Serielle Sanierung praxisnah erklärt

Rückblick auf die Schulungsreihe „Schnittstelle Baustelle 2026“

Wie sich serielle Sanierungen mit vorgefertigten Wandelementen in Holzbauweise schnell und wirtschaftlich umsetzen lassen, zeigte die Schulungsreihe „Schnittstelle Baustelle 2026“. Im Mittelpunkt stand dabei neben Fachvorträgen die praxisnahe Demonstration der Arbeitsschritte an einem Wandmodell in Originalgröße – von der digitalen Bestandsaufnahme über die Vorfertigung bis zur Montage der Fassadenverkleidung.

Die von Pro Clima gemeinsam mit den Partnern Gutex, James Hardie Europe, Beck + Heun und Faro Europe organisierte Schulungsreihe „Schnittstelle Baustelle“ machte im März 2026 in fünf Städten Station, zudem gab es einen Online-Schulungstermin. Die Redaktion der dach+holzbau, Medienpartner der Veranstaltung, besuchte den Auftakttermin der Schulungsreihe am 10. März 2026 in Bochum.

Serielle Sanierungen schneller vorantreiben

Zu Beginn der Veranstaltung verdeutlichte Anna Rodermund vom Team „Energiesprong“ der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), welche Rolle die serielle Sanierung künftig spielen wird und wie sich der Markt für energetische Gebäudesanierungen derzeit gestaltet. Nach Einschätzungen der dena eignen sich rund 30 Prozent des Gebäudebestands in Deutschland für die serielle Sanierung – insbesondere Gebäude aus den 1950er- bis 1970er-Jahren. Aktuell sei die Sanierungsrate jedoch deutlich zu niedrig, erklärte Anna Rodermund.

Anna Rodermund vom Team „Energiesprong“ der Deutschen Energie-Agentur gab zu Beginn der Schulung einen Überblick über die Chancen und Möglichkeiten der seriellen Sanierung
Foto: Stephan Thomas

Anna Rodermund vom Team „Energiesprong“ der Deutschen Energie-Agentur gab zu Beginn der Schulung einen Überblick über die Chancen und Möglichkeiten der seriellen Sanierung
Foto: Stephan Thomas
Ein wesentliches Ziel der seriellen Sanierung sei die Reduzierung der CO₂-Emissionen im Gebäudesektor. Durch die Entwicklung von neuen Sanierungslösungen für unterschiedliche Gebäudetypen könnten bis 2045 rund 30 Mio. Tonnen CO₂ pro Jahr eingespart werden. Der Schlüssel zur seriellen Sanierung liege vor allem in standardisierten Prozessen, von der präzisen Bestandsaufnahme über die Planung bis hin zur industriell vorgefertigten Bauteillösung.

Während der Schulung wurde an einem Modell in Originalgröße demonstriert, wie ein vorgefertigtes Fassadenelement für die serielle Sanierung entsteht: von der Dämmung über die Luft- und Winddichtung bis hin zur Montage von Gipsfaserplatten und einer Fassadenverkleidung aus Faserzementpaneelen. Die Vorführung der einzelnen Arbeitsschritte wurde per Livestream auf eine große Leinwand übertragen und war so für alle Teilnehmenden gut erkennbar.

Digitale Bestandsaufnahme beschleunigt Planung

Wie sich Laserscanner für das Aufmaß von Bestandsgebäuden einsetzen lassen, erklärte Volker Wismach, Account Manager bei Faro Europe
Foto: Stephan Thomas

Wie sich Laserscanner für das Aufmaß von Bestandsgebäuden einsetzen lassen, erklärte Volker Wismach, Account Manager bei Faro Europe
Foto: Stephan Thomas
Wie wichtig präzise Aufmaße für die Bestandserfassung vor der Sanierung sind, zeigte die Demonstration moderner 3D-Laserscanner während der Praxisschulung. Innerhalb weniger Minuten kann mithilfe von Laserscannern ein digitales Abbild des Gebäudes erzeugt werden, das als Grundlage für die Planung, Vorfertigung und Kalkulation dient. Volker Wismach, Account Manager der Faro Europe GmbH & Co. KG, stellte während der „Schnittstelle Baustelle“ sowohl Laserscanner wie den „Faro Focus Premium“ als auch Einstiegslösungen für Handwerksbetriebe wie den „Faro Blink“ vor.

