Tipps für die Dachgully-Sanierung

Sind Flachdächer in die Jahre gekommen und undicht, müssen sie saniert werden. Nicht selten muss dabei im Zuge einer energetischen Ertüchtigung der Flachdachaufbau inklusive Dämmung und Abdichtung erneuert werden. Auch die Dachgullys stehen bei der Sanierung auf dem Prüfstand.

Wird bei der Dachsanierung kein neuer Dachgully eingebaut, müssen die alten Gullys genau inspiziert werden. Nur so kann vermieden werden, dass ein Bestandsgully in Zukunft für Ärger sorgt. Dabei sollte man auf folgende Dinge achten: Hat der alte Gully Haarrisse? Schaut zwischen Rohrmuffe und Gully ein Stück Dichtung hervor? Bewegt sich die Muffe des Rohres auf dem Gully-Stutzen, wenn man mit der Hand in das Rohr fasst? Dann könnte die Dichtung ganz fehlen. Kann man den Gully noch adäquat säubern, um einen sicheren Verbund zur neuen Dampfsperre herzustellen? Verbleiben die alte Dämmschicht und Abdichtung auf dem Flachdach, muss man das Aufstockelement in die Beurteilung mit einbeziehen, das ebenfalls Haarrisse oder Montagemängel aufweisen kann.

Fehlende Dichtungen

Früher wurde die Dichtung zwischen Aufstockelement und Gully häufig nicht eingebaut. Käme es hier zu einem Rückstau, würde das Dämmpaket von unten volllaufen. Auch aufsteigende, feuchte Kanalgase können sich durch die fehlende Dichtung im Dämmschichtenpaket absetzen und dauerhaft Schäden verursachen. Dichtungen zwischen Gully und Aufstockelement sind also ein absolutes Muss – und in Zeiten häufiger Starkregen, die zu einem Rückstau im Rohrsystem führen können, wichtiger als je zuvor.

Fallrohre in die Prüfung einbeziehen

Wenn man die Dachfläche saniert, ist auch das Entwässerungssystem zu begutachten und eine Berechnung zu erstellen, ob es nach heutigen Maßstäben noch ausreichend dimensioniert ist. Dabei unterstützt unter anderem der Berechnungsservice der Sita-Anwendungstechnik (Kontakt zum Sita-Service online unter www.sita-bauelemente.de/sorglospaket ).

Bei der Überprüfung des Entwässerungssystems sollte man darauf achten, ob die Fallrohre in Ordnung und auf die Aufnahme heutiger Regenmengen abgestimmt sind. Sollen der Dachgully oder auch das Aufstockelement im Dach verbleiben, muss man sich überlegen, wie man sanieren möchte. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Methoden:

Die Topfsanierung

Bei dieser Methode kann man mit einem großen Durchmesser in den Gullytopf oder das Aufstockelement hinein sanieren. Man erhält ein neues Bauteil, das man sauber und mit Wunschanschlussmanschette an die neue Dachbahn andichten oder mittels Schraubflansch in die Abdichtung einbinden kann. Die eventuelle Fehlerquelle einer alten, kaputten oder fehlenden Dichtung oder eines Haarrisses kann man so jedoch nicht ausschließen.

Die Rohrsanierung

Bei der Rohrsanierung wird mit einem recht dünnen und langen Bauteil durch alle Dachschichten direkt in das Fallrohr saniert. Man überbrückt dabei die alten Bauteile und kann so die oben genannten Fehlerquellen ausschließen. Dabei sind die einzubauenden Rohrdurchmesser geringer als die des ursprünglichen Rohres. Das liegt daran, dass das Sanierungsbauteil, das in das Bestandsrohr eingeschoben wird, eine gewisse Querschnittsminderung mit sich bringt.

Weil aber für die Ablaufleistung nicht nur das Rohr, sondern auch der Dachgully verantwortlich ist, lassen sich mit einer Kombination von kleinerem Rohrdurchmesser und größerem Topf gute Ablaufleistungen erzielen. Beispielsweise kann ein „Sita Sani 90“-Sanierungsgully bei 45 mm Anstauhöhe 7,7 l/s abführen. Im Vergleich dazu hat ein „Sita Standard“-Gully in der Ausführung senkrecht DN 125 nahezu die gleiche Ablaufleistung, bei nur 10 mm weniger Anstauhöhe.

Durchmesser des Bestandsgullys messen

Zur genauen Bestimmung des Sanierungsgullys wird der Innendurchmesser des Bauteils genommen, in dem die Dichtung rückstausicher anschließen soll. Oft wird dafür der Zollstock einfach oben auf den Bestandsgully gelegt und so abgemessen. Mit dem „Sita Sani“-Innentaster kann man den Durchmesser genauer bestimmen. Das ist hilfreich, um den richtigen Sanierungsgully für das Bauvorhaben zu ermitteln.

Notentwässerung nicht vergessen

Bei der Sanierung darf die Prüfung der Notentwässerung nicht außer Acht gelassen werden. Falls eine Notentwässerung vorhanden ist, sollte man prüfen, ob sie ausreichend dimensioniert und nicht zu hoch eingebaut ist. Genau wie bei der Haupt- ist auch bei der Notentwässerung eine Dimensionierung erforderlich. Informationen dazu findet man in den Fachregeln zur Sanierung und Nachrüstung der Notentwässerung und in der Musterbauordnung im §3 (1) und der DIN 1986-100:2016-12 im Punkt 5.8.4. Was viele immer noch nicht verinnerlicht haben: Eine Notentwässerung ist heute Pflicht. Detailinformationen dazu liefert der Blick in die Regelwerke. 

Autor

Carsten Meier ist Dachdecker- und Klempnermeister und arbeitet als Anwendungstechniker bei der Sita Bauelemente GmbH in Rheda-Wiedenbrück.

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