Grünes Leben auf Tiefgaragendächern

Dachbegrünung für Tiefgaragen und Innenhöfe

Zwischen Häuserblocks, Einkaufszentren und Büros ist Parkraum in vielen Städten knapp. Ideal ist es, wenn Autos in Tiefgaragen aus dem Sichtfeld verschwinden und über den Garagen Grünflächen als Erholungsraum für Mensch und Natur entstehen. Dafür passende Systeme sind inzwischen auf dem Markt.

Tiefgaragen werden häufig mit einer WU-Betondecke errichtet, die von sich aus wurzelfest ist und keine Dachabdichtung braucht. Andere Bauweisen, etwa unterkellerte Innenhöfe, erfordern einen Wurzelschutz und mechanischen Schutz der Dachabdichtung. Das ist oberstes Gebot, denn die oft ebenerdigen und gut zugänglichen Tiefgaragendecken und Innenhöfe werden oft schon in der Bauphase mit Radladern befahren und als Lagerfläche benutzt. Ist bei solchen Dächern eine Dachabdichtung vorhanden, muss diese vor hohen Lasten und einwirkenden Kräften geschützt werden. Diesen Schutz bieten stabile Dränelemente in Verbindung mit weiteren Dachschichten. Neben der Schutzfunktion ist die Dränfunktion dieser Elemente entscheidend für einen Gründachaufbau. Denn Substrathöhen von nur 40-60 cm oder weniger sind für Dachbegrünungen typisch und stehendes Wasser tut keiner Pflanze gut. Das Substrat speichert dabei den Hauptteil des Wassers und versorgt damit die Pflanzenwurzeln. Drän- und Wasserspeicherelemente speichern ebenfalls Wasser und leiten überschüssiges Wasser zügig ab.

Entwässerung unter begrünten Bereichen

Grundsätzlich ist dabei das Gefälle in der Dränebene zu beachten: Hier werden normalerweise zwei Prozent Gefälle empfohlen. Eine typische Anstaubewässerung für Intensivbegrünungen setzt hingegen ein 0°-Dach voraus. Für beide Fälle und andere Varianten der Tiefgaragenbegrünung gibt es passende Systemvarianten von Zinco. Wesentlich ist dabei immer, dass die Dränelemente vollflächig verlegt werden, damit unter begrünten wie unbegrünten Bereichen die Entwässerung dauerhaft und sicher abläuft. Sind viele Belagsflächen auf der Dachfläche geplant, vielleicht sogar versiegelte Beton- und Asphaltbeläge, ist die Oberflächenentwässerung wichtig, da sich bei Starkregen hohe Spitzenabflüsse ergeben. Ein Gefälle von zwei Prozent ist auch hier nötig, damit Wasser zügig zu den Entwässerungspunkten abfließt.

Lasten richtig verteilen

Werden Tiefgaragendecken von Schwerlastverkehr wie Liefer-, Feuerwehr- oder Müllfahrzeugen befahren, sind in diesen Bereichen druckverteilende Schottertragschichten mit Aufbauhöhen von 30-35 cm nötig. Bei reiner Pkw-Nutzung genügen 15 cm Schottertragschicht. Neben der Druckbelastung an den Aufstandsflächen treten horizontale Lasten durch Bremsen, Lenken und Beschleunigen auf. Diese sind mittels Gleitlagen, aufgehender Bauteile und stabiler Einfassungen mit Rückenstützen in die Baukonstruktion abzuleiten. Auch die Steindicke von Pflasterbelägen sollte angemessen dimensioniert (8 cm für Personen-, 10 cm für Pkw- und 14 cm für Lkw-Verkehr) und eine diagonale Verlegung oder Verbundpflaster bevorzugt werden, um Verdrehungen der Steine zu vermeiden. Die klassischen Dränelemente für Tiefgaragendächer  von Zinco heißen „Protectodrain PD 250“ und „Elastodrain EL 202“. Letzteres hat Vorzüge, wenn nur geringe Aufbauhöhen verfügbar, hoher Bautenschutz oder hauptsächlich Belagsflächen gefragt sind. Für Begrünungen mit höheren Aufbauhöhen ist „Protectodrain PD 250“ die richtige Wahl. Die unterseitig aufkaschierte Gummischutzmatte des Dränelements bietet hohen mechanischen Schutz. In beiden Fällen muss bauseits ein ausreichendes Gefälle vorhanden sein. Handelt es sich um ein 0°-Dach, so ist „Stabilodrain SD 30“ die beste Lösung, da es aufgrund seiner Elementhöhe stehendes Wasser überbrückt. Dank Diffusionsoffenheit und unterseitiger Kanäle ist es außerdem für Umkehrdächer geeignet. Dränelemente für Tiefgaragen sind grundsätzlich entweder selbst sehr stabil oder sind durch die Verfüllung mit Hartgesteinssplitt oder Ausbetonieren und Armieren in Teilbereichen zu stabilisieren. Das ist mit dem Dränelement „Floradrain FD 60 neo“ möglich. Mit den 60 mm hohen Elementen erzielt man einen hohen Dränagequerschnitt und gleichzeitig eine hohe Wasserspeicherkapazität für intensive Begrünungen.

Wasserfluss an keiner Stelle behindern

Grundsätzlich sind alle Arten von Randeinfassungen und Fundamenten für Sandsteinmauern, Pergolen oder Spielplatzgeräte oberhalb der Dränebene vorzusehen (verlorene Schalung), um den Wasserfluss an keiner Stelle zu behindern. Größere Bäume werden mit speziellen Baumverankerungen wie dem „Zinco Robafix“ verankert. Zur Geländerbefestigung bietet Zinco spezielle Geländerbasiselemente, außerdem sämtliche Zubehörprodukte vom höhenverstellbaren Terrassenrost über Fassadenrinnen bis zum sogar vom Lkw befahrbaren Kontrollschacht. Selbst Wasserbecken, Teiche oder sonstige Wasserspiele können auf Dächern mit separater Teichabdichtung oberhalb der Dränschicht angelegt werden.

Versteckter Zusatznutzen

Tiefgaragen können zudem einen Zusatznutzen als Retentionsgründach bieten. Sie lassen sich dazu mit so viel statischer Lastreserve planen und bauen, dass bei Starkregen große Wassermengen von etwa 60 l/m² oder mehr, je nach Bauweise, in den Zinco-Retentionsspacern „RS 60“ oder „RSX 65“ gespeichert werden und zeitversetzt abfließen können. Dann trägt die Tiefgarage sogar dazu bei, die Folgen von Starkregenereignissen abzumildern.

Autor

Roland Appl ist technischer Leiter bei der Zinco GmbH in Nürtingen.

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