Dachsanierung inmitten der Skyline

Aufwendige Dachsanierung für das Altenzentrum Haus Aja Textor-Goethe in Frankfurt

Das Dach des Altenwohn- und -pflegezentrums Haus Aja Textor-Goethe in Frankfurt wurde saniert.  Ein cleveres Sanierungskonzept und die handwerklich anspruchvsolle Umsetzung mit falzfähigem Farbaluminium sollen nun für behagliches Wohnen unter einem sicheren Dachaufbau sorgen.

Das 1985 eröffnete Zentrum für Leben im Alter „Haus Aja Textor-Goethe“ liegt im Frankfurter Norden und ist Teil einer lebendigen Nachbarschaft. Es gibt zahlreiche kulturelle Angebote, zu denen stets auch alle Bürgerinnen und Bürger des Stadtteils eingeladen sind. Bewohner, die keine weiten Wege gehen können, finden im Haus fast alles, was ihnen das Leben erleichtert: Arztpraxen, Therapeutikum, Naturkostladen, Friseur, einen ambulanten Pflegedienst oder eine ökumenisch genutzte Kapelle.

Handeln nach Sanierungsstau

Das komplette Obergeschoss mit seinen zahlreichen Appartements in unterschiedlichen Größen und Grundrissen wurde neu gestaltet, energetisch saniert und modernisiert. Nach rund 35 Jahren Nutzung war dies auch dringend nötig, denn immer wiederkehrende Reparaturen an der alten Bitumenabdichtung aus Bahnen und Schindeln verursachten enorme Instandhaltungskosten. Darüber hinaus erfüllte der vor­handene Wärmeschutz bei Weitem nicht mehr die heutigen Anforderungen, was sich sehr deutlich an den Heizkosten ablesen ließ. Wie das Schwesternhaus, das Altenwerk in Marthashofen, sollte nun auch das Haus Aja Textor-Goethe eine neue, schützende Hülle aus farbbeschichtetem, ­falzfähigem Aluminium von Prefa erhalten.

Dachgeometrie birgt Herausforderungen

Bevor der erste Handgriff getan werden konnte, mussten der vorhandene Dachaufbau gründlich untersucht und ein individuelles Sanierungskonzept entwickelt werden. Die Dachkonstruktion zeichnete sich durch eine einzigartige Geometrie mit vielen Neigungswechseln, Graten, ­Firsten und Brandabschnitten aus. Rund 200 Dachfenster, Lamellenlüfter und sonstige Durchdringungen forderten den Planer- und Spengler-Fachbetrieb heraus.

Stichprobenartige Dachöffnungen

Den Auftrag für die Dacharbeiten erhielt die in Frankfurt ansässige Bauspenglerei Ruhland GmbH. Sie ist in der Region für ihre speziellen Kenntnisse im Bereich der Klempnertechnik und des Metallleichtbaus und zahlreichen Referenzprojekten bekannt. Mittlerweile hat die Firma Ruhland mit der Firma Riegler fusioniert und nennt sich Ruhland + Riegler GmbH.

Der Bauingenieur und Geschäftsführer Christian Müller unterstützte die Architekten dort, wo das Spezialwissen rund um die Gebäudehülle aus Metall beginnt. Zusammen mit Architekt Andreas Geipel vom Planungsbüro BauAtelier und Konrad Hanf, dem Leiter der Anwendungstechnik bei Prefa, erarbeitete er in einer sehr frühen Planungsphase den neuen Dachaufbau für die Metalldeckung aus Aluminium. Ausgangslage für die Planungen war, dass der Baukörper den Vorgaben der Wärmeschutzverordnung von 1982 unterlag. Bei stichprobenartigen Bauteilöffnungen von der Firma Ruhland wurde zunächst folgender Dachaufbau ermittelt: (von oben) Bitumenabdichtung, raue Schalung, Kantholz 60/60 (Hinterlüftungsraum), Kantholz 100/60, Mineralwolle 100 mm, Unterspannbahn, Sparren (ohne Zwischendämmung im Testfeld), teilweise Konterlattung mit zementgebundener Holzwolle (Decke).

Sanierung im laufenden Betrieb

Maßgabe für Planung und Bauausführung war, dass die Sanierungsarbeiten im laufenden Betrieb des Altenpflegezentrums erfolgen konnten und die bestehenden Decken des Dachgeschosses möglichst erhalten und nutzbar bleiben sollten. So „sattelten“ die Sanierungsspezialisten ab der ersten Sparrenlage die neue Konstruktion auf, die auch die Innendeckenbekleidung hält. Der energetisch aufgewertete Aufbau beginnt nun mit vollflächig verlegten Holzwerkstoffplatten und darüber verlegten, diffusionsreduzierenden Dichtungsbahnen. Die vorhandenen, 100 und 60 mm starken Lattungen wurden durch Sparren (260 × 80 mm) ersetzt, sodass 260 mm Mineralwolldämmung der WLG 032 eingebracht werden konnte.

