So gelingt das begrünte Steildach

Systeme und Zubehör für die Steildach- und Schrägdachbegrünung

Während die Flachdachbegrünung schon recht weit verbreitet ist, sind begrünte Steildächer eher die Ausnahme. Mit fachgerechter Planung und Ausführung ist die Begrünung von bis zu 35° geneigten Dachflächen jedoch möglich. Für Dachdecker steckt dabei enormes Marktpotential in der Steildachbegrünung.

Geht es um die Dachbegrünung, ist oft der Garten- und Landschaftsbau gefragt – was durchaus richtig ist bei aufwendigeren Intensivbegrünungen, allerdings nicht notwendigerweise bei schlichteren Extensivbegrünungen. Diese können auch von Dachdeckern ausgeführt werden, ob im Steil- oder Flachdachbereich. Dabei können bis zu einer Dachneigung von 10° sogar noch Flachdach-Begrünungssysteme eingesetzt werden. Übersteigt die Dachneigung allerdings 10°, sind höhere Schubkräfte, Erosionsschutz, Wasserrückhalt und -abfluss, Pflanzenauswahl und Sonnenexposition bei der Nord-Süd-Lage zwingend zu berücksichtigen.

Darauf angepasst bietet der Dachbegrünungshersteller Zinco den Systemaufbau „Schrägdachbegrünung“ für Dächer bis 25° sowie den Systemaufbau „Steildachbegrünung“ bis 35° Dachneigung.

Für gewölbte Tonnendächer mit fließendem Übergang von flachen Bereichen am First bis zu den stark geneigten Dachrändern ist objektgerecht zu entscheiden, welches System man wählt. Bei beiden Gründachsystemen von Zinco für das geneigte Dach ist aber eine wurzelfeste Dachabdichtung erste Voraussetzung. Diese sollte in den Randbereichen mechanisch fixiert werden. Falsch wäre es, eine separate Wurzelschutzfolie zu verlegen, da diese eine riskante Gleitlage ergeben würde.

Ableitung von Schubkräften

Da sich in Gefällerichtung Schubkräfte ergeben, die mit zunehmender Dachneigung, Dachlänge und Gewicht des Begrünungsaufbaus größer werden, ist am Fußpunkt des Daches für ein entsprechend stabiles Widerlager zu sorgen. Die Dimensionierung des Widerlagers und eventuell weiterer Schubschwellen in der Dachfläche sollte durch den Statiker erfolgen, der auch die in der jeweiligen Region anzusetzenden Schneelasten kennt und berücksichtigt. Grundsätzlich kann der Dachrand ausreichend hoch und stabil ausgebildet werden, was aber oftmals zu recht massiven Konstruktionen führt. Eine Alternative für einen „filigranen“ Dachrand besteht darin, eine Schwelle knapp oberhalb der Traufe zu setzen und als unteren Abschluss beispielsweise das geschlitzte „Dachtraufprofil DP“ von Zinco aus Edelstahl einzubauen (siehe Foto rechts unten). Die Schwelle oberhalb der Traufe muss – wie auch eventuell notwendige weitere Schwellen in der Dachfläche – fachgerecht abgedichtet werden. Schubschwellen sollten stets so gebaut werden, dass Überschusswasser nach unten ablaufen kann. Das gelingt mit den ebenfalls geschlitzten Edelstahlprofilen „TRP“ in Verbindung mit den Schubhaltern „Schubfix LF“. Vorteilhaft im Vergleich zu Holzbohlen ist, dass es mit den Profilen und Haltern weder eine Wassersackbildung noch Materialverzug geben kann. Zinco bietet objektgerecht verschiedene Zubehörprodukte für den Dachrandabschluss, die Traufaufkantung und Schubschwellen.

Für die Begrünung von Tonnendächern können zusätzlich, je nach Dachwölbung, Konstruktionen zum Einsatz kommen, bei denen Schub aufnehmende Schwellen von oben mit Edelstahlbändern oder Ketten auf der Dachfläche  abgehängt werden. Dadurch lassen sich Dachdurchdringungen vermeiden.

