Brandabwehr im Flachdach

Vorbeugender Brandschutz bei Gullys

Kabeldurchführungen, Dachlüfter oder Gullys – schon kleine Durchdringungen können im Brandfall dem Feuer den Weg aufs Dach ebnen. Maßnahmen für den vorbeugenden Brandschutz zu ergreifen, ist daher eine der Forderungen der DIN 18234, auch versicherungstechnisch ist man hier auf der sicheren Seite.

Das Risiko der Brandweiterleitung durch kleine Dachdurchdringungen für Gullys, Lüfter und Mediendurchführungen wird immer noch gern unterschätzt. Sind diese Durchdringungen im Flachdach nicht brandsicher ausgerüstet, können Feuer und Brandgase in den Profil- und Dachhohlraum gelangen, aber auch auf die Dachfläche und Nachbargebäude übergreifen. Diese „Flash-over“ genannte Eskalation wird durch den Kamineffekt, den eine offene Durchdringung entwickeln kann, weiter angefacht.

Alternativen zu Gussgullys

Die DIN 18234 schreibt daher bei „baulichen Anlagen und Räumen besonderer Art und Nutzung“ den Schutz vor Brandweiterleitung von unten nach oben vor. Gussgullys als nicht brennbare Bauteile sind die klassische Möglichkeit, DIN-gerecht zu bauen, aber finanziell gesehen auch die aufwändigste. Diese kostenträchtige Lösung lässt sich oft nicht mit den heutigen Forderungen nach wirtschaftlicher Bauweise zur Deckung bringen. Aus ökonomischen und statischen Gründen tendieren Bauherren daher oft zu gewichtsreduzierten Entwässerungsanlagen mit PE-Rohren, also Leitungen und Bauteilen, die brennbar sind. Bauteile aus Kunststoffen, wie zum Beispiel Polyethylen und Polyurethan, sind durch ihr geringes Gewicht einfach zu transportieren, leichter und damit auch schneller zu montieren als Gullys aus Gusseisen. Die Gussalternativen werden bei Ausschreibungen daher nicht nur aus Kostengründen gewählt.

Brandschutz-System

Bei kleinen Durchdringungen denkt man in der Regel an Gullydurchführungen durch das Flachdach. Aber auch Lüfterrohre oder Rohre für Mediendurchführungen sind im Brandfall potenzielle Brandbeschleuniger, da sie mit der Zufuhr von Sauerstoff den Brand im Gebäude nähren können.

In Ergänzung zu den gusseisernen Entwässerungsbauteilen hat Sita daher für den Schutz flacher Dächer ein komplettes Brandschutz-System aus Polyurethan/ Polyethylen entwickelt. Je nach Einsatzzweck sind die Bauteile mit Brandschutzmanschetten oder Brandschutzstopfen ausgerüstet, die der Brandweiterleitung entgegenstehen. Alle Bauteile sind standardmäßig fest mit einem nach DIN 18807 brandsicher ausgerüsteten Verstärkungsblech für Stahltrapezprofildächer verbunden. Die Zulassung nach DIN 18234 und eine gutachterliche Stellungnahme geben rechtliche Rückendeckung.

Brandschutzmanschette für Gullys

Größere Durchdringungen werden mit den „Si­ta-fireguard“-Gullys geschützt, die mit einer Brandschutzmanschette ausgestattet sind. Wird diese Manschette dem Feuer ausgesetzt, macht sie sofort dicht. Sie schäumt auf, verschließt die Dachdurchdringung und damit dem Feuer den Weg auf das Flachdach. Damit erfüllt sie alle Bedingungen für den vorbeugenden Brandschutz und zur Verhinderung einer Brandweiterleitung von unten bei kleinen Durchdringungen nach DIN 18234. Eingebettet wird das Bauteil in einen nicht brennbaren, vorgefertigten Wärmedämmkörper aus Steinwolle.

Dank der optimierten Form des PE-Grundkörpers des „Sitafireguard“ fallen die Durchdringungen generell kleiner aus. Die vormontierte Brandschutzeinheit wird komplett vom Dach aus installiert, was den Einsatz von Hubsteigern und Arbeitszeit erspart. Der Gully mit Brandschutzmanschette ist in verschiedenen Ausführungen erhältlich, ausgerüstet mit einer Wunschanschlussmanschette oder einem Schraubflansch. Verfügbar ist er als Freispiegel- oder Druckströmungsgully. Bei Druckströmungsanlagen erlaubt die schlanke Brandschutzmanschette eine deckennahe, horizontale Leitungsführung.

