Diese Vorteile haben graue EPS-Dämmplatten im Vergleich zu weißem EPS

Beim Dämmen von Flachdächern sind Dämmstoffe gefragt, die gut dämmen, wenig wiegen und viel Druck aushalten. Im Vergleich zu weißem EPS schneiden graue EPS-Dämmplatten mit Grafit dabei gut ab: Sie bieten die gleiche Dämmleistung, wiegen aber weniger und sind dünner als die weißen Platten.

Ein effektives Dämmen von Flachdächern ist eine besondere Herausforderung. Neben den klimatischen Beanspruchungen durch Wärme, Frost und Feuchtigkeit sind bei der Wahl von Dämmstoffen weitere Faktoren zu beachten. So werden immer mehr Flachdächer bepflanzt und für den Aufenthalt von Personen freigegeben. Das heißt, die Dämmschicht muss hohen Druckbelastungen und Druckspannungen standhalten. Zu den Materialien, die beim Dämmen von Flachdächern in Betracht kommen, zählt Polystyrol. Zur Wahl stehen zwei Varianten von Dämmplatten auf Basis von expandiertem Polystyrol (EPS): solche aus ­weißem Kunststoffgranulat sowie Platten, die aus grafithaltigem EPS bestehen, und daher eine dunkelgraue Farbe haben. Die in das graue Kunststoffgranulat eingearbeiteten Grafitteilchen absorbieren Infrarotstrahlung. Dadurch bietet graues EPS-Dämmmaterial einen besseren Wärmeschutz als weißes EPS. Dieser Vorteil kommt bei der Fassadendämmung in Wärmedammverbundsystemen noch stärker zum Tragen als bei der Dämmung von Flachdächern. Aber auch für die Dachdämmung hat graues EPS Vorteile.

Dünne, leichte Dämmschichten reichen aus

Aus der besseren Wärmeleitfähigkeit resultiert ein Vorteil für graues EPS: Es können dünnere Dämmplatten eingesetzt werden – bei gleicher Dämmwirkung. Bei einem U-Wert von 0,125 W/m2K und einem R-Wert von 8,0 m2K/W kommt graues EPS beispielsweise mit einer Dämmschicht von 244 mm aus, während sie bei herkömmlichem EPS 24 mm dicker wäre. Bei Steinwolle und extrudiertem Polystyrol (XPS) sind jeweils 291 mm zu veranschlagen. Die geringere Dicke von grauem EPS gibt Architekten und Planern mehr Spielraum bei der Gestaltung von Flachdächern. Handwerker profitieren von der einfacheren Handhabung der Dämmplatten. Dieselbe Dämmleistung bei geringerem Materialeinsatz bedeutet auch Ressourceneinsparung, es wird also weniger Rohstoff Erdöl als Ausgangsmaterial verwendet.

Gerade bei Flachdächern, die als Terrasse genutzt werden, spielen die Druckfestigkeit und das Gewicht des Dämmmstoffs eine zentrale Rolle. Auch in dieser Hinsicht erreicht mit Grafit versetztes EPS gute Werte. So verkraftet entsprechendes Dämmmaterial Druckspannungen von 100 bis 150 kPA (Kilopascal) bei einer Stauchung von 10 Prozent. Mit 26 kg/m3 weist graues EPS zudem ein deutlich geringeres Gewicht auf als etwa Dämmplatten aus PUR (36 kg/m3) oder Steinwolle (bis 110 kg/m3).

Abdichten und Gefälle erstellen

Wichtig bei der Auswahl des Dämmmaterials für Flachdächer ist, dass es die gängigen Verfahren für die Dachabdichtung unterstützt. So können Dachdecker auf grauen EPS-Platten sowohl Bitumen- als auch Kunststoffbahnen verlegen. Auch Kaltklebebahnen als Trennlagen, auf die anschließend Bitumenbahnen geschweißt werden, lassen sich auf grauen EPS-Dämmplatten verlegen. EPS lässt sich außerdem gut für die Herstellung von Gefälledämmplatten für Flachdächer einsetzen. Denn die Flachdachrichtlinien sehen ein Gefälle von mindestens zwei Prozent vor. Gefälledämmplatten aus grafithaltigem EPS ermöglichen es, zwei Arbeitsgänge in einem Schritt auszuführen: das Verlegen einer Wärmedämmung und das Erstellen eines Gefälles. Hinzu kommt das niedrigere Gewicht, vor allem im Vergleich zu Gefälleschichten aus Beton und Estrich.

Die geringe Wärmeleitfähigkeit, das niedrige Gewicht und die hohe Druckfestigkeit machen graues EPS zu einem Material, das sich für die Dämmung von Flachdächern eignet. Bei grauem EPS kommt bereits seit einigen Jahren das Flammschutzmittel Polymer-FR zum Einsatz. Dadurch lassen sich graue EPS-Dämmplatten nicht nur energetisch entsorgen, sondern auch recyclen. Bei weißen EPS-Dämmplatten, die mit HBCD belastet sind, ist die Entsorgung schwieriger. Mehr dazu lesen Sie im Infokasten oben links („EPS Dämmstoffe richtig entsorgen“).

Autorin

Carolin Westphal ist Pressesprecherin des Forums für sicheres Dämmen mit EPS in München.

EPS-Dämmstoffe richtig entsorgen

Bei der Entsorgung von EPS-Dämmstoffen kommt es darauf an, worum es sich genau handelt: sortenreines, neues Material, etwa Produktions- und Schnittabfälle von aktuellen Baustellen, sind anders zu entsorgen als ältere Dämmstoffe von Bestandsgebäuden, die noch mit dem Flammschutzmittel HBCD versetzt sind.

Recycling-Anlage für HBCD-belastete Dämmstoffe

Einfach ist die Lage bei sortenreinen Schnittabfällen von der Baustelle: Sie werden entweder wieder dem Produktionszyklus zugeführt oder in gemahlener Form als Leichtzuschlag für Mörtel, Putze oder Beton verwendet. Bei EPS-Dämmstoffen, die mit HBCD belastet sind, ist dagegen ein klassisches EPS-Recycling unzulässig. Sie müssen in Verbrennungsanlagen thermisch verwertet (verbrannt) werden. HBCD-haltiges EPS-Material wird heute von den meisten Müllverbrennungsanlagen und Containerdiensten akzeptiert. Mit „PSLoop“ wurde im Labor bereits ein Verfahren entwickelt, mit dem sich verunreinigte und mit HBCD versetzte EPS-Dämmstoffe recyceln lassen. Im niederländischen Terneuzen soll demnächst eine Pilotanlage für das Recycling der belasteten EPS-Dämmstoffen in Betrieb gehen. Der Bau der Anlage soll im ersten Quartal 2019 beginnen.

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