Gute Resonanz beim Creaton-Zukunftstag

Rund 200 Interessierte diskutieren und informieren sich über Themen rund um die Digitalisierung

Mit zehn Vorträgen, einem sogenannten Barcamp, einem Ausstellungsbereich und einem Abendprogramm lockte Creaton im Oktober rund 200 interessierte Dachhandwerker/innen nach Stuttgart, um mit dem „Zukunftstag“ in die (digitale) Zukunft zu schauen. Das Format soll weitergeführt werden.

Draußen fühlt man sich an den Stuttgarter Wagenhallen an Konzertabende erinnert. Drinnen kündigen wummernde Beats und klirrendes Scheinwerferlicht die Vortragenden beim ersten Zukunftstag von Creaton an. Nachdem die Corona-Krise ein Zusammentreffen in dieser Größe und Art in den letzten anderthalb Jahren unmöglich gemacht hatte, will der Dachsystemhersteller Creaton mit dem Zukunftstag ein neues, junges Format als Präsenzveranstaltung etablieren.

Das Thema Digitalisierung in unterschiedlicher Form stand ganz oben auf der Agenda, das zeigte sich schon beim digitalen Einlass am Eingang mit QR-Code. Auch war es den Besucherinnen und Besuchern möglich, mit einer App während der Veranstaltung interaktiv zu agieren. „Wir wollen, dass Sie sich hier mit der Zukunft beschäftigten, möglichst bald ganz digital“, sagte Creaton-Geschäftsführer Sebastian Dresse bei der Begrüßung des Publikums. Dieses bestand bunt gemischt aus älteren, aber vor allem auch jüngeren Besuchern.

Dass die Digitalisierung im Handwerk bisweilen noch ein weiter Weg ist, darüber berichtete der Vize-Präsident des ZVDH, Dachdeckermeister Mike Schilling. Ihm lag bei seiner Begrüßung besonders der Nachwuchs am Herzen: „Wir wollen die Betriebe unterstützen, die sich digital aufstellen, auch um junge Menschen für den Beruf zu begeistern“. Dass aber auf der Baustelle auch noch „mit den Händen geschafft werden muss“, ließ er außer Zweifel: „Trotz Erleichterungen durch Apps: Jedes Dach ist anders, der Handwerker vor Ort bleibt wichtig, auch wenn vorher ein digitales Aufmaß erstellt wurde.“ Grußworte von Holzbau Deutschland übermittelte Gerd Renz, Präsident von Holzbau Baden-Württemberg. Um die Klimawende mitzugestalten brauche es Netzwerke, betonte Renz und sagte: „Nur digital gut aufgestellte Betriebe werden in Zukunft bestehen können.“

„Ecken und Kanten sind wichtig!“

Schwungvoll startete anschließend die Vortragsreihe mit Jörg Mosler, Dachdeckermeister und Buchautor, der mit seiner direkten Ansprache gegenüber seinen Kollegen für so einen Event prädestiniert schien. Sein Thema: Mitarbeitergewinnung, sein wichtigster Gedanke: Hinter jeder Handlung steckt eine Emotion und wer Mitarbeiter gewinnen will, muss Emotionen wecken. Mitnehmen konnte das Publikum ebenso, dass Betriebe sich nicht scheuen müssen, eine Haltung zu haben, die sie im besten Fall nach außen tragen. „Ecken und Kanten sind wichtig“, sagte Jörg Mosler. „Du kannst dich von anderen absetzen, durch dich und deine Persönlichkeit.“

Dachdecker können Energiewende mitgestalten

Nicht weniger beeindruckend, aber auf ganz andere (wissenschaftliche) Weise war der Vortrag von Volker Quaschning, Professor für regenerative Energien an der HTW Berlin. Quaschning ist Mitinitiator von Scientists for Future (S4F) und zeigte anhand von sehr aussagekräftigen Grafiken, dass die Erderwärmung von rund einem Grad Celsius seit dem Beginn der Industrialisierung keinen Zweifel an der Dramatik der Schnelligkeit lässt. Das Problem sieht er in den zwei bis drei Milliarden Menschen, die von der rasanten Klimaerwärmung existenziell bedroht sind – durch den Verlust von Ackerflächen und der bevorstehenden Hitze, bei der niemand überleben könne. „Wenn wir nicht umsteuern, werden wir bis 2100 große Migrationsbewegungen haben“, prophezeite Quaschning, „die heute junge Generation wird das voll abbekommen!“