Das Anwendungsspektrum von Laserscannern reicht von Aufmaßen für die Angebotserstellung und Kalkulation über die Digitalisierung kleinerer Projekte bis hin zur Baustelleneinrichtung. Mehr Informationen zu den Einsatzmöglichkeiten von 3D-Laserscannern im Baubereich finden Sie hier.

Brandschutz entscheidet über Einsatzmöglichkeiten

Welche Brandschutzanforderungen bei der seriellen Sanierung gelten, erklärte Christian Wedell, Segmentleiter Holzbau der James Hardie Europe GmbH. Er stellte die Brandschutzanforderungen in den Gebäudeklassen (GK) 1 bis 5 vor und zeigte wesentliche Unterschiede auf. Die Anforderungen an den baulichen Brandschutz in Gebäuden werden sowohl in der Musterbauordnung (MBO) als auch in den Landesbauordnungen (LBO) nach den Gebäudeklassen bemessen. Je höher die Gebäudeklasse, desto strenger die Brandschutzanforderungen.

Welche Brandschutzanforderungen bei der seriellen Sanierung gelten, erklärte Christian Wedell, Segmentleiter Holzbau der James Hardie Europe GmbH, während der Praxisschulung
Foto: Pro Clima (2026)

Welche Brandschutzanforderungen bei der seriellen Sanierung gelten, erklärte Christian Wedell, Segmentleiter Holzbau der James Hardie Europe GmbH, während der Praxisschulung
Foto: Pro Clima (2026)
Außerdem ging er auf die Muster-Holzbau-Richtlinie (MHolzBauRL) ein. Diese darf überall dort angewendet werden, wo bauordnungsrechtliche Landesregelungen es gestatten. Im Mai 2025 wurde die neue „Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an Bauteile und Außenwandbekleidungen in Holzbauweise“ (MHolzBauRL 2024) veröffentlicht. Darin wird unter anderem die Holztafelbauweise in Gebäuden der GK 5 geregelt.

Offene und geschlossene Wandelemente vorfertigen

Christian Wedell erklärte außerdem die Unterschiede zwischen offenen und geschlossenen Wandsystemen. Bei einem offenen Wandsystem werde die Konstruktion einseitig beplankt und bauseitig gedämmt, diese Ausführung sei aber nur in den Gebäudeklassen 1 bis 3 einsetzbar. Die nichttragende Außenwand müsse bei dieser Variante die Baustoffklasse B2 (normal entflammbar) erfüllen. Geschlossene Wandsysteme, die werkseitig eine Dämmung erhalten und beidseitig mit einer Beplankung versehen werden, eigneten sich hingegen auch für den Einsatz im mehrgeschossigen Holzbau in den GK 4 und 5. Um solche Wandelemente zu erstellen, sei eine Zertifizierung für Holzbaubetriebe nötig.

