Revitalisierung in Holzbauweise

Neuer Wohnraum entsteht in altem Bürogebäude

In Köln-Nippes wird in einem alten Bürogebäude aus den 1980er Jahren durch eine Aufstockung in Holzbauweise zusätzlicher Wohnraum geschaffen. Das zum modernen Apartmenthaus erweiterte Gebäude erhält eine energetisch optimierte Vorhangfassade und schafft neue Wohneinheiten für Studierende.

Die Eröffnung des neuen Apartmenthauses „The Flag“ in Köln ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant
Rendering: The Flag

Die Eröffnung des neuen Apartmenthauses „The Flag“ in Köln ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant
Rendering: The Flag
Im Norden von Köln verfügt das ehemalige Bürogebäude und zukünftige Apartmenthaus „The Flag“ über verschieden hohe Geschosse – von vier bis sieben Etagen. Das Bestandsgebäude wird nach Entwürfen der Architekten von ME Projektsteuerung + Bauen aus Troisdorf ressourcenschonend umgebaut und erhält auf allen Geschossen ein weiteres. Die Florack Bauunternehmung GmbH fungiert dabei als Generalübernehmer und beauftragte die Unternehmen Brüninghoff und Plansite. Die Brüninghoff Group setzt die Aufstockung der einzelnen Gebäudeteile in Holzbauweise sowie die Vorhangfassade um. Plansite übernimmt bei dem Projekt die Tragwerksplanung und die Holzbaufachplanung.

Das alte Bürogebäude aus den 1980er Jahren wurde vor dem Umbau vollständig entkernt
Foto: The Flag

Das alte Bürogebäude aus den 1980er Jahren wurde vor dem Umbau vollständig entkernt
Foto: The Flag
Das Bestandsgebäude an der Neusser Straße 159 wurde zunächst vollständig entkernt und bis auf die Stahlbetonstruktur zurückgebaut. Ziel ist es, den Bestand durch eine Aufstockung in Holzbauweise zu erweitern. Die neuen Staffelgeschosse werden mit vorgefertigten Holzrahmenbauelementen realisiert und vergrößern die Bruttogeschossfläche von 6134 m² auf 7134 m². Die oberste Etage soll dabei Gemeinschaftsflächen mit Zugang zur Dachterrasse umfassen. Die Grundstücksfläche des Projekts beträgt lediglich 1180 m². Die innerstädtische Bebauung zählte zu den Herausforderungen, die es in der Planungs- und Bauphase zu berücksichtigen galt.

Vorteile der Holzbauweise

Die Entscheidung für Holz als Hauptbaumaterial war maßgeblich von den Vorteilen des Werkstoffes geprägt. Dazu zählt ein geringes Gewicht bei gleichzeitig hoher Tragfähigkeit. Das eingesetzte Holz stammt aus PEFC-zertifizierter, nachhaltiger Forstwirtschaft. Die Aufstockung in Holzbauweise bietet zudem statische Vorteile: Dank des geringen Eigengewichts – die Holzrahmenbauelemente wiegen deutlich weniger als vergleichbare Stahl- oder Betonkonstruktionen – können die Lasten auf die ­bestehende Stahlbetonstruktur verteilt werden. Wo notwendig, werden Lamellen aus carbonfaserverstärktem Kunststoff (CFK-Lamellen) und zusätzliche Betonwände integriert, um die Tragfähigkeit zu gewährleisten.

Aufbau der neuen Staffelgeschosse

Die tragenden Elemente der neuen Geschosse werden in Holzbauweise ausgeführt und bestehen aus einem Stützen-Decken-System aus Brettschichtholzstützen und Brettsperrholzdecken. Dieses konstruktive Prinzip trennt Tragstruktur und Gebäudehülle konsequent voneinander und ermöglicht eine flexible sowie serielle Umsetzung der Aufstockung.

Sowohl die vorgehängten Fassadenelemente als auch die Außenwände der neuen Staffelgeschosse sind aus Konstruktionsvollholz vorgefertigt
Foto: Brüninghoff

Sowohl die vorgehängten Fassadenelemente als auch die Außenwände der neuen Staffelgeschosse sind aus Konstruktionsvollholz vorgefertigt
Foto: Brüninghoff
Die Außenwände sind als nichttragender, mehrschichtiger Wandaufbau konzipiert und erfüllen sowohl funktionale als auch gestalterische Anforderungen. Auf der Innenseite bildet eine 15 mm dicke Gipsfaserplatte eine glatte und robuste Oberfläche für die Innenraumgestaltung. Eine zweite, ebenfalls 15 mm starke Gipsfaserplatte dient als zusätzliche Beplankung und verbessert unter anderem den Schall- und Brandschutz. Die luft- und dampfdichte Ebene wird über eine separate Folie hergestellt, die integriert und an den relevanten Anschlusspunkten sorgfältig verklebt wird. Der Wandaufbau basiert auf einer Holzständerkonstruktion, die auf das tragende Holzskelett abgestimmt ist. Zwischen den Holzständern wird 240 mm dicke Mineralwolle der Baustoffklasse A1 eingebracht, die nicht brennbar ist und eine Wärmeleitfähigkeit von λ = 0,032 W/mK aufweist. Diese Schicht sorgt für eine effektive Wärmedämmung und trägt gleichzeitig zum Schallschutz bei.