Darauf folgten eine diffusionsoffene ­Schalungsbahn, eine Doppellattenkonstruktion (40/60 mm + unterlegte Lattenstücke) zur Herstellung der Hinterlüftungsebene mit Querlüftung, 24 mm Rauspundschalung (Nut + Feder) und eine Trennlage. Die Doppellatten wurden bereits in der Werkstatt vorgefertigt. Den Abschluss bildet die leichte Prefa-Aluminiumdeckung als architektonische Gestaltungs- und robuste Wetterschutzebene mit den notwendigen statischen Reserven. Innerhalb der Dachflächen mussten zudem mehrere Brandschutzriegel berücksichtigt werden. In diesen Bereichen wurden anstelle der Holzschalung nicht brennbare Holz-Zementplatten vorgesehen und zwei Lagen 110 mm dicke Schaumglas-Dämmplatten. Mit diesen Maßnahmen konnte das bestehende, Kosten verursachende Dach saniert werden.

Herausforderung in Etappen

Bei der Teilnahme am Ausschreibungsverfahren für das Projekt überzeugte die Firma Ruhland vor allem auch deshalb, weil das Unternehmen als Komplettanbieter für das Dach alle Nebenleistungen von Zimmererarbeiten bis hin zur Haustechnik steuert. „So wie Architekturbüros ihr Netz spannen, arbeiten auch wir mit befreundeten Unternehmen zusammen, um alle Schnittstellen am Dach im Griff zu haben“, sagt Christian Müller. Deshalb hatte die Firma für den Aufbau der Unterkonstruktion mit den aufwendigen Zimmerer-, Dämm- und Luftdichtungsarbeiten die Firma Rinn aus Heuchelheim in das Projekt eingebunden. „Die Zusammenarbeit mit Christoph Rinn ist Vertrauenssache und funktioniert immer, auch wenn es mal Probleme gibt, beispielsweise bei der komplizierten Gerüststellung, für die er ein individuelles Schutzgerüst konstruierte“, berichtet Christian Müller von der Ruhland + Riegler GmbH. „Für das Bauvorhaben mit seiner verwinkelten Dachgeometrie war eine Standardeinrüstung lediglich bis kurz oberhalb der Traufenkante möglich. Viele Dachbereiche mussten individuell gesichert werden und zwar so, dass die Schutzgerüste uns nicht bei der Arbeit im Weg stehen“, erinnert sich Christian Müller. Zudem sollten die Arbeiten mit möglichst wenig Aufwand umgesetzt werden. Um den laufenden Betrieb des ­Altenpflegezentrums so wenig wie möglich zu stören, musste die Bauausführung in überschaubaren Bauabschnitten erfolgen. Die Wohnanlage im Haus Aja Textor-Goethe umfasst immerhin etwa 100 Altenwohnungen und weitere rund 120 Heim- und Pflegeplätze. Insgesamt leben dort zurzeit 220 Personen, etwa 250 Angestellte sind in der Pflege und der Versorgung beschäftigt.

Haustechniker als Schnittstelle

Nachdem alle technischen Details geklärt waren, konnten mit Architekt Andreas Geipel und Mitar­beiter Roman Schneider die Bauabläufe terminiert werden. Im Verlauf der Arbeiten folgten regelmäßige Baubesprechungen, in denen alle weiteren Schritte abgestimmt wurden. Wichtig war auch die Schnittstelle zwischen Bewohnern, Pflegepersonal und Handwerker. Dem Haustechniker Floyd Harrison kam hier eine besondere Rolle zu. Er bereitete die betroffenen Hausbewohner stets auf die anstehenden Arbeiten vor. „Er war immer für alle ansprechbar, das war sehr wichtig“, erinnert sich Christian Müller. Direkt nach Stellung der Gerüste sorgte die Zimmerei Rinn abschnittsweise für die Demontage und Entsorgung der vorhandenen Dachkonstruktion bis zur tragenden Sparrenlage. Ein weiteres Team der Zimmerei baute die Konstruktion gemäß den Ausführungs- und Werkplanungen bis zur Notdeckung der Dachschalung wieder neu auf. In diesem Zuge wurden gleichzeitig auch die Fenster eingebaut und alle Durchdringungen für die Metalldeckung passend angelegt. Unfertige Bereiche mussten zum Feierabend abgeplant werden, damit kein Niederschlagswasser in die Dachkonstruktion gelangte.

Der Dachstuhl kam einigen Mitarbeitern der Zimmerei Rinn übrigens sehr bekannt vor – kein Wunder, denn 1985 hatte Großvater Rinn hier seinen Richtspruch aufgesagt.

Rinnen ohne Kompromisse

Im Regelfall begannen die Spengler mit der Montage der Dachrinnen und Traufenausbildung an der unteren Dachebene. Teilbereiche der steilgeneigten „Mansardenflächen“ mussten aus Gründen des Arbeitsablaufs und notwendiger Gerüststellungen erst zu einem späteren Zeitpunkt mit Schindeln bekleidet werden. Das war aufgrund des gegebenen Montageraums am Dachknick jedoch recht problemlos möglich.

