Tradition und Moderne vereint

99 Jahre und 5 Generationen: Die Hans Hobeck und Söhne Dachbau GmbH aus dem nordsächsischen Belgern-Schildau hat eine lange Tradition. Nach einer erfolgreichen Unternehmensnachfolge setzt der ­Betrieb jetzt stark auf Digitalisierung und möchte weiter wachsen.

Bei einem Großprojekt in Leipzig bauen der Auszubildende Justin Weber (vorne) und Vorarbeiter Torsten Kopsch 44 Velux-Dachfenster ein
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH

Bei einem Großprojekt in Leipzig bauen der Auszubildende Justin Weber (vorne) und Vorarbeiter Torsten Kopsch 44 Velux-Dachfenster ein
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH
Seinen Sitz hat der Dachdeckerbetrieb im 2700 Einwohner zählenden Belgern, einem Ortsteil der sächsischen Kleinstadt Belgern-Schildau, direkt an der Elbe. Trotz der dünn besiedelten Umgebung ist der Betrieb nicht nur „um den Kirchturm herum“ aktiv, sondern nimmt für spannende Projekte auch mal über eine Stunde Anfahrtsweg in Kauf – so zum Beispiel für ein aktuelles Projekt in Leipzig, bei dem sich auch die Vielfalt des Dachdeckerbetriebs zeigt: Die Baustelle ist eine der größten der fast 100-jährigen Firmengeschichte: Rund 900 m² Flachdachfläche mit Bitumenabdichtung, eine Mansardfläche von etwa 330 m² mit einer Neigung von 72° und insgesamt 44 Dachfenster sowie eine Gesimsverblechung von rund 100 m² in Scharendeckung erfordern das geballte Wissen des Unternehmens. Seit September 2025 ist das Team regelmäßig vor Ort in Leipzig, bis Ende April 2026 soll das Projekt abgeschlossen sein.

Auch wenn jeder im Betrieb sein Fachgebiet hat, liebt das gesamte Team die Abwechslung, sodass die Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH die gesamte Bandbreite des Dachdeckerhandwerks anbieten kann. Dazu gehören Steil-, Flach- und Gründacharbeiten sowie der Einbau von Dachfenstern, Lichtkuppeln und ­PV-Anlagen. Ein Spengler im Team erweitert das Portfolio um die Bauklempnerei. Besonders gefragt ist aktuell die energetische Sanierung von Dächern als Komplettpaket, inklusive der Beratung zu Fördermitteln, in Kooperation mit einem Energieberater. Mit rund 900 m² Flachdachfläche, einer Mansardfläche von etwa 330 m² und einer Gesimsverblechung von rund 100 m² in Scharendeckung ist die Baustelle in Leipzig eine der größten der fast 100-jährigen Firmengeschichte
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH

Mit rund 900 m² Flachdachfläche, einer Mansardfläche von etwa 330 m² und einer Gesimsverblechung von rund 100 m² in Scharendeckung ist die Baustelle in Leipzig eine der größten der fast 100-jährigen Firmengeschichte
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH

Ausgezeichnete Unternehmensnachfolge

Für Paul Hobeck stand schon früh fest, dass er den Dachdeckerbetrieb seines Vaters übernehmen möchte. Aber dass er so plötzlich und unerwartet den Platz seines Vaters einnehmen musste, damit hat er nicht gerechnet. „Mein Vater hat nie gesagt ‚Du musst‘, der hat ganz offen gesagt, du kannst machen, was du willst“, berichtet der Unternehmer. „Aber er hat mich schon früh mit auf die Baustellen genommen und da war dann mit ganz jungen Jahren schon klar: der Dachdeckerberuf, das ist es!“ Paul Hobeck machte zunächst seine Ausbildung zum Dachdecker und anschließend seinen Meister. „Dann habe ich mir überlegt, du bist jetzt fachlich eigentlich ganz fit, aber da gehört ja noch mehr dazu. Es ist nicht nur Dächer decken. Deswegen habe ich dann noch meinen Betriebswirt über eine Zusatzqualifikation bei der Handwerkskammer gemacht. Das hat mir echt Spaß ­gemacht und spätestens dann war klar: Unternehmer, das will ich machen“, beschreibt Hobeck seinen Werdegang. Im Dachdeckerbetrieb Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH hatten sich Paul und sein Vater Andreas Hobeck zunächst aufgeteilt: Der Junior beschäftigte sich mit neuen Programmen und digitalen Tools, während der Senior den Betrieb leitete. Im Mai 2025 belegte der Dachdeckerbetrieb den 3. Platz bei der „Dachkrone“ in der Kategorie „Erfolgreichste Unternehmensnachfolge“
Foto: Jonar

Im Mai 2025 belegte der Dachdeckerbetrieb den 3. Platz bei der „Dachkrone“ in der Kategorie „Erfolgreichste Unternehmensnachfolge“
Foto: Jonar

