Hybride Bauweise mit Holzaußenwänden

Neubauquartier „Am Rotweg“ in Stuttgart mit vorgefertigten Außenwandelementen in Holzrahmenbauweise

In Stuttgart entsteht derzeit das neue „Quartier am Rotweg“ mit zehn schlüsselfertigen Wohngebäuden. Die Außenwände der drei- bis siebengeschossigen Gebäude werden aus vorgefertigten Holzrahmenbauelementen erstellt, inklusive einer außen angebrachten Steinwolldämmung unter der Sichtholzschalung.

Auf dem Areal eines zurückgebauten Wohnquartiers aus den 1950er-Jahren in Stuttgart entsteht aktuell ein neues Wohnquartier für mehr als 220 Haushalte. Drei Bauunternehmen bündeln ihre Expertise in einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE) bei der Realisierung des „Quartiers am Rotweg“. Die Mitglieder der ARGE sind die Geiger Gruppe aus Oberstdorf, vertreten durch Geiger Schlüsselfertigbau und das Tochterunternehmen müllerblaustein Holzbauwerke aus Blaustein sowie die Holzbauunternehmen Gumpp & Maier aus Binswangen und Huber & Sohn aus Bachmehring. Insgesamt entstehen in dem Wohnquartier zehn schlüsselfertige Gebäude mit 1- bis 5-Zimmer-Wohnungen, Studentenapartments, einer Pflege-Wohngemeinschaft, einer Kita sowie Gastronomie-, Büro- und Gewerbeflächen.

Quartier am Rotweg Stuttgart Neubau Gebauede 10 Auf dem Areal eines ehemaligen Wohnquartiers aus den 1950er-Jahren in Stuttgart werden derzeit zehn neue Wohnhäuser errichtet
Foto: Rockwool

Auf dem Areal eines ehemaligen Wohnquartiers aus den 1950er-Jahren in Stuttgart werden derzeit zehn neue Wohnhäuser errichtet
Foto: Rockwool
„In der ARGE pflegen wir einen sehr vertrauensvollen Umgang miteinander“, erklärt Bernd Frey, Zimmerermeister und Projektleiter des technischen Vertriebs bei der Firma müllerblaustein. „Wir arbeiten bei diesem Projekt mit zwei Bauherrinnen und drei Architekturbüros zusammen. Da ist eine enge und regelmäßige Abstimmung zwischen allen Beteiligten besonders wichtig.“ Realisiert wird das Neubauquartier nach einem Entwurf des Architekturbüros ISSS research|architecture|urbanism aus Berlin.

Ein Quartier für Alt und Jung

Holzrahmenbau Quartier am Rotweg Stuttgart Fassadenschalung Die Gebäude erhalten unterschiedlich gestaltete Fassaden. Für das zuerst errichtete „Gebäude 10“ fiel die Wahl auf eine Nut-Feder-Schalung aus vorvergrautem Fichten- und Tannenholz
Foto: Rockwool

Die Gebäude erhalten unterschiedlich gestaltete Fassaden. Für das zuerst errichtete „Gebäude 10“ fiel die Wahl auf eine Nut-Feder-Schalung aus vorvergrautem Fichten- und Tannenholz
Foto: Rockwool
Das Wohnquartier am Rotweg soll nach seiner Fertigstellung in hohem Maße der Lebenswirklichkeit des Stadtteils ent­sprechen. Früh wurden die Bewohnerinnen und Bewohner der inzwischen zurückgebauten Bestandsgebäude aus den 1950er Jahren in Stuttgart-Rot eingeladen, sich in die Planung des neuen Quartiers einzubringen. Den Rahmen dafür bot das „Reallabor Wohnen“, ein Projekt des Ministeriums für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg. In den Erdgeschossen der drei- bis siebengeschossigen Gebäude werden viele gemeinschaftliche und gewerbliche Einrichtungen für die Nahversorgung der ­Bewohnerinnen und Bewohner untergebracht. Auch das Thema „Älterwerden im Quartier“ wird von vornherein mitgedacht, indem Raum für Service- und Betreuungseinrichtungen eingeplant wird.

