelegenen See. Alle Fenster sind Schwingfenster mit einer einheitlichen Breite von 94 cm, die sich jedoch in der Fensterlänge unterscheiden: Die obere Reihe bilden Schwingfenster aus Holz mit 118 cm Länge, während unten im Sinne des guten Ausblicks Dachfenster mit 160 cm Länge verwendet wurden.

Elektrisch gesteuerte Fenster und Markisen

Die Ausbildung als Schwingfenster bot sich an, weil die Fenster der unteren Reihe durch den versetzten inneren Geschossaufbau aus Arbeitsebene, Galerie und Spitzboden alle gut zu erreichen sind. Diese Fenster und ihre Hitzeschutz-Markisen werden alle per Hand bedient. Anders ist es in der nicht mehr erreichbaren oberen Reihe, in der zwei Fenster als Elektrofenster ausgerüstet sind. Mit dem Velux Elektro-System „Integra“ und der Funksteuerung können diese automatischen Fenster und ihre Hitzeschutz-Markisen auf Knopfdruck geöffnet und geschlossen werden.

Gitterroste sorgen für Durchblick

Einen besonderen Einfall hatten die Architekten von mo.studio bei der Weiterleitung des Tageslichts vom Obergeschoss in das Erdgeschoss: Die Arbeitsplätze im Dachgeschoss sind bewusst von den Außenwänden abgerückt, sodass auf beiden Seiten Platz für Gitterroste war. Die Ausstellungsbereiche und der Empfang im Erdgeschoss profitieren so vom Tageslicht der Dachfenster und den Vorteilen für die Belüftung.

Autorin

Barbara Nauerz ist studierte Innenarchitektin und arbeitet im Team Architektur und Planung der Velux Deutschland GmbH in Hamburg.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Umbau des ehemaligen Stalls des Vierkanthofs Radong in Meerbusch zu einem Architekturbüro

Architekten mo.studio, 40668 Meerbusch, www.mo-studio.de

Zimmerer Maik Lauda, 41542 Dormagen, www.zimmerei-lauda.de

Dachdecker Stefan Wagener, 41464 Neuss

Herstellerindex (Auswahl)

Dachfenster 4 Dachfenster „Velux GGL“ Größe 94 x 118 cm, davon zwei „Integra“-Elektrofenster; 7 Dachfenster „Velux GGL“, Größe 94 x 160 cm, Velux Deutschland GmbH, www.velux.de

Dämmung Deutsche Rockwool GmbH & Co. KG, 45966 Gladbeck, www.rockwool.de

Dachziegel Röben Tonbaustoffe GmbH, 26340 Zetel, www.roeben.com

Weitere Informationen zu den Unternehmen
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