Überraschung bei der Dachsanierung

Das Dach des Pfarrhauses der Lutherkirche in Kiel sollte saniert werden, eigentlich ein ganz normaler Auftrag. Als die Dachdecker die alten Ziegel abdeckten, stießen sie aber auf eine unerwartete Überraschung: einen Hausschwamm. Doch Zimmermeister Martin Klein wusste, was zu tun war.

Die Lutherkirche mit angrenzendem Pfarrhaus liegt seit 1912 im Herzen Kiels. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde zunächst das Pfarrhaus wieder aufgebaut, zehn Jahre später das Kirchenschiff. Ein Mittelbau verbindet die beiden Gebäude. Der Gesamtkomplex mit Wohnungen, Büros, Gemeinde- und Funktionsräumen litt seit einiger Zeit unter dem schadhaften Dach – es war undicht. Außerdem musste die Sturmsicherung dringend erneuert werden. Die Sanierung kam gerade rechtzeitig: Die Dachdecker stießen im Mittelbau an der Traufe auf einen gesundheitsgefährdenden Hausschwamm. Für Zimmermeister Martin Klein kein Problem: Er ist Sachverständiger für das Zimmererhandwerk und sein Spezialgebiet ist das Sanieren von Schäden durch Holzschädlinge. „Das ist mein Lieblingsgebiet“, sagt Klein, der einen Zimmermeisterbetrieb in Kiel führt, „besonders die Hausschwammbekämpfung ist eine unserer Hauptaufgaben.“ Im Zuge seiner Meisterausbildung und einem Lehrgang zum geprüften Restaurator im Zimmerhandwerk hat er die Qualifikationen gesammelt, die für den bekämpfenden Holzschutz wichtig sind. Dazu gehören auch Weiterbildungen im Bereich Holzschutz und Holzschädlinge. Mit Theorie komme man in der Schwammsanierung häufig nicht weit. „Es braucht viel Praxiserfahrung, da jeder Befall anders ist“, berichtet der Zimmermeister.

Er ließ Proben des Pilzes aus dem Dach der Lutherkirche in einem Labor in Dänemark untersuchen. Das Labor sollte herausfinden, ob es sich wirklich um den echten Hausschwamm handelt. Nach der Bestätigung machte sich der Zimmermeister an das Sanieren. Drei Sparren hatte der Hausschwam bereits befallen. Der Zimmermeister ließ sie herausschneiden und ersetzen.

Dach regelmäßig überprüfen ist wichtig

Auch nicht ungefährlich: Ein gemauerter Schornstein war in der Waagerechten gerissen und lag ohne Halt auf seinem Fundament. „Das sind Überraschungen, mit denen man bei älteren Gebäuden immer rechnen muss. Allein deswegen lohnt es sich, das Dach regelmäßig überprüfen zu lassen“, betont Klein.

Dämmung mit nachwachsenden Rohstoffen

Die oberste Geschossdecke dämmten die Dachdecker mit „Isofloc“-Zellulose-Einblasdämmung. Zwischen den Dachsparren verlegten die Handwerker Holz­faserplatten als Dämmung. Mit dem Abschluss der Dämmarbeiten begann die Neueindeckung. „Dabei haben wir die vorhandenen, zum Teil historischen Gauben angepasst und die Gaubenwangen wieder mit Biberschwanzziegeln versehen. So wie es uns die historischen Aufnahmen vorgegeben haben“, sagt Architekt Ingmar von Hanneken, der das Projekt betreute.

Der richtige Ziegel

Für die Neueindeckung des Pastorats und des Mittelgebäudes fiel die Wahl auf den Hohlfalzziegel „H15“ von Nelskamp. „Den Ziegel haben wir zusammen mit dem Amt für Denkmalpflege ausgesucht“, sagt Ingmar von Hanneken, „die alten Ziegel, die auf dem Dach waren, werden heute nicht mehr produziert.“ Es entstand ein modernes Dach mit besonderem Charme – ganz im Sinne des Denkmalschutzes.

Der Ziegel wird mithilfe des „Reduktionsbrands“ hergestellt, einem alten Produktionsverfahren. „Uns war bei der Neueindeckung wichtig, dass die Dachfläche zum Gebäude passt und ein stimmiger Gesamteindruck entsteht“, sagt von Hanneken. Dafür sorgen beim „H15“-Ziegel auch die kopf- und die hoch lie­genden Längsfalze. Sie erzeugen die Wirkung einer geschwungenen, lebendigen Dachfläche. Der Hohl­falzziegel erfüllt nicht nur die Auflagen des Denkmalschutzes. Er ist auch zügig zu verarbeiten: „Breite Verschiebefalze sorgen für eine schnelle und problemlose Eindeckung“, sagt Klein. Um die Dachfläche zu sichern, verbauten die Dachhandwerker Sturmklammern. Zum Einsatz kamen gemäß der Berechnung von Nelskamp die Sturmklammern„FOS 492“. Außerdem erstellten die Dachdecker einen Trockenfirst, damit das Dach gut durchlüftet wird.

Autor

Gernot Mantz ist Journalist im DJV und Seniorberater der Agentur pr nord.neue kommunikation in Braunschweig und betreut Nelskamp bei der Pressearbeit.

Bautafel (Auswahl)

Objekt Pastorat und Mittelbau der Lutherkirche in Kiel

Bauherr Jakobi- und Luthergemeinde, 24116 Kiel

Dachdecker Zimmerei Martin Klein, 24106 Kiel,

www.holzklein.de

Architekt Kersig von Hanneken Architekten,

24106 Kiel; betreuender Architekt: Ingmar von

Hanneken

Dachziegel Hohlfalzziegel „H15“ von Nelskamp

Lehrgang in Münster: Sachkundiger im Holzbau

„Ein Zimmereibetrieb kann selbst den echten Hausschwamm bekämpfen. Aber er tut gut daran, den Sachkundenachweis Holzschutz am Bau zu haben“, sagt Dr. Friedrich Remes. Er arbeitet in der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Holz- und Bautenschutzverbands. Der Verband bietet einmal im Jahr einen Lehrgang zum Sachkundenachweis Holzschutz am Bau an. In dem Lehrgang geht es um das Erkennen, Untersuchen und Bekämpfen von Holzschädlingen – allerdings werden die Inhalte nur theoretisch vermittelt. „Am Ende steht eine Prüfung, die es in sich hat“, sagt Dr. Remes, „der Lehrgang besteht zur Hälfte aus Biologie, da muss man richtig büffeln.“

Der Lehrgang dauert 10 Tage und findet in zwei Blöcken statt: Zum Beispiel vom 24. bis 28. Oktober und vom 14. bis 18. November 2016. Für DHBV-Mitglieder kostet der Lehrgang 1500 Euro, für alle anderen 1700 Euro. Es kommen 230 Euro für die Prüfung dazu. Ort des Lehrgangs ist das HBZ in Münster. Weitere Infos gibt es unter www.dhbv.de.

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