Brandforschung im mehrgeschossigen Holzbau

Wie sicher sind mehrgeschossige Holzgebäude bei Bränden? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt „TIMpuls“ unter der Leitung der Technischen Universität München (TUM). Ziel der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es, Grundlagen für ein einheitliches Regelwerk zum Bau von mehrgeschossigen Holzgebäuden zu liefern. „Unser Ziel ist es, das Bauen bis zur Hochhausgrenze, also bis 22 m Höhe, im gesamten Bundesgebiet geregelt zu ermöglichen“, erklärt Thomas Engel vom Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion der TU München. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet die Münchner Hochschule mit anderen Hochschulen zusammen: der TU Braunschweig, der Hochschule Magdeburg-Stendal und dem Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge.

Verschiedene Holzbauweisen untersucht

Bei Brandversuchen der Forscher und Forscherinnen im Originalmaßstab zeigte sich, dass auch hohe Holzgebäude bei der Einhaltung von bestimmten Baumethoden den Brand einzelner Wohnungen überstehen. Die aufgestellten Brandräume im Maßstab 1:1 simulierten dabei Wohnungen mit einer realen Brandlast. Auch verschiedene Holzbauweisen und unterschiedliche Brandschutzmaßnahmen wurden untersucht, etwa die Holztafelbauweise oder die Bekleidung massiver Holzbauteile mit Gipsplatten.„Durch solche Maßnahmen kann, je nach Ausführung, ein Brandschutzäquivalent zum Stahlbeton oder Mauerwerk erreicht werden“, sagt Thomas Engel. So waren bei einem Referenzversuch sowohl die Wände als auch die Decke eines Brandraums doppelt mit 25 mm dicken Gipsplatten bekleidet. Nachdem aufgeschichtete Holzscheite, die Einrichtungsgegenstände simulierten, verbrannt waren, erlosch das Feuer. „Das ist wie bei einem Gebäude aus nichtbrennbaren Baustoffen, bei dem das Feuer, nachdem die Brandlast im Haus verbrannt ist, von selbst ausgehen soll“, erklärt Engel. Die Forscher prüften dabei auch, wie viel sichtbares Holz man in Wohngebäuden zulassen kann. In den Brandräumen wurden jeweils etwa 400 Messstellen verbaut. „Wir wissen daher genau, in welcher Tiefe der Wand welche Temperatur herrschte“, erklärt Prof. Stefan Winter, Leiter des Lehrstuhls für Holzbau und Baukonstruktion der TU München. Die Auswertung der Versuche werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen. „Wir haben eine riesige Datenmenge gesammelt, die uns nicht nur hilft, den Brandschutz bei Holzgebäuden zu bewerten, sondern auch wissenschaftliche Einblicke in den Brandverlauf liefert“, so Winter. Das entscheidende Ergebnis des Projekts sei, dass es die Basis für Regelwerke liefern und Rahmenbedingungen zeigen könne, unter denen sicher mit Holz gebaut werden könne.

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