Die Übergabe an die nächste Generation stand zwar irgendwann an, aber 2023 kam plötzlich alles anders als geplant. Nachdem Andreas Hobeck schwer erkrankte, musste sein Sohn Paul von heute auf morgen das Ruder in die Hand nehmen und es blieb keine Zeit mehr, es langsam angehen zu lassen. Dass die Unternehmensnachfolge trotzdem erfolgreich gelang, zeigt auch die Auszeichnung mit dem 3. Platz bei der „Dachkrone“ im Mai 2025 in der Kategorie „Erfolgreichste Unternehmensnachfolge“ – ein Event, das Paul Hobeck und sein Team nachhaltig zusammenschweißte: „Die Dachkrone war ein super Teamevent“, schwärmt Hobeck rückblickend. „Danach ist das ganze Team so motiviert gewesen und diese Motivation nimmst du als Team einfach das ganze Jahr über mit. Das war richtig klasse!“

Aktueller Stand der Technik hat Tradition

Der Dachdeckerbetrieb von Paul Hobeck wächst und investiert kräftig, vor kurzem wurde der gesamte Fuhrpark erneuert
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH

Der Dachdeckerbetrieb von Paul Hobeck wächst und investiert kräftig, vor kurzem wurde der gesamte Fuhrpark erneuert
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH
Seitdem Paul Hobeck den Dachdeckerbetrieb übernommen hat, ist dieser stark gewachsen, auf mittlerweile 10 Mitarbeitende – zwei weitere haben bereits ihre Verträge unterschrieben und starten in den nächsten Monaten. Der ambitionierte Dachdeckermeister hat noch viel vor und möchte einen ­modernen Betrieb aufbauen. Das zeigt sich auch am Fuhrpark, der in den letzten Jahren von Grund auf erneuert wurde. Dazu gehören zwei neue VW Crafter, ein neuer VW Caddy Maxi, sowie ein VW T6 als „Allrounder“. Mit einem eingebauten, modularen Regalsystem ist der T6 schnell beladen, alternativ kann eine weitere Sitzbank eingebaut werden, sodass acht Personen gleichzeitig zur Baustelle fahren können.

Der Anspruch, stets auf dem aktuellen Stand der Technik zu arbeiten, hat seit der Gründung des Dachdeckerbetriebs durch Paul Hobecks Ururgroßvater ­Richard im Jahr 1927 Tradition. Über Generationen hinweg wurde diese Haltung weitergetragen – und auch Paul ist dieses Thema ein zentrales Anliegen.  Dabei verbindet das Unternehmen seine lange handwerkliche Tradition mit der Offenheit für neue technische Entwicklungen. Tradition und Moderne stehen dabei nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.

In Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurde die ursprüngliche Optik des Gebäudes wiederhergestellt und das Dach mit einer Zwischen- und Aufsparrendämmung energetisch saniert
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH

In Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurde die ursprüngliche Optik des Gebäudes wiederhergestellt und das Dach mit einer Zwischen- und Aufsparrendämmung energetisch saniert
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH
Wie sich dieser Anspruch im Arbeitsalltag niederschlägt, zeigt sich unter anderem im Umgang mit neuen Geschäftsfeldern und Technologien. Noch vor der Übernahme des Unternehmens absolvierte Paul Hobeck 2022 über den ZVDH eine Zusatzqualifizierung zum „Photovoltaik-Manager“. Im Kurs lernte er praxisnah alles Wichtige zu Planung, Technik und Ausführung von PV-Anlagen – und war begeistert von den Möglichkeiten, durch den fachgerechten Einsatz von Photovoltaikanlagen die Energiewende mitzugestalten. Zwar sei die Nachfrage nach PV-Anlagen in letzter Zeit gesunken, aber dennoch biete das Unternehmen weiterhin bedarfsorientierte Auf- und Indach-Solarsysteme unterschiedlicher Hersteller in Kooperation mit einem Elektrofachbetrieb an, so Hobeck.

Digitalisierung und Aufmaß per Drohne

Auch bei internen Abläufen setzt der Dachdeckermeister auf digitale Lösungen, um Prozesse effizienter zu gestalten. Nachdem Paul Hobeck den Betrieb übernahm, führte er zunächst eine neue Handwerkersoftware ein. Das Programm „Taifun“ unterstützt ihn seitdem bei der Buchhaltung. So dauert es beispielsweise nur noch eine halbe Stunde, bis ein Angebot für die Dachdeckung eines Eigenheims erstellt ist. Auch Drohnen helfen Paul Hobeck bei der Angebotserstellung. Seit 2023 beschäftigt sich der Dachdeckermeister mit dem Thema und setzt inzwischen auf die Lösungen des Anbieters Airteam. Hobeck oder seine Mitarbeiter fliegen dabei mit der Kameradrohne um das zu vermessende Objekt herum. Die Drohne erstellt viele Einzelbilder in hoher Auflösung mit Positionsdaten, die mittels KI zu einem 3D-Modell zusammengesetzt werden. Über eine cloudbasierte Plattform vom Airteam können die Daten anschließend verwaltet werden. „Wenn die Kunden mein Angebot bekommen, ist jetzt immer ein Link dabei, mit dem sie sich ihr eigenes Haus als 3D-Objekt anschauen können. Das kommt natürlich gut an“, berichtet Paul Hobeck.

