Nachhaltig bauen mit Stroh und Hanf

Nachhaltig zu bauen und sich dennoch am Markt zu behaupten ist nicht einfach – es sei denn, man hat klare Ziele und ein Konzept: Die Firmenhistorie der Holzbau Baumgart GmbH aus Eutin basiert auf einfachen, aber mutigen Entscheidungen des Firmengründers, die bis heute den Unterschied ausmachen.

Der 42-jährige Unternehmer Frithjof Baumgart leitet die Baumgart GmbH zusammen mit seiner Ehefrau Laura
Foto: Holzbau Baumgart GmbH

Der 42-jährige Unternehmer Frithjof Baumgart leitet die Baumgart GmbH zusammen mit seiner Ehefrau Laura
Foto: Holzbau Baumgart GmbH
Frithjof Baumgart war über viele Jahre mit einem Einzelunternehmen als Handwerker unterwegs, bis er schließlich 2015 seine eigene Firma gründete. Damit wagte er einen Schritt, den er bis heute nicht bereut. „Wir wollten von Anbeginn frischer und moderner agieren, nachhaltig bauen und alternative Baustoffe verwenden. Der Gedanke war damals weniger ideologisch, sondern für uns logisch und konsequent“, sagt Baumgart rückblickend. Diese Einstellung erforderte noch vor wenigen Jahren viel Überzeugungsarbeit bei Geschäftspartnern und teilweise auch bei Kunden, erklärt Baumgart und ergänzt: „Heute ist unser Unternehmen salonfähig, eben weil es auf Nachhaltigkeit bei den Materialien setzt.“

Der heute 42-jährige Bauunternehmer und dreifache Vater leitet die Baumgart GmbH zusammen mit seiner Frau Laura Baumgart. Diese ist verantwortlich für die Buchhaltung und das Personal, während sich ihr Mann um die Kunden, den Hausbau und andere Projekte in Holzbauweise kümmert.

Einblasdämmung aus Weizenstroh

Das Holzbauunternehmen aus Eutin im Kreis Ostholstein startete anfangs mit Holzfaserdämmung in der Vorfertigung, verwendet inzwischen aber auch Weizenstroh als Einblasdämmung. Die Dämmung „Isostroh“ aus Weizenstroh wird dabei vom Feld zerkleinert auf die Baustelle geliefert und kommt ohne Zusätze aus. „Das Weizenstroh stammt aus der Region, der Strohdämmstoff wird innerhalb eines Umkreises von etwa 50 km um unseren Firmensitz produziert“, sagt Baumgart. Das sei ungleich besser als beispielsweise Holzfaserdämmstoffe aus dem weiter entfernten Schwarzwald. Der größte Vorteil sei, dass Weizenstroh nachhaltig und in großen Mengen verfügbar sei. Mit der in Deutschland verfügbaren Strohmenge könnten jedes Jahr über 1,25 Millionen Wohneinheiten gedämmt werden, so Frithjof Baumgart.

Das Holzbauunternehmen verwendet Weizenstroh als Einblasdämmung, welches direkt aus der Region stammt
Foto: Holzbau Baumgart GmbH

Das Holzbauunternehmen verwendet Weizenstroh als Einblasdämmung, welches direkt aus der Region stammt
Foto: Holzbau Baumgart GmbH

Innenausbau mit Hanfbaustoffen

Beim Innenausbau setzt Holzbau Baumgart inzwischen bei vielen Projekten auf Hanf als Baustoff. „Es wächst sehr schnell, ist natürlich, kompostierbar und wohngesund“, sagt Baumgart. Bauplatten aus Hanf ließen sich beispielsweise als Alternative zur klassischen Gipskartonplatte nutzen. Darüber hinaus wird der Baustoff von Holzbau Baumgart in Form von Putzträgerplatten eingesetzt, als Gefachdämmung genutzt und inzwischen auch als Einblasdämmung verarbeitet. „Mit der Kombination aus Hanf und Stroh sind wir der Konkurrenz einen Schritt voraus, weil wir etwas Einzigartiges anbieten können“, erzählt Frithjof Baumgart. Natürliche Dämmstoffe bieten dabei einen hohen Wärmeschutz bei sommerlichen Temperaturen. Stroh hat als organische Faser außerdem eine hohe spezifische Wärmekapazität, welche im Wesentlichen auf der Verdunstungskühlung der Ausgleichsfeuchte beruht. Gebäude heizen sich dadurch weniger schnell auf.