Hybridbauweise aus Beton- und Holzrahmenelementen

Holzrahmenbau Vorfertigung Muellerblaustein Holzbauwerke Die müllerblaustein Holzbauwerke GmbH fertigte insgesamt 40 Holzrahmenelemente für das „Gebäude 10“ des Wohnquartiers vor
Foto: Rockwool

Die müllerblaustein Holzbauwerke GmbH fertigte insgesamt 40 Holzrahmenelemente für das „Gebäude 10“ des Wohnquartiers vor
Foto: Rockwool
Zur Herausforderung wurde im Zuge der Entwurfsplanung der Ausgleich zwischen ökonomischen und ökologischen Ansprüchen. Schließlich fiel die Entscheidung auf eine hybride Bauweise mit Stahl- und Fertigbetonelementen im Kern und im Erdgeschoss der Gebäude sowie Holzrahmenelementen für die Außenwände der oberen Etagen. Bernd Frey beschreibt beispielhaft die Struktur des zuerst errichteten Hauses im Quartier, dem sogenannten „Gebäude 10“: „Im Erdgeschoss, wo später eine Kita einzieht, wurde die Außenwand aus Fertigbetonelementen erstellt und erhält ein WDVS. In den fünf Wohnetagen darüber haben wir die Außenwände aus 40 nichttragenden, mit Mineralwolle gedämmten Holzrahmenelementen erstellt.“ Diese Konstruktionsweise werde bei neun von zehn Gebäuden im Quartier so umgesetzt, erklärt Frey. Für Abwechslung an den Fassaden sollen verschiedene Sichtschalungen und bunte Fensterprofile sorgen. Das „Gebäude 10“ an der Grenze zur Nachbarbebauung erhält beispielsweise eine Nut-Feder-Schalung aus vorvergrautem Fichten- und Tannenholz.

Fassadendämmung aus Steinwolle

Für die Anschlüsse der Haustechnik müssen in den Fassadenelementen zahlreiche Ausschnitte erstellt werden
Foto: Rockwool

Für die Anschlüsse der Haustechnik müssen in den Fassadenelementen zahlreiche Ausschnitte erstellt werden
Foto: Rockwool
Gemeinsam mit den Planern entschieden sich die am Projekt beteiligten Holzbauunternehmen, als außen liegende Dämmung für die Holzrahmenwände die Steinwolldämmplatte „Woodrock Protect“ mit verdichteter Decklage zu verwenden. Ihre hohe Druckfestigkeit von mehr als 50 kPa ermöglichte die Befestigung der Dämmung über die Konterlattung mit für die Fassade zugelassenen Schrauben. Der Hersteller Rockwool empfiehlt die Befestigung der Dämmung mit Doppelgewindeschrauben aus seinem „Meisterdach Plus“-Sortiment. Die Stöße der Dämmplatten müssen nicht auf den Holzständern ausgeführt werden, sondern können stumpf in der Fläche erfolgen. Für die Konstruktion der Holzrahmenelemente im Werk wurden die Dämmung und das Holztragwerk miteinander verschraubt und verklammert, das ermöglicht eine sortenreine Trennung der Baustoffe im Falle eines Rückbaus. Bei der Verarbeitung der Dämmung im Werk sei außerdem kaum Verschnitt zurückgeblieben, erklärt Zimmerermeister Bernd Frey. 

Generell können Verschnitte und Reste, die bei der Arbeit mit Rockwool-Steinwolldämmstoffen anfallen, über den Rücknahmeservice „Rockcycle“ einer Wiederverwertung durch den Hersteller zugeführt werden. Dabei wird die zurückgenommene Steinwolle zur Produktion neuer Dämmung genutzt.

Vorfertigung und Montage

Keines der 40 Fassadenelemente für das „Gebäude 10“ gibt es zweimal – jedes wurde manuell mit Ausschnitten auf diverse Anschlüsse und Einbauten vorbereitet. Im Schnitt waren mit der Herstellung eines Wandelements acht Mitarbeitende einen Tag lang beschäftigt. Auf der Baustelle montierte das Team der müllerblaustein Holzbauwerke in der Regel vier Wandelemente pro Tag. Diese wurden mit Stahlwinkeln am Stahlbetonskelett des Gebäudes befestigt.

