Nestbau mit komplexer Software

In Wildpoldsried im Allgäu errichtete die Gemeinde eine neue Kindertagesstätte als Holzbau. Die Planung erfolgte CAD-gestützt, der Abbund dann im Anschluss. Selbst klassische Holzverbindungen (Schwalbenschwanzverbindungen) konnten so realisiert werden. Der hohe Vorfertigungsgrad war auch ausschlaggebend für die kurze Bauzeit.

Wildpoldsried im Allgäu, eine 2500 Einwohner zählende Gemeinde, ist mittlerweile weit über seine Grenzen hinaus als Pioniergemeinde in Sachen zukunftsfähigem Wirtschaften bekannt. Auf der Gemeindemarkung stehen mehrere Windräder. Sie produzierten mit Hilfe der insgesamt rund 25 000 m2 Photovoltaik-Module auf den Dächern und einer Biogasanlage etwa fünfmal so viel Strom wie die Gemeinde verbraucht (Zahlen von 2012).

Energiedorf baut mit Holz

Um den Ruf als Energiedorf Wildpoldsried weiter zu untermauern wird, wird bei öffentlichen Gebäuden der Holzbau grundsätzlich bevorzugt. Das spart Energie in der Produktion der Rohstoffe und der Verarbeitung ein und bindet gleichzeitig CO2. Holz wurde deshalb auch beim Neubau der Kindertagesstätte verwendet. Was in der Dorfmitte dabei entstanden ist, kann man fast als Kinderzentrum bezeichnen, denn die zwei Gruppen der Kita befinden sich in direkter Nachbarschaft zum Kindergarten und der Schule. Damit ist eine Kinderbetreuung vom ersten Lebensjahr bis zur vierten Klasse möglich.

Um auch wirklich alle Belange an dieser Einrichtung berücksichtigten zu können, wurde bereits in der Planungsphase eine Projektgruppe ins Leben gerufen. Neben der Kindergartenleitung konnten auch Erzieherinnen, Elternbeirat, Schulleitung, Architekten, Ingenieurbüros, Gemeinderat und der Träger ihre Anregungen einbringen.

Komplexe Bausoftware für Abbund und Kalkulation

Das Gebäude der Kindertagesstätte wurde von Firma Peter Jörg aus Sulzberg als Passivbau in Holzständerbauweise verwirklicht. Die Bauplanung erfolgte mit der Software des ebenfalls in Wildpoldsried ansässigen Unternehmens SEMA. Die gleichnamige CAD-Software ermöglichte es Firma Jörg von der Eingabeplanung bis zur Datenübergabe des Maschinenabbunds alle erforderlichen Arbeitsschritte im eigenen Haus abzuwickeln. Da die involvierten Abteilungen immer auf denselben Datenstand zurückgreifen, werden Fehlerquellen durch Datenübergabe wesentlich minimiert. Innerhalb der Software kann sowohl im 2D als auch im 3D gearbeitet werden. Änderungen seitens der Projektgruppe konnten schnell umgesetzt und auch sofort präsentiert werden. Die integrierte Materialliste, die auch die Kalkulation ermöglicht, wird bei jeder Änderung neu berechnet und damit auch die Kalkulation angepasst. Somit war sofort sichtbar, welche finanziellen Auswirkungen Änderungswünsche haben. Ein Vorteil für alle Beteiligten, denn damit konnte erheblich Zeit für Abstimmungen eingespart werden.

Das einstöckige, bungalowartige Gebäude gibt durch großflächige Fenster den Blick auf den Garten frei und sorgt für lichtdurchflutete, helle Räume. Die großen, relativ flachen Pultdächer ruhen auf Leimholzpfetten. Die Dach- und Deckenkonstruktion weist überwiegend Schwalbenschwanzverbindungen auf, die bei solchen Bauten nicht mehr oft zum Einsatz kommen. Durch die Planung mit der SEMA-Software und den Möglichkeiten des Maschinenabbunds konnte aber diese Art der klassischen Holzverbindung verwirklicht werden ohne den Budgetrahmen zu strapazieren und den Eröffnungszeitpunkt im September 2012 zu verschieben.

Das Gebäude selbst erzeugt mehr Energie als verbraucht wird. Ermöglicht wird das durch eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Kinderkrippe mit einer Maximalleistung von 47,5 kWp und dem Anschluss an das dorfeigene Nahwärmenetz, dessen Wärmeenergie aus Holzpellets und Biogasabwärme erzeugt wird. So erleben schon die Kleinsten, wie Umweltschutz funktionieren kann und wie behaglich sich ein aus Holz erbautes Haus anfühlt.

Autor

Joachim Schwarz arbeitet bei der SEMA GmbH in Wildpoldsried im Marketing.

Auch klassische Holzverbindungen sind bei der Verwendung der Software möglich

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