Aufgrund der verschiedenen Gefällesituationen am Dach ergaben sich zahlreiche unterschiedliche Rinnengeometrien und Zuschnitte. „Wegen der vielen Einzelflächen des Dachs mussten wir zunächst ein passendes Entwässerungskonzept entwickeln, das sich zum Teil auch auf die Anordnung der Schare auswirkte. Es galt, das anfallende Niederschlagswasser der oberen Dachflächen korrekt auf die unteren Hauptrinnen zu leiten oder zu verteilen. Mit dem neuen Konstruktionsaufbau hatten wir aber den notwendigen Spielraum, um die erforderlichen Rinnenquerschnitte umzusetzen“, sagt Christian Müller, „die Herstellung einer robusten, dauerhaft dichten Dachrinne war uns sehr wichtig. Deshalb haben wir 2 mm dickes Aluminiumblech ­verwendet und sämtliche Nähte im WIG-Verfahren verschweißt. Die Traufausbildung mit einer Rinnenblende aus „Prefalz“ ist so gestaltet, dass der Notüberlauf schadlos über die Rinnenvorderkante erfolgen kann. Dennoch haben wir in kritischen Bereichen und Knotenpunkten zusätzliche Überlaufspeier eingebaut.“

Kunstobjekt verbirgt Kühlaggregate

Für die Dachdeckung kam farbbeschichtetes „Prefalz“-Aluminium in 0,7 mm Dicke in der Farbe „Steingrau P10“ im Doppelstehfalzsystem zum Einsatz. Die Schare  wurden mit Fest- und Schiebehaften aus Edelstahl auf der Deckunterlage befestigt. In den rund 18 Meter langen Dachbereichen verlegten die Spengler die Schare in drei Einzellängen und fügten sie mittels Dehnungsquerfalzen zusammen. Wo es möglich war, wurden anstelle von Kehl- und Gratausbildungen konische Schare eingesetzt. Dies ist zum einen sicherer, da komplizierte Knotenpunkte entfallen, und zum anderen ein interessantes Gestaltungselement für die einzigartige Dachgeometrie.

Ein besonders interessantes Gestaltungselement ist auch das außergewöhnliche „Segel“, das von der Erschließungsseite des Hauses Aja Textor-Goethe aus sichtbar ist. Es besteht aus einer Lamellenkonstruktion, wobei die Lamellen entgegen der Fließrichtung angeordnet sind. Somit kann man von unten nicht hindurchschauen. Das Segel verbirgt zahlreiche Kühlaggregate, welche die Architektur und Optik des Daches sonst stören würden. Die Formgebung des Segels erfolgte in Zusammenarbeit mit Architekt Andreas Geipel. Die Firma Ruhland zimmerte nach seiner Angabe auf dem Dach zunächst einige Lattenkonstruktionen, die er aus verschiedenen Betrachtungsabständen und -winkeln begutachtete. Das Prozedere wurde so lange durchgeführt, bis die passende Geometrie gefunden war. Die ausgewählte Holzkonstruktion diente später als Schablone für die Fertigung des Segels aus Alu-Strangpressprofilen mit Lamellen aus „Prefalz Steingrau P10“. „Dieses Bauvorhaben forderte uns im Büro und auf der Baustelle alles ab, was man als Klempner und Spengler können muss. Ich denke dabei an all die Durchdringungen, Anschlüsse und unterschiedlichen Decksysteme, die wir verarbeiten und miteinander verbinden mussten“, sagt Christian Müller. Eine besondere Herausforderung sei die Baustellenlogistik im laufenden Betrieb gewesen. Doch dabei hätten alle Baubeteiligten an einem Strang gezogen, wie Christian Müller erklärt: „Die Zusammenarbeit, insbesondere mit dem Bauherrn und Architekten, war wunderbar, stets kooperativ und lösungsorientiert – auch bei dem einen oder anderen Problem, was sich bei Projekten dieser Art kaum vermeiden lässt.“

Autorin

Alexandra Bendel-Döll ist Marketingleiterin bei der Prefa Aluminiumprodukte GmbH in Wasungen.

Bautafel (Auswahl)

Projekt Dachsanierung Haus Aja Textor-Goethe, Frankfurt, www.haus-aja.de

Planung Architekturbüro BauAtelier GbR, Andreas Geipel, Harry Wehner,  53909 Zülpich, www.bauatelier-architektur.de

Metalldacharbeiten Klempner-Fachbetrieb Ruhland + Riegler GmbH, Rödermark/Frankfurt am Main, www.ruhland-riegler.de

Dacheindeckung Prefa-Dachschindeln und „Prefalz“ in Doppelstehfalztechnik aus falzfähigem Farbaluminium, 0,7 mm, „Steingrau P.10“, www.prefa.de

Befestigung Edelstahlhaften und ­Edelstahlschrauben

Regelscharbreite (Deckmaß) ca. 530 mm in verlegter Fläche

Dämmung Steinwolldämmung, WLG 032, Climowool, www.climowool.com

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