Neues Wohnquartier in Holzbauweise

Wohnquartier „Naturella“ mit nachhaltigem Energiekonzept

Auf einem ehemaligen Fabrikareal in Langenargen entstand ein neues Wohnquartier, bei dessen Planung Wert auf Nachhaltigkeit und eine hohe Lebensqualität gelegt wurde. Neben einem zukunftsweisenden Energiekonzept besticht das Projekt auch durch seinen hohen Holzbauanteil und Sichtholzdecken.

Das neue Wohnquartier in der Gemeinde Langenargen am Bodensee trägt den Namen „Naturella“ und besteht aus neun viergeschossigen Häusern. Diese beherbergen 120 Wohnungen mit Größen von 65 bis 145 m². Geplant wurde das Quartier vom Planungsbüro Plösser Architekten aus Friedrichshafen. Dabei wurden die Gebäude so entlang der Straße angeordnet, dass sie einen parkähnlichen Innenhof bilden. Gemeinsam mit den ­Freianlagenplanern von Planstatt Senner werteten die Architekten das ehemals gewerblich genutzte Gelände ökologisch auf und senkten dessen Versiegelungsgrad von 90 auf 40 Prozent. Darüber hinaus achteten sie darauf, dass der alte Baumbestand soweit wie möglich erhalten blieb, pflanzten neue Bäume und schufen weitere Grünflächen. Mit vielen Grün- und Gemeinschaftsflächen und einem „Dorf-Café“ ist im Quartier ein Stück Lebensqualität entstanden. All diese Maßnahmen haben zum Ziel, das Nachbarschaftsleben im neuen Quartier zu fördern und die Zufriedenheit der Mieterinnen und Mieter zu steigern.

Durch die Anordnung der Häuser entsteht ein Innenhof, der allen Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung steht
Foto: Nina Baisch

Durch die Anordnung der Häuser entsteht ein Innenhof, der allen Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung steht
Foto: Nina Baisch
Alle Wohnungen in den neu entstandenen Wohnhäusern verfügen jeweils über eine Loggia oder eine Terrasse und sind mit einer möblierten Küche sowie einem Badezimmer ausgestattet. Von den 120 Wohnungen sind 27 öffentlich gefördert und weisen einen Mietpreis von nur 10 Euro pro Quadratmeter auf.

Bis auf Treppenhäuser in Holzbauweise gebaut

Der Fränkel AG als Bauherrin war bei der Planung des Projekts das Thema Nachhaltigkeit besonders wichtig. Das zeigt sich sowohl im Energiekonzept als auch in der Bauweise: Alle neun Gebäude bestehen weitestgehend aus Holz, nur die Treppenhäuser wurden aus statischen Gründen aus Stahlbeton gebaut. Das ausführende Holzbauunternehmen oa.sys baut GmbH aus Alberschwende (Österreich) verarbeitete im Rahmen des Projekts insgesamt 3660 m³ Holz. Die verwendete Holzmenge bindet etwa 3600 t CO2.

Die Decken werden vom Hersteller mit Bohrungen für Kabeldurchführungen und Öffnungen zum bauseitigen Einbringen der Schallschutzschüttung versehen
Foto: Best Wood Schneider GmbH

Die Decken werden vom Hersteller mit Bohrungen für Kabeldurchführungen und Öffnungen zum bauseitigen Einbringen der Schallschutzschüttung versehen
Foto: Best Wood Schneider GmbH
Bei den Geschossdecken der Wohnhäuser setzten die Planer auf die „CLT Box Decke FS“ von der Best Wood Schneider GmbH aus Eberhardzell. Hierbei handelt es sich um ein Hohlkastenelement, das aus zwei CLT-Platten (Brettsperrholzplatten) und mehreren Brettschichthölzern besteht, die als Abstandhalter fungieren. In die Gefache der Decken werden werkseitig Holzfaserakustikplatten eingelegt und verklebt sowie bauseitig eine Schüttung integriert, beides sorgt für eine verbesserte Trittschalldämmung im tieffrequenten Bereich.

Mit dem Deckensystem von Best Wood Schneider sind große Spannweiten und stützenfreie Räume möglich. Ein in die Gefache integrierter Schallschutz sorgt für eine hohe Trittschalldämmung
Foto: Best Wood Schneider GmbH

Mit dem Deckensystem von Best Wood Schneider sind große Spannweiten und stützenfreie Räume möglich. Ein in die Gefache integrierter Schallschutz sorgt für eine hohe Trittschalldämmung
Foto: Best Wood Schneider GmbH
Durch den Einsatz des Deckensystems ist laut Hersteller bis zu 40 Prozent weniger Material erforderlich als bei einer einschaligen Massivholzdecke – die statische Leistungsfähigkeit bleibt jedoch die gleiche. Dadurch bietet das Deckenelement von Best Wood Schneider eine hohe Tragfähigkeit bei vergleichsweise geringem Gewicht und lässt sich einfach verarbeiten. Das bestätigt auch Alexander Schneider vom Unternehmen oa.sys baut GmbH: „Bei diesem Objekt haben wir ungefähr 9100 m² der ‚CLT-Boxen‘ eingebaut sowie 5100 m² CLT-Decken. Obwohl wir das System bis dahin noch nie verarbeitet haben, ging uns die Arbeit gut von der Hand.“

