Sanierung mit integrierter PV-Anlage
Das Ensemble aus Altbau und Erweiterungsbau der Ludwigsburger Gemeinschaftsschule wurde saniert und energetisch ertüchtigt. Im Zuge der Sanierung der Satteldächer wurde eine neue PV-Anlage so in die Dachflächen eingebaut, dass der historische Charakter des Gebäudes erhalten blieb.
Das Schulgebäude der Gemeinschaftsschule in der Ludwigsburger Innenstadt ist ein vielschichtiges Ensemble, das in mehreren Bauphasen entstanden ist. Es vereint einen zweigeschossigen Altbau von 1934 mit Satteldach und einen dreigeschossigen Erweiterungsbau aus dem Jahr 1964 mit Flachdach. Durch die L‑förmige Anordnung der Gebäude entstehen zwei unterschiedlich gestaltete Pausenhöfe. Die Haupterschließung erfolgt über den südwestlichen Hof, an dem beide Gebäudeteile zusammenlaufen.
Komplexe Strukturen: Die Gemeinschaftsschule Ludwigsburg besteht aus einem Altbau mit Satteldächern und einem Anbau mit Flachdach
Foto: Wienerberger
Neben dem mehrflügeligen Altbau mit seinen markanten Satteldächern prägt auch ein quaderförmiger Anbau das Gesamtbild. Auf dessen Flachdach sind bereits zahlreiche PV‑Module installiert. Naheliegend war daher die Frage, ob auch die Dachschrägen des Altbaus mit Photovoltaikmodulen ausgestattet werden könnten – ohne die charakteristische Optik des Gebäudes zu beeinträchtigen. Die Lösung fand sich in einer roten Dacheindeckung in Kombination mit farblich darauf abgestimmten PV‑Modulen. Im Sommer 2025 wurde das Dach des Schulgebäudes in der Alleenstraße umfassend saniert und gleichzeitig mit einer dachintegrierten Photovoltaikanlage ausgestattet. Innerhalb von rund zweieinhalb Monaten führte das vierköpfige Team von Rikker Holzbau die komplette Neueindeckung des Satteldachs aus – inklusive der Installation von 129 Photovoltaikmodulen mit einer Gesamtleistung von 49,02 kWp.
Bestandsgebäude mit Geschichte
Auch wenn das Gebäude nicht denkmalgeschützt ist, prägt es das Stadtbild in Ludwigsburg und wurde bereits in den vergangenen Jahren schrittweise saniert und energetisch ertüchtigt. Nach Fassaden-, Fenster- und Flachdacharbeiten stand nun die Sanierung der geneigten Dachflächen an – verbunden mit dem Wunsch der Stadt, die Dachflächen künftig zur regenerativen Stromerzeugung zu nutzen. Bei einem früheren Bauprojekt an einem denkmalgeschützten Objekt hatte die Stadt Ludwigsburg bereits mit dem Unternehmen Wienerberger zusammengearbeitet. Über die Website des Herstellers wurde man darauf aufmerksam, dass auch Photovoltaiksysteme angeboten werden – und nahm Kontakt zum PV-Fachberater von Wienerberger auf, der die Planung in enger Abstimmung mit der Stadt Ludwigsburg übernahm.
Rückbau und Neuaufbau im Bestand
Die Neueindeckung des Daches erfolgte mit großformatigen Tondachziegeln des Modells „Alegra 8“ in Rot engobiert
Foto: Wienerberger
Im Zuge der Dachsanierung wurden die alten Dachziegel vollständig abgenommen. In Teilbereichen entfernte das Team zudem die vorhandene Dämmung. Eine zusätzliche Dämmung war nicht vorgesehen, da die Dachräume auch künftig nicht als Klassen- oder Aufenthaltsräume genutzt werden.
Nach dem Rückbau richteten die Zimmerer die Sparren aus, bevor eine neue Unterspannbahn verlegt wurde. Aufgrund eines bekannten Marderproblems entschied man sich für eine besonders robuste Lösung: Zum Einsatz kam die widerstandsfähige Unterspannbahn „Quattro Longlife Extra“, die das erneute Einnisten von Tieren ins Dach deutlich erschweren soll. Anschließend erfolgte die Neueindeckung mit großformatigen „Alegra 8“-Tondachziegeln in der Farbe Rot engobiert. Dabei entschied man sich für ein markantes, wirtschaftliches Format – auch im Hinblick auf die Integration der dachintegrierten PV-Anlage.