Objektgerechte Systemaufbauten

Der Systemaufbau „Schrägdachbegrünung“ umfasst die oberseitig profilierten Dränelemente „Floraset FS 75“ aus EPS-Hartschaum. Flächig verlegt, nehmen die Dränelemente die aus der Substratauflage resultierenden Schubkräfte auf und leiten sie in Widerlager und Schubschwellen ab. Das Substrat wiederum verzahnt sich in den großen Wasserspeichermulden der Dränelemente. Bei Dachneigungen über 15° wird das Substrat zusätzlich durch ein grobmaschiges Jutenetz lagegesichert.

Darüber hinaus ermöglicht der Systemaufbau „Steildachbegrünung“ von Zinco mit „Georaster“-Elementen die Begrünung von Dächern bis zu 35° Neigung. Die zusammensteckbaren, 54 x 54 cm großen und 10 cm hohen Elemente aus Recycling-Kunststoff bewirken nach der Verlegung einen stabilen Verbund, der  Schubkräfte von bis zu 800 kg/lfm aufnehmen kann. Die Elemente sichern fast die gesamte Höhe der Substratschicht ab.

Geschlossener Pflanzenteppich

Eine geschlossene Vegetation ist der beste Schutz vor Erosion. Daher ist die Pflanzdichte auf dem Steildach im Vergleich zur Flachdachbegrünung zu erhöhen. Im Bereich der Schrägdachbegrünung bis 25° Dachneigung können Flachballenpflanzen verwendet werden. Stark windexponierte First- und Randbereiche und generell die Steildachbegrünung ab 25° erfordern den Einsatz vorkultivierter Vegetationsmatten. Die Vegetation kann eine trockenheitsverträgliche Gras-Kraut-Vegetation oder eine Mischung aus Sedum-Arten und Stauden sein. Je nach Exposition wird sich die Vegetation unterschiedlich ausprägen. Insbesondere bei stärkeren Dachneigungen entstehen interessante Unterschiede zwischen Nord- und Südseite des Daches. Rollrasen, wie er zum Teil auf Schrägdächern eingesetzt wird, wird sich erfahrungsgemäß nicht halten, es sei denn, er wird regelmäßig gewässert, gedüngt und gemäht.

Entwässerung und Bewässerung

Damit Wasser nicht zu schnell vom begrünten Steildach abfließt und für die Pflanzen verfügbar auf dem Dach gehalten wird, werden bei geneigten Dächern die Bewässerungs- und Schutzmatte „BSM 64“ und die Wasserspeichermatte „WSM 150“ eingesetzt. Damit werden wesentlich dickere Materialien unter den Dränelementen eingesetzt als bei flachen Dächern. Daher empfiehlt es sich, mit zunehmender Dachneigung auch die Dicke der wasserspeichernden Substratschicht zu erhöhen. Genügen bei Dachneigungen bis 25° acht bis zehn Zentimeter Systemerde, so sollten es ab 25° wenigstens zehn bis zwölf Zentimeter sein. Um Pflanzenausfälle bei längerer Trockenheit zu vermeiden, wird bei steileren Dächern eine Zusatzbewässerung empfohlen – durch Tropfschläuche im Firstbereich oder Sprühdüsen. Auf der anderen Seite muss zu viel Wasser im Falle von Starkregen auch abfließen können. Die Dachentwässerung auf dem begrünten Steildach erfolgt daher punktuell über Dachabläufe oder Wasserspeier, die am tiefsten Punkt des Daches eingebaut werden oder über außen liegende Dachrinnen. Die Entwässerung über Dachrinnen setzt wasserdurchlässige Profile entlang der Traufe voraus.

Ein neuer Markt für Dachdecker

Dachdecker sind vertraut mit den Besonderheiten von Steildächern und bringen so die besten Voraussetzungen mit, um den Markt der Steildach- und Schrägdachbegrünung zu erschließen. Fachgerechte Beratung, Planung und Ausführung sind entscheidend, damit es künftig immer mehr begrünte Schrägdächer gibt, welche die Blicke auf sich ziehen und das positive Image unterstreichen, das sie verdienen.

Autor

Roland Appl ist technischer Leiter bei der Zinco GmbH in Nürtingen.

       

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