Mit Ruhe und Gelassenheit Großes schaffen

Unternehmensporträt über die Firma Holger Lüllmann Holzbau und Bedachungen

Holger Lüllmann ist am Puls der Zeit. Der Zimmerer und Dachdeckermeister führt einen Betrieb im Oldenburger Münsterland, der auf den Bau von Hallen und Wohnhäusern in Holzbauweise spezialisiert ist. Die digitale Planung von Projekten und das Bauen mit Brettsperrholz gehören für ihn längst zum Alltag.

Holger Lüllmann ist Dachdeckermeister, Zimmerer und Geschäftsführer der Firma Lüllmann Holzbau & Bedachungen
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen

Holger Lüllmann ist Dachdeckermeister, Zimmerer und Geschäftsführer der Firma Lüllmann Holzbau & Bedachungen
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen
Wenn man sich die Gründungsgeschichte von Holger Lüllmann anschaut, sucht man vergeblich nach Verwandten der älteren Generation, die die Vorlage für seine Karriere als Handwerksunternehmer boten. Als er seine Schulausbildung absolviert hatte, war für ihn jedoch eines klar: Er wollte einen Beruf ergreifen, bei dem er am Ende des Tages sehen konnte, was er geleistet hat. Daher entschied sich Holger Lüllmann für eine Ausbildung zum Zimmerer und absolvierte anschließend noch die Ausbildung zum Dachdecker. Nach seiner Weiterbildung zum Dachdeckermeister machte er sich 2010 selbstständig und gründete mit der Firma Lüllmann Holzbau und Bedachungen seinen eigenen Betrieb in Löningen. Diesen führte er zunächst als Klein- und ab 2015 als Hauptgewerbe.

Die Akquise von Mitarbeitenden sei in einem kleinen Ort wie Löningen (Landkreis Cloppenburg) mit etwa 14 000 Einwohnenden kein Problem, erklärt er. Die jungen Leute würden einander von ihrer Arbeit erzählen, auf diese Weise kämen stets neue Azubis hinzu. Den Trend, neue Mitarbeitende über soziale Medien zu gewinnen, hat auch er mitgemacht – jedoch mit mäßigem Erfolg. Unzuverlässigkeit und das Verheimlichen von Fehlern und Problemen auf der Baustelle hätten Ärger verursacht. So schnell wie die Leute zum Betrieb hinzukamen, hätten sie diesen auch wieder verlassen, so Lüllmann.

Praktika und Ferienjobs für Schülerinnen und Schüler

Viel besser und nachhaltiger funktioniert aus seiner Sicht die Zusammenarbeit mit den Schulen vor Ort. Über Praktika und Ferienjobs erhalten Jugendliche die Chance, in seinem Betrieb das Dachdecker- und Zimmererhandwerk kennenzulernen. „Zudem räumt das Hineinschnuppern in die Praxis mit Vorurteilen auf. Viele Jugendliche erkennen erst durch das Praktikum, dass man nicht zwingend studieren muss, um Geld zu verdienen. Das Dachdecker- und Zimmererhandwerk bietet gute Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten sowie jede Menge Abwechslung“, sagt Lüllmann. Neben der Nachwuchsgewinnung und Zusammenarbeit mit Schulen fördert er auch die Weiterbildung seines Teams, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken – sei es durch den Erwerb eines Kranführerscheins oder die Spezialisierung auf moderne Maschinentechnik.

Vertrauen aufbauen, eigenständiges Denken ­fördern

Das Team des Handwerksbetriebs von Holger Lüllmann besteht aus einem Zimmerermeister, mehreren Dachdecker- und Zimmerergesellen, zwei Mitarbeitenden im Büro sowie dem Geschäftsführer. Das Bild zeigt einen Teil des Teams 
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen

Das Team des Handwerksbetriebs von Holger Lüllmann besteht aus einem Zimmerermeister, mehreren Dachdecker- und Zimmerergesellen, zwei Mitarbeitenden im Büro sowie dem Geschäftsführer. Das Bild zeigt einen Teil des Teams 
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen
„Ehrlichkeit ist das Wichtigste“, meint Holger Lüllmann und ergänzt: „Dafür muss man jedoch Vertrauen bei den jungen Leuten aufbauen. Wenn ich sie um Lösungsvorschläge bitte, dann wachsen sie daran und denken mit.“ Sein Ziel ist, das eigenständige Denken seiner Azubis zu fördern. „Melde dich nur, wenn du zwei Lösungen hast und dann können wir gemeinsam entscheiden“, lautet ein Leitspruch, den er seinen Auszubildenden mitgibt. Dieses Jahr startet ein neuer Azubi seine Ausbildung zum Zimmerer bei der Firma Lüllmann, nächstes Jahr sollen zwei weitere Azubis hinzukommen. Das aktuelle Team besteht aus 13 Mitarbeitenden, die zum größten Teil mindestens fünf Jahre dabei sind. Doch auch Holger Lüllmann spürt, dass der Prozess der Fachkräfte- und Azubigewinnung zäher wird.

