Wohnhaus in München von außen unsichtbar aufgestockt

Mit Aufstockungen lässt sich neuer Wohnraum schaffen. Aber nicht immer soll die Aufstockung von außen erkennbar sein. So wie bei einem Wohnhaus in München, dass eine Zimmerei in Massivholzbauweise aufgestockt hatte. Bestandsgebäude und neues Geschoss wurden einheitlich gedämmt und verputzt.

Mehr Wohnraum, mehr Licht und ein gesundes Wohnklima: das war der Wunsch, den die Eigentümerfamilie einer Doppelhaushälfte im Münchner Norden an Andreas Vollrath und die Zimmerei Das-Bau-Team aus Unterschleißheim hatte. Für den Bedarf der wachsenden Familie war die Wohnfläche knapp geworden und auch in Sachen Energieeffizienz genügte das Gebäude nicht mehr den heutigen Anforderungen. Kalte Bauteiloberflächen bildeten darüber hinaus ein latentes Schimmel-Risiko.

 

Aufstockung in Massivholz-Bauweise

Das bisherige Dachgeschoss war als Kriechspeicher ausgeführt und bot daher keine Ausbaumöglichkeiten. Allerdings war die Substanz des Hauses solide genug, um das Gewicht eines weiteren Stockwerks abfangen zu können. Die Ausführung in Massivholz-Bauweise brachte nicht nur vergleichsweise geringe Lasten mit sich, sie erlaubte auch einen schnellen Arbeitsfortschritt durch einen hohen Vorfertigungsgrad.

 

Klassischer Pfettendachstuhl

Den neu errichtete Dachstuhl führte die Zimmerei als Pfettendachstuhl mit Zwischensparrendämmung aus. Die Pfetten wurden dabei in den Massivholzwänden verankert. Nachdem die Sparren ausgerichtet waren, verlegten die Zimmerer vollflächig Holzfaser-Unterdeckplatten über die gesamte Dachfläche. Durch die Dämmschicht oberhalb der Sparren kann die Wärmebrücke der massiven Balken minimiert werden. Die Massivholzwände wurden aus statischen Gründen mit 4 cm Rücksprung montiert. Die Wände der Aufstockung wurden mit 20 cm hohen Stegträgern beplankt, die Bestandswände mit 16 cm hohen Trägern. So entstand eine einheitliche Flucht für die Montage der Holzfaser-Putzträgerplatten. Durch die regensichernde Funktion der Unterdeckplatten war das Gebäude noch am Tag der Verlegung vor Nässe geschützt. Die weiteren Arbeiten, wie etwa die Zwischensparrendämmung, konnten witterungsgeschützt von innen erledigt werden.

 

Aufstockung sollte nicht erkennbar sein

Bei der Fassadendämmung kam eine Variante mit Unterkonstruktion zum Einsatz. Sowohl die Außenwände der Aufstockung wie auch die massiven Bestandswände wurden gedämmt. Dadurch wurde der Wunsch der Bauherren nach einer einheitlichen Gestaltung des Baus berücksichtigt. Die Aufstockung sollte als solche nicht erkennbar sein, sondern eine harmonische Einheit mit dem Bestandsbau bilden. Durch die Unterkonstruktion war es möglich, die Putzschicht über den Geschoss-Stoß zu führen und so ein durchgehendes Fassadenbild zu erreichen.

 

Unterkonstruktion aus Stegträgern

Die Unterkonstruktion besteht aus „SteicoWall“-Stegträgern, die im Raster von 62,5 cm vertikal auf die Außenwände montiert wurden. Den oberen und unteren Gefachabschluss bilden Querstreifen aus „Steico LVL“-Furnierschichtholz. Das Furnierschichtholz hat den Vorteil, dass es in Längen bis zu 18 m verfügbar ist. Mit 45 mm dickem Furnierschichtholz ließ sich der Gefach-Abschluss schlanker ausführen als mit den sonst üblichen, 60 mm dicken Vollholz-Querschnitten. Das Gebäude wurde vor Beginn der Arbeiten präzise vermessen und die Stegträger wie auch die Furnierschichtholz-Streifen fertig abgebunden auf die Baustelle geliefert. Montagenuten im Furnierschichtholz erleichterten die exakte Ausrichtung der Stegträger und beschleunigten die Montage.

 

Stegträger von oben eingehängt

Die Zimmerer arbeiteten von oben nach unten. Nachdem der horizontale Gefach-Abschluss aus Furnierschichtholz montiert war, wurden die Stegträger von oben eingehängt und mit Schrauben in der Stirnseite des Gurtes fixiert. Im Anschluss konnten die Stegträger mittels Schnurschlag exakt ausgerichtet und mit Montagewinkeln im Mauerwerk (und in der Massivholzwand) verankert werden. Den unteren Abschluss bildete dann wieder ein Streifen Furnierschichtholz. Mit dieser Art der Unterkonstruktion können übrigens auch schiefe und unebene Altbauwände begradigt werden. Die Befestigungswinkel bieten hierfür ausreichende Möglichkeiten der Nivellierung. Weiterer Pluspunkt der Stegträger: Aufgrund ihrer schlanken Geometrie bilden sie nur eine sehr geringe Wärmebrücke.

 

Einblasdämmung aus Holzfasern

Da auch Teile der Elektrik modernisiert und neue Netzwerk- und Antennenkabel verlegt werden sollten, wurden die Leitungen dafür auf der Außenseite der Wand innerhalb der Dämmschicht verlegt. Da das Gebäude während der Sanierung bewohnt war, konnten die notwendigen Arbeiten im Innenraum auf ein Minimum reduziert werden. Die fertige Unterkonstruktion wurde mit Holzfaser-Putzträgerplatten beplankt, die entstehenden Hohlräume mit einer Holzfaser-Einblasdämmung gefüllt. Die Fassadenlasten werden von den Stegträgern ins Mauerwerk eingeleitet. An nur einem Tag war das Gebäude gedämmt. Da sich Einblasdämmung fugenfrei an begrenzende Bauteile anpasst, stellt sie außerdem eine gute Ergänzung zu den Stegträgern aus Holz. Die Beschichtung der Fassade erfolgte mit einem grauen Putz. Dank der modernen Farbgebung wirkt das Gebäude nun wie ein Neubau und fügt sich harmonisch in die Nachbarschaft ein.

 

 

Autor

 

Andreas Schulze ist Leiter der Abteilung Public Relations bei Steico in Feldkirchen.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Aufstockung eines Wohnhauses in Massivholz-Bauweise. Fassadendämmung mit einer Stegträger-Unterkonstruktion

Planung und Ausführung Das-Bau-Team GmbH, Zimmerei und Holzbau, Unterschleißheim, www.das-bau-team.com

Produkte (Auswahl)

Aufdachdämmung „Steico Special Dry“ Holzfaser-Unterdeckplatten

Unterkonstruktion Fassade Furnierschichtholz „Steico LVL“ und Stegträger „Steico Wall“

Fassade „SteicoProtect“ Holzfaserplatten/Putzträgerplatten mit „Steico Secure“ Putzsystem

Einblasdämmung „SteicoZell“, Holzfasereinblasdämmung,

Hersteller aller Produkte Steico SE, Feldkirchen, www.steico.com

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