Das war die Messe Dach+Holz 2020 in Stuttgart!

Rund 52 000 Besucher kamen zur Messe Dach+Holz Ende Januar nach Stuttgart, rund fünf Prozent mehr als noch vor zwei Jahren zur Messe Dach+Holz in Köln. Mit sechs Hallen und über 600 Ausstellern bot die Messe ein umfangreiches Angebot für Zimmerer, Dachdecker und Spengler.

Eine Teststrecke für elektrische und Hybrid-Nutzfahrzeuge, ein Innovationspfad digitales Bauen, Start-Ups für die Baubranche und ein Nachwuchstag: Die Messe Dach+Holz in Stuttgart bot dieses Jahr ein spannendes Rahmenprogramm, zusätzlich zum sowieso schon umfangreichen Ausstellerangebot in sechs Messehallen. Dachdecker und Zimmerer, die als Influencer über soziale Medien bekannt sind, kamen dabei am ersten Messetag zum Nachwuchstag im Forum der Halle 6 zusammen. Zu Gast waren das DachPro-Team, Nerdy Timber, Carpenter Flo, die Macher der Plattformen Dachdecker- und Zimmerer-Treffpunkt und weitere Influencer. Sie diskutierten gemeinsam mit dem Publikum über Aus- und Weiterbildung im Dachdecker- und Zimmererhandwerk und den Einsatz sozialer Medien im Berufsalltag. Zeitgleich dazu wurde ein kleiner Messestand mit Tischen, Bänken und einem Steildach direkt neben dem Forum aufgebaut.

„Luftreinigende“ Dachziegel

Digitalisierung, BIM, Nachwuchs und Nachhaltigkeit: Das Forum in Halle 6 der Messe legte an jedem Messetag einen anderen Schwerpunkt. Wer sich über neue Produkte informieren wollte, fand dazu an den Ständen der über 600 Aussteller reichlich Gelegenheit.

Eine Tendenz war dabei erkennbar: In Zeiten von Klimawandel und Dieselfahrverboten stellten mehrere Hersteller Technologien vor, die die Umwelt entlasten sollen. Dazu gehören auch photokatalytische Beschichtungen für Baustoffe, die Stickoxide binden und in andere Stoffe umwandeln. Diese Beschichtungen sind zwar nicht ganz neu, gewinnen aber vor dem Hintergrund von Fahrverboten aufgrund zu hoher Stickoxidwerte in Innenstädten wieder an Bedeutung. So zeigte Erlus den Tondachziegel „Erlus Lotus Air“ auf einer großen Musterdachfläche am Messestand. Der Ziegel ist mit einer Titandioxid-Beschichtung versehen. Wenn Licht, Luft und Feuchtigkeit mit dem Titandioxid reagieren, werden Stickoxide gebunden und zu Nitrat umgewandelt. Der Regen spült das Nitrat dann über die Dachentwässerung in die Kanalisation. Ein 160 m² großes, mit den „Erlus Lotus Air“-Dachziegeln eingedecktes Dach soll dabei in jeder Sonnenstunde 464 mg Stickoxide umwandeln können (mehr Informationen dazu finden Sie unter www.erlus.com/lotus). Die Titandioxidpartikel sind dabei laut Hersteller dauerhaft im Dachziegel gebunden und können nicht ausgewaschen werden. Das ist wichtig, denn Titandioxid steht im Verdacht, krebserregend zu sein, wenn der Stoff eingeatmet wird. Diese Einteilung wurde im Jahr 2017 von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) veröffentlicht. Eine Bewertung der gesundheitlichen Risiken durch die Exposition gegenüber Titandioxid aus Dachziegeln gibt es laut Umweltbundesamt jedoch nicht. 

Bitumenbahnen bauen Stickoxide ab

Nicht nur für das Steildach, auch für das Flachdach gab es photokatalytisch aktive Baustoffe auf der Messe zu sehen. Der Stuttgarter Dachsystemhersteller Bauder zeigte die neue Bitumen-Oberlagsbahn „BauderKarat Air+“ mit Titandioxid-Beschichtung, die Stickoxide in Nitrat-Ionen umwandelt. Damit das Nitrat vom Regen abgewaschen wird, sollten die Bahnen mit einem Mindestgefälle von zwei Prozent verlegt werden. Andere Hersteller bieten solche Bahnen ebenfalls an, etwa Icopal mit der Bitumen-Oberlagsbahn „Eco-Activ“. Für das Steildach bieten die Dachziegelwerke Nelskamp Betondachsteine in der „ClimaLife“-Version an, die Stickoxide in Nitrat umwandeln sollen. Die Beschichtung bietet Nelskamp für die „Finkenberger Pfanne“ und die „S-Pfanne“ an. Mehr Informationen dazu finden Sie unter www.nelskamp.de .

Die Firma Bauder, Produzent von PU- und PIR-Dämmplatten, stellte auf der Messe eine weitere Neuheit vor: die Dämmplatte „Bauder Eco S“ für die Aufsparrendämmung, die zu 70 Prozent aus Biomasse besteht. Die Biomasse wird laut Hersteller aus landwirtschaftlichen Restprodukten gewonnen, die in Biogasanlagen verwertet werden. Die restlichen 30 Prozent der Dämmschicht der Platte bestehen aus recycelten Wertstoffresten, die bei der Dämmstoffproduktion in Bauder-Werken anfallen. Auf der Ober- und Unterseite ist die Dämmung mit Muschelkalkvlies als Deckschicht kaschiert. Dazu kommt eine Bahn als wasserführende Ebene an der Oberseite, die die Dämmung nach dem Verlegen vor Feuchtigkeit schützt. Die Dämmplatten bieten laut Hersteller gegenüber anderen Dämmstoffen für das Steildach eine höhere Dämmleistung bei geringerem Gewicht. Die Wärmeleitfähigkeit der Dämmplatte wird von Bauder mit  0,024-0,025 W/mK angegeben. Erhältlich sind die neuen Dämmplatten „BauderEco S“ in Dicken von 80-160 mm ab April 2020. Mehr Informationen dazu finden Sie unter www.baudereco.de .

