Der Schnittholzbedarf ist hoch, am Rohstoff Holz mangelt es jedoch nicht!

steigende Preise und lange Lieferzeiten bei Holz und Dämmstoffen beschäftigen zurzeit viele Dachdecker, Zimmerer und Fachhändler. Manche Betriebe müssen bis zu zehn Wochen auf Materiallieferungen warten, andere erhalten derzeit gar kein Material. Das zeigt eine Umfrage des Zentralverbands des deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) aus dem April, die wir hier vorstellen. Angebote zu erstellen und zu halten wird schwieriger, Bauprojekte verschieben sich oder werden storniert. Ulrich Marx, ZVDH-Hauptgeschäftsführer, nennt Gründe für die Lieferengpässe: „Es gibt weltweit einen enormen Bedarf an Baumaterialien. Derzeit wird deutsches Holz zu hohen Preisen an die USA und nach China verkauft, während hierzulande Material fehlt.“

Tatsächlich hat der Export von Nadelschnittholz nach Angaben der deutschen Säge- und Holzindustrie in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Die Exportquote der Branche belief sich 2018 auf 40 Prozent, bei exportorientierten Sägewerken war die Quote noch höher. Dazu kommt, dass der Nadelschnittholzverbrauch in Deutschland seit Jahren steigt. Der Inlandsverbrauch lag 2018 bei 19,5 Mio. m³, exportiert wurden 8,5 Mio. m³ – es herrscht eine hohe Nachfrage und es wird immer schwieriger, diesen Bedarf zu decken. Dennwoch wurde 2018 mehr Nadelschnittholz in Deutschland verbraucht als exportiert.

Am Rohstoff Holz mangelt es aber anscheinend nicht. Durch Sturmschäden und Borkenkäferbefall in den vergangenen Jahren sind zwar die Aufarbeitungskosten für Holz gestiegen, wie Hans Ludwig Körner, Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbands, erklärt: „Es ist aufwendiger und teurer, Holz aus einem von Sturmschäden betroffenen Wald zu bergen, als aus einem gesunden Wald.“ Die Preise für Rohholz würden aber dennoch nicht steigen, da es ein Überangebot gebe. „Es bestehen große Vorräte an Nadelholz, vor allem Fichtenholz. Dazu kommt, dass große Mengen Kalamitätsholz auf dem Markt sind“, sagt er. Darunter versteht man Holz, das ungeplant anfällt, etwa durch Sturm, Schneebruch, Trockenheit oder Borkenkäferbefall. „Die Sägewerke sind voll mit Rohholz. Ihre Verarbeitungskapazität ist der limitierende Faktor“, sagt Körner. 

Nadelschnittholz ist ein knappes Gut. Das erfordert ein Umdenken, hin zu ressourcenschonenderen Bauweisen. Wie man Wohnhäuser mit wenig Holz- und Energieeinsatz bauen kann, zeigt Zimmerer Egon Frick mit seinem „8Haus“. Die meisten Hölzer des Hauses, sei es die Holzrahmenkonstruktion oder die Beplankung der Innenwände, bestehen aus sägerauem Holz. Weil das Holz nicht gehobelt werden musste, war weniger Maschinen- und Holzeinsatz nötig – so wird sorgsam mit der Ressource Holz umgegangen. Mehr über das Projekt erfahren Sie hier.

Ich hoffe, dass sich die Engpässe und Preissteigerungen bei Holz, Dämmstoffen und anderen Produkten bald beruhigen, damit Sie ihren Kunden wieder verlässliche Preise zusichern und Aufträge wie gewohnt durchführen können. Wir werden Sie über die Lage auf dem Laufenden halten, unter www.dach-holzbau.de und in unserem Newsletter ( www.dach-holzbau.de/newsletter).

Ich wünsche Ihnen frohes Schaffen,

Die Nachfrage nach Schnittholz steigt – am Rohstoff Holz mangelt es jedoch nicht.

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