Mitarbeiterführung und Bürokratie

Der Markt ändert sich zwar fortlaufend, aber wenn man Holger Lüllmann zuhört, gewinnt man den Eindruck, dass ihn so schnell nichts aus der Bahn wirft. Schwierigkeiten bei der Gründung? Fehlanzeige. „Man fährt zur Stadt, man meldet sich an und dann nimmt alles seinen Lauf. Die Herausforderungen kommen dann später“, fasst er den Beginn seines Unternehmens nüchtern zusammen. Zu den Herausforderungen der Betriebsführung zählen für ihn die Führung von Mitarbeitenden, aber auch ein hohes Maß an Bürokratie. Um sich diese Dinge zu erleichtern, hat er eine ­Vollzeitkraft für das Büro und eine Halbzeitkraft für das Controlling, Mahn- und Personalwesen eingerichtet.

Neubau von Hallen und Wohnhäusern in ­Holzbauweise

1_Neubau_Halle_Holzbauweise_Lorup_Holger_Luellmann_Holzbau_Bedachungen.jpg Der Neubau von Hallen in Holzbauweise macht einen Großteil der Projekte der Firma Lüllmann mit Sitz in Löningen aus
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen

Der Neubau von Hallen in Holzbauweise macht einen Großteil der Projekte der Firma Lüllmann mit Sitz in Löningen aus
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen
Seit einigen Jahren hat sich Holger Lüllmann mit seinem Betrieb auf das Bauen mit Holz spezialisiert. Als gelernter Zimmerer hat er die Eigenschaften des natürlichen Baustoffes zu schätzen gelernt, er mag die handwerkliche Verarbeitung und die warme und wohnliche Wirkung des Materials. Der Fokus auf den Baustoff Holz hat sich auch ein Stück weit aus der Lage des Betriebs ergeben: Die Region rund um Löningen ist landwirtschaftlich geprägt – immer wieder gibt es Anfragen für den Neubau von Hallen in Holzbauweise. Der Hallenbau gehört zu den tragenden Säulen von Lüllmanns Betrieb und zunehmend auch das Arbeiten mit Brettsperrholz, auch CLT genannt. Diese Bauweise sei sehr gefragt, auch wenn sie etwas höhere Kosten als die konventionelle Massivbauweise erzeuge, so Lüllmann. Einerseits sei die Vorlauf- und Planungszeit bei der Brettsperrholzbauweise länger und aufwendiger, andererseits aber auch die Bau- und Abstimmungszeit vor Ort deutlich kürzer.

Bauweise mit hohem Vorfertigungsgrad

Bei der Bauweise mit Brettsperrholz werden viele Details bereits vorab geplant und vorproduziert. Ob Fenster- und Türenausschnitte, Vorrichtungen für Sanitärobjekte, Schalter, Steckdosen, Leitungen oder Kabel: all das lässt sich vorab einplanen, sodass vor Ort die Bauteile nur noch zusammengesetzt und abgedichtet werden müssen. Nur anderthalb Wochen hat es beispielsweise gedauert, bis Lüllmanns Team ein Mehrfamilienhaus als Rohbau aus Brettsperrholz fertiggestellt hat.

Seine Kundschaft, zu der auch Immobilieninvestoren zählen, weiß den wirtschaftlichen Aspekt dieser Konstruktionsart zu schätzen: Obwohl die vorgefertigten Brettsperrholzwände gute Eigenschaften beim Wärme- und Schallschutz aufweisen, sind sie gerade einmal 10 cm dünn. Beim letzten Projekt in Brettsperrholzbauweise konnten dank dieser Konstruktionsart 50 m² Wohnfläche hinzugewonnen werden. Architektinnen und Architekten übernehmen bei Projekten dieser Art lediglich die Genehmigungsplanung. Den Rest erledigt das Team von Holger Lüllmann. Mithilfe der CAD-Software SEMA kann die gesamte Planung eines Objekts übernommen werden, inklusive der Ausschnitte für kleinere und größere Bauteile. 

Umfassendes Leistungsspektrum

Zu den aktuellen Holzbauprojekten des Dachdecker- und Zimmereibetriebs gehört der Neubau eines Mehrparteienhauses für sieben Wohneinheiten in Cloppenburg. Für dieses Bauvorhaben werden etwa sechs bis sieben Monate Bauzeit einkalkuliert. In der Pipeline befindet sich bereits ein baugleiches Projekt, jedoch für acht Parteien und mit einer vereinbarten Bauzeit von 5,5 Monaten.