Im Dachdeckerhandwerk sieht Quaschning die Zielgruppe, welche die „Energierevolution“ mitgestalten und mit der Montage von PV-Anlagen auch in diesem Feld mit verdienen könne. Er sprach sich auf dem Zukunftstag klar für Photovoltaik und Windstrom aus, zudem für Elektromobilität statt Verbrennungsmotoren. „Der Wirkungsgrad eines Verbrennungsmotors liegt bei 40 Prozent, wir heizen damit unsere Umgebung, das meiste geht als Wärme verloren“, sagte er.  Zum Thema Elektromobilität gab es dann noch zahlreiche Fragen aus dem Publikum.

Digitale Prozesse sorgen für mehr Präzision im Holzbau

Wie sich Prozesse im Holzbau mit digitalen Hilfsmitteln bei der Planung, Konstruktion, dem Abbund, der Vorfertigung und dem Aufrichten beschleunigen lassen, erläuterte Christopher Robeller, der an der TU Kaiserslautern die Arbeitsgruppe „Digitaler Holzbau“ leitet. Zudem lehrt Robeller an der Fakultät Architektur Bau und Umwelt der Hochschule Bremen und hat dort die Professur „Digitales Planen und Bauen“ inne. Robeller zeigte anhand von einigen Beispielen, welche Vorteile – zum Beispiel die sehr hohe Präzision – die Digitalisierung im Holzbau mit sich bringt.

Konkrete Tipps für die Digitalisierung

Praxisorientiert berichteten Felix und Anne Moll vom Dachdeckerbetrieb Moll Bedachungen in ihrem Vortrag, wie der eigene Betrieb von analog auf digital umgestellt wurde. Im ersten Schritt wurde der komplette Kundenstamm digitalisiert. „Als das Grundgerüst fertig war, ging alles viel schneller“, berichtete Felix Moll. Der Betrieb wurde anhand von Fragen wie „Was stört den Betriebsalltag, wodurch kann man Zeit einsparen und was wollen wir langfristig erreichen?“ komplett umgestellt. „Heute können wir Aufträge viel einfacher einschätzen und abwickeln“, sagte Felix Moll. Helfen würde dabei beispielsweise auch, dass die Auftraggeber Bilder einer Baustelle über das Kontaktformular senden könnten. Ein Dachdeckermeister und Inhaber eines Dachdeckerbetriebs aus Bayern mit 15 Mitarbeitern bewertete diesen Vortrag als den effektivsten für seine Arbeit. Sein Betrieb stecke in den Anfängen der Digitalisierung, konkrete Tipps nehme er daher dankbar an.

Diskussionen im Barcamp

Neben den Vorträgen gab es auf dem Zukunftstag ein sogenanntes „Baramp“, in dem sich drei Experten durchaus kontrovers über verschiedene Themen mit den Besucherinnen und Besuchern austauschten. Themen waren unter anderem „Inhalte der Meisterausbildung“, „Voraussetzungen für eine Betriebsgründung“, „Mitarbeitergewinnung“ und die Frage „Kundenakquise – digital oder analog?“ Baufachredakteur Roland Rietmüller (www.meistertipp.de), einer der drei Barcamp-„Hosts“, lobte den ersten Creaton-Zukunftstag: „Interessante Gespräche, in weiten Teilen hochkarätige Vorträge und eine tolle Abendveranstaltung – das war ein guter Auftakt für den ersten Zukunftstag.“

„Eine rundum erfolgreiche Premiere!“

„Wir bieten Handwerkerinnen und Handwerkern mit dem neuen Veranstaltungsformat eine Plattform, um sich auszutauschen und über aktuelle Trends zu informieren“, sagt Ann-Katrin Rieser, Leiterin des Marketings und der Unternehmenskommunikation der Creaton GmbH. Positiv gestimmt war auch ihre Kollegin Sandra Klaua von der Unternehmenskommunikation: „Wir sind sehr zufrieden mit dem ersten Zukunftstag und haben sehr positives Feedback von Teilnehmenden sowie Akteuren bekommen. Insgesamt eine rundum erfolgreiche Premiere, die auf jeden Fall eine Fortsetzung finden wird.“ Am Ablauf und dem Raumkonzept wolle man allerdings noch feilen.

Autor

Rüdiger Sinn ist freier Text- und Bildjournalist und freier Mitarbeiter der Redaktion dach+holzbau.

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