Brand- und Wärmeschutz

Die Winddichtfolie wurde mit den Latten der Unterkonstruktion über der Dämmung verschraubt Die Winddichtfolie wird über eine Lattung auf der Dämmung befestigt. Der rein mechanische Aufbau ermöglicht im Falle eines Rückbaus die sortenreine Trennung der Baumaterialien
Foto: Rockwool

Die Winddichtfolie wird über eine Lattung auf der Dämmung befestigt. Der rein mechanische Aufbau ermöglicht im Falle eines Rückbaus die sortenreine Trennung der Baumaterialien
Foto: Rockwool
 Die „Woodrock Protect“-Dämmplatten wurden bei der Vorfertigung der Außenwandelemente in einer Dicke von 80 mm verarbeitet. Zwischen den Holzständern wurde eine 200 mm dicke Mineralwolldämmung eingefügt. Die Außenwände der neuen Wohngebäude erreichen somit einen U-Wert von 0,124 W/m²K. Die brandschutztechnischen Eigenschaften der „Woodrock Protect“, die nicht brennbar mit einem Schmelzpunkt von über 1000 °C ist, ermöglichen ihren Einsatz auch im mehrgeschossigen Holzbau und für Gebäude jeder Nutzungsart. Der Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit der Dämmung liegt bei 0,036 W/mK und ermöglicht die Arbeit im Einklang mit der „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise“ (MHolzBauRL). Die Dämmplatte „Woodrock Protect“ von Rockwool ist auch für Konstruktionen mit hohen brandschutztechnischen Anforderungen und für den Einsatz in der Gebäudeklasse 5 geeignet.

Zuletzt wurde entsprechend der Vorgaben der MHolzBauRL beispielsweise ein Wandaufbau mit „Woodrock Protect“ und einer Fermacell-Gipsfaserplatte brandschutztechnisch nach der Norm DIN EN 13381-7 untersucht. Die Wandkonstruktion hielt dabei einem Brand weit über 120 Minuten stand. Abhängig vom gewählten Wandaufbau und der Dämmstoffdicke kann mit der „Woodrock Protect“ ein Schalldämmmaß Rw (dB) von über 50 dB erreicht werden. Die Dämmung ist deshalb auch für Gebäude in Großstädten und an stärker befahrenen Straßen geeignet. Die Wärme- und Schalldämmwerte sowie die Feuerwiderstandsdauer von Außenwandkonstruktionen mit „Woodrock Protect“ vergleicht eine Broschüre auf der Rockwool-Website (siehe unterwww.rockwool.com/de).

Ausblick

Quartier am Rotweg Stuttgart Montage Holzrahmenelemente Sämtliche Außenwandelemente in den oberen fünf Geschossen des Gebäudes wurden innerhalb von 12 Arbeitstagen montiert
Foto: Rockwool

Sämtliche Außenwandelemente in den oberen fünf Geschossen des Gebäudes wurden innerhalb von 12 Arbeitstagen montiert
Foto: Rockwool
Insgesamt werden für das neue Wohnquartier am Rotweg Holzrahmenelemente für rund 10 000 m² Außenwandfläche vorgefertigt. Im Oktober 2026 sollen die ersten Wohnungen in dem Neubauquartier bezugs­fertig sein.

Autor

Sascha Karallus ist Produktmanager bei der Rockwool GmbH & Co. KG in Gladbeck.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Neubau des „Gebäude 10“ im Wohnquartier am Rotweg in Stuttgart-Zuffenhausen

Bauherr Neues Heim – Die Baugenossenschaft eG (BGNH), Stuttgart

Architektur Studio Vlay Streeruwitz ZT GmbH,

Wien (AT), www.vlst.at

Holzbauarbeiten müllerblaustein Holzbauwerke GmbH, Blaustein, www.muellerblaustein.de

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