Leichtdächer abdichten mit Bitumenbahnen

Mit der passenden Abdichtung erreichen Leichtdächer eine lange Lebensdauer. Bitumen- und Polymerbitumenbahnen eignen sich gut als Abdichtung für solche Leichtdachkonstruktionen und auch als Grundlage für die Montage von Solaranlagen.

Meist geben funktionale und finanzielle Gesichtspunkte bei der Entscheidung für ein Leichtdach den Ausschlag. Mit anderen Worten: Wo ein Dach benötigt wird, das zuverlässig schützt, aber keine Unsummen kostet, ist ein Leichtdach die erste Wahl. Der Begriff bezeichnet Dachkonstruktionen, deren Eigengewicht unter 10 kg/m² liegt. Zum Vergleich: Mit Dachziegeln eingedeckte Dächer können mit bis zu 100 kg/m² gut das Zehnfache auf die Waage bringen. Beispiele für Leicht-dachelemente sind Stahltrapezprofile oder Trapezbleche. Großformatige Leichtdachelemente kommen bevorzugt im Industriebau auf Lager- und Produktionshallen zum Einsatz. Aber auch Garagendächer oder Carports sind typische Einsatzgebiete. Fachgerecht ausgeführt und gewartet, können Leichtdächer eine lange Lebensdauer erreichen.

Bei der Planung eines Leichtdaches muss einigen Besonderheiten Rechnung getragen werden. Etwa dem Einsatzzweck des Gebäudes: Stellt es höhere Anforderungen an den Brandschutz, etwa durch die darin produzierten oder gelagerten Waren? Bei der Unterkonstruktion für die Dacheindeckung stellen sich folgende Fragen: Haben die Auflager die richtigen Abstände, damit sich die Konstruktion nicht zu sehr durchbiegt? Welche Temperatur herrscht im Inneren des Gebäudes? Und wichtig für die Windsogberechnung: Handelt es sich um ein Gebäude mit offener Fassade und Windinnendruck?

Hohe mechanische und thermische Belastung

Sorgfalt verlangt auch die Planung der passenden Abdichtung. So beeinflusst die gewünschte Qualität der Dachabdichtung die Wahl des Materials: DIN 18531 differenziert zwischen den zwei Anwendungsklassen K1 und der höherwertigen Ausführung K2. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit ist es grundsätzlich ratsam, Flachdächer nach Anwendungsklasse K2 auszuführen. Soll auf dem Flachdach beispielsweise eine Solaranlage installiert werden, ist eine Abdichtung nach Anwendungsklasse K2 erforderlich.

Durch Änderungen bei der Nutzung eines Industriegebäudes können nachträgliche Durchdringungen (etwa für Kabelschächte oder Rohre) notwendig werden. Das macht eine Abdichtung erforderlich, die gut ausgebessert und erweitert werden kann. Auch die mechanische und thermische Belastung der Dachabdichtung ist auf Leichtdächern hoch. Für direkt der Witterung ausgesetzte Abdichtungen auf Stahltrapezprofilen, aber auch auf Betonfertigteilen, Betondielen und Schalungen aus Holz oder Holzwerkstoffen weist DIN 18531-1 die höchste Einwirkungsstufe IA aus.

Künftig höhere Belastungen erwartet

Hinzu gesellen sich allen Prognosen zufolge künftig höhere Belastungen durch extreme Wetterereignisse wie Stürme, Starkregen und Hagel, die Architekten und Dachdecker bei der Planung berücksichtigen sollten. Erheblichen Einfluss auf den Dachaufbau nimmt auch die geringere statische Belastbarkeit der Dachkonstruktion. Auflasten sind nicht oder nur in geringem Umfang möglich.

Bitumen- und Polymerbitumenbahnen bringen für die Abdichtung von Leichtdächern gute Eigenschaften mit. So ist polymermodifiziertes Bitumen, wie etwa Elastomerbitumen, elastisch, perforationssicher und in Kombination mit einer entsprechenden Trägereinlage sehr reißfest. Soll ein Leichtdach mit Solaranlagen oder haustechnischen Geräten bestückt werden, eignen sich Bitumenbahnen gut als Dachabdichtung.

Praxisbeispiel: Industriedach mit einlagiger Abdichtung

Ein Beispiel für die Abdichtung eines Leichtdachs mit Bitumenbahnen ist die Blechwarenfabrik Limburg GmbH. Die abzudichtende Dachfläche betrug auf dem Fabrikgebäude rund 22 800 m². Trapezbleche bilden die Basis des Dachaufbaus, darauf wurden Dampfsperrbahnen verlegt. Als Dämmung kam Mineralwolle zum Einsatz, darauf Polymerbitumenbahnen als einlagige Abdichtung. Zum Abführen von Niederschlagswasser wurden auf dem um zwei Prozent geneigten Dach 50 Unterdruckabläufe und Attika-Speier als Notabläufe (ab einer Anstauhöhe von 50 mm) eingebaut. Auf einem Großteil der Dachflächen wurden außerdem Solaranlagen installiert.

Die Dachdeckerei Hans Holub GmbH aus Rietberg führte dabei die Dacharbeiten aus. Dachdecker André Rottenau koordinierte dabei die Arbeiten auf der Baustelle, er sagt: „Ein Vorteil von Bitumenbahnen ist ihre Unempfindlichkeit. Sie sind nicht so anfällig bei mechanischen Beanspruchungen beispielsweise durch Hagel oder beim Begehen des Daches. Außerdem sind sie einfach zu verarbeiten.“ Als besondere Herausforderung der Dachbaustelle in Limburg beschreibt er die Sicherung des Daches gegen die zu erwartenden Windlasten. Deshalb wurde eine Windsogberechnung durchgeführt. Auf deren Grundlage ergab sich die Art und Anzahl der Befestiger zur Fixierung der Polymerbitumenbahnen.

Belastbar und erprobt in der Anwendung

Fachgerecht verlegt schützen Polymerbitumen- und Bitumenbahnen Leichtdächer vor dem Eindringen von Feuchtigkeit. Ihre mechanische Belastbarkeit ist in der Praxis von Vorteil. Die erprobte Anwendung und leichte Verlegung der Bahnen ermöglichen eine schnelle Ausführung von Anschlüssen an Dachdetails und erleichtern Ausbesserungsarbeiten.

Autorin

Katharina Schneider ist Kundenberaterin in der Kommunikationsagentur Punktmacher GmbH, die auf die Bereiche Bau, Architektur, Handwerk und Wohnen spezialisiert ist und unter anderem den VDD Industrieverband Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e.V. bei der Pressearbeit betreut.

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