Mit Mut und Weitsicht in die Zukunft
Ein Familienunternehmen und eine Unternehmensgröße, wie es sie im Dachdecker- und Zimmererhandwerk nur selten gibt, das verbindet die Hanebutt-Gruppe miteinander: Sie ist eines der größten familiengeführten Handwerksunternehmen Deutschlands mit 17 Niederlassungen und rund 800 Mitarbeitenden.
Yahya Choukri, Dachdeckerazubi im 2. Lehrjahr, auf der Baustelle des „Technoparks“ in Hannover
Foto: Hanebutt Archiv
Das Dachdecker- und Zimmererhandwerk – vermutlich denken viele dabei zunächst an kleine Familienbetriebe mit einer Handvoll Mitarbeitenden, die regional tätig sind. Das Wort „Handwerk“ legt das nahe, die Realität in der Branche bestätigt es meist auch, wie aktuelle Zahlen des ZVDH und der SOKA-Dach zeigen: 2024 beschäftigten fast 80 Prozent der Betriebe im Dachdeckerhandwerk weniger als zehn Mitararbeitende. In nur fünf Dachdeckerbetrieben deutschlandweit arbeiteten demnach mehr als 100 Menschen. Einer dieser Betriebe ist die Hanebutt-Gruppe, die sich in den letzten Jahrzehnten von einer kleinen Dachdeckerei zu einer großen Unternehmensgruppe entwickelt hat – und bis heute trotzdem ein Familienbetrieb geblieben ist.
Vom kleinen Handwerksbetrieb zur Unternehmensgruppe
Der Grundstein für die heutige Unternehmensgruppe wurde im Jahr 1930 in Neustadt am Rübenberge gelegt, als Heinrich Hanebutt eine Dachdeckerei gründete. Bereits 1947 präsentierte sein Sohn auf der ersten Industriemesse in Hannover einen selbstentwickelten Dunstabzug. 1968 übernahm er das Unternehmen und erweiterte in der Folge das Firmengelände und die Belegschaft. Mit nur 28 Jahren übernahm Henning Hanebutt 1999 in der dritten Generation die Geschäftsführung und stellte die Weichen für die Zukunft einer überregional tätigen Unternehmensgruppe. Es folgten deutschlandweite Großprojekte wie das Luxushotel Fontenay in Hamburg oder die Dacharbeiten am wiederaufgebauten Berliner Stadtschloss.
Heiner und Henning Hanebutt (von links) führen gemeinsam die Hanebutt-Gruppe mit Hauptsitz in Neustadt a. Rbge.
Foto: Hanebutt-Gruppe
Mit Dachdeckermeister Heiner Hanebutt ist inzwischen bereits die vierte Generation im Unternehmen vertreten. Vater und Sohn führen heute gemeinsam die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Neustadt am Rübenberge in der Region Hannover. Die Belegschaft wuchs innerhalb von 27 Jahren von 40 auf heute 800 Mitarbeitende. Mittlerweile umfasst die Hanebutt-Gruppe 17 Niederlassungen an 14 Standorten in der ganzen Republik.
Im Dachdecker- und Zimmererhandwerk ist eine solche Expansion außergewöhnlich. Dem Unternehmen zufolge geht es dabei weniger um das „größer werden um jeden Preis“, sondern vielmehr darum, Projekte schneller und besser aus einer Hand umzusetzen und sich gegen den Fachkräftemangel zu wappnen. Das Wachstum zeigt sich dabei nicht nur in neuen Standorten, sondern auch in der Fähigkeit, große Bauvorhaben gewerkeübergreifend zu realisieren. Die Hanebutt-Gruppe vereint Unternehmen aus den Gewerken Dachdeckerei, Zimmerei, Dachklempnerei und Solar. Weitere Wachstumsschritte sind geplant: Erst vor wenigen Wochen übernahm die Hanebutt-Gruppe die Märkl Dach GmbH aus dem Landkreis Fürth und expandierte damit nach Bayern.
