Wandelemente für Aufstockung mit Holzwolle- und Gipskartonplatten beplankt

In Unterschleißheim bei München erstellte ein Holzbaubetrieb für eine Aufstockung Wandelemente aus Holz mit einer Beplankung aus Gipskarton- und Holzwolle-Mehrschichtplatten. Die Kombination der nichtbrennbaren Werkstoffe sorgt für Brandschutz, Schallschutz und eine gute Haftung des Außenputzes.

Deutsche Großstädte stehen vor einer enormen Herausforderung: Der Bedarf an Wohneinheiten übersteigt das Angebot bei weitem. Die Folgen sind Mietpreissteigerungen, Gentrifizierung oder sogar soziale Spannungen – und das nicht nur in den City-Lagen, sondern auch im Umland. Vor diesem Hintergrund ist die Nutzung von bereits bebauten Flächen in den Fokus von Planern gerückt. Die Aufstockung bestehender Gebäude ist in aller Munde, wenn es um die Nachverdichtung der Städte geht.

Das Potenzial ist enorm: In ihrer Deutschlandstudie 2019 haben die TU Darmstadt und das Pestel-Institut aus Hannover ermittelt, dass bis zu 1,5 Millionen Wohneinheiten auf Wohngebäuden der 1950er bis 1990er Jahre entstehen können. Weitere 560 000 Wohneinheiten können durch Aufstockung von Büro- und Verwaltungsgebäuden geschaffen werden. Noch mal 400 000 Wohneinheiten sind laut Studie auf den Flächen von eingeschossigem Einzelhandel, Discountern und anderen Märkten möglich, ohne die Verkaufsflächen zu beeinträchtigen. Der moderne Holzbau eignet sich dabei besonders gut für die Aufstockung.

Gekapselte Holzwände

Ein Beispiel dafür ist die Aufstockung von mehreren Mehrfamilienhäusern in Unterschleißheim bei München. Sieben Wohnhäuser, die aus drei Blöcken zusammengesetzt sind, wurden dort umfassend saniert. In diesem Zuge wurde auch das Dachgeschoss der Häuser, das unter dem flachen Satteldach lediglich als Speicher diente, nutzbar gemacht. Der Eigentümer, die Baugenossenschaft Unter- und Oberschleißheim, beauftragte das ortsansässige Zimmerei- und Holzbauunternehmen V+E Das-Bau-Team GmbH mit der Aufstockung der Gebäude.

Der Handwerksbetrieb erstellte für die Aufstockung Wandelemente in Holzbauweise. Für den Brandschutz der Außenwände sorgen nicht brennbare Holzwolle-Mehrschichtplatten „Tektalan A2-FP/HB“ und ebenfalls nicht brennbare Trockenbauplatten „Knauf Diamant X“ (beide erfüllen die Baustoffklasse A2-s1, d0). Mit den beiden Plattenschichten erreichen die Holzwände die Feuerwiderstandsklasse REI 60 gemäß DIN EN 13501-2 und erfüllen damit das Kapselkriterium K260. Die Holzwolle-Mehrschichtplatten über den Gipsplatten bieten eine zusätzliche Wärmedämmung, sorgen für Schallschutz und dienen als Putzträger für ein abschließend aufgebrachtes WDVS. Dabei haben die „Tektalan A2-FP/HB“-Mehrschichtplatten einen Kern aus nichtbrennbarer Steinwolle und Deckschichten aus zementgebundener Holzwolle.

Schicht für Schicht vorgefertigt

Vorgefertigt wurden die Holzständerwerke für die Fassaden in den Hallen des Verarbeiters. Zunächst dämmten die Zimmerer die Wände mit 160 mm dicken „Knauf Insulation“-Klemmplatten („KP-035/HB“) aus Steinwolle mit einer Mindestrohdichte von 50 kg/m³. Raumseitig wurde daraufhin eine Lage aus 15 mm OSB-Platten montiert und mit Klebebändern luftdicht verklebt. Außenseitig wurde eine Lage „Knauf Diamant X“-Gipsplatten mit Klammern befestigt. Mit der Spachtelmasse „Knauf Base Filler“ für nicht sichtbare Plattenlagen wurden die Fugen der Gipsplatten verfüllt und geglättet. Als letzter Schritt wurde die Außenseite der Wände von den Zimmerleuten mit 60 mm dicken „Tektalan“-Holzwolle-Mehrschichtplatten beplankt. Die Mehrschichtplatten wurden dicht gestoßen im waagerechten Verband und quer zu den Holzständern angebracht. Die Stirnstöße der 1875 x 600 mm großen Platten wurden auf den Holzständern mit einem Achsabstand von 625 mm angeordnet. Auch diese Schicht wurde dank der robusten Deckschichten aus Holzwolle geklammert.

Gute Putzhaftung

Nach dem Aufstellen und Verbinden der Fassadenelemente auf der Baustelle wurden raumseitig zwei Lagen 18 mm dicke Knauf-Gipsplatten zum Brandschutz angebracht und verspachtelt. Auf der außenseitigen Holzwolle-Schicht wurde ein 12 mm dickes, mineralisches Putzsystem auf Basis des faserverstärkten Putzmörtels „Knauf SM700 Pro“ sowie des Oberputzes „Noblo“ aufgebracht. Die offene Struktur der Holzwolle-Deckschichten erwies sich dabei als guter Putzträger. Ein Effekt, der auch vom Innenausbau mit Holzwolle-Platten bekannt ist.

Brandschutz und Schallschutz

Neben dem Brandschutz, der den hier gewählten Fassadenaufbau auch für den Einsatz in Gebäuden der Klasse 4 mit einer Höhe bis zu 13 m qualifiziert, bieten die beplankten und gekapselten Holzaußenwände einen U-Wert von 0,170 W/m²K. Zudem werden die Schallschutzeigenschaften der Holzwolle-Mehrschichtplatten den Bewohnern der Häuser in Unterschleißheim sicher zu Gute kommen.

Autor

Josef Füssinger ist Holzbau-Systemberater bei der Knauf Insulation GmbH.

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Aufstockung von sieben Mehrfamilienhäusern in Unterschleißheim

Bauherr Baugenossenschaft Ober- und Unterschleißheim EG,

Planer SMETS Architekten, 81679 München, www.sts-architekten.de

Holzbau V+E Das-Bau-Team GmbH, 85716 Unterschleißheim, www.das-bau-team.com

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