Zu den aktuellen Projekten der Firma Lüllmann zählt der Neubau eines Mehrparteienhauses in Cloppenburg in Holzbauweise
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen

Zu den aktuellen Projekten der Firma Lüllmann zählt der Neubau eines Mehrparteienhauses in Cloppenburg in Holzbauweise
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen
Ansonsten sind die Leistungen, die Holger Lüllmanns Betrieb anbietet, vielfältig und umfassen Dachsanierungen, Abdichtungen aller Art, den Treppenbau, Fassadenverkleidungen sowie den Einbau von Lichtkuppeln, Dachausstiegen und RWA-Anlagen. Mithilfe von Partner- und Subunternehmen werden auch weitere Arbeiten wie der Einbau von Fenstern und Türen, Beton-, Stahlbau- und Maurerarbeiten übernommen.

Reparaturarbeiten wie der Austausch von Dachziegeln oder das Beheben von Sturmschäden würden lediglich fünf Prozent seines Umsatzes ausmachen, erklärt Lüllmann, seien aber ein nicht zu unterschätzender Faktor: „Sind die Kunden mit der schnellen Hilfe bei Kleinigkeiten zufrieden, melden sie sich auch für größere Folgeprojekte – so entsteht ein treuer Stammkundenkreis.“

Maßgefertigte Unterspannbahn für Dachsanierung

Für die Sanierung wurden maßgefertigte Unterspannbahnen vorgefertigt, die auf dem Dach ausgebreitet und verlegt wurden
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen

Für die Sanierung wurden maßgefertigte Unterspannbahnen vorgefertigt, die auf dem Dach ausgebreitet und verlegt wurden
Foto: Holger Lüllmann Holzbau & Bedachungen
Vergangenes Jahr hat das Team von Holger Lüllmann die Dachflächen eines alten Bahnhofs aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Dinklage saniert. Das Gebäude mit zwei Walmdächern und bis zu 70° Dachneigung wurde dafür mit einer Drohne vorab dreidimensional ausgemessen. Ein Zimmerermeister aus Holger Lüllmanns Team erstellte aus dem komplexen Aufmaß der Drohne einen digitalen Plan mit realen Kantenlängen, aus dem der Hersteller Siga die Unterspannbahn maßgefertigt vorproduzierte. Diese musste vor Ort nur noch ausgefaltet und auf den Dachflächen verlegt werden.

Digitalisierung und Vernetzung mit anderen Betrieben

Für die Zukunft strebt Holger Lüllmann ein möglichst effizientes, KI-gesteuertes Büro an. Er arbeite aktuell sehr viel an der Digitalisierung von Abläufen in seinem Betrieb. Dabei habe er auch schon erlebt, wie Kollegen aus anderen Firmen mithilfe von KI-Anwendungen Angebote und Anschreiben erstellen würden. Aus einer simplen Sprachnachricht via WhatsApp erstelle die KI-Anwendung, dank einer Vernetzung mit dem Büro-PC, dabei komplette Unterlagen im Branding der jeweiligen Firma.

Durch die Mitgliedschaft im „Roofer's Club“ und die Vernetzung mit Unternehmern aus der Region erhält Holger Lüllmann viele Tipps zur Unternehmensführung und Digitalisierung. Konkurrenz sei für ihn ein Fremdwort, wie Lüllmann erklärt: „Fast mehr als ein Drittel unseres Umsatzes generieren wir inzwischen durch den Austausch mit anderen Unternehmen und die Weitergabe von Aufträgen.“

Jung und dynamisch aufgestellt

Ein wenig möchte er mit seinem Unternehmen noch wachsen, aber vor allem möchte er sich seine Haltung und die Firmenkultur bewahren. „Das bestehende Team ist fachlich hervorragend aufgestellt und arbeitet eingespielt miteinander. Unsere Azubis sind vom ersten Tag an Teil des Teams“, erklärt Lüllmann. „Ich möchte mit meinem Team jung und dynamisch aufgestellt sein und gleichzeitig die Erfahrung der älteren Mitarbeitenden mit einbinden.“ Dass ältere Menschen nicht mehr für die Baustelle geeignet seien, sehe er nicht so. „Mittlerweile hat man auf fast allen Baustellen passende Maschinen und Kräne und sollte das nicht so sein, sorgt man dafür, dass es jedem Mitarbeiter so leicht gemacht wird, wie es nur geht“ so Lüllmann. Körperlich anstrengend sei heutzutage nur noch das Wetter, also starker Regen, Wind oder extreme Hitze. „Aber auch da kann man mit entsprechenden Maßnahmen entgegenwirken“, sagt Lüllmann.

Autorin
Nathalie Brum ist freischaffende Architektin, Künstlerin und Fachjournalistin. Sie lebt und arbeitet in Köln.
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