Mehrgeschossig mit Zellulose gedämmt

Das Bauprojekt des Kärntner Siedlungswerkes sollte im Winter nur minimal beheizt werden, alternative Energieträger nutzen und zudem aus ökologischen Bau- und Dämmmaterialien bestehen. Der mit Zellulose gedämmte Neubau wurde mit dem Österreichischen Klimaschutzpreis 2011 ausgezeichnet.

Der mehrgeschossige Holzbau ist für viele Planer, Verarbeiter und Bauherren eine besondere Herausforderung. Um die Möglichkeiten voll auszuschöpfen, bedarf es kluger Lösungen für die Statik sowie den Schall- und Brandschutz. Zudem verbinden sich in der Holzbauweise zwei wichtige Aspekte modernen Bauens: So wird zum einen durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe der Energiebedarf für Herstellung, Transport, Montage und Entsorgung reduziert. Zum anderen lassen sich durch den Einsatz vorgefertigter Bauteile die Kosten deutlich senken und gleichzeitig die Qualität beziehungsweise die Detailgenauigkeit der Ausführung verbessern. Kurze Bauzeiten, präzise Logistik und eine unkomplizierte Montage ermöglichen den Zimmerern und Dachdeckern die Gebäude vor Ort schnell aufzustellen und wetterfest zu machen.

Klimaschutzpreis für ökologisches Gebäudekonzept

All das überzeugte auch das Kärntner Siedlungswerk bei der Planung der Wohnanlage Griffen Green. Nicht einmal ein Jahr nach dem ersten Spatenstich im Oktober 2010 konnten die Mieter ihre neuen Wohnungen bereits Ende August 2011 beziehen. Das Vorzeigeprojekt entstand auf einer 3200 m2 großen Fläche. Insgesamt wurden zwei energieautarke Baukörper in Holzbauweise mit barrierefreien Wohnungen realisiert.

Jede der Zwei- bis Vierzimmerwohnungen verfügt über einen großen Balkon oder eine Terrasse. Bodentiefe Holzfenster und naturbelassene Oberflächen bieten hohe Wohnqualität. Um den Wärmeverlust zu minimieren, wurden alle Wände und die Dächer mit den Zellulosedämmmatten flexCL von Homatherm ausgefacht. Als nachwachsendes und natürliches Baumaterial ist Zellulose nicht nur umweltverträglich, sondern auch ein Beitrag zu „Lebensräumen voller Natürlichkeit“, betont Gerda Perchtold von GriffnerHaus. Dieser Anspruch zieht sich wie ein roter Faden durch das ökologische Gebäudekonzept, das Ende 2011 mit dem Österreichischen Klimaschutzpreis geehrt wurde. So werden die beiden Baukörper durch eine leistungsstarke Solar- und Photovoltaikanlage mit Energie für Strom, Wasser und Wärme versorgt. Zudem sorgt eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung für die konstante Frischluftzufuhr und reduziert den Heizbedarf auf 11,04 kWh/m2a. Eine Pellets-Zentralheizung betreibt die Fußbodenheizung in den Wohnungen.

Holz, Zellulose und Kork dämmen natürlich

Für den mehrgeschossigen Wohnholzbau entwickelte das Unternehmen Griffner-Haus ein Holzwandsystem, das allen Anforderungen an die thermische Hülle, die Bauphysik, die Energieeffizienz und den Schallschutz erfüllt. G|21 heißt das modulare System, das in Griffen aus statisch tragenden 7,85 bis maximal 12 m langen und 3,05 m hohen Holzrahmenelementen besteht. Die Dämmebene dazwischen wurde komplett mit 200 mm Zellulosedämmung, einer OSB-Platte als Dampfbremse und einer weiteren 100 mm dicken Zellulosedämmmatte gefüllt. Einbauten wie Fenster und Türen wurden ebenfalls werkseitig montiert. Den äußeren Abschluss bildet eine großflächige Putzträgerplatte aus Kork, die weiß verputzt wurde. Auf der Baustelle sind die Wandelemente auf die bereits vorbereitete, nur halb versenkte Tiefgarage geschossweise montiert worden. Die Zwischendecken und die Flachdachkonstruktion sind als massive Brettsperrholzelemente in Sichtqualität ausgeführt. Für mediterranes Flair sorgen die großen, vorgesetzten Lärchenholzbalkone.

Hohes Maß an Flexibilität

Integriert in die Wandmodule erzielen in der Summe 300 mm flexCL-Zellulosedämmung einen U-Wert von 0,12 W/m2K – Dämmwerte, die unter Passivhausniveau liegen. Mit Mattendicken von 30 bis 180 mm und Klemmweiten zwischen 400 und 1100 mm zeichnet sich die Dämmmatte durch hohe Formstabilität und Flexibilität aus. Auch unsymmetrische Querschnitte lassen sich so problemlos Schall- und Wärmebrücken ausfachen. Der gute Schallschutz wird durch das relativ hohe Gewicht von 70 kg/m3 und die kompakte Materialstruktur erreicht. Zudem bietet die recyclingfähige Zellulosedämmung eine hohe Schimmelresistenz und in den Sommermonaten einen optimalen Hitzeschutz. Verarbeiten lassen sich die flexiblen Matten einfach mit Dämmstoffmessern, einer elektrischen Fuchsschwanzsäge oder der Band- beziehungsweise Kreissäge. Verschnittreste können zusammen mit weiteren Matten einfach in die Gefache geklemmt werden.

AutorinValentina Fries hat Betriebswirtschaftslehre studiert und ist seit Ende 2012 Marketingmanagerin bei Homatherm in Berga.

„Der Baustoff Zellulose ist ein Beitrag zu Lebensräumen voller Natürlichkeit“

Bautafel (Auswahl)

Projekt Griffen Green, sozialer Wohnungsbau in Griffen, Österreich

Bauherr Kärntner Siedlungswerk, Klagenfurt

Architekt DI Gerald Werkl, GeWerkArchitektur, Völkermarkt

Projektleitung GriffnerHaus AG, Griffen

Ausführung Fassade Harald Schreiner,

Oberleichtersbach

Produkt Homatherm Zellulosedämmmatten

flexCL

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