Jowat Forum 2026 – Rückblick

Holzbau im Spannungsfeld von Regulierung und Innovation

Das diesjährige Jowat Forum stand ganz im Zeichen des Holzbaus. Der Klebstoffhersteller Jowat SE und der Verband der Deutschen Holzwerkstoff- und Innentürenindustrie VHI luden am 22. Januar 2026 in das Jowat Haus der Technik nach Detmold ein. Dabei gab es neben zahlreichen Fachvorträgen ausreichend Raum für fachlichen Austausch und Diskussion zu aktuellen Herausforderungen.

Anemon Strohmeyer und Ingo Horsthemke begrüßten das Fachpublikum zum diesjährigen Jowat Forum in Detmold
Foto: Jowat SE
Anemon Strohmeyer und Ingo Horsthemke begrüßten das Fachpublikum zum diesjährigen Jowat Forum in Detmold
Foto: Jowat SE

Moderiert wurde das Fachforum von Ingo Horsthemke, Vice President Global Marketing bei Jowat, und Anemon Strohmeyer vom VHI.

Politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Herausforderungen gebe es viele in der Holzindustrie, wie Anemon Strohmeyer, Geschäftsführerin des VHI, in ihrem Vortrag skizzierte. Hier nannte Strohmeyer zum einen politische Unsicherheiten, wie US-Zölle oder steigende Importe asiatischer Möbelhersteller. Dazu kämen hohe Entstehungskosten in Deutschland, ein drohender Dominoeffekt aufgrund der kriselnden deutschen Chemieindustrie sowie die EUDR („EU-Entwaldungsverordnung“). Diese Verordnung würde weitere Hemmnisse durch Regulierung mit sich bringen. Der VHI stehe hierzu im kontinuierlichen Austausch mit der Politik.

Materialeffizienz durch neue Konstruktionen

Moritz Steinruck von Egger zeigte aktuelle Herausforderungen in der Holzindustrie auf
Foto: Dennis Rabeneick

Moritz Steinruck von Egger zeigte aktuelle Herausforderungen in der Holzindustrie auf
Foto: Dennis Rabeneick
Moritz Steinruck, Produktmanager bei Egger, verwies ebenfalls auf regulatorische Vorgaben, etwa durch die neue EU-Gebäuderichtlinie und das Gebäudeenergiegesetz. Zudem sei der Fichtenbestand in Deutschland infolge des Waldumbaus um bis zu 60 Prozent zurückgegangen. Daraus ergäben sich neue Perspektiven für alternative Holzarten wie Birke oder Douglasie.

Als Antwort auf diese Entwicklungen stellte Moritz Steinruck die „Eco Box“ vor – eine Stütze aus Schnittholz, OSB-Platten und Holzweichfaserdämmung. Der Holzverbrauch lasse sich durch die spezielle Konstruktion im Vergleich zu Massivholz um bis zu 38 Prozent reduzieren. Die einzelnen Bestandteile der „Eco Box“ werden verklebt, wodurch eine deutlich reduzierte Durchbiegung bei geringerem Materialeinsatz erreicht, und die serielle Produktion vereinfacht werde. Für ein Einfamilienhaus seien so rechnerisch rund 4,5 statt 7,5 Bäume erforderlich.

Auch Claus Seemann, Produktmanager bei Pfleiderer, ging in seinem Vortrag „Der Holzweg als Königsweg“ auf das Thema Nachhaltigkeit von Holzwerkstoffen ein und präsentierte dabei das Produktportfolio seines Unternehmens für den Innenausbau und den konstruktiven Holzbau.

Furnierschichtholz als Alternative

Klaus Drücker von Steico SE griff den sinkenden Fichtenanteil auf und stellte Furnierschichtholz (LVL) als Lösung vor. LVL sei zum einen nachhaltiger, da bis zu 70 Prozent des Baumes verwertet werden, im Gegensatz von nur ca. 40 Prozent bei der Verwendung von Vollholz. Darüber hinaus sei LVL belastbarer als Vollholz, könne also höhere Zug- und Biegekräfte aufnehmen bei geringerem Materialeinsatz. Zudem eigne sich das Material besonders für serielle Fertigungsprozesse.