Massivholzdecken aus Brettsperrholz

Bereits 2023 gewann das Unternehmen die „Dachkrone“ in der Kategorie „Nachhaltigstes Konzept“
Foto: Holzbau Baumgart GmbH

Bereits 2023 gewann das Unternehmen die „Dachkrone“ in der Kategorie „Nachhaltigstes Konzept“
Foto: Holzbau Baumgart GmbH
Der Baustoff, um den sich bei Holzbau Baumgart jedoch alles dreht, ist nach wie vor das Holz. Dabei arbeitet das Ostholsteiner Unternehmen mit einem Holzhändler aus der Region zusammen. Die Besonderheiten finden sich in der Bauweise: Der Holzbaubetrieb nutzt für Neubauprojekte Massivholzdecken aus Brettsperrholz (engl.: CLT = „Cross laminated timber“). „Diese verbessern das Raumklima und bieten einen guten Schallschutz,“ so Baumgart. „Das wichtigste Argument für Nachhaltigkeit gegenüber unseren Kunden ist aber, dass der Baustoff Holz ­nachwächst,“ sagt Frithjof Baumgart. Dabei trage die Verwendung von CLT zur dauerhaften Speicherung von CO2 bei. Brettsperrholz biete außerdem beste Voraussetzungen für einen folienfreien und diffusionsoffenen Wandaufbau und fördere ein behagliches Raumklima. Das Massivholz reguliert die Feuchte der Raumluft, isoliert im Sommer und dient im Winter als ­Wärmespeicher. Brettsperrholz eröffne durch sein vergleichsweise geringes Gewicht außerdem neue Handlungsfelder in der maßgenauen Vorfertigung und Ausführung, so Baumgart. Wand-, Decken- und Dachelemente aus CLT könnten dabei flexibel miteinander kombiniert und beispielsweise für den Bau von Niedrigenergie- und Passivhäusern verwendet werden – in unterschiedlicher Größe, Gebäude- und Dachform, berichtet Frithjof Baumgart.

Für Fassaden verwendet Holzbau Baumgart häufig Thermoholz, also thermisch behandeltes und veredeltes Holz. „Die Qualität für dieses Produkt bemessen wir auch nach der Enge der Jahresringe“, so ­Frithjof Baumgart. Das Thema Nachhaltigkeit ist mittlerweile so sehr in der DNA des Unternehmens verankert, dass Holzbau Baumgart dafür 2023 mit dem Deutschen Dachpreis „Dachkrone“ in der Kategorie „Nachhaltigstes Konzept“ ausgezeichnet wurde.

Gute Nachfrage und größere Projekte

Auch größere Projekte gehören zum Portfolio von Holzbau Baumgart, zum Beispiel ein Baumhaus-Hotel an der Ostsee
Foto: Holzbau Baumgart GmbH

Auch größere Projekte gehören zum Portfolio von Holzbau Baumgart, zum Beispiel ein Baumhaus-Hotel an der Ostsee
Foto: Holzbau Baumgart GmbH
Pro Jahr errichtet Holzbau Baumgart fünf bis zehn Einfamilienhäuser und Anbauten, dazu kommen Altbau- und ­Sanierungsprojekte und größere Bauvorhaben, zum Beispiel ein Baumhaus-Hotel, das derzeit an der Ostsee entsteht. Hier werden 14 komplette Wohneinheiten in 4,50 m Höhe auf Stützen montiert. Diese werden vorab in der eigenen Werkhalle des Holzbaubetriebs vorgefertigt, inklusive Küchen und Bädern, und dann auf die Baustelle geliefert.

Vier-Tage-Woche wird geschätzt

Frithjof Baumgart hat bereits vor vier Jahren in seinem Betrieb die Vier-Tage-Woche eingeführt: Die Mitarbeitenden ­arbeiten 40 Stunden pro Woche an vier Tagen, von Montag bis Donnerstag. „Viele Mitarbeiter schätzen das dadurch entstehende lange Wochenende und die Möglichkeiten, die ein freier Arbeitstag bietet“, sagt Baumgart. „Wir mussten aber auch anerkennen, dass dieses System nicht mit jedem Lebensmodell vereinbar ist.“ Verschiedene Gründe könen dazu führen, dass eine 4-Tage-Woche nicht mit dem eigenen Lebensmodell vereinbar ist. Dazu zählen zum Beispiel private Verpflichtungen wie die Kinderbetreuung oder persönliche Lebensschwerpunkte und Hobbies. „Insgesamt machen wir mit der 4-Tage-Woche aber sehr gute Erfahrungen,“ sagt Baumgart. Darüber hinaus investiert der Betrieb in die Ausbildung junger Menschen. So hat zum Beispiel Lena Garz im Unternehmen ihre Ausbildung zur Zimmerin absolviert und ist als Gesellin inzwischen fester Bestandteil des Teams: „Wir sind stolz auf unser gesamtes Team und freuen uns, in einem jungen, dynamischen Umfeld zu arbeiten,“ so Baumgart.