Decken mit hochwertiger Untersicht ab Werk

Außerdem sind mit dem Deckensystem von Best Wood Schneider geringe Konstruktionshöhen und große Spannweiten möglich. Da die Deckenelemente im Brandfall bis zu 90 Minuten standhalten und mit einfachen Mitteln raumabschließend hergestellt werden können, eignen sie sich auch für das mehrgeschossige Bauen.

Das Deckenelement „CLT Box Decke FS“ von Best Wood Schneider lässt sich durch seine hochwertige Untersicht als Sichtdecke in Innenräumen verwenden
Foto: Nina Baisch

Das Deckenelement „CLT Box Decke FS“ von Best Wood Schneider lässt sich durch seine hochwertige Untersicht als Sichtdecke in Innenräumen verwenden
Foto: Nina Baisch
Bei den Architekten des Büros Plösser aus Friedrichshafen war noch ein anderer Aspekt dafür ausschlaggebend, sich für die „CLT Box“ von Best Wood Schneider zu entscheiden: Die Deckenelemente weisen auf ihrer Unterseite eine hochwertige Sichtqualität auf und können dadurch direkt als Zimmerdecke verwendet werden. Möglich wird das, indem in der Produktion Holz verwendet wird, das wenig Äste aufweist. Dank einer besonderen Schnitttechnik wird an der Unterseite der Decken eine gleichmäßig gerade Holzstruktur erzeugt. Darüber hinaus spart der hohe Vorfertigungsgrad Zeit auf der Baustelle. Die geschlitzte, sichtbare Unterseite der Decken aus Weißtannenholz sorge für eine wertige Gestaltung der Wohnungen im Quartier „Naturella“, meint Manuel Plösser, verantwortlicher Architekt für das Neubauquartier.

Nachhaltiges Energiekonzept

Die Fassaden der Wohnhäuser im Quartier „Naturella“ zeichnen sich durch ihre dunkle Holzverschalung aus. Zwischen den Häusern wurden ­Grün-, Gemeinschafts- und Spielflächen angelegt
Foto: Nina Baisch

Die Fassaden der Wohnhäuser im Quartier „Naturella“ zeichnen sich durch ihre dunkle Holzverschalung aus. Zwischen den Häusern wurden ­Grün-, Gemeinschafts- und Spielflächen angelegt
Foto: Nina Baisch
Die Verwendung von Holz ist jedoch nur ein Teil des Nachhaltigkeitsgedankens, der sich durch das gesamte Projekt zieht. Neben der Bauweise wurde auch bei der Energieversorgung und der Gestaltung des Geländes großer Wert auf zukunftsorientierte Lösungen gelegt. Alle Gebäude werden dem Standard eines KfW-Effizienzhauses 40 gerecht. Die Dächer der Häuser sind mit Photovoltaikanlagen ausgestattet und werden begrünt. Dies erhöht die Leistungsfähigkeit der Anlagen im Sommer um vier bis fünf Prozent, da durch die Bepflanzung die Umgebungstemperatur spürbar reduziert wird. Ergänzt wird das Konzept durch eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe. Diese nutzt die Energie aus drei Grundwasserentnahmebrunnen und weist einen höheren Wirkungsgrad als herkömmliche Luft-Wasser-Wärmepumpen auf. Ziel ist, dass sich die Wohneinheiten von April bis September größtenteils autark mit Energie versorgen können. Zudem ist geplant, im Sommer den Energieüberschuss in Wasserstoff umzuwandeln und zu speichern. Dieser soll von Oktober bis März Strom für die Wärmepumpen, E-Ladestationen und andere Nutzungen im Quartier liefern.

Autorin

Dipl.-Ing. Claudia El Ahwany ist Architektin und betreibt die Agentur Round-About-You für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Horb am Neckar.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Neubau eines Wohnquartiers mit 120 Wohnungen in Langenargen (Ortsteil Bierkeller)

Wohnfläche insgesamt 11 000 m²

Bauherr Fränkel AG, Friedrichshafen, www.fraenkel-fn.de

Architekt Plösser Architekten GmbH, Friedrichshafen, www.ploesser-architekten.de

Holzbauarbeiten oa.sys baut GmbH, Alberschwende (AUT), www.oa-sys.com 

Holzdeckenelemente best wood Schneider GmbH, Eberhardzell, www.schneider-holz.com

Bauzeit 2021-2025

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