Serielle Vorfertigung und Klebtechnik

Diesem Thema widmete sich Maik Johanntoberens vom Klebstoffhersteller Jowat. Er hob hervor, dass in den letzten 100 Jahren in sämtlichen Bereichen der Produktion eine starke Industrialisierung eingesetzt habe, der Hausbau aber in den meisten Fällen noch konventionell vor Ort geschehe. Dies dauere lange und sei zu teuer. Die Lösung sei serielle Vorfertigung von beispielsweise Wandelementen unter standardisierten, wetterunabhängigen Bedingungen. Schmelzklebstoffe erhöhten dabei die Reproduzierbarkeit und Prozesssicherheit.

Forschung und neue Anwendungsfelder

Prof. Dr. Raoul Klingner vom Fraunhofer WKI ist fasziniert von der Vielfältigkeit des Werkstoffes Holz
Foto: Dennis Rabeneick

Prof. Dr. Raoul Klingner vom Fraunhofer WKI ist fasziniert von der Vielfältigkeit des Werkstoffes Holz
Foto: Dennis Rabeneick
Prof. Dr. Raoul Klingner, Präsident des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung (WKI), sah die Krise auch als Chance, aus der im besten Fall neue Innovationen entstehen könnten. Dazu stellte er einige Forschungsprojekte aus dem Fraunhofer WKI vor, wie zum Beispiel einen Holzturm für Windkraftanlagen, ein Projekt in Zusammenarbeit mit Modvion oder einen PV-Modulrahmen aus Holz, eine Kooperation zwischen dem Fraunhofer WKI und dem Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme. Darüber hinaus sprach sich Prof. Dr. Klingner für die Erforschung und Nutzung weiterer potenzieller Holzarten in der Zukunft aus, wie zum Beispiel der Robinie.

PUR-Klebesticks

Eine Produktinnovation stellte Sérgio de Sousa von Steinel Tools vor: einen Klebestick aus Polyurethan (PUR), der in Heißklebepistolen verwendet werden kann. Klebesticks werden in der Regel aus thermoplastischen Kunststoffen hergestellt, Sticks aus dem Duroplast PUR seien de Sousa zufolge einmalig. Im Gegensatz zu Thermoplasten gehen PUR-Klebstoffe eine chemische Verbindung mit dem Untergrund ein, sind feuchtigkeits- und witterungsbeständig und erreichen hohe Temperaturfestigkeiten. Belastbar bereits nach 25-50 Sekunden könnten eine Vielzahl von Materialien miteinander verklebt werden. PUR-Klebesticks unterliegen nicht der Kennzeichnungspflicht, so Sérgio de Sousa.

Brandschutz und Normenkonflikte

Marius Misch, Sonae Arauco, widmete sich dem Brandschutz im Holzbau
Foto: Dennis Rabeneick

Marius Misch, Sonae Arauco, widmete sich dem Brandschutz im Holzbau
Foto: Dennis Rabeneick
Dem Thema Brandschutz im Holzbau, insbesondere dem komplexen Zusammenspiel der relevanten Regelwerke, widmete sich Marius Misch von Sonae Arauco-Agepan. Misch stellte Neuigkeiten vor, wie zum Beispiel die Aktualisierung der DIN 4102-4 im Sommer 2025. Positiv sei hervorzuheben, dass die neue Fassung auch Dämmmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen beinhalte, wie zum Beispiel Holzfaserdämmstoffe. Misch wies in diesem Zusammenhang auf weiterhin bestehende Hemmnisse hin, so entstünden nun Konflikte mit anderen Regelwerken, etwa der Musterholzbaurichtlinie, die weiterhin nichtbrennbare Dämmstoffe fordere. Ein weiteres Hemmnis sei die föderale Struktur des Baurechts mit 16 Landesbauordnungen. Dies sorge für einen erhöhten Aufwand für Planer, Architekten und Holzbauunternehmen und erschwere einen überregionalen Holzbau.