Vielfältige Projekte deutschlandweit
Mit ihren Tochterunternehmen Heger Holzbau GmbH und Metal-Con GmbH war die Hanebutt-Gruppe am Neubau des „Technoparks“ in Hannover beteiligt
Foto: Hanebutt-Gruppe
Die Vielfältigkeit der Unternehmensgruppe zeigt sich auch an ihren Projekten, etwa dem Neubau des „Technoparks“ in Hannover, einem Standort für technologieorientierte Unternehmen. Die Hanebutt-Gruppe war hier unter anderem am größten der vier Gebäude beteiligt, das insgesamt 24 029 m² Mietfläche verteilt auf sechs Geschosse umfasst. Die Hanebutt GmbH übernahm hier die Holzbauarbeiten zusammen mit der Heger Holzbau GmbH, einem Unternehmen der Hanebutt-Gruppe aus dem Landkreis Lüneburg, sowie die Dachabdichtungsarbeiten. Das Tochterunternehmen Metal-Con GmbH aus Hambühren bei Celle führte die Metallarbeiten durch. Das Großprojekt umfasst 3700 m² Flachdachflächen, die zum Teil mit Begrünung und PV-Anlage ausgestattet wurden, sowie 6500 m² individuell gefertigte, vorgehängte hinterlüftete Fassade aus Aluminiumblechen.
Die Oberschule Westercelle in Celle erhält derzeit ein neues Dach samt In- und Aufdach-PV-Anlage
Foto: Hanebutt-Gruppe
Ein weiteres Projekt setzt die Hanebutt-Gruppe aktuell in Celle um. Dort wird seit Herbst 2025 der Dachstuhl der Oberschule Westercelle ertüchtigt und das Dach mit einer Fläche von 2700 m² neu eingedeckt. In einem Gebäudeteil wurde eine Zwischen- und Aufsparrendämmung verlegt, in den anderen vollflächige DWD-Platten mit einer Unterdeckbahn. Dabei werden die obersten Geschossdecken mit einer Mineralwolldämmung gedämmt und – um die Begehbarkeit zu ermöglichen – mit Verlegeplatten ausgelegt. Das Tochterunternehmen Hanebutt Solar GmbH installierte eine Indach-PV-Anlage auf dem Mittelteil des Gebäudes. Die äußeren Seiten der Schule wurden mit einer Aufdachanlage ausgestattet, sodass die gesamte Schrägdachfläche mit PV-Modulen bedeckt ist.
Die Umsetzung solcher Großprojekte ist nur möglich, wenn Fachkräfte, Meister und Führungspersönlichkeiten kontinuierlich weiterentwickelt werden. Für die Hanebutt-Gruppe ist die Förderung eigener Talente daher ein zentraler Bestandteil ihrer Strategie.
Menschen entwickeln – vom Schüler bis zur Führungskraft
Mit dem Projekt „Tragwerk“ bietet das Unternehmen am Standort Neustadt kostenlose Nachhilfe für Schülerinnen und Schüler sowie Praktika an, um einen frühen Zugang zum Handwerk zu ermöglichen
Foto: Hanebutt-Gruppe
Dieser Ansatz beginnt bereits vor dem Berufseinstieg. Mit dem Projekt „Tragwerk“ bietet das Unternehmen am Standort Neustadt kostenlose Nachhilfe für Schülerinnen und Schüler sowie Schülerpraktika an, um frühzeitig Zugang zum Handwerk zu schaffen.
Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, wird nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gefördert. Aktuell bildet die Hanebutt-Gruppe 96 Auszubildende aus, unter anderem im Dachdecker-, Zimmerer- und Bauklemperhandwerk und stellt jährlich zwischen 50 und 60 neue Nachwuchskräfte ein. Damit ist die Hanebutt-Gruppe der deutschlandweit größte Ausbildungsbetrieb für den Dachdeckerberuf.
86 Auszubildende aus allen drei Lehrjahren reisten dieses Jahr zum Teambuilding-Format „Gipfelspringer“ nach Österreich
Foto: Hanebutt-Gruppe
Eine weitere Besonderheit ist das verpflichtende Teambuilding-Format „Gipfelspringer“: 86 Azubis aus allen Lehrjahren sind dazu dieses Jahr nach Österreich zum Skifahren gereist. Was nach einer Urlaubswoche klingt, birgt in Wahrheit ein straffes Programm: von 7 Uhr morgens bis 21:30 Uhr gab es, neben den Skikursen, Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung und weitere Herausforderungen wie zum Beispiel Eisbaden. Neben dem Zusammenwachsen als Team stand beim „Gipfelspringer 2026“ das Überwinden eigener Grenzen und die persönliche Entwicklung der Auszubildenden im Vordergrund. Die Teilnehmenden sollten laut Unternehmen ihre Komfortzone verlassen und lernen, an sich selbst zu glauben.
