Dachsanierung mit Kunststoffdachbahnen

Flachdächer gehören zu den am stärksten beanspruchten Bauteilen eines Gebäudes. Daher sind Planung, Materialauswahl, Verarbeitung und Wartung sehr wichtig. Schäden sind meist die Folge einer unzureichenden Beachtung dieser Punkte. Bei einer Sanierung sind Kunststoffdachbahnen eine Möglichkeit.

Regelmäßige Wartung, Pflege und Instandhaltung sind selbsverständlich, wenn es um das Erhalten der Funktionsfähigkeit während der Nutzungszeit der Abdichtung eines Flachdaches geht. Bei einlagigen Abdichtungssystemen mit Kunststoffdachbahnen beschränken sich diese Maßnahmen in der Regel auf eine regelmäßige, optische Kontrolle. Dazu kommt  das Beseitigen von Verschmutzungen, Krusten und anderen Ablagerungen.

Eine Instandsetzung kann anstehen, wenn vorhandene Mängel zu beheben sind, Dächer mit Abdichtung einer geänderten Gebäudenutzung angepasst werden müssen, das Bauwerk energetisch saniert werden soll oder wenn Präventivmaßnahmen zur Substanzerhaltung zu treffen sind.

Die sorgfältige Planung einer Instandsetzungsmaßnahme umfasst die sachkundige Bestandsaufnahme mit dem Erfassen des Zustands des gesamten Daches sowie einer Analyse.

Ermitteln des Ist-Zustands

1.    Zusammenstellen aller wichtigen Objektinformationen.

2.    Begehen des Daches und Aufnahme aller erkennbaren Mängel.

3.    Öffnen des Daches zur Überprüfung des Zustandes der einzelnen Funktionsschichten.

Dabei können die Anforderungen an den Wärme- und Feuchteschutz, der Nachweis des Brandschutzes und der Windsogsicherheit beziehungsweise der Standsicherheit und Statik der Dach- und Tragkonstruktion, die Entwässerungssituation sowie durch Nutzungsänderungen bedingte Anforderungen an den Funktionsschichtenaufbau nicht losgelöst vom Ist-Zustand betrachtet werden. Wurden entsprechende Fragen geklärt und ist eine Sanierung notwendig, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Abriss oder Teilabriss

Wenn die Tragdecke zum Beispiel infolge von Fäulnis oder Korrosion nicht mehr ausreichend tragfähig ist oder die bauphysikalische Funktion nicht mehr gegeben ist, (fehlende oder schadhafte Dampf- oder Luftsperrschicht ebenso wie verrottete oder strukturell stark geschädigte Wärmedämmschicht – beispielsweise Kork oder Mineralfaserdämmung –) bleibt meist nur der Abriss oder Teilabriss des Bestandsdaches und ein Neuaufbau.

Abriss der Bestandsabdichtung

Wenn die Bestandsabdichtung das Ende ihrer ­Nutzungszeit erreicht hat, aber der bestehende Schichtenaufbau noch intakt ist, kann es nach einer Prüfung sinnvoll sein, nur die bestehende Altabdichtung zurückzubauen. Dann wird entweder auf einer neuen Zusatz- oder Gefälledämmung oder auf dem vorhandenen Aufbau eine neue Abdichtung verlegt.

Neue Dachabdichtung auf dem Bestandsdach

Sind die unter der Dachabdichtung liegenden Schichten noch voll funktionsfähig und lagesicher und weist beispielsweise die Dampfsperre einen ausreichenden Sperrwert auf, dann kann der Altdachaufbau in der Regel bestehen bleiben. Als Instandsetzung wird auf der Altdachabdichtung eine neue Abdichtung aus einer einlagigen Kunststoffdachbahn aufgebracht und die An- und Abschlüsse erneuert. Bei mechanisch befestigter Neuverlegung wird die Lagesicherheit des gesamten Schichtenpaketes hergestellt. Bei anderen Verlegearten ist eine eingehende Prüfung erforderlich und die Lagesicherheit der Abdichtung wichtig.

Neue Dämmung, neue Dachabdichtung

Die Bewertung der vorhandenen Dämmschicht ist abhängig von deren Dicke und Wärmeleitfähigkeit. Das daraus resultierende Dämmverhalten entscheidet über die Anordnung einer Zusatzdämmung. Dabei sind die Anforderungen an den Wärmeschutz nach DIN 4108 sowie der Energieeinsparverordnung zu berücksichtigen. Mit einer Gefälledämmung kann gegebenenfalls ein Mindestgefälle zur Ableitung des Niederschlagswassers ausgebildet werden.

