Wohnhaus eingedeckt mit Solardachziegeln

Ein Architekt und Holzbauer entschied sich bei der Sanierung seines Hauses für eine Neudeckung mit Solardachziegeln. Die Verlegung lief wie bei herkömmlichen Dachziegeln. Die Dachdecker mussten nur die Solardachziegel mithilfe von Steckverbindungen in Reihe schalten.

Nach 20 Jahren Nutzungszeit gab der Architekt und Holzbauer Thomas Dammann seinem Einfamilienhaus in Tiste südwestlich von Hamburg mit einer Sanierung und Erweiterung eine neue Struktur. Mit einem neuen, großzügigen Anbau, neuen Fassaden und Fenstern brachte er die Immobilie auf den technisch neuesten Stand. Auf dem Dach ließ er Solardachziegel verlegen. Das ursprüngliche Haus zierten viele kleine Vor- und Rücksprünge, bunte Fensterrahmen aus den Neunzigern, eine Putzfassade und ein Satteldach, eingedeckt mit herkömmlichen Dachziegeln. Der Umbau sollte die Immobilie nicht nur optisch, sondern auch technisch aufwerten. Dabei waren im Haus keine weiteren Ausbaukapazitäten vorhanden. So entschied sich der Architekt für einen Anbau, der sich in seiner kubischen Form deutlich vom Steildach-Bestand abhebt. Durch eine entsprechende energieeffiziente Ertüchtigung erreicht das Haus KfW-55-Standard und war damit förderwürdig. So sollte das Gebäude mehr Platz und mehr Licht erhalten und gleichzeitig mehr Energieeffizienz bieten.

Um diesen Standard zu realisieren, mussten mehrere Maßnahmen ergriffen werden. Als erstes investierte der Bauherr in die Gebäudehülle. Die alte Fassade wurde entfernt und die Außenwände mit acht Zentimeter dicken Holzweichfaserplatten gedämmt. Als Nebeneffekt verschwanden die Vor- und Rücksprünge des Gebäudes. Nachträglich angebrachten Raffstores wurden in die mit Holz verschalte Fassade integriert. Als weitere Maßnahme wurden die alten Fenster gegen Holz-Aluminium-Fenster mit Dreifachverglasung ausgetauscht.

Dachziegel wandeln Sonnenenergie in Strom um

Auch die Haustechnik wurde überholt und auf Energieeffizienz getrimmt. Die Gastherme wich einer Wärmepumpe mit Tiefenbohrung. Sie versorgt das Gebäude mit Heizenergie. Die neue Dacheindeckung besteht aus 738 Solardachziegeln. Diese wandeln Sonnenenergie in Strom um, der in erster Linie dem Eigenverbrauch dient. Sind die hauseigenen Stromspeicher voll, muss die überschüssige Energie aber nicht gleich ins öffentliche Netz gespeist werden. „Zunächst wird der Warmwasserspeicher der Wärmepumpe noch um bis zu 30°C überhitzt und dient so als zusätzlicher Energiespeicher“, erklärt Planer Thomas Dammann. Das Gesamtkonzept macht aus dem Gebäude ein Plusenergiehaus.

Solarmodul und Ziegel verklebt

Die Entscheidung, eine kaum sichtbare „Autarq“-Solardachziegelanlage zu installieren, war ein gestalterischer Wunsch des Architekten. Als Träger für die Solarmodule dient der Dachziegel „Domino Finesse“ von Creaton in der Farbe „schwarz glasiert“. Diesen rüstet der Solarziegel-Spezialist Autarq aus Prenzlau zum Solardachziegel auf, indem Ziegel und Solarmodul untrennbar verklebt werden. Wasserführung und Dichtigkeit des Originalziegels bleiben unverändert, ebenso die Lebensdauer. Ein Vorteil des Systems ist die geringere Ausfallrate der Module, die bei anderen Systemen aufgrund von partieller Verschattung auftreten kann. Kommt es bei den Solardachziegeln zu einem Ausfall, dann sind nur einzelne Ziegel statt kompletter, großflächiger Paneele betroffen.