Für das Dachaufmaß nutzt Paul Hobeck mit seinem Team Drohnen zur präzisen und digitalen Vermessung
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH

Für das Dachaufmaß nutzt Paul Hobeck mit seinem Team Drohnen zur präzisen und digitalen Vermessung
Foto: Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH
„Ein weiterer Vorteil ist, dass wir das Angebot transparenter machen können. Wenn ich sage ‚Ihr Dach ist 150 m² groß‘, dann kann ich das mit dem 3D-Modell auch ein Stück beweisen. Wir hatten das in der Vergangenheit schon, dass die Konkurrenz die Größe des Daches bewusst kleiner angegeben hat, um den günstigeren Preis anbieten zu können. So hat der Wettbewerber den Auftrag bekommen und war am Ende dann doch teurer als wir, weil das Dach in Wirklichkeit größer war.“ Paul Hobeck ist so begeistert von der Technik, dass sogar der MDR auf seinen Dachdeckerbetrieb aufmerksam wurde und Hobeck und sein Team begleitete. Doch der motivierte Unternehmer will mehr und investierte Ende 2025 in eine neue „Profi-Drohne“ mit einem „RTK-Modul“, welches eine Positionsgenauigkeit im Zentimeterbereich erreicht.

Auch bei den Azubis kommt das digitale Aufmaß per Drohne gut an: „Ein Azubi aus dem zweiten Lehrjahr übernimmt jetzt für mich die Aufmaße. Das ist eine gute Arbeitsteilung, er befliegt schon mal das Objekt und ich kann währenddessen mit dem Kunden das Angebot besprechen,“ berichtet der Dachdeckermeister.

Digitale Lagerhaltung

Die Digitalisierung unterstützt Paul Hobeck nicht nur beim Aufmaß, sondern auch in der Lagerhaltung. Hier setzt das Unternehmen auf „Orsy Online“ von Würth. In dem automatisierten und individuell konfigurierbaren Lagersystem erkennt ein Scanner, welches Paket entnommen wird und legt anschließend eine Einkaufsliste an. Jeden Donnerstag werden automatisiert alle benötigten Teile bestellt. Auch die Maschinenverwaltung wird über das System abgedeckt: die Maschinen von Würth sind direkt im System hinterlegt, die von anderen Herstellern bekommen einen Sticker mit einem QR-Code und können so ebenfalls verwaltet werden. „Orsy Online“ übernimmt nicht nur die Nachbestellung von Verbrauchsmaterialien wie Klebebänder, Schmierstoffe, Schrauben und Reinigungsmittel, sondern erfasst auch die jährlichen UVV-Prüfungen. Zudem wird jede Werkzeugausgabe dokumentiert, sodass jederzeit nachverfolgt werden kann, auf welcher Baustelle sich das Werkzeug befindet. Dadurch kann sich Paul Hobeck  auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren.

Engagiert in Ausbildung und Netzwerken

Zum Austausch mit anderen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ist Paul Hobeck Mitglied im Unternehmernetzwerk „Roofer's Club“ und nimmt an Netzwerktreffen teil, zuletzt im März 2026 in Frankfurt am Main
Foto: Kevin Patkin

Zum Austausch mit anderen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ist Paul Hobeck Mitglied im Unternehmernetzwerk „Roofer's Club“ und nimmt an Netzwerktreffen teil, zuletzt im März 2026 in Frankfurt am Main
Foto: Kevin Patkin
Fachkräftemangel ist auch bei der Hans Hobeck u. Söhne Dachbau GmbH ein großes Thema, weswegen Paul Hobeck stark auf Ausbildung für den Eigenbedarf setzt. Das Thema Nachwuchs liegt ihm sehr am Herzen; der Dachdeckermeister engagiert sich ehrenamtlich als Landeslehrlingswart in der sächsischen Dachdeckerinnung. In seinem Betrieb bildet er aktuell vier Auszubildende aus, davon zwei im 2. Lehrjahr und zwei im 1. Lehrjahr. Zwei weitere beginnen im August dieses Jahres ihre Ausbildung zum Dachdecker. Paul Hobeck zeigt sich stolz über die Leistung seiner Azubis, die ihn im 2. Lehrjahr schon wie Gesellen unterstützen.

Zum Austausch mit anderen erfahrenen Kolleginnen und Kollegen ist Paul Hobeck Mitglied im Unternehmernetzwerk „Roofer's Club“. „Nach dem ersten Netzwerktreffen des ‚Roofer's Club‘ bin ich zurückgefahren und habe meiner Frau zwei Stunden lang erzählt, wie toll das war und was man da alles gesehen hat,“ schwärmt der Unternehmer. „Ich habe vor, einen tollen Betrieb zu schaffen, zu wachsen und mich mit anderen Unternehmern zu vernetzen, die genauso motiviert sind wie ich, aber vielleicht schon viel weiter sind, das ist eine fruchtbare Umgebung.“

Autor

Dennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen dach+holzbau und bauhandwerk.

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