129 dachintegrierte PV-Module
Die PV-Module wurden seitlich und untereinander mit Blechen eingefasst, die vorab individuell angepasst wurden
Foto: Wienerberger
Die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Schule besteht aus 129 roten Solarmodulen mit jeweils 380 W Leistung. Daraus ergibt sich eine Gesamtleistung von 49,02 kWp. Die Module wurden dachintegriert verlegt und übernehmen damit die wasserführende Ebene. Gerade hier zeigte sich die Komplexität des Systems: Die Blechelemente, die die Module seitlich und untereinander einfassen, sind einzelne Passstücke, was genaue Zuschnitt- und Anpassungsarbeiten erfordert, da jedes Element exakt auf das jeweilige System und die Dachgeometrie abgestimmt sein muss. Unterstützung bei der Installation erhielten die Handwerker durch einen Lehrverleger des Wienerberger-Photovoltaikspezialisten Wevolt, der vor Ort die Besonderheiten des Systems erläuterte – insbesondere im Umgang mit den Blechen und deren Funktion als einfassende Umrandung.
Anspruchsvolle Details und Dachneigung
Besonders anspruchsvoll war die Verlegung in Bereichen, in denen nur noch zweireihig gearbeitet werden konnte. Aufgrund der starken Dachneigung wurde das sichere Stehen zur Herausforderung. Hinzu kam, dass viele Ziegel im Anschluss an die Module und die Einfassung gekürzt werden mussten, um saubere Übergänge herzustellen. Die großformatigen Ziegel zeigten bei diesem Projekt sowohl ihre Stärken als auch ihre Besonderheiten: Durch die größere Deckfläche der Ziegel lässt es sich zügig arbeiten. Gleichzeitig erfordern die Fünferpacks beim Verteilen auf der Fläche etwas mehr körperlichen Einsatz. In einzelnen Bereichen hätten kleinere Formate zusätzliche Flexibilität geboten – insbesondere, um die Lattweite variabler einzuteilen. Auf einer Dachfläche mit 23 Modulen war zudem ein durchgehender Längsschnitt erforderlich, um die Modulreihe passgenau einzubinden. Hier zeigte sich, wie wichtig eine präzise Planung und Abstimmung zwischen Dach- und PV-Gewerk ist.
Blitzschutz und Durchdringungen
Das Schulgebäude vereint einen zweigeschossigen Altbau von 1934 mit Satteldach sowie einen dreigeschossigen Erweiterungsbau aus dem Jahr 1964 mit Flachdach. Durch die L‑förmige Anordnung der Baukörper entstehen zwei unterschiedlich gestaltete Pausenhöfe
Foto: Wienerberger
Ein weiteres Thema war der Blitzschutz: Aufgrund der großen, zusammenhängenden Modulfläche musste eine zusätzliche Ableitung eingeplant werden. Die Integration erfolgte in enger Abstimmung mit den Fachplanern.
Für die Kabeldurchführungen wurden insgesamt drei Durchdringungen erstellt. Diese wurden mit Gummi-Einsätzen dauerhaft abgedichtet. Die eigentliche Öffnung in der Unterspannbahn erfolgte per Cuttermesser, um eine saubere, spannungsfreie Durchführung zu gewährleisten. Einen klassischen „Kniestock“ für Technikanlagen gibt es im Steildach der Schule in Ludwigsburg nicht – sämtliche Komponenten mussten daher in das Dachsystem integriert beziehungsweise in den Innenraum geführt werden.
Gauben demontiert und saniert
Die Schneefanggitter vom alten Dach wurden für den neuen Dachaufbau wiederverwendet
Foto: Wienerberger
„Im Zuge der Arbeiten wurden die vorhandenen Gauben im Ganzen abgenommen und anschließend wieder eingesetzt“, berichtet Bauleiter Patrick Esslinger von Rikker Holzbau und erklärt weiter: „Dabei erhielt auch die Gaubenverwahrung eine neue Ausführung. Auch die äußeren Verwahrungen wurden erneuert, ebenso die Fenster.“ Die bestehenden Schneefanggitter blieben erhalten und wurden durch zusätzliche Schneefanghaken ergänzt, um den heutigen Anforderungen an die Verkehrssicherung gerecht zu werden.
Fazit: Steile Lernkurve
Im Vergleich zur Aufdachmontage ist ein dachinte-griertes PV-System in der Ausführung deutlich anspruchsvoller. Der Zuschnitt von Blechen und Ziegeln, die Blecheinfassung und die Integration in die Dachdeckung erfordern Erfahrung und eine saubere Detailplanung. „Wir haben sehr positive Erfahrungen mit der Montage gemacht. Wir würden sofort wieder so eine Anlage montieren“, sagt Patrick Esslinger.
Das Projekt in Ludwigsburg zeigt, wie sich eine klassische Dachsanierung und die Integration einer dachintegrierten Photovoltaikanlage sinnvoll verbinden lassen. Das Ergebnis ist ein optisch ruhiges, homogenes Dachbild in Rot mit einer leistungsfähigen PV-Anlage, die künftig einen relevanten Beitrag zur Stromversorgung der Schule leisten wird.
AutorChriss Topalis ist PV-Fachberater bei der Wienerberger GmbH.