Niedrige Spannung

Bei der Eindeckung des Daches wurden außerdem Zusatzelemente zur Optimierung des Energieertrags verbaut. „Dadurch fallen bei der Anlage immer nur einzelne Ziegel aus und keine großen Einheiten“, erklärt Thomas Dammann. Ein weiterer Vorteil der Parallelschaltung der Ziegel ist die niedrige Spannung von 48 Volt im ganzen System bis zum Wechselrichter. So gibt es auch im Brandfall keine Gefahr durch Hochspannung für die Feuerwehrleute.

Nicht nur Dachziegel, auch Kabel verlegen

Der beauftragte Dachdecker ließ sich überzeugen, die Solardachziegel erstmalig zu verlegen. Doch der Gedanke daran, nicht nur einen Dachziegel in den Händen zu haben, sondern auch Elektrokabel mit zu verlegen, war für ihn zunächst gewöhnungsbedürftig. „Als die Anlage installiert war, sagte der Dachdecker aber nur: ‚Das können wir wieder machen’“, berichtet Thomas Dammann. Die Solarziegel lassen sich fast genauso verarbeiten wie eine Standard-Eindeckung mit dem Flachziegel. Vor Beginn der Arbeiten war man sich nur über den zeitlichen Mehraufwand bei der Verlegung der Solardachziegel unsicher. Da bei der Verlegung des „Domino“-Dachziegels aber ohnehin akkurate Arbeit gefragt ist, orientierte man sich einfach an der dafür veranschlagten Zeit. Das war am Ende ein guter Richtwert.

Lattung mit Stellschrauben befestigt

Eine Präzisionsaufgabe erledigte Architekt und Holzbauer Thomas Dammann selbst: Das Dach wurde neu eingelattet und die Lattung über Stellschrauben befestigt, um sie über die normalen Anforderungen hinaus auszurichten. Der „Autarq“-Ziegel wurde dann genauso verlegt wie andere Dacheindeckungen auch. So mussten die Dachdecker nur die einzelnen Dachziegel während des Verlegens mit Hilfe von Steckverbindungen in Reihe schalten. Das geschieht durch das Zusammenstecken der roten und schwarzen Kabel, Plus- und Minuspol kann man dabei leicht unterscheiden. Da das System im Kleinspannungsbereich arbeitet, ist es für Menschen ungefährlich und kann vom Dachdecker dachseitig verkabelt werden. „Zum leicht erhöhten Aufwand kam ein halber Manntag zum Verbinden der Sammelkabel mit den Hauptleitungen“, sagt Thomas Dammann. Über spezielle Manschetten, die außen an den DWD-Platten auf dem Dach und innen an den OSB-Platten verlegt wurden, wurde die Verkabelung geführt und abgedichtet. Die Installation der Anlage erforderte dabei die enge Abstimmung und Zusammenarbeit mit dem Elektriker. Der Anschluss an den Wechselrichter und die Verbindung mit dem Stromspeicher durch den Elektriker nahmen etwa einen Tag in Anspruch.

Das Sanierungsprojekt zeigt, dass es nicht nur auf das Alter einer Immobilie ankommt, wenn man sie fit für die Zukunft machen möchte. Die technischen Möglichkeiten und das zu erwartende ästhetische wie energetische Ergebnis können auch recht jungen Häusern ein ganz neues Leben bescheren.

Autor

Manuel Erhard ist Anwendungstechniker bei der Creaton GmbH in Wertingen.

Bautafel (Auswahl)

 

Projekt Sanierung des Einfamilienhaus Dammann im Sommer 2018, 27419 Tiste

Architekt & Holzbauer Thomas Dammann, Dammann-Haus GmbH, 27419 Wohnste, www.dammannhaus.de 

Dachdecker Dachdeckerei Strubenhoff & Klindworth GmbH & Co. KG, 21646 Halvesbostel, www.strubenhoff-klindworth.de 

Dachziegel „Creaton Domino Finesse“ und „Autarq“-Solarziegel, Hersteller: Creaton GmbH, 86637 Wertingen, www.creaton.de und Autarq GmbH, 17291 Prenzlau, www.autarq.com

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