Schloss vor Feuchtigkeit geschützt

Rinnen- und Sockelabdichtung mit Wolfin-Kunststoffabdichtungsbahnen

Das Berliner Schloss wird seit einigen Jahren aufwendig rekonstruiert. Die Dachdecker der Hanebutt GmbH deckten nicht nur die Dächer mit Kupferstehfalzblechen ein, sondern dichteten auch die Innenhöfe im Sockelbereich und die Rinnen hinter der Attika gegen eindringende Feuchtigkeit ab.

Seit den 1990er Jahren setzt sich der Förderverein Berliner Schloss für einen Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses ein. Der Bundestag folgte 2002 der Empfehlung der internationalen Expertenkommission „Historische Mitte Berlin“ und entschied sich für die Rekonstruktion des Schlosses. Der italienische Architekt Prof. Franco Stella gewann den internationalen Wettbewerb für den Neubau des Schlosses. Auf drei Seiten wird die historische Barockfassade des Schlosses nun wiederaufgebaut. Die Mauern sind dabei aus Beton, davor ist eine Ziegelschale gemauert, danach folgt die Sandsteinfassade nach historischem Vorbild. Zur Ostseite hin entsteht eine Neubaufassade, die sich optisch von den drei barocken Fassaden unterscheidet. Dahinter liegt der kleine Schlosshof, auch Schlüterhof genannt. Das Innere des Schlosses wird als Humboldt-Forum neu erbaut.

Natursteinfassaden vor Feuchtigkeit schützen

Die Nord-Süd Passage in der Mitte und der Schlüterhof des wieder aufgebauten Schlosses sind zum großen Teil ganzjährig der Witterung ausgesetzt. Die sensiblen Natursteinfassaden und Säulen im Randbereich sollten langfristig vor Feuchtigkeit geschützt werden. Dazu nutzte man die Bauwerksabdichtung „Wolfin IB“. Mit dem Abdichtungssystem wurden die Übergänge vom Schlüterhof und der Passage zu den aufgehenden Bauteilen gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt. Vom Betonuntergrund des Innenhofs bis zur Spritzwasserhöhe von 50 cm verlegten die Dachdecker der Hanebutt GmbH dafür Verbundblechprofile auf Schutzvlies an den Grundmauern und befestigten sie mechanisch. Darüber verlegten sie „Wolfin IB“-Abdichtungsbahnen und schweißten sie an den Verbundblechen fest. Der Anschluss an die bituminöse Flächenabdichtung erfolgte im „Wolfin PYE“-Verbundsystem: Die Kunststoffbahnen betteten die Dachdecker im Flämm-Verfahren zwischen zwei Lagen Polymerbitumenbahnen ein.

Säulen auf trockenem Fuß

Die Sockel für die neu aufzurichtenden Natursteinsäulen mussten ebenfalls abgedichtet werden. Dafür wurden sie mit einem Schutzvlies abgedeckt und mit Verbundblechprofilen eingefasst. Anschließend wurden sie komplett, auch auf der Oberseite, mit Kunststoffbahnen abgedichtet, unter anderem aufgrund der hohen Druckfestigkeit der Bahnen. Die Abdichtungsbahnen sollen außerdem dauerhaft Feuchte- und Wasserschäden vermeiden. Vorgefertigte Innen- und Außenecken leisteten dabei an den Detailpunkten gute Dienste. Die Zuganker für die Säulen wurden durch zuvor montierte, umfunktionierte Lüfter aus Edelstahl geführt. Dank werkseitig montierter „Wolfin IB“-Bahnflansche an den Lüftern konnten diese materialhomogen an die Abdichtungsbahnen angeschlossen werden.

Doppelte Sicherheit durch zwei Rinnen

Die Steildachflächen des Schlosses wurden mit Bitumenbahnen abgedichtet, darüber wurde eine Stehfalzdeckung aus Kupfer montiert. An neuralgischen Punkten wie der Traufe griff Architekt Peter Westermann, Fassadenplaner der Franco Stella Projektgemeinschaft GbR, ebenfalls auf das Wolfin-Abdichtungssyste zurück. An den Attiken zu den drei Schlosshöfen und den Balustraden sah die Dachkonstruktion auf einer Gesamtlänge von 270 m innenliegende Rinnen vor. Ursprünglich sollte eine Kupferrinne mit Rinneneisen und 20 mm Höhenabstand zur Unterkonstruktion montiert werden. Die Projektplaner der ausführenden Hanebutt GmbH empfahlen aber aus Sicherheitsgründen, eine zweite Rinne auszuführen. Diese Empfehlung wurde angenommen und durch die Dachdecker umgesetzt. In den Rinnen wurde eine dreischichtige Dämmung mit Mineralfaserdämmplatten verlegt: eine 80 mm dicke Grunddämmung, eine durchschnittlich 160 mm dicke Gefälledämmung und darüber eine 80 mm dicke, oberseitig mit einer druckfesten Kaschierung versehene Mineralfaserdämmschicht. An den aufgehenden Bauteilen wurden Verbundblechprofile montiert. Die Stöße der Bleche wurden mit Streifen von Kunststoffdachbahnen abgedeckt, über Klebebandstreifen als Dehnungszone. Dann wurden die Bahnen beidseitig an die Profile angeschlossen. Die Rinnenabdichtung erfolgte mit insgesamt 380 m² „Wolfin M“-Bahnen in einer Dicke von 1,5 mm. Auf diesen Bahnen wurde eine Drainagematte verlegt, darüber die Dachrinnen aus Kupfer, die das Regenwasser im Gefälle zu den Entwässerungselementen führen.

Ursprünglich war die Eröffnung des Humboldt Forums im Berliner Schloss für Ende 2019 geplant. Die Eröffnung wurde allerdings verschoben. Ab September 2020 sollen nun das Untergeschoss, das Erdgeschoss sowie das erste Obergeschoss vollumfänglich zugänglich sein.

  

Autor

 

Gerd Hecker ist Leiter des Technical Support Synthetics bei BMI Wolfin in Wächtersbach.

Bautafel (Auswahl)

 

Bauherr Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Architekt (Planung) Prof. Franco Stella (Vicenza/Berlin), www.francostella.eu

Projektgemeinschaft Franco Stella Berliner Schloss Humboldt Forum Projektgemeinschaft GbR (Franco Stella, Hilmer&Sattler-Albrecht GmbH, gmp GmbH)

Abdichtungsarbeiten Hanebutt GmbH, 31535 Neustadt am Rübenberge, www.hanebutt.de

 

Herstellerindex (Auswahl)

 

Kunststoffabdichtungsbahnen „Wolfin M“ und „Wolfin IB“, Wolfin Bautechnik GmbH, 63607 Wächtersbach, www.wolfin.de

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