Spanset-Fachtagung: Abstürze vermeiden durch richtiges Rechnen

„Niemals oben ohne“ lautete der Titel der Spanset-Fachtagung Ende September in Bad Münder. Auf der Fachtagung in der Bildungsstätte der BG Bau ging es neben individueller Absturzsicherung mit Anschlagpunkten auch um kollektive Schutzmaßnahmen wie Geländer und Flachdachsicherungen. Für Dachdecker und Zimmerer ist das Thema besonders wichtig. „Jährlich passieren rund 10 000 Arbeitsunfälle bei Dacharbeiten, rund 1200 davon sind schwere Unfälle“, sagte Frank Christ vom Referat Hochbau der BG Bau auf der Tagung. Sowohl für kollektive Maßnahmen als auch für Anschlagpunkte gelte dabei: Architekten und Bauleiter sollten sie von vornherein in ihrer Planung berücksichtigen. „Absturzsicherheit darf nicht erst dann eine Rolle spielen, wenn die Leute das Gerüst aufstellen“, so Christ.

Mit Spanngurten gegen Abstürze

Wie man Absturzsicherung auf dem Flachdach oder an der offenen Gebäudekante umsetzt, zeigte Jochen Nordhoff vom Fachhandelsunternehmen Strenge im Praxisteil der Tagung. Er stellte die Auffangvorrichtung „RoofXafe“ für das Flachdach vor, sie besteht aus Pfosten, zwischen denen Spanngurte gespannt werden. Die Pfosten werden auf Stahlträgern oder Betonteilen befestigt und in End- und Eckfeldern mit Diagonalen ausgesteift. Dann werden die Spanngurte eingehakt und über eine Ratsche mit Vorspannanzeige auf Spannung gebracht. Längen von bis zu 7,50 m lassen sich mit „RoofXafe“ überbrücken. Stehen Stützpfeiler oder Wandelemente zur Verfügung, können die Gurte auch daran befestigt werden. Hierfür kommt das System „SideXafe“ mit Anschlagwinkeln zum Einsatz. Damit lassen sich Längen von bis zu neun Metern überbrücken, etwa an offenen Gebäudekanten. Die Auffangvorrichtungen wurden vom Handelsunternehmen Strenge, dem Bauunternehmen Goldbeck und der Firma Spanset entwickelt.

Anwendergewicht als Herausforderung

Dass es nicht bei jedem Bauprojekt die Möglichkeit einer kollektiven Absicherung gibt, machte Heinrich Göpfert auf der Tagung deutlich, er ist Fachkraft für Arbeitssicherheit bei Enercon. Der Hersteller von Windkraftanlagen betreibt in Deutschland und Frankreich drei Trainingsbaustellen, auf denen Monteure den Aufbau der Anlagen üben. Zu einer immer größeren Herausforderung entwickele sich dabei laut Göpfert das Gewicht der Monteure. Das vorgeschriebene Prüfgewicht für PSAgA liegt bei 100 kg. Die EN 355 verlangt, dass ein Falldämpfer bei diesem Gewicht maximal 175 cm aufreißt. Wenn ein Falldämpfer das leistet, „darf“ er bei 140 kg deutlich weiter aufreißen, ohne dass er seine Zulassung verliert. So verlängert sich die Sturzhöhe, was für Anwender gefährlich werden kann. Deshalb hat Enercon für die PSAgA sowie für das Equipment zur Rettung und Evakuierung einen eigenen Standard von 140 kg entwickelt.

Bis 140 kg wird die Norm erfüllt

Auf dieses Gewicht hat auch Spanset das Verbindungsmittel „SP140“ geeicht. In Versuchsreihen hat das Unternehmen nachgewiesen, dass der Falldämpfer selbst bei 140 kg Anwendergewicht nicht weiter aufreißt als 175 cm. Doch wie lang ist die Sturzhöhe, also der Platz, den jemand im Fall eines Absturzes benötigt, um nicht auf dem Boden zu landen? Hier spielen das Anwendergewicht, die Länge des Verbindungsmittels mit Falldämpfer (maximal zwei Meter) und die Lage des Anschlagpunkts eine Rolle. In einer ungünstigen Konstellation kann die Sturzhöhe inklusive Sicherheitsabstand 6,25 m betragen. Arbeitet der Anwender in einer Höhe von nur vier Metern, schlägt er in diesem Fall auf dem Boden auf. Damit das nicht passiert, hat Spanset einen Sturzhöhenrechner für das Verbindungsmittel „SP140“ entwickelt. Der Anwender gibt die drei genannten Parameter in eine Excel-Datei ein und erfährt per Mausklick, wie groß die Sturzhöhe jeweils ist. Ist sie größer als die Arbeitshöhe, muss der Betroffene das Verbindungsmittel verkürzen oder es an einer anderen Stelle anschlagen, etwa weiter oben oder weiter von der Absturzkante entfernt. Interessierte können den Sturzhöhenrechner kostenlos per Mail anfordern unter . Mehr Informationen zum Flachdach-Sicherungssystem „RoofXafe“ finden Sie unter www.roofxafe.de .

Deutscher Fachkongress für Absturzsicherheit

Mehr über die Planung, Umsetzung, neue Produkte und Techniken zur Absturz­sicherheit erfahren Sie auf dem 4. Fachkongress für Absturzsicherheit. Der ­Kongress findet dieses Jahr vom 10.-11.12.2019 im Hotel Grand Elysée in Hamburg statt und wird vom Bauverlag ausgerichtet. Unterstützt wird der Kongress von der BG Bau und Herstellern aus dem Bereich Absturzsicherheit, unter anderem Peri, Sifatec und ST Quadrat. Mehr Informationen zum Programm und Tickets erhalten Sie unter www.kongress-absturzsicherheit.de.

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