Klarheit gewinnen und an die eigenen Grenzen gehen
Die Entwicklung der eigenen Fachkräfte endet jedoch nicht mit der Ausbildung. Mit dem Hanebutt-Institut hat das Unternehmen ein eigenes Weiterbildungsinstitut für angehende Führungskräfte geschaffen. Dieses wurde 2024 von Henning und Heiner Hanebutt ins Leben gerufen, um die Lücke zu schließen zwischen der Meisterschule und der Weiterbildung zum Unternehmer, so Henning Hanebutt, frei nach dem Motto: „Gestern Geselle, heute Meister, morgen Unternehmer“. Mit dem „Nordstern Retreat“ überträgt das Hanebutt-Institut das Konzept der persönlichen Entwicklung in den Bereich der Führungskräfte. Das Format verfolgt dabei einen ähnlichen Ansatz wie die „Gipfelspringer“-Seminarfahrt, denn auch hier gehen die Teilnehmenden im Eisbad an ihre Grenzen. Laut Hanebutt-Institut lernen die Teilnehmenden an fünf Tagen im hohen Norden von Finnland sich selbst besser zu verstehen, auf ihren bisherigen Lebensweg zurückzuschauen und Klarheit über die eigene Zukunft zu gewinnen. „Wer sich selbst besser versteht, gestaltet auch Unternehmen und Teams bewusster und wirksamer,“ so Henning Hanebutt.
Zwei Auszeichnungen bei der „Dachkrone 2026“
Bei der „Dachkrone“ gewann die Hanebutt GmbH den 2. Preis in der Sonderkategorie mit dem Azubi-Format „Gipfelspringer“
Foto: Stork Media
Die Leistungen der Hanebutt-Gruppe für das Handwerk bleiben nicht unbemerkt: Im Branchenwettbewerb „Dachkrone 2026“ belegte die Unternehmensgruppe mit dem Format „Gipfelspringer“ den zweiten Platz in der Sonderkategorie.
Henning Hanebutt gewann auf der „Dachkrone 2026“ in Bielefeld den Preis für sein Lebenswerk, der dieses Jahr erstmalig vergeben wurde
Foto: Stork Media
Eine besondere Auszeichnung erhielt Henning Hanebutt persönlich, ihm wurde die „Dachkrone für das Lebenswerk“ verliehen – eine Anerkennung für „Mut, Weitsicht, Innovationskraft und ein Lebenswerk, das weit über den eigenen Betrieb hinausstrahlt“, wie ZVDH-Vizepräsident und Dachdeckermeister Jan Voges in seiner Laudatio ausführte. Henning Hanebutt nahm den Preis sichtlich gerührt entgegen und dankte seinem Team für die „großartige Zusammenarbeit“ in den vergangenen Jahrzehnten. „Lasst uns unserem Handwerk eine Zukunft geben. Das ist das, wofür wir angetreten sind,“ so der Unternehmer, der anschließend ankündigte: „Wir haben noch vieles vor, lasst euch überraschen!“
Das Engagement der Familie Hanebutt für das Handwerk zeigt sich auch in der Mitgliedschaft im „Roofer's Club“, dem Unternehmernetzwerk der „Dachkrone“. Hier tauschen sich die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer von Dachdecker-, Zimmerer- und Spenglerbetrieben regelmäßig aus, unter anderem zu aktuellen Themen wie den Preissteigerungen bei Dachbauprodukten. Der „Roofer's Club“ hat dazu die Initiative „Bezahlbares Bauen“ ins Leben gerufen, um die Politik auf die Probleme durch massive Preissteigerungen bei Baustoffen aufmerksam zu machen. Auch Henning Hanebutt ist Teil der Kampagne.
Ob als Ausbildungsbetrieb, als Initiator des Hanebutt-Instituts oder als Teil der Initiative „Bezahlbares Bauen“: Das Engagement der Unternehmensgruppe Hanebutt für die Branche zeigt, dass Wachstum und Verantwortung kein Widerspruch sein müssen. Das Unternehmen gestaltet nicht nur sein eigenes Wachstum mit, sondern auch die Rahmenbedingungen, unter denen das Dachdeckerhandwerk arbeitet.
AutorDennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen der Magazine dach+holzbau und bauhandwerk.
