Kraftplatz mit Aussicht

Begehbares Jakobskreuz mit Stahl-Holz-Konstruktion und Holzschindel-Fassade in Tirol

Auf rund 1500 m Seehöhe thront am Gipfel der Tiroler Buchensteinwand das 30 m hohe, begehbare Jakobskreuz, das nicht zuletzt durch seine ausgefallene Holzschindel-Fassade einen regionalen Blickfang darstellt. Bei dem Projekt wurde auch dem Brandschutz Genüge geleistet.

Insgesamt vergingen über zehn Jahre bevor sich aus einem spontanen Einfall ein realisierbares Konzept entwickelte. Toni Wurzrainer, Inhaber der Firma TIM –Tourismus Innovations Management GmbH in Kirchberg in Tirol, begab sich 2001 auf einen erlebnisreichen Pilgerweg. Er kam mit einer selbst entworfenen Skizze eines überdimensional großen Gipfelkreuzes wieder nach Hause. „Mir schwebte die Idee eines Kraftplatzes mit besonderer Aussicht im Kopf herum“, erläutert Wurzrainer den Entstehungshintergrund eines ungewöhnlichen Bauprojektes.

Das weithin sichtbare Jakobskreuz, welches heute eindrucksvoll knapp 30 m in die Höhe ragt, befindet sich am Gipfel der Tiroler Buchensteinwand im Pillerseetal (Bezirk Kitzbühel). Es ist das weltweit größte, komplett begehbare Gipfelkreuz und lockt sowohl im Winter als auch im Sommer zahlreiche Gäste an. Kein Wunder, beherbergt die Besucherattraktion doch einerseits Seminar- und Veranstaltungsräume, die von jedermann (für maximal 100 Personen) gemietet werden können und andererseits Schauflächen, welche laufend wechselnden (Kunst-) Ausstellungen Platz bieten. Die Besucher haben die Möglichkeit, mit einem Personenaufzug auf Aussichts- und Ausstellungsräume in 19 und 22 m Höhe zu fahren. Zu Fuß gelangt man auf die höchste Ebene des Kreuzes (28 m) und wird auf einer Aussichtsplattform mit einem herrlichen Panorama belohnt.

Volksbefragung gibt grünes Licht für den Bau

Das geplante Bauwerk sorgte anfänglich für Kontroversen, weshalb auch die Bevölkerung und die Kirche in den Entstehungsprozess eingebunden wurden. Im November 2013 fiel letztendlich dank einer Volksbefragung in der Gemeinde, die mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für das Kreuz ausging, der Startschuss für das Projekt.

Herausforderungen gab es zuhauf

Nachdem die Erdarbeiten abgeschlossen und die Fundamentplatte noch vor dem Winter errichtet wurden, ging es im Frühjahr 2014 mit den Stahl- und Holzbauarbeiten Hand in Hand los. „War ein Teil des Stahlgerippes fertig, konnten wir es mit Holzelementen versehen. So wurde der Turm mit seinen vier, jeweils etwa 7 m langen Kreuzarmen Schritt für Schritt weiterentwickelt. Die Zusammenarbeit mit den Stahlbauern (ausführendes Unternehmen: Stahlbau Oberhofer) war großartig“, erklärt Leonhard Huetz, Geschäftsführer des gleichnamigen Holzbau-Betriebs in St. Jakob in Haus und verantwortlich für die Holzbauarbeiten. Sukzessive wurden also der Stahlbau und damit der Holzbau vorangetrieben. Das heißt, wenn ein Stück vom Stahlgerüst fertig gebaut wurde, machten sich sofort die Holzbauer daran, die vorgefertigten Elemente zu befestigen.

Diese wurden von der Innenseite der Stahlkonstruktion festgeschraubt. Auf den Holzrahmenelementen wurde schon in der Vorfertigung eine Sparschalung montiert, gedämmt wurde die Konstruktion nicht, außer im Bereich der Veranstaltungsräume. Somit war auch keine Dampfsperre nötig. Die Tagungsräume, vier Seminarräume in den Kreuzarmen, sind jeweils über 30 m² groß und werden durch einen Aufzug und eine Treppe erschlossen. Die Tagungsräume bestehen aus einer vorgefertigten Bodenplatte und Wänden in Holzrahmenbauweise, gedämmt mit Mineralfaserdämmung „Knauf-Heralan“ in 20 bis 30 cm Dicke, beplankt mit OSB und Gipsfaserplatten zur Aussteifung. Außen sind die Wände der Tagungsräume mit einer Sparschalung versehen. Auch hier diente das Stahlgerüst als Grundträger für den Holzbau.

Zu starker Wind für ein Gerüst

Eine der größten Herausforderungen war die Montage bei Wind und Wetter mit dem Kran. Im Frühjahr gab es noch einmal einen kurzen Wintereinbruch, der Wind blies durchgehend heftig, einen Baustopp gab es aber nicht. Das Bauwerk wurde nicht eingerüstet, das heißt, sämtliche Arbeiten wurden mit dem Kran unter erhöhten Sicherheitsaspekten ausgeführt. Wegen der durchgehend starken Winde hatte man sich gegen ein Gerüst entschieden. „Es gab keine gefährliche Situation, aber das Arbeiten mit der persönlichen Schutzausrüstung dauert bisweilen länger“, sagt Geschäftsführer Leonhard Huetz.