Marius Misch sprach sich für eine Vereinheitlichung der Anforderungen und eine flächendeckende Umsetzung von Regelwerken aus, um den Einsatz von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen zu vereinfachen.

Marktentwicklung und Baukonjunktur

Martin Langen vom Marktforschungsbüro B+L präsentierte einen Bau- und Renovierausblick
Foto: Dennis Rabeneick

Martin Langen vom Marktforschungsbüro B+L präsentierte einen Bau- und Renovierausblick
Foto: Dennis Rabeneick
Martin Langen vom Marktforschungsinstitut B+L gab einen Überblick zur Marktlage. 2025 gab es demnach keine Stimmungsverbesserung im Konsumklima: sowohl die „Konsumfreudigkeit“ als auch die Einkommenserwartung sei eingebrochen. Gleichzeitig verteuerten sich die Preise für Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser im dritten Quartal 2025, während die Preise für Mehrfamilienhäuser leicht nachgaben.

Langen zeigte darüber hinaus die Entwicklung des Bauvolumens im Vergleich zum BIP auf: Lag das Bauvolumen im Jahr 2023 mit minus 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf einem Tiefstwert, sank der Rückgang 2025 noch auf minus 1 Prozent. Für dieses Jahr erwartet B+L erstmals seit 2021 wieder ein Wachstum von 1,9 Prozent, gefolgt von 3,1 Prozent im Jahr 2027. Das BIP wird im gleichen Zeitraum deutlich schwächer wachsen, mit 0,9 Prozent in diesem Jahr und 1,5 Prozent im Jahr 2027. Daraus leitete Martin Langen eine zentrale Rolle des Baugewerbes für die Gesamtwirtschaft ab.

Bauen im Bestand und Wiederverwendung

Architekt Frank Schönert zeigte Bauprojekte auf, die bewusst auf wenig Neubau und die Wiederverwendung vorhandener Materialien setzen, wie zum Beispiel der Umbau der Scheune auf Hof Prädikow
Foto: Dennis Rabeneick

Architekt Frank Schönert zeigte Bauprojekte auf, die bewusst auf wenig Neubau und die Wiederverwendung vorhandener Materialien setzen, wie zum Beispiel der Umbau der Scheune auf Hof Prädikow
Foto: Dennis Rabeneick
Während Martin Langen dazu aufrief, die Konsumausgaben zu erhöhen, um die Wirtschaft zu stärken, zeigte Frank Schönert vom Architekturbüro „Hütten & Paläste“ im Kontrast dazu Bauprojekte auf, die bewusst auf wenig Neubau und die Wiederverwendung vorhandener Materialien setzen. So wurde beispielsweise eine alte Scheune auf dem Hof Prädikow in Brandenburg zu einem Veranstaltungsort umgewandelt. Weitere Projekte waren die Sanierung des Neckarhofgebäudes in Berlin sowie die Umnutzung der U-Halle in Mannheim im Rahmen der Bundesgartenschau 2023.

Fazit

Das Jowat Forum bot, neben den Vorträgen, genug Zeit und Raum für den fachlichen Austausch
Foto: Jowat SE

Das Jowat Forum bot, neben den Vorträgen, genug Zeit und Raum für den fachlichen Austausch
Foto: Jowat SE
Das Jowat Forum machte deutlich, dass der Holzbau vor komplexen Herausforderungen steht, etwa durch den Waldumbau, den sinkenden Fichtenanteil sowie politische Rahmenbedingungen und regulatorische Vorgaben. Gleichzeitig zeigten die Vorträge, wie innovative Lösungen – von Klebstoffen über den Einsatz von LVL bis hin zu serieller Vorfertigung – den Holzbau effizienter und zukunftsfähiger machen. Fachlicher Austausch und praxisnahe Ansätze sind dabei entscheidend, um die Potenziale des Holzbaus voll auszuschöpfen.

Autor

Dennis Rabeneick ist Volontär in den Redaktionen der Magazine dach+holzbau und bauhandwerk.

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