Luft- und Winddichtung bei der seriellen Sanierung

Während der Schulung wurden viele Arbeitsschritte an einem Wandmodell in Originalgröße gezeigt und live auf eine große Leinwand übertragen
Foto: Stephan Thomas

Während der Schulung wurden viele Arbeitsschritte an einem Wandmodell in Originalgröße gezeigt und live auf eine große Leinwand übertragen
Foto: Stephan Thomas
Was bei der seriellen Sanierung von Bestandsgebäuden im Hinblick auf die Luft- und Winddichtung zu beachten ist, erklärte Martin Großekathöfer, technischer Berater bei Pro Clima. Während der Schulung demonstrierte er, wie eine luftdichte Ebene mit einer „Intello“-Dampfbremsbahn auf der Innenseite eines vorgefertigten Wandelements verlegt wird und wie der Anschluss an die Wandkonstruktion mit Klebebändern funktioniert. Nach dem Aufbringen der Dampfbremsbahn folgte die Montage von „Fermacell“-Gipsfaserplatten auf dem Wandmodell. Anschließend wurde ein vorgefertigtes Fensterelement von der Firma Beck + Heun inklusive aller Anschlüsse, Sonnenschutz, Fensterbank, Absturzsicherung und dezentraler Lüftung mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Der Einbau des Fenster-Fertigelements im Wandmodell erfolgte innerhalb von nur 10 Minuten.

Holzfaserdämmstoffe für Wandelemente

Tim Zimmermann, Schulungsleiter von Gutex, zeigte während der „Schnittstelle Baustelle“-Schulung in Augsburg, wie der Einbau der „Thermoflex“-Holzfaserdämmung funktioniert
Foto: Pro Clima (2026)

Tim Zimmermann, Schulungsleiter von Gutex, zeigte während der „Schnittstelle Baustelle“-Schulung in Augsburg, wie der Einbau der „Thermoflex“-Holzfaserdämmung funktioniert
Foto: Pro Clima (2026)
Mit Holzfaserdämmstoffen lassen sich Wandelemente für die serielle Sanierung nachhaltig und wirtschaftlich dämmen – wie das genau funktioniert, erklärte Tim Zimmermann, Schulungsleiter von Gutex, während der Schulung in Bochum. Dabei stellte er unter anderem die Holzfaserdämmung „Thermoflex“ vor: Die Dämmmatte verfügt über einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von 0,036 W/mK (WLG 036), ist diffusionsoffen und feuchteregulierend und verfügt über gute Schall- und Hitzeschutzeigenschaften. Während der Praxisschulung erklärte Tim Zimmermann, wie sich die Holzfaserdämmmatte mit speziellen Dämmstoffschneidern zuschneiden und in Holzrahmenwänden einfügen lässt. Für die werks- und baustellenseitige Dämmung von Holzrahmenwänden bietet Gutex außerdem die Einblasdämmung „Thermofibre“ an. Multifunktional einsetzbar ist die Dämmplatte „Gutex 5 in 1“, die sowohl für die Außenbeplankung von Holzkonstruktionen als auch für die regensichere Unterdeckung im Steildach geeignet ist.

Schalungsbahn bietet Feuchte- und Brandschutz

Die fachgerechte Verlegung und der luftdichte Anschluss der „Solitex Fronta Quattro FB“-Schalungsbahn wurde ebenfalls während der Praxisschulung vorgeführt
Foto: Stephan Thomas

Die fachgerechte Verlegung und der luftdichte Anschluss der „Solitex Fronta Quattro FB“-Schalungsbahn wurde ebenfalls während der Praxisschulung vorgeführt
Foto: Stephan Thomas
Um die Dämmebene in Wandelementen dauerhaft vor Feuchtigkeit zu schützen und gleichzeitig Feuchtigkeit aus dem Bauteilinneren entweichen zu lassen, kommen diffusionsoffene Wandschalungsbahnen wie die „Solitex Fronta Quattro FB“ von Pro Clima zum Einsatz. Die Bahn kann sowohl hinter geschlossenen als auch hinter offenen Fassaden eingesetzt werden, sie gilt als hoch diffusionsoffen, schlagregendicht und schwer entflammbar. Während der Praxisschulung demonstrierten die Pro-Clima-Anwendungstechniker die fachgerechte Verlegung und den luftdichten Anschluss der Bahn am Wandelement.