Die primäre Aufgabe der „Si­tafireguard“-Gullys ist natürlich immer noch die ­Entwässerung. Daher wurden die Gullys auch in diesem Bereich geprüft. Der Aufbau des Gullys mit der mehrlippigen EPDM-Grundkörper-Dichtung ist rückstausicher bis zu einer Wassersäule von zwei Metern über der Norm. Das bestätigt auch das RAL-Gütezeichen GZ 694. So ist die Wärmedämmung des Daches gut vor eindringendem Wasser geschützt. Rückversicherung für das komplette, brandschutztechnische System gibt zusätzlich eine gutachterliche Stellungnahme.

Brandschutz für kleinste Öffnungen

Sicher kann vorbeugender Brandschutz nur sein, wenn er konsequent umgesetzt wird. Dabei darf auch der Schutz der kleinen Dachdurchdringungen für Lüfter, Kabel- und Mediendurchführungen nicht vernachlässigt werden. Im Bereich der Lüfter wurde mit dem „Sitavent Fireguard“ eine brandsichere Alter­native entwickelt, die, so wie die Gullys, mit einer Brandschutzmanschette arbeitet. Die letzte Lücke im ­Brandschutzsortiment von Sita wurde kürzlich mit der „Fire­guard“-Rohrdurchführung geschlossen. Diese ist mit einem Brandschutzstopfen im unteren Bereich des Edelstahlrohres ausgerüstet. Als Alternative zu händischen Ummantelungen schützt diese Rohrdurchführung Bereiche, die beim vorbeugenden Brandschutz gern übersehen werden – ein im Brandfall tragisches Versäumnis, da gerade die durchgeführten Kunststoffrohre und Kabelisolierungen besonders gut brennen. Bei der neuen Rohrdurchführung werden die Kabel und Rohre durch einen Brandschutzstopfen geführt, der im Brandfall blitzschnell aufquillt und der Brandweiterleitung von unten den Weg abschneidet. Darüberliegende Stopfwolle verhindert zudem eine Brandweiterleitung nach oben.

Leichte Montage

Jedes zum Sita-Brandschutzsystem gehörende Bauteil wird im Karton mit allen zur Montage erforderlichen Bauteilen auf die Baustelle oder in den Betrieb geliefert. Das ermöglicht einen schnellen, konzentrierten Einbau, was ein nicht zu unterschätzender Zeit- und Kostenfaktor ist. Alle, die schon einmal entnervt nach einer fehlenden Schraube gesucht haben, werden diesen Service zu schätzen wissen.

Vorbeugender Brandschutz bei großen Hallen

Bei Dächern von großflächigen Hallen und Industriebauten ist der vorbeugende Brandschutz bei Gullys, Lüftern und Rohrleitungen absolute Pflicht. Maßgeblich ist hier die bereits erwähnte DIN 18234, 1 bis 4. Diese Norm legt brandschutztechnische Begriffe, Anforderungen und Prüfungen für großflächige Dächer bis 20° Neigung fest. Für Dächer mit Dachdeckungen gilt diese Norm nur für „großformatige Deckungswerkstoffe mit einer Einzelfläche von > 0,4 m² “. In der Norm steht: „ (...) Durchdringungen, Anschlüsse und Abschlüsse nach dieser Norm erfüllen das Schutzziel einer Begrenzung der Brandweiterleitung in den Dachaufbau und/ oder auf die Oberfläche des Daches bei unterseitiger Brandbeanspruchung.“ Kurz gesagt: Entwässerungsanlagen, die mit brennbaren Kunststoffrohren, Gullys und Lüftern arbeiten, benötigen im Durchdringungsbereich besonderen Schutz. ­Der größenreduzierte Anschlussstutzen der „Sita­fire­guard“-Systeme reduziert die Größe der Durchdringung im Stahltrapezblechdach, was an sich schon ein Sicherheitsfaktor ist. Generell gilt: Geprüfte und aufeinander abgestimmte Brandschutzsysteme lassen sich einfach und sicher im Flachdach verbauen.  Für den Fall, dass es mal brennt, ist man so auf der sichereren Seite.

Autor

Dipl.-Ing. Rainer Pieper ist Prokurist und Technischer Leiter bei der Sita Bauelemente GmbH in Rheda-Wiedenbrück.

Richtlinien und Anforderungen zum Brandschutz

•Musterbauordnung MBO 2002 § 14 Brandschutz

•Landesbauordnung

•DIN 18234 Teil 1-4

•Industriebaurichtlinie

(Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau)

•Leitungsanlagen Richtlinie

•Anforderungen von Brandschutzgutachtern, Versicherungen & Bauherrn

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