Die Holzkonstruktionen werden im Werk mit nicht brennbarer Mineralwolle ausgefüllt
Foto: Brüninghoff

Die Holzkonstruktionen werden im Werk mit nicht brennbarer Mineralwolle ausgefüllt
Foto: Brüninghoff
Auf der Außenseite der Dämmung wird eine weitere 15 mm dicke Gipsfaserplatte angebracht, die die Konstruktion stabilisiert und die Dämmung schützt. Zum Schutz vor Wind und Feuchtigkeit wird eine Fassadenbahn aufgebracht. Diese ist diffusionsoffen, schützt die Konstruktion vor äußeren Einflüssen und ermöglicht es, dass Feuchtigkeit aus dem Inneren der Wand entweichen kann. Darauf folgt eine Lattung aus Konstruktionsvollholz, die als Unterkonstruktion für die Fassadenverkleidung dient und gleichzeitig eine Hinterlüftung ermöglicht. Den Abschluss bildet eine 8 mm starke, witterungsbeständige Außenverkleidung aus „Colours“-Platten von Rockpanel, für die als Basismaterial aus Basalt hergestellte Steinwolle verwendet wird.

Vorfertigung und Logistik

Ein zentraler Aspekt des Projekts ist der hohe Vorfertigungsgrad der Bauelemente. Die Holzrahmenbauelemente werden alle vorproduziert – inklusive Fenstern, Dämmung und Fassadenverkleidung. Diese Vorgehensweise minimiert die Bauzeit vor Ort und reduziert die Belastung durch Baustellenverkehr in der dicht bebauten Innenstadtlage. Außerdem ermöglicht die Vorfertigung eine wetterunabhängige Produktion der Bauelemente und reduziert Abfälle auf der Baustelle. Aufgrund begrenzter Lagerflächen in urbaner Lage erfolgt die Anlieferung der Bauteile „just in time“. Ein durchdachtes Montagekonzept sorgt dabei für einen reibungslosen Bauablauf.

Die Montage der Wandelemente erfolgt mit bereits eingesetzten Fenstern, um sofort eine regendichte Fassade zu gewährleisten. Ein Kran im Innenhof des Bestandsgebäudes ermöglicht die vertikale und horizontale Verladung der Bauteile. Zudem kommt eine funkgesteuerte Traverse zum Einsatz, die eine millimetergenaue Positionierung der Elemente ermöglicht.

Ein Kran im Innenhof ermöglicht das Einheben der Bauelemente
Foto: Brüninghoff

Ein Kran im Innenhof ermöglicht das Einheben der Bauelemente
Foto: Brüninghoff

Energetische Sanierung und Fassadengestaltung

Die neue Vorhangfassade aus Holzrahmenbauelementen besteht aus Gipsfaserplatten, Mineralwolldämmung und Fassadentafeln aus hoch verdichteter Steinwolle. Diese Materialkombination bietet eine hohe Energieeffizienz. Die Fassade trägt daher auch wesentlich zur Einhaltung des Effizienzhaus-Standards EH 40 bei, der für die Aufstockung angestrebt wurde. Die Fassadenelemente wurden vor der tragenden Konstruktion montiert, um Platz für eine Installationsebene zu schaffen.

Herausforderungen bei der Umwandlung

Aufgrund begrenzter Lagerflächen auf der Baustelle erfolgt die Anlieferung der Bauteile „just in time“
Foto: Brüninghoff

Aufgrund begrenzter Lagerflächen auf der Baustelle erfolgt die Anlieferung der Bauteile „just in time“
Foto: Brüninghoff
Die Transformation des Bürogebäudes in ein Wohnhaus brachte einige Herausforderungen mit sich. Insbesondere die fein gegliederte Aufteilung der Apartments erforderte umfangreiche Durchbrüche und Anpassungen an der bestehenden Tragstruktur. Die Integration neuer Leitungsführungen für die technische Gebäudeausrüstung wurde durch den Einsatz vorgefertigter Module erleichtert.

Ein weiteres Augenmerk lag auf dem Brandschutz. Die Holzrahmenbauelemente wurden gemäß den Anforderungen der Feuerwiderstandsklasse F30-B erstellt. Die integrierte Wärmedämmung aus nicht brennbarer Mineralwolle entspricht der Wärmeleitfähigkeitsgruppe WLG 032.

Die Flachdachkonstruktion der neuen Geschosse wird als Warmdach ausgeführt. Eine Brettsperrholzdecke aus Fichtenholz bildet dabei die Basis. Zur Wärmedämmung wird auf dem Flachdach eine 36 cm dicke EPS-Dämmschicht erstellt, bei der Dachterrasse beträgt die Schichtstärke 20 cm. Gefälledämmplatten verhelfen zu einer Neigung von zwei Prozent, sodass anfallendes Wasser zur Gebäudemitte abgeleitet wird.

Die Revitalisierung und der Umbau des alten Bürogebäudes in Köln zum Apartmenthaus zeigt, wie die Holzbauweise und ein hoher Vorfertigungsgrad Lösungen für die Herausforderungen des urbanen Bauens im Bestand bieten. Dabei spielen die Nutzung nachhaltiger Materialien, eine werksseitige Vorfertigung und eine effiziente Logistik eine entscheidende Rolle. Die Eröffnung des Apartmenthauses ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Autorin

Mareike Wand-Quassowski ist geschäftsführende GbR-Gesellschafterin der Agentur Kommunikation2B in Dortmund.

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