Brand- und Schallschutz mit Gipsfaserplatten

Für die Beplankung von Fassadenelementen in Holzbauweise bieten Gipsfaserplatten Vorteile im Bezug auf die Statik, den Brand- und Schallschutz. Die „Fermacell“-Gipsfaserplatten von James Hardie Europe beispielsweise lassen sich sowohl tragend als auch aussteifend zur Beplankung von Holzrahmenbauteilen einsetzen. Sie sind als nicht brennbar gemäß der Baustoffklasse A2 klassifiziert. Die Platten eignen sich daher gut für die industrielle Vorfertigung von Fassadenelementen. Während der Praxisschulung in Bochum wurde die Beplankung des Wandmodells mit „Fermacell“-Gipsfaserplatten vorgeführt.

Montage von Fermacell-Gipsfaserplatten am Wandmodell während der „Schnittstelle Baustelle“- Schulung am Standort Augsburg
Foto: Pro Clima (2026)

Montage von Fermacell-Gipsfaserplatten am Wandmodell während der „Schnittstelle Baustelle“- Schulung am Standort Augsburg
Foto: Pro Clima (2026)
Durch die Kombination aus Gipsfaserplatten und Fassadenplatten aus Faserzement von James Hardie Europe lassen sich Wandkonstruktionen umsetzen, die hohe Brandschutzanforderungen erfüllen. Dabei bietet James Hardie Europe sowohl großformatige „Hardie Panels“ als auch kleinformatige „Hardie VL Plank“-Fassadenplatten an – beide gelten als nicht brennbar (Baustoffklasse A2-s1, d0). Durch ihr Nut-Feder-System und die Befestigung per Druckluft- oder Gasnagler lassen sich die „Hardie VL Plank“-Fassadenpaneele einfach befestigen, wahlweise auf einer Holz- oder Metallunterkonstruktion.

Montage einer VHF aus Faserzementpaneelen

Während der Schulung in Bochum wurden „Hardie Architectural Panels“ in Betonoptik auf einer Unterkonstruktion aus KVH montiert. Vor der Montage der Paneele auf der Holz-Unterkonstruktion wurden EPDM-Bänder verlegt, die dazu dienen, das Holz vor Feuchtigkeit zu schützen und eingedrungene Feuchtigkeit abzuleiten. Die Montage der Faserzementpaneele bildete den letzten Schritt der Arbeit am Wandmodell. Im abschließenden Vortragsblock der Schulung ging es um die Montage der im Werk vorgefertigten Wandbauteile am Bestandsgebäude. Dabei gingen die Referenten auch darauf ein, was bei Sockelanschlüssen und an Elementstößen zu beachten ist.

Fazit

Nach fünf Stationen der „Schnittstelle Baustelle“- Schulung an verschiedenen Standorten in Deutschland sowie einem Online-Termin aus dem Pro-Clima-TV-Studio ziehen die Veranstalter ein positives Fazit: Sowohl vor Ort als auch digital gab es viele Fragen von Teilnehmenden und zahlreiches Feedback zur seriellen energetischen Sanierung. Die „Schnittstelle Baustelle“-Online-Schulung wurde außerdem aufgezeichnet, der Mitschnitt steht auf YouTube zur Verfügung (siehe hier).

Die Schulung wurde gemeinsam von den Partnern Pro Clima, Gutex, Beck + Heun, James Hardie Europe und Faro Europe durchgeführt. Das Bild zeigt das Schulungsteam am Standort Augsburg
Foto: Pro Clima (2026)

Die Schulung wurde gemeinsam von den Partnern Pro Clima, Gutex, Beck + Heun, James Hardie Europe und Faro Europe durchgeführt. Das Bild zeigt das Schulungsteam am Standort Augsburg
Foto: Pro Clima (2026)

Mehr zur Schulungsreihe „Schnittstelle Baustelle 2026“ erfahren Sie hier.

Autor

Stephan Thomas ist Chefredakteur des Magazins dach+holzbau.

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