Solardächer: Anlage ins Dach integriert

Die Kraft der Sonne nutzen, um Strom zu erzeugen – das Thema Photovoltaik stand bei mehreren Ausstellern der Dach+Holz im Fokus. So zeigte Creaton auf der Messe eine Photovoltaik-Anlage, die durch den Dachhandwerker montiert werden kann. Für die Montage der Anlage muss vom Dachdecker ein Schienensystem als Unterkonstruktion im Steildach erstellt werden. Den Anschluss der Anlage im Haus muss allerdings der Elektriker durchführen. Einige Testdächer hat Creaton schon mit der neuen Indach-PV-Anlage ausgerüstet, dieses Jahr sollen weitere folgen. Der bundesweite Verkauf des Systems hat mit der Messe Dach+Holz in Stuttgart begonnen. Für Dachhandwerker will Creaton spezielle Schulungen zum Einbau der Anlage anbieten.
Mehr über die Indach-PV-Anlage erfahren Sie online unter: www.creaton.de/photovoltaik-indach-anlage

Weniger Steildächer, Flachdachmarkt wächst leicht

Der Steildachmarkt sei seit Jahren stark rückläufig, erklärte Ulrich Siepe, Geschäftsführer der BMI Group, Region Germany, auf der Messe. Der Flachdachmarkt hingegen sei im Wachstum, allerdings nicht so stark, dass er die Rückgänge im Steildachbereich kompensieren könne. Von 2009 bis 2019 sei die Zahl der neu eingedeckten Steildachflächen in Deutschland um 12 Mio. Quadratmeter zurückgegangen, so Siepe. Im Flachdachbereich seien dafür nur 2 Mio. Quadratmeter neu abgedichtete und/oder gedämmte Flächen dazu gekommen. 

Aus der Sicht der Firma Bauder war der Flachdachmarkt 2019 zum ersten Mal seit vielen Jahren rückläufig. Das berichtete Gerhard Einsele auf der Messe, der zusammen mit Jan, Mark und Tim Bauder die Geschäfte der Paul Bauder GmbH & Co. KG leitet. Der Rückgang im Flachdachbereich sei besonders bei der Produktion von Bitumenbahnen spürbar, erläuterte Einsele. Bei Kunststoffdachbahnen sehe es im Inland ähnlich aus, bei PU-Dämmstoffen für das Flachdach verzeichnete Bauder hingegen eine gute Entwicklung. 

Der Steildachbereich mit PU-Aufsparrendämmungen zeigte 2019 hingegen eine po­sitive Tendenz, so Einsele. „Rückenwind erwarten wir uns von den endlich um­gesetzten staatlichen För­derungsanreizen: die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten nach der neuen ESanMV (Energetische Sanierungsmaßnahmenverordung) und die attraktiven KfW-Zuschüsse, mit denen jetzt bis maximal 10 000 Euro für eine neue Wärmedämmung bezuschusst werden“, sagte Einsele. 

Virtuell in bis zu 51 Meter Höhe

Wie es sich anfühlt, wenn man mit einer Arbeitsbühne in bis zu 51 m Höhe hinaufgefahren wird, konnten Besucher am Stand der Böcker Maschinenwerke aus Werne auf der Dach+Holz erleben. Dort stand der Autokran „AK 52“ mit dem Arbeitskorb „PK 600“ am Messestand bereit – allerdings fuhr die Arbeitsbühne nicht tatsächlich in die Höhe. Besucher konnten den Arbeitskorb am Boden betreten, eine Virtual-Reality-Brille aufsetzen und virtuell in die Höhe fahren.

Böcker zeigte außerdem auf der Messe das Kundenportal „BöckerConnect“. Das Kundenportal für Böcker Auto- und Anhängerkrane ermöglicht es Kranbesitzern, wichtige Statusinformationen sowie Statistiken zur Nutzung ihrer Geräte einzusehen. Es gibt einen Überblick über zurückgelegte Fahrtstrecken, den aktuellen Standort der Geräte und alarmiert den Benutzer, falls ein Kran einen zulässigen Umkreis verlässt. Im Bedarfsfall ermöglicht „BöckerConnect“ es den Böcker-Mitarbeitern, für eine Fernwartung direkt auf das Gerät zuzugreifen. „BöckerConnect“ ist optional erhältlich, so können nahezu alle Kranmodelle von Böcker auf Kundenwunsch entsprechend nachgerüstet und ausgestattet werden. Mehr Informationen dazu finden Sie unter www.boecker.de .

In dieser und den kommenden Ausgaben der dach+holzbau werden wir einige neue Produkte vorstellen, die auf der Messe gezeigt wurden. Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie auf dem Laufenden über neue Produktmeldungen und Berichte: www.dach-holzbau.de/newsletter .

Autor

Stephan Thomas ist verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift dach+holzbau.

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