Begrünung auf dem Edelstahldach

In Deutschland werden etwa 10 Mio. Quadratmeter Dachflächen pro Jahr begrünt. Gründächer verbessern das Stadtklima und verlängern die Lebensdauer der Dachabdichtung. Fachgerecht ausgeführt, lassen sich auch Metalldächer aus rostfreiem Edelstahl begrünen. Wir zeigen, was dabei zu beachten ist.

Als Kompensation für versiegelte Flächen senkt ein begrüntes Dach durch reduzierte Wärmeabstrahlung die Umgebungstemperatur. Das Blattwerk absorbiert und reflektiert bis zu 80 Prozent der Sonneneinstrahlung. So ist die Temperatur an der Oberfläche eines Gründachs um bis zu 10 °C niedriger als bei einem nicht begrünten Dach. Im Vergleich zu einem Kies- oder Bitumendach beträgt der Unterschied sogar bis zu 25 °C.

Einen wichtigen Beitrag leisten begrünte Dachflächen zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas und der Luftqualität. Das in der Bepflanzung gespeicherte Wasser verdunstet nach und nach, trägt zur Luftbefeuchtung und durch die Verdunstungskälte zusätzlich zur Kühlung bei. Bei Starkregen entlastet das in der Dachbepflanzung und im Substrat gespeicherte Regenwasser Kanalisation und Kläranlagen erheblich (Stichwort: Retentionsdach). Gleichzeitig wirkt das Blattwerk wie ein Luftfilter: Es bindet Feinstaub, nimmt per Photosynthese Kohlendioxid (CO2) aus der Luft auf und produziert Sauerstoff.

Schutz vor Hitze und Kälte

Außerdem übernimmt ein begrüntes Dach aus Sicht der Hausbewohner die Aufgabe einer natürlichen Klimaanlage. So trägt die Gründachfläche im Winter als Wärmedämmung zu geringeren Heizkosten bei, während sie im Sommer als Hitzeschutz die Temperatur in den Räumen ausgleicht. Verglichen mit einem Kiesdach entweicht durch ein Gründach im Winter bis zu zehn Prozent weniger Wärme. Im Sommer sinkt der solare Wärmeeintrag sogar um bis zu 60 Prozent. Der kühlende Effekt der Bepflanzung erhöht auch den Wirkungsgrad von Photovoltaik-Anlagen: Diese erzeugen bei niedrigen Betriebstemperaturen am meisten Strom.Die schalldämmende Wirkung der Dachbegrünung reduziert die Lärmbelastung inner- und außerhalb von Gebäuden um bis zu 8 dB. Nicht zuletzt schützt die Begrünung die Dachhaut vor Witterungseinflüssen wie Hitze, Sturm oder Hagel und verlängert so die Lebensdauer eines Daches um bis zu 20 Jahre.

Vom einfachen Gründach bis zum Dachgarten

Diese Vielzahl an Vorteilen verhalf dem Gründach in den 1970er-Jahren zu erster Popularität. Da auch neue Flachdachkonstruktionen häufig erheblichen Wartungsaufwand erfordern, gilt die Flachdachbegrünung unverändert als probates Mittel, um die Lebensdauer der Dachabdichtung zu verlängern. Neben Garagen und Carports bieten sich auch Wohngebäude, Supermärkte, Industrie- und Büroobjekte zur Begrünung an. Acht Millionen Quadratmeter Dachfläche werden jährlich extensiv begrünt – mit anspruchslosen, selbstregenierenden Pflanzen wie Sedumarten auf maximal 20 cm Substrat. Weitere zwei Millionen Quadratmeter Dachfläche verwandeln sich durch eine intensive Bewirtschaftung auf einer 15 bis 40 cm dicken Substratschicht zu Orten der Entspannung oder sogar zu Obst- und Gemüsegärten. Die Angaben zur Menge an intensiv und extensiv begrünten Dächern pro Jahr stammen vom Bundesverband Gebäudegrün e.V., der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und der Dachdeckerinnung Essen.

Nicht nur für Flachdächer geeignet

Längst betrifft der Trend zum Gründach nicht mehr nur Flachdächer. Auf die Dachneigung abgestimmte Begrünungssysteme ermöglichen auch bei Schräg- oder Steildächern eine extensive Begrünung. Abhängig von Dachneigung und -größe sowie Begrünungsart variieren die Schublasten, die in Gefällrichtung größer werden. Vor der Entscheidung für ein begrüntes Dach gilt es deshalb, die statische Tragfähigkeit des Dachs – auch unter Berücksichtigung von Schneelasten – zu klären. So belastet eine extensive Dachbegrünung das Dach mit 40 bis 150 kg pro Quadratmeter. Auf Dächern von Carports oder Garagen wiegt die Extensivbegrünung in der Regel etwa 120 kg pro Quadratmeter und entspricht damit gewichtsmäßig einer 5-6 cm dicken Kiesschicht. Intensive Begrünungen beginnen mit einem Gewicht von 150 kg pro Quadratmeter und können bei großen Pflanzgefäßen punktuell sogar mehr als 500 kg Belastung aufweisen.