Bevor die neue Dämmschicht aufgebracht wird, ist die alte Dachabdichtung von den An- und Abschlüssen abzutrennen. Die Anordnung einer Zusatz-/Gefälledämmung erfordert meist auch eine Anpassung der vorhandenen Anschlusshöhen. So sind beispielsweise bei zu niedrigen Attiken die Dachränder sowie Lichtkuppelelemente durch Holzbohlen oder einen Sanierungskranz zu erhöhen. Durchdringungen und Abläufe sind auf die neuen Funktionsschichten anzupassen.

Autor

Dipl. Ing. Adrian Dobrat ist seit über sechs Jahren Geschäftsführer des Industrieverbands Kunststoff-Dach- und Dichtungsbahnen DUD e.V.

Dachsanierung: Welche Fragen stellen sich?

Vor allem ist zu klären, ob der vorhandene Dachaufbau ganz oder teilweise abgeräumt werden muss oder ob substanzerhaltend saniert werden kann. Wesentlich ist die Beantwortung der Fragen, ob das Bestandsdach noch lagesicher und ob eine funktionstüchtige Dampf- und Luftsperre, mit fachgerechter Ausbildung der An- und Abschlüsse, vorhanden ist.

Weitere Fragen, die sich der Dachhandwerker stellen sollte:

Erfordert eine Nutzungsänderung besondere Anforderungen, wie zum Beispiel den Einbau von Dampfsperrbahnen mit entsprechenden Sperrwerten?
Entsprechen die An- und Abschlusshöhen den aktuellen Anforderungen der DIN 18531?
Was ist an Durchdringungen, An- und Abschlüssen oder an anderen Detailpunkten vorzunehmen?
Ist ein schraub- beziehungsweise dübelfähiger Untergrund vorhanden?
Reicht die Tragfähigkeit der Dachkonstruktion aus, um beispielsweise eine zusätzliche Begrünung, Kiesschüttung oder einen Plattenbelag aufzubringen?
Ist das Gefälle beziehungsweise die Gefällegebung entsprechend der Festlegung des Aufbaus der Abdichtung und der Lagesicherung nach den aktuellen Anforderungen der DIN 18531 berücksichtigt?
Sind bei belüfteten Dachkonstruktionen die Be- und Entlüftungsquerschnitte ausreichend dimensioniert?
Sind Anforderungen an nicht belüftete, vollsparrengedämmte Dächer in Holzbauweise beachtet?
Welches Verlegesystem, welche Materialien, welche Einbauteile sind für den Neuaufbau oder für die Instandsetzung des Bestandsaufbaus geeignet?
Ist die Verträglichkeit zwischen den vorhandenen und den neu eingesetzten Baustoffen gegeben?
Welche Anschlussmöglichkeit an die Bestandsabdichtung besteht bei der Instandsetzung von Teilflächen?
Entspricht die Entwässerung einschließlich Notentwässerung sowie den angeschlossenen Rohrleitungen den aktuellen Anforderungen?

Weitere Unterlagen für die Planung der Instandsetzungsmaßnahme sind:

Windlastberechnungen zur Festlegung der Lagesicherungsmaßnahmen,
Feuchteschutzberechnungen sowie
objektbezogene Leistungsverzeichnisse mit Angabe der Massen.

Neue Abdichtungsnormen im Jahr 2017

Noch gelten im Bereich der Dachabdichtung die DIN 18531 für ungenutzte Dächer sowie für die Bauwerksabdichtung DIN 18195. Dies ändert sich mit der geplanten Einführung der neuen Abdichtungsnormen Mitte 2017. Für ungenutzte und genutzte Dächer ist dann maßgebend:

DIN 18531 „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen,

Loggien und Laubengängen“

Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze

Teil 2: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Stoffe

Teil 3: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Auswahl, Ausführung, Details

Teil 4: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Instandhaltung

Teil 5: Balkone, Loggien und Laubengänge

sowie

DIN 18532 „Abdichtung von befahrbaren Verkehrsflächen aus Beton“ (6 Teile)

DIN 18533 „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“ (3 Teile)

DIN 18534 „Abdichtung von Innenräumen“ (6 Teile)

DIN 18535 „Abdichtung von Behältern und Becken“ (3 Teile)

DIN 18195 „Abdichtung von Bauwerken – Begriffe“ (reine Terminologie-Norm)

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