Transport und Logistik

Eine logistische Meisterleistung stellte der Transport der großen Bauelemente auf 1456 m Seehöhe dar „Die engen Forststraßen erforderten den Einsatz von gelenkten Sattelzügen“, so Huetz.

Insgesamt wurden, so Wurzrainer, etwa 43 000 Lärchenholzschindeln, 120 t Stahl und 700 t Beton transportiert: „Die längsten Bauteile waren neun Meter lang“, erinnert sich Huetz.

Während der Bauzeit waren sämtliche 13 Mitarbeiter des Unternehmens im Dauereinsatz. Für die Mitarbeiter war die Baustelle „Jakobskreuz“ etwas Besonderes und, wie Leonhard Huetz sagt, „eine spannende Abwechslung“.

Gipsfaser-Platten für den Brandschutz

Mit dem Bau wurde für die Veranstaltungsräume ein adäquates Brandschutzkonzept entwickelt. Ein Eckpunkt des Projektplans besagte schließlich, ein Holzfassadenmuster mit jeweils 50 cm langen Lärchenschindeln entstehen zu lassen. Die Folge: Einige Mehrauflagen hinsichtlich des Brandschutzes. „Um diese zu erfüllen, haben wir auf Gipsfaser-Platten von Fermacell zurückgegriffen“, sagt Huetz. Die Platten gewährleisten laut Hersteller eine nichtbrennbare Beplankung der Konstruktion von innen und erfüllen die erforderliche Brandschutzklassifzierung EI-30.

Fliesen in Holzoptik

Im Rahmen der Brandschutzplanung war Fermacell-Anwendungstechniker Gerald Kern beratend tätig und an der Entwicklung der Brandschutzlösung der Konstruktion mit Gipsfaser-Platten maßgeblich beteiligt. Insgesamt wurden über 1587 m2 Fläche mit den 12,5 mm dicken Gipsfaser-Platten ausgestattet (für Außenwände 835 m², Innenwände 208 m², Liftschacht/Elektroschacht 390 m² und Decken 154 m²).

Ebenfalls aus Brandschutzgründen verzichtete man auf Holztreppen im Inneren des Turmes und fand mit Fliesen in Holzoptik eine Alternative, um den Anforderungen an den Fluchtweg gerecht zu werden. Eine weitere Fluchtmöglichkeit ins Freie bietet eine Falttür, die sich am Boden eines Seminarraumes befindet. Über einen Notschlauch ist es im Brandfall möglich, nach draußen zu gelangen.

Effiziente Planung

Die Stabilität des Konstruktionsaufbaus wird durch das Stahlgerüst, Fermacell-Gipsfaser-Platten, KVH Steher, Streuschalung und die Holzschindeln garantiert. Letztere wurden vor Ort angebracht und so verlegt, dass eine interessante 3D-Fassadenoptik entsteht.

Große Bauelemente wie beispielsweise die großzügig fixverglasten Fensterfronten wurden vorgefertigt auf die Baustelle geliefert – nicht zuletzt, um Zeit zu sparen. „Die sehr kurze Bauzeit von lediglich drei Monaten für den Turm und die Kreuzarme war eine weitere Hürde, die wir bewältigen mussten“, erklärt Huetz. Zu Spitzenzeiten waren oft mehr als 40 Personen auf der Baustelle tätig. Das Energiekonzept sah teilweise Dämmstärken von 30 cm in Decken und Dachelementen sowie starke 36 cm in den Wandelementen vor. Bestehende Gasanlagen (für das Berg- und Talgasthaus) wurden genutzt, um auch die vier Aussichts- und Ausstellungsräume des Jakobskreuzes über Unterflurradiatoren zu beheizen.

Entstanden ist somit eine neue Touristenattraktion, deren Besuch ein imposantes und eindrucksvolles Bergerlebnis bietet – ein Kraftplatz, an dem man den Alltagsstress getrost den Rücken kehren kann.

Autorin

Rita Jacobs ist Baufachjournalistin und betreut Fermacell bei der Pressearbeit.

Bautafel (Auswahl)

Projekt BVG Jakobskreuz – St. Jakob in Haus

Bauherr Bergbahn Pillersee Ges.m.b.H;

A-6393 St. Ulrich am Pillersee

Kosten etwa 1,9 Mio. Euro

Bauzeit November 2013 bis Juli 2014

Ideengeber Toni Wurzrainer, TIM GmbH,

A-6365 Kirchberg

Entwurf a2 architektur Dötlinger & Naglich,

A-6370 Kitzbühel, www.a2architektur.at

Planung BM Ing. Josef Straif Planungs GmbH,

A-5760 Saalfelden

Holzbau Huetz Holzbautechnik GmbH & Co KG,

A-6392 St. Jakob in Haus, www.huetz.com

Stahlbau Oberhofer Stahlbau GesmbH,

A-5760 Saalfelden

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