Dauerhaft wasserdicht

Als Basis für Gründächer eignen sich unter anderem Metalldächer aus rollnahtgeschweißtem, rostfreiem Edelstahl mit Qualitätssiegel. Die hohe Festigkeit des Werkstoffs erlaubt den Einsatz von nur 0,4 bis 0,5 mm dicken Blechen. Dächer aus Edelstahl werden an den Stoßkanten nicht mechanisch verbunden, sondern verschweißt. Dadurch bleiben sie auch bei weniger als 1,5 Prozent Gefälle und Wasserrückstau wasserdicht.

Eine Dacheindeckung aus rostfreiem Edelstahl ist dauerhaft korrosions- und alterungsbeständig. Die hohe Korrosionsbeständigkeit wird auch durch rückseitige Feuchtigkeit nicht beeinträchtigt, sodass bei einer fehlerfrei verlegten Dampfsperre auf eine belüftete Unterkonstruktion verzichtet werden kann. Bei einer Dachsanierung muss zudem die alte schadhafte Dachhaut meistens nicht entfernt werden, da Edelstahl nicht mit anderen Baustoffen wie Bitumen oder Zement reagiert. Dadurch kann die neue Dachhaut aus nichtrostendem Stahl einfach über der alten Abdeckung verlegt und das Gründach-Substrat danach auf das Metalldach gegeben werden. Da eine Dacheindeckung aus rostfreiem Edelstahl auch gegen Durchwurzelung dauerhaft beständig ist, entfällt der Einsatz umweltgefährdender Herbizide. Anders als Kupfer setzt Edelstahl keine Metallionen mit biozider Wirkung frei, sodass auch die Versickerung oder Nutzung von Regenwasser als unbedenklich gilt.

Widerlager und Schubschwellen

Auf die jeweilige Schublast von Gründächern ausgelegte Widerlager werden am Fußpunkt von Schräg- oder Steildächern an der Trauflinie angebracht – je nach Dachneigung ergänzt durch zusätzliche Schubschwellen. Schubhalter aus Edelstahl für Dächer bis 35° Neigung sind bis zu 600 kg belastbar und werden mit Edelstahlprofilen an der Traufe oder in der Fläche eingesetzt. Diese aus Grundplatte und Halter bestehenden Systeme ersetzen ohne arbeitsaufwendige Abdichtung herkömmliche Schubschwellen aus Holz.

Entwässerung

Für die Entwässerung eines Gründachs gilt es, eine ausreichende Anzahl an Dachabläufen einzuplanen. Wasserdurchlässige Traufaufkantungen erlauben in Kombination mit Schubwiderlagern und Schubsicherungssystemen die Einleitung des Wassers von der Dachfläche in eine außenliegende Dachrinne. Entwässerungsrinnen aus rostfreiem Edelstahl werden in unterschiedlichen Längen, Höhen und Querschnitten angeboten, um das Wasser schnell und zielgerichtet abzuleiten.

Lösungen für große Dachneigungen

Bei Sonderdachformen mit besonders hohen Schublasten durch Dachneigungen von bis zu 45°, bei denen an der Trauflinie keine Schubwiderlager befestigt werden können, sind Sicherungssysteme aus Schubschwellen und Edelstahlseilen, -bändern oder -ketten die Lösung. Die Schublast-aufnehmenden Seile haben einen Durchmesser von 10 mm und werden an objektspezifisch definierten Haltepunkten am Hochpunkt der Dachfläche fixiert. Bei Tonnendächern ermöglicht der Einsatz von Ketten und Bändern aus nichtrostendem Stahl, die schubaufnehmenden Schwellen von oben abzuhängen und so Dachdurchdringungen zu vermeiden.

Fachgerechte Planung und solide Umsetzung

Gründächer sind aus dem urbanen Raum nicht mehr wegzudenken. Viele Städte und Gemeinden fördern Gründächer mit Zuschüssen oder geringeren Abwassergebühren. Voraussetzungen für die Dachbegrünung sind eine fachgerechte Planung, die Prüfung der entsprechend ausgelegten Statik des Daches, eine sachgerechte Materialauswahl sowie solide handwerkliche Ausführung. Für die geforderte Dichtigkeit der Dachhaut kann bei jeder Form von Dachbegrünung eine rollnahtgeschweißte Abdeckung aus rostfreiem Edelstahl sorgen.

Autorin

Ursula Herrling-Tusch ist Geschäftsführerin der Agentur impetus.PR für Unternehmenskommunikation in Aachen.

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