Lena Garz hat im Unternehmen ihre Ausbildung zur Zimmerin absolviert und ist als Gesellin fester Bestandteil des Teams
Foto: Holzbau Baumgart GmbH

Lena Garz hat im Unternehmen ihre Ausbildung zur Zimmerin absolviert und ist als Gesellin fester Bestandteil des Teams
Foto: Holzbau Baumgart GmbH

Neue Mitarbeitende durch Social Media

Wenn man über zeitgemäßes Arbeiten in einem Handwerksbetrieb spricht, dürfen Kommunikation und Marketing nicht zu kurz kommen. Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit läuft bei der Baumgart GmbH nur begrenzt über regionale Medien. Eine wichtige Rolle spielen soziale Medien: Täglich wird ein Post mit Foto oder Video auf der eigenen Instagram-Seite veröffentlicht. Jeden Tag folgt eine neue Story. Frithjof Baumgart sagt: „Das kommt gut bei den Nutzern an. Wir haben täglich über 1000 Aufrufe. Dank unserer Präsenz in den sozialen Medien informieren sich neue Kunden im Vorfeld über uns und unsere aktuellen Projekte. So fühlen sie sich bei ihrem Besuch in unserem Betrieb gleich wie zu Hause.“ Die Hälfte seiner Follower auf Instagram stamme aus dem Zimmererhandwerk und erhalte auf diese Weise Einblicke in seine Arbeit. Sogar neue Mitarbeitende gewinnt das Unternehmen auf diese Weise.

Engagement macht den Unterschied

Doch all das kostet Holzbau Baumgart viel Energie, Aufwand und letztlich auch Geld. Die Konkurrenz schläft nicht, weswegen das Unternehmen an vielen Stellen agiert und investiert. Jeden Tag kämen neue Konkurrenzbetriebe hinzu und die Platzhirsche in der Region seien sehr präsent, so Frithjof Baumgart. Den Betrieb täglich am Laufen zu halten, sei eine Herausforderung. Doch Baumgart ist optimistisch: „Wir wissen, das Engagement und Einsatz den Unterschied machen, sind dankbar für den bisherigen Erfolg und arbeiten daran, dass es weiter so positiv bleibt.“

Mehr über die Holzbau Baumgart GmbH erfahren Sie online unter www.holzbau-baumgart.de.

Autor

Ulrich Krumstroh ist freier Autor und Inhaber der Kommunikationsagentur Elbfaktor in Trittau.

Stroh als Einblasdämmstoff

Technische Daten und Fakten zu „Iso-Stroh“

Wie unterscheidet sich der Dämmstoff „Iso-Stroh“ von herkömmlichem Stroh?

Für die Herstellung des Dämmstoffs wird Weizenstroh in einem patentierten Verfahren auf Faserlängen zwischen 5 und 30 mm getrimmt und dabei in Längs- und Querrichtung gespalten. Hierdurch entsteht eine Fasergeometrie, die beim Einblasen des Dämmstoffes nicht verfilzt. Im Prozess wird der Hohlraum im Halm, aber auch entstehender Staub und Restkorn, entfernt. Dabei entsteht ein einblasfähiger, setzungssicherer und diffusionsoffener Dämmstoff mit hoher Dichte und guter Wärmespeicherkapazität ohne chemische Zusätze. „Iso-Stroh“ ist nach ­ETA-24/0228 als Baustoff zugelassen.

Rohdichte und Schallschutz

Die hohe Rohdichte des Dämmstoffes in Kombina-tion mit einem hohen spezifischen Strömungswiderstand verbessert die Schallschutzeigenschaften von Bauteilen und erhöht den Hitzeschutz, wodurch es im Sommer innen schön kühl bleibt und eine Dämmung auch im Winter gewährleistet ist.

Bei ausführlichen Tests der Holzforschung Austria wurde „Iso-Stroh“ zudem ein hoher Schalldämmwert attestiert. Gemäß EN ISO 717-1 wurde das Produkt mit einem RW-Wert von 42 dB bewertet.

Beständigkeit gegen Schimmelpilze

Stroh verfügt über einen natürlichen Schutz vor Schimmelsporen. Durch die diffusionsoffene Struktur von „Iso-Stroh“ wird überschüssige Luftfeuchtigkeit zudem aufgenommen und bei Trockenheit wieder an die Raumluft abgegeben, Schimmel hat also kaum eine Chance.

Der hohe Gehalt des Strohs an natürlichen Silikaten und seine hohe spezifische Dichte sorgen für eine schlechte Entzündbarkeit des Materials. Mehr über den Dämmstoff „Iso-Stroh“ erfahren Sie online unter www.iso-stroh.net.

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