Dachdeckerbetrieb in Olsberg stellt zwei Auszubildende aus Tadschikistan ein

Mit großer Motivation in die Ausbildung - Weiterbeschäftigung nach der Ausbildung noch ungewiss

Der Dachdeckerbetrieb Jedamzik aus Olsberg ist spezialisiert auf die Sanierung und Neudeckung von Schieferdächern. Für den Betrieb war es in den vergangenen Jahren nicht immer leicht, Auszubildende zu finden. 2019 änderte sich das jedoch mit der Bewerbung eines jungen Mannes aus Tadschikistan.

Gute Auszubildende zu finden, war für den Dachdeckerfachbetrieb Jedamzik aus Olsberg im Hochsauerlandkreis in den vergangenen Jahren nicht immer leicht. Daniel Jedamzik, Dachdeckermeister und stellvertretender Geschäftsführer, erklärt: „Wir hatten oft das Gefühl, dass sich Auszubildende bei uns bewerben, die keine Motivation hatten und sich keine Mühe gegeben haben. Die haben ihre Ausbildung häufig schon nach kurzer Zeit abgebrochen.“

Derzeit kann sich der Dachdeckerbetrieb jedoch über zwei besonders motivierte Auszubildende freuen. Beide stammen aus Tadschikistan, einem Land, das über 5000 km entfernt von Olsberg in Zentralasien liegt. „Beide sind sehr motiviert, brennen für ihre Arbeit und melden sich sogar freiwillig, wenn mehr Arbeit als sonst anfällt“, sagt Daniel Jedamzik begeistert.

Alles begann vor drei Jahren mit einer schriftlichen Bewerbung von Shohin Bobojonvo aus Tadschikistan. Über eine Online-Jobbörse war er auf den Dachdeckerbetrieb in Olsberg aufmerksam geworden. „Aus der Bewerbung ging zunächst nicht hervor, dass Shohin noch in Tadschikistan lebte“, sagt Daniel Jedamzik, „das wurde mir erst klar, als wir das erste Mal miteinander geschrieben haben.“

Sprachkenntnisse und Vorerfahrungen

Zuvor hatte Shohin Bobojonvo in Tadschikistan Deutsch als Fremdsprache studiert, konnte also schon grundlegende Deutschkenntnisse vorweisen. Außerdem hatte er bereits als Dachdeckerhelfer auf Baustellen mitgearbeitet. „Wir haben mehrmals miteinander telefoniert und geschrieben, bevor ich mich dann entschieden habe, ihm einen Ausbildungsplatz anzubieten“, sagt Daniel Jedamzik. Um ein Visum für die Arbeit in Deutschland zu erhalten, musste Shohin Bobojonvo einige Unterlagen vorlegen, unter anderem einen Ausbildungsvertrag und einen Ausbildungsplan. Das Visumsverfahren begann im Januar 2020, neun Monate später (im Oktober 2020) begann Shohin Bobojonvo seine Ausbildung bei der Firma Jedamzik.

Vor Beginn der Ausbildung gab es auch für Daniel Jedamzik viel zu organisieren: Er kümmerte sich um eine Wohnung für den Azubi, meldete ihn bei der Krankenversicherung an und holte ihn schließlich am Tag seiner Anreise am Flughafen ab. „Der Aufwand war insgesamt schon deutlich höher als sonst bei der Einstellung eines Auszubildenden“, gibt Jedamzik zu. Dabei wusste er nicht genau, was ihn erwarten würde, denn er hatte Shohin Bobojonvo ja bisher nur telefonisch und noch nicht persönlich kennengelernt. Heute weiß er aber: „Das Vertrauen und die Arbeit, die ich investiert habe, haben sich gelohnt. Mit Shohin Bobojonvo haben wir großes Glück gehabt!“

„Wenn es gut läuft, werden beide später als Gesellen übernommen!“  

Shohin Bobojonvo ist inzwischen 22 Jahre alt und im zweiten Lehrjahr seiner Dachdeckerausbildung. Planmäßig wird er im August 2022 das dritte Lehrjahr seiner Ausbildung beginnen. Die Ausbildung im Dachdeckerfachbetrieb Jedamzik gefiel ihm so gut, dass er den Dachdeckerbetrieb an einen Freund aus der Heimat weiterempfohlen hat. Im vergangenen Jahr begann Bahrillo Subhonqulov aus Tadschikistan ebenfalls seine Ausbildung zum Dachdecker in Olsberg. Mit beiden Auszubildenden ist Daniel Jedamzik sehr zufrieden: „Wenn es gut läuft, werden die beiden nach ihrer Ausbildung bei uns als Gesellen weiterarbeiten.“

Beide Azubis haben schon signalisiert, dass sie nach ihrer Ausbildung in Deutschland bleiben wollen. Allerdings haben sie derzeit nur ein Visum, das bis zum Ende ihrer Ausbildung gültig ist. Shohin Bobojonvo wird seine Ausbildung voraussichtlich im Juli 2023 abschließen.

Für die Zeit nach der Ausbildung müssen sich beide Azubis und der Betrieb um ein neues Visum kümmern. „Ich hoffe, dass das mit dem Visum klappt und werde den beiden nach ihrer Ausbildung auf jeden Fall einen Vertrag anbieten“, sagt Daniel Jedamzik. Neben den beiden Azubis aus Tadschikistan bildet die Dachdeckerei inzwischen einen dritten Auszubildenden aus Deutschland aus. Dieses Jahr soll ein weiterer, vierter Azubi eingestellt werden – der erneut aus Tadschikistan kommen wird. Das Problem des Azubimangels hat sich für den Dachdeckerfachbetrieb Jedamzik aus Olsberg also vorerst erledigt.

 

Autor

Stephan Thomas ist verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift dach+holzbau.

Spezialisiert auf Schieferdächer

Der Dachdeckerfachbetrieb Jedamzik aus Olsberg hat zwölf Mitarbeiter und bildet derzeit drei Auszubildende aus. Der Schwerpunkt des Dachdeckerbetriebs liegt in der Arbeit mit Schiefer, von der Sanierung denkmalgeschützter Schieferdächer bis hin zur Neudeckung. Darüber hinaus werden Metalldacharbeiten, der Einbau von Dachfenstern oder die Abdichtung von Flachdächern ausgeführt. „Das Erstellen von Schieferdächern ist ein schönes Handwerk mit Tradition“, sagt Daniel Jedamzik, Dachdeckermeister und stellvertretender Geschäftsführer der Dachdeckerei, „für die Eindeckung von Schieferdächern braucht man Geduld, Sorgfalt und Fingerspitzengefühl.“ Mehr Informationen zum Dachdeckerfachbetrieb Jedamzik finden Sie unter www.